Style Selection - Sind Band-Shirts wirklich nur etwas für eingefleischte Fans?

“Manchmal frage ich Menschen in RUN DMC-Shirts, was ihr Lieblingstrack von der Band ist”, postete letztens Falk Schacht, seines Zeichens wandelnde HipHop-Enzyklopädie und Journalist. Und ich konnte nicht anders, als…
Style Selection

Sind Band-Shirts wirklich nur etwas für eingefleischte Fans?

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“Manchmal frage ich Menschen in RUN DMC-Shirts, was ihr Lieblingstrack von der Band ist”, postete letztens Falk Schacht, seines Zeichens wandelnde HipHop-Enzyklopädie und Journalist. Und ich konnte nicht anders, als zustimmend zu nicken – während ich ein altes, verwaschenes RUN DMC-Shirt trug. Es sind nämlich immer die anderen, die keine Ahnung und somit keine Berechtigung zu haben scheinen, wenn sie das Logo einer großen Band spazieren tragen und sich damit gleich für die Trendopfer-Mitläufer-Möchtegernfan-Schublade qualifizieren.

Eigentlich sollte Mode doch Spaß machen und uns gut aussehen lassen, doch sobald man sich durch einen der bunten Prints als Fan outet, fangen die Probleme an. Selbst meine Eltern schmunzeln, wenn sie Teenies mit Beatles-Logos auf der Brust sehen: “Die waren doch noch nicht mal auf der Welt, als die Jungs sich getrennt haben.”

Du hast ja recht, Papa. Auf der einen Seite. Man ist immer stolz darauf, sich den eigenen Status durch Insider-Gigs, Festivalbesuche und das Auftreiben seltener Platten erarbeitet zu haben. Mit vierzehn schlich ich mich heimlich davon, um zum Splash! zu fahren und Nas von der ersten Reihe aus zu bewundern – dass der Kerl einfach nicht aufgetaucht ist, ist eine andere Geschichte, aber das Shirt habe ich mir mehr als verdient.

Auf der anderen Seite wird es schwer, die Augen nicht zu verdrehen, wenn man Teenie-Girls mit Primark-Tüten und einem Tupac-Shirt aus genau diesem Laden strömen sieht – plötzlich fallen mir Falks Worte ein und ich werde genau zu dem, was ich ja eigentlich nicht mag: einem über andere urteilenden Menschen, der sein Gegenüber einfach nicht kennt. Wie oft wurde ich selbst schief angeguckt, wenn ich von Oldschool-Tracks sprach oder von Künstlern, die ich gern gesehen hätte. Der rote Lippenstift tut der Realness schließlich nicht gut, das habe ich mittlerweile gelernt.

Und dann ist da noch die alte Leier: spätestens wenn man das Logo der Lieblingsband plötzlich überall sieht und gefühlt alle zu hartgesottenen Fans werden, fühlt man sich verraten. Man wird zum Mainstream, wo man doch eigentlich so individuell sein wollte. Schließlich können die anderen unmöglich so viel Ahnung von der Materie haben, wie man selbst. Been there, done that. Bis ich eines Abends einen 14-Jährigen Jungen traf, der seine Gitarre rausholte und einen Beatles-Song sang, den nicht mal mein Vater kannte.

Spätestens da wurde mir klar: ich könnte meine gesamte Freizeit darauf verschwenden, unter dem Fernsehturm zu hocken und all die angeblichen Trend-Opfer in zu großen Tupac-Shirts und zu engen Neonleggins verächtlich anzuschielen. Ich könnte mich aber auch einfach entspannt zurücklehnen und mich darüber freuen, in den Genuss guter Musik gekommen zu sein – und alte, verwaschene Shirts tragen, die mich daran erinnern.

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Der Rote Lippenstift von Artdeco hält nicht nur bombenfest, sondern auch schiefen Blicken stand – das Beatles-Shirt ist aber für dich, Papa! Zugegeben, als ich meine ersten Superstars trug, hatte ich keine Ahnung, wer oder was Run DMC ist – jetzt aber steht der Hoodie auf der Wunschliste, nur stilgetreu kombinierbar mit einer Panzerkette. Wie so ein richtiger Fan!

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8 Kommentare

  • Beurteilen nur anhand des Aussehens sollte man Menschen wirklich nicht, denn wie oben so schön beschrieben: Es kann ja sein, dass sie wirklich Fans der Musik sind.
    Schlimm finde ich es aber, wenn die Leute auch zugeben gar keine Ahnung zu haben. Die meisten könnten wahrscheinlich nicht mal sagen, was dir Chicago Bulls für eine Sportart ausüben oder welche Musikrichtung Guns’n’Roses gemacht haben. Sowas finde ich dann schon eher peinlich und als Fans würde mich das auch aufregen. Dabei geht es gar nicht unbedingt um die Exklusivität, sondern vor allem darum das man möchte das die Kunst anerkannt wird.

  • Kai

    Ich hab ner Frau im Ramones-shirt “1,2,3,4” entgegengebrüllt. Nicht dass ich jetzt der Spezialist für die Band wäre, aber irgendwie war mir ihr ahnungsloser Blick vorher schon klar.

  • Ge

    Naja, find es schon irgendwie manchmal daneben, dass Leute ein Shirt mit einem bestimmten Namen tragen, ohne Ahnung zu haben, was das denn ist.

  • Yannick

    Dank H&M kommt es leider viel zu häufig vor

  • Martin

    Mittlerweile muss man ja Nachsicht haben und kann stolz sein, wenn man zu jenen gehört, die einst bandshirts aus Überzeugung getragen haben – denn auf uns – die zu jener zeit die Außenseiter waren – das rebellenimage inne hatten – ist es zurückzuführen, dass die neue Mode auf dieses coole “Punk-Klischee” zurückgreift. Natürlich darf man Mitleid haben – aber verurteilen muss man die Küken nicht (auch jene, die älter sind)

  • Justin

    gut geschrieben.. wobei mir egal ist ob ich der einzige bin der ein Shirt trägt oder noch 1000 andere das selbe.. :)

  • Angela

    ….und die Bockels von heute denken, sie seien cool, weil sie ein “Rolling Stones-Shirt” tragen, dabei haben die wahrscheinlich noch nie etwas von Mick Jagger oder Keith Richards gehört! Die finden doch nur die Zunge gut, aber vom Rest keinen blassen Schimmer! “Satisfaction”, “Sympathy for the Devil”, “Brown Sugar” oder “Ruby Tuesday”….? Nie gehört! Aber die Riesenzunge prangt auf dem Shirt und die Mückenstiche werden vom Schriftzug der Stones versteckt! Basho Basho one……! Was ist n das für’n Scheiss?

  • Gia

    Cooler Beitrag, da hast du vollkommen recht. Es geht um die Musik und die war oder ist Trend besonders dann wenn wie heutzutage ALLES Trend ist!! Bei vielen hängen Erinnerungen an einem Shirt, das tatsächlich aus der Zeit der jeweiligen Band stammt und genau deswegen sieht das Shirt dann auch wirklich so vergammelt aus wie viele es erst gerne hätten oder sich so kaufen!
    Jeder weiß es für sich! Man darf nur die junge Generation nicht dafür bestrafen, dass sie die großen Künstler nicht erleben durften! Who cares! Coole Fotoreihe btw.!

    xx, Gia http://www.styleset.de/

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