Gegengedanken - Sollten wir in unserer heutigen Gesellschaft wirklich noch Fleisch essen dürfen?

Heute findet der alljährliche Vegetariertag statt, bei dem seit 1977 anlässlich eines Kongresses in Schottland auf alternative Lebensweisen hinsichtlich unserer Ernährung aufmerksam gemacht werden soll. Der perfekte Zeitpunkt also für…
Gegengedanken

Sollten wir in unserer heutigen Gesellschaft wirklich noch Fleisch essen dürfen?

Fleisch

Heute findet der alljährliche Vegetariertag statt, bei dem seit 1977 anlässlich eines Kongresses in Schottland auf alternative Lebensweisen hinsichtlich unserer Ernährung aufmerksam gemacht werden soll. Der perfekte Zeitpunkt also für Marcel und Leni, um in ihrer wöchentlichen Rubrik “Gegengedanken” ein für alle Mal die wichtigste Frage aller Hobbyköche, Tierliebhaber und Metzger zu stellen: Sollten wir in unserer heutigen Gesellschaft wirklich noch Fleisch essen dürfen?

Marcel: „Salat hat auch Gefühle!“

Nehmen wir es doch gleich vorweg: Ich verstehe, warum Menschen zu Vegetariern oder gleich Veganern werden. Wirklich. Wenn man erst einmal einem unschuldigen Lamm in die traurigen Augen gesehen hat, kurz bevor es mit seinen kleinen Freunden und dem Rest seiner laut blökenden Familie zur voll automatisierten Schlachtbank geführt und dort vor den weit aufgerissenen Augen seiner Lieben zerfetzt wird, dann denkt man anders über das Stück Fleisch, das da auf dem Teller liegt.

Auch ich habe mehrere Male versucht, mich dem immer größer werdenden Kult der vermeintlich besseren Menschen anzuschließen. Vergeblich. Mit meiner essgestörten Exfreundin futterte ich mich einige Monate lang durch Brokkoli, Nüsse und Hummus, bis ich mich ausgehungert in einen Burger King rettete und dort von einer netten Angestellten mit billigen Tierresten, dicken Pommes und einer Extraportion Mayonnaise aufgepäppelt und zurück in die freie Wildbahn entlassen wurde.

Die Beziehung scheiterte kurz darauf. Jahrelang verwandelte ich mich daraufhin zum temporären Vegetarier, immer dann, wenn ich eines dieser grausamen PETA-Videos aus Schlachthöfen zu Gesicht bekam, in denen frisch geschlüpfte Küken gleich in den Häcksler wanderten, da sie nicht dem erwarteten Geschlecht angehörten. Oder quiekende Schweine mit Schaufeln zu Tode geprügelt wurden – einfach, weil den Mitarbeitern um 3 Uhr morgens langweilig geworden war.

Nein, auch ich als Fleischesser möchte ich dieses perverse System der Massentierhaltung nicht unterstützen. Fleisch ist so billig und verfügbar, aber auch so qualitativ minderwertig, wie nie zuvor. Ein Lebensmittelskandal jagt den anderen. Wer kann da schon noch mit gutem Gewissen in eine Bratwurst oder ein Steak oder einen Döner beißen?

Und trotzdem verzehre ich weiterhin Fleisch. Warum? Weil es mir schmeckt. Und weil mein Körper regelrecht danach schreit, wenn ich es ihm eine Woche lang verwehrt habe. Dann kreisen meine Gedanken nur noch um zerfleischte Tiere, die ganze Kühltheke möchte ich in mich hinein stopfen. Gebraten, gegrillt, gekocht, gebt mir Fleisch, jetzt sofort!

Als ich einen japanischen Freund einmal beim Essen gefragt habe, warum so wenige Japaner Vegetarier sind, antwortete er ruhig: „Weil alles eine Seele hat.“ Was er damit meinte? Dass es vollkommen egal ist, ob wir nun Fleisch, Fisch oder Salat essen. Jede Mahlzeit bedeutet Leid für andere Lebewesen. Ob sie jetzt lautstark schreien können oder auf eine Art und Weise Schmerzen empfinden, die wir wissenschaftlich oder gesellschaftlich kaum nachvollziehen können.

Nur weil sich einige von euch, warum auch immer, dazu entschieden haben, keine toten Tiere mehr in sich hinein zu drücken, macht euch das noch längst nicht per se zu besseren Menschen. Obwohl ihr das gerne glaubt. Die Zukunft bedeutet nicht etwa absoluter Verzicht, sondern erhöhtes Bewusstsein. Massenhaft Fleisch zu Dumpingpreisen, das muss bald der Vergangenheit angehören. Aber eine ausgewogene Ernährung, mit qualitativ hochwertigen Gütern, das sollte doch zu machen sein.

Ja, ich versuche meinen Fleischkonsum zu reduzieren und mich lieber auf mehr frischen Fisch und knackiges Gemüse zu konzentrieren. Erstens, weil es gesünder ist, und zweitens, weil es tatsächlich besser schmeckt. Ein rohes Stück Lachs mit Sojasauce und Reis, dafür könnte ich immer wieder aufs Neue sterben. Aber auf ein gutes Biosteak oder einen fetten Cheeseburger vom Lieblingsladen ein paar Straßen weiter, kann und will ich trotzdem nicht verzichten.

Leni: „Ich habe Mitleid mit Fleischessern!“

Ich liebe ja Totschlagargumente. Besonders wenn sie auf „ist einfach so“ basieren. Ich versuche mich auch möglichst aus der Fleischfresser-Vegetarier-Diskussion rauszuhalten, weil es meist im erhöhten Blutdruck und aggressivem Nasenflügelweiten meinerseits und in einem herablassenden Lächeln vom Gegenüber endet: „Ich liebe Fleisch, ist einfach so“. Aha. Okay.

Normalerweise sollte man jeden tun und lassen, was er mag – aber spätestens wenn etwas oder jemand in Mitleidenschaft gezogen wird, ist dieses Denken komplett überholt, rückständig und einfach nur gefährlich.

Ironischerweise nicht nur für das betroffene Tier, sondern eben für all diejenigen, die sich dabei feiern, wie sie in ein fettes Steak beißen und sich dessen gar nicht bewusst sind, was sie da in sich hineinstopfen. Oft möchte ich mich dann kurz dazugesellen und diesem Menschen liebevoll übers Köpfchen streicheln. Aus Mitleid.

Um es gleich klarzustellen: Ich habe früher selbst viel Fleisch gegessen und erst vor zwei Jahren damit aufgehört. Mein Exfreund war Vegetarier, hat mich ebenfalls dazu gebracht, mich mit dem Thema zu beschäftigen und auf Fleisch zu verzichten – etwas Gutes musste diese Beziehung ja gehabt haben, zumindest profitiert heute mein Körper davon.

Ja, ich trage noch Leder und bin auch nicht grundsätzlich gegen den Konsum von Tierprodukten – schließlich fressen Raubtiere ja auch Fleisch, ohne sich dafür von Peta an den Pranger stellen zu lassen. Der klitzekleine Unterschied besteht aber in der Tatsache, dass die Beute gejagt wird und im Tierreich so ein relatives Gleichgewicht erhalten wird. Iss das, was du gejagt hast. Nicht mehr, oft weniger. Aber verschwendet wird hier nichts.

Wir Menschen aber, die sich für die Könige der Welt und allem überlegen halten, outen uns mit der Massenproduktion von Fleisch als absolute Idioten, die keine Grenzen kennen, den Bezug zur Realität komplett aus den Augen verloren haben und einfach nicht verstehen wollen, dass sie am meisten sich selbst damit schaden.

Denn seien wir mal ehrlich: niemand erwartet, dass man im Großraum Berlin auf die Jagd geht. Gleichzeitig weiß man aber, wie teuer richtig gute Bio-Produkte sind und dass nur die wenigsten in unserem Alter und bei unserem Lebensstandard zum Filet vom Bauern greifen – der Einkauf bei Netto, Lidl oder Aldi ist damit vorprogrammiert. Alles endet darin, dass man mit Antibiotika vollgestopftes Fleisch konsumiert und damit gleichzeitig die Nachfrage nach diesen Produkten unterstützt. Herzlichen Glückwunsch zum Darwin-Award!

Statt Fleisch hochwertig zu produzieren, die Preise zu erhöhen, somit gleichzeitig das Einkommen der Bauern abzusichern und auch die Massentierhaltung zu stoppen, wird fröhlich weiterproduziert. Macht ja nichts, wenn die überzähligen Küken und Schweinchen in den Schredder wandern, Hauptsache jeder kann es sich leisten und der Burger ist lecker.

Ich erspare mir an dieser Stelle auch die Diskussion über die nötigen Nährstoffe, Geschmack und Tradition, denn eigentlich weiß doch mittlerweile jeder, dass es für alles auch einen gesünderen, vegetarischen Ersatz gibt. Wenn man nämlich nicht bereit ist, der traurigen Realität ins Auge zu sehen, helfen auch keine Totschlagargumente weiter – und meine Nasenflügel weiten sich schon so besorgniserregend.

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26 Kommentare

  • Mandy

    Fleisch gehört zur menschlichen Ernährung genauso dazu, wie Pflanzen. ich kann diese ganze Fleisch-essen-ist-ungesund-und-unnatürlich-Scheiße nicht mehr hören!!!!

  • Dila

    Dann geh nachhause !

  • Lena

    Nein Mandy tut’s nich.

    • Sebastian

      Doch tut es schon. Nur weil man von einer Modeerscheinung gebrainwasht ist heißt das nicht das wissenschaftliche Fakten plötzlich unwahr werden.

    • Oliver

      Lena arbeitet sich erfolgreich die Nahrungskette nach unten und lässt sich dann von Pflanzen fressen!

    • Sven

      Sebastian Toth was für fakten? der mensch stammt von affen die keine aas esser waren.mit der entwicklung der affen, der vermischung der arten, der veränderung der umwelteinflüsse, kamen gestohlene eier, würmer und später aas hinzu. jagd gibt es in unserer entwicklungsgeschichte noch nicht ewig lange. milchprodukte kamen noch viel später, nämlich erst als wir sesshaft wurden. fakt ist doch, zeitzeugnisse über vegetarismus gibt es seit der entstehung der weltreligionen und zwar in den veden,in buddhistischen lehren,etc. und nicht erst seit sokrates.es ist keine modeerscheinung sondern ein bewusstseinswandel.aber das ist eigentlich egal, denn fakt ist, dass der mensch vegan bis ins hohe alter leben KANN.was “früher” war, sollte nie der maßstab sein, denn das sit letzlich legitimation für alles und nichts….frauenunterdrückung und sklaverei gibt es auch seit menschengedenken und macht die sache nicht besser. als flesichesser kann man gesund leben, als veganer kann man gesund leben, soll ich mich nur wegen dem geschmack für die barberei entscheiden?

  • Yuna

    fällt euch früh ein das zu posten wo der tag fast vorbei war xD

  • Hana

    und genau aus diesen gründen würde ich mein fleisch nur von meinem metzger des vertrauens holen (wenn ich es mir leisten kann)
    denn verzicht kommt für MICH leider nicht in frage, da ich auch keinen käse esse und mir dadurch gewisse nährstoffe fehlen würden und ich nicht auf tabletten kauen will (da kann ich genauso gut auch weiter mal fleisch essen)

    • Sophie

      “ich achte darauf, dass ich nur faires fleisch kaufe”.
      ja, nämlich das von tieren die leben wollten.

    • Hana

      wenigstens keine vom riesenschlachthof das ist das was ich damit sagen will.

      wir menschen sind nunmal jäger und töten. das tun andere lebewesen auch.
      das heißt aber nicht dass es gegen die natur ist andere lebewesen zu töten/ töten lassen um zu essen.

      und ob die tiere leben wollten kann man doch nicht wissen. vielleicht hatte das tier ja depressionen oder fühlte sich vereinsamt.
      aber das wissen wir nicht und können es auch nicht wissen also nehm ichs so hin.

    • Sven

      gäbe es keine zäune, würden sie wegrennen. jemals einen schlachtfilm geschaut? tiere wehren sich in der regel mit aller macht gegen das getötet werden…. “wir” menschen sind also jäger?! deshalb gehen ja auch “wir alle” jagen. nicht nur in indien hat fleischlosigkeit eine jahrhunderte alte tradition. -das tun andere lebewesen auch…ist das dümmste argument! anderer lebewesen essen andere tiere, andere lebewesen tun es nicht! natürlichkeit ist ein menschenfeindliches argument. die natur ist grausam, nur die starken überelben.soll das unser maßstab sein? fleischessen muss sein, weil es ja soooo natürlich ist, aber das wir ohne strom in höhlen leben, forderst du nicht?!

    • Hana

      ich habe nie behauptet dass jeder so leben soll. steigert euch doch gefälligst nicht so da rein dass ihr bessere menschen wärt denn dadurch kommt der ganze streit über das thema.
      nur weil ich meine meinung gesagt habe bekomm ich hier wieder verbal auf die fresse von euch weil ich ja ein ach so schlechter mensch bin.

      lasst die menschen doch so leben wie sie wollen ob mit oder ohne fleisch!

  • Sebastian

    Ich finde man sollte ja Vegetarier essen. Ganz natürlich in freier Wildbahn jagen, wie schon zu Urzeiten. Keine Massenhaltung sondern direkt frisch und Bio.

  • Oliver

    Hmmmmm lecker!

  • Jens

    boah eh geht euch vergraben. ihr habt wohl einfach noch nie bacon probiert..

  • Erdbeerkäse

    ganz großes kino sven: frauenunterdrücker, sklaventreiber und fleischesser in einen topf zu schmeißen :D

  • Online_Max

    Ohne FLeisch habe ich 1 Jahr gelebt… danach ging’s nicht mehr. Mein Organismus schrie nach Fleisch :)

  • Und ich rege mich darüber auf, wenn Normalos ständig sich über Vegetarier lustig machen und diese ihre eigene Meinung nicht einmal vertreten dürfen. Das ist so ignorant.

  • Pamaku

    Das ist ja eine tolle Seite

  • Oy

    Ich stehe auf dem Standpunkt: Wer kein Fleisch essen will soll es lassen, kein Fleisch aus Massentierhaltung
    zu essen kann ich nachvollziehen. Darauf würde ich auch gerne verzichten nur leider kann man das im Alltag nicht immer
    nachvollziehen wo das Fleisch herkommt. Auch das Bio-Fleisch und das Fleisch vom Metzger kommt aus Arten von Massen-
    tierhaltung. Die wenigsten Metzger schlachten selber. Ein Freund der Bauer und mit dem ich mich schon oft über Viehzucht (Milchvieh, und Schweinemast oder Ferkelaufzucht) unterhalten habe hat mir mal gesagt das es auch nur gewisse Unterschiede gibt wenn “Bio” drauf steht. In der Regel hat das wohl was mit Medikamentierung, Futterart und Bauweise der Ställe zutun. Es bleibt aber Massentierhaltung und auch diese Schweine werden so viel ich weiß im Schlachthof getötet.
    Meine Art mit dem Fleisch-essen-oder-nicht Thema umzugehen ist: Ich bin Jäger und das Wild was ich erlege lasse ich von einem Freund der Metzgermeister ist verarbeiten und verbrauche es dann selber oder verschenke/verkaufe es an Freunde und Familie. Dieses Fleisch Freunde ist das Beste was ihr heutzutage noch kriegt. Die Tiere leben in der freien Wildbahn, ernähren sich von dem was es auf den Wiesen, Feldern und Wäldern gibt und führen ein natürliches Leben bis sie von mir erlegt werden. Jeder Jäger ist dabei verpflichtet nicht nur die Tiere zu töten sondern ist an feste Abschusszahlen gebunden die jedes Jahr neu verhandelt werden. Viele Denken der Jäger geht auf den Hochsitz und schießt was ihm gerade passt und was sich regt. Das ist absolut falsch. Meiner Erfahrung nach ist die Jagd in 90% der Fälle nicht erfolgreich. In meinen Augen geht es auch nicht nur um das Erlegen sondern um das Erleben der Natur. Viele Leute in meinem Alter wissen nicht wie schön es sein kann an einem kalten WIntermorgen zu erleben wie der Wald erwacht und wie schön so ein Hirsch aus der Nähe ist. Oder wie es ist Fleisch zu essen für das man geschwitzt und gefroren und Tagelang ausgeharrt hat. Das nur zum falschen Bild eines Jägers das einige vielleicht haben.
    Meine Empfehlung an alle Vegetarier die das noch nie probiert haben: Sucht euch jemanden der euch frisches Wildbret
    besorgen kann. Den Geschmack kann man nicht vergleich mit Schwein oder Rind und jede Wildart schmeckt anders.
    Vor allem aber schmeckt es besser weil man es mit gutem Gewissen essen kann. Cheers

Farfetch