Der Endgegner - Wenn wir den Islamischen Staat nicht aufhalten, sieht unsere Zukunft düster aus

Der US-amerikanische Präsident Barack Obama schläft in diesen Tagen sicherlich unruhig. So geht es wohl auch Angela Merkel, Recep Erdogan und den saudi-arabischen Königen. Ihre schlaflosen Nächte haben sie einem…
Der Endgegner

Wenn wir den Islamischen Staat nicht aufhalten, sieht unsere Zukunft düster aus

Barack Obama

Der US-amerikanische Präsident Barack Obama schläft in diesen Tagen sicherlich unruhig. So geht es wohl auch Angela Merkel, Recep Erdogan und den saudi-arabischen Königen. Ihre schlaflosen Nächte haben sie einem neuen und gemeinsamen Feind zu verdanken, dessen Schreckensbotschaften auch im Westen vernommen werden: dem Islamischen Staat.

Während die USA und Europa gegen Baschar al-Assads Regime und seine Gräueltaten seit zwei Jahren de facto tatenlos bleiben, hat sich in kürzester Zeit eine militärische Allianz gegen den Islamischen Staat gebildet. Denn die islamistisch-dschihadistische Terrormiliz bedroht nicht nur die Menschen und den Frieden im Mittleren und Nahen Osten, sondern auch die westliche Welt. Die Angst vor dem Islamischen Staat ist so groß, dass sich Allianzen gebildet haben und Annäherungsversuche stattfinden, die vor einem Jahr noch undenkbar gewesen wären.

Massaker an den Yeziden im Irak, den Kurden in Syrien, mit dem Ziel ein islamisches Kalifat im Nahen und Mittleren Osten zu errichten, haben eine humanitäre Katastrophe hervorgebracht. Mehr als 100.000 Flüchtlinge haben bereits die türkische Grenze überquert. Die Grausamkeiten halten leider an.

Barack Obama und Angela Merkel in Berlin

IS-Militanten haben westliche Staatsbürger wie den Franzosen Hervé Gourde und die amerikanischen Journalisten James Foley und Steven Sotloff enthauptet und diese brutalen Taten als Machtdemonstration für die internationale Gemeinschaft gefilmt. Unsere Politiker halten Terroranschläge in Europa für wahrscheinlich.

Ich erinnere mich zu gut an den 12. September 2001, als unser Ethiklehrer uns nach dem schrecklichen Terrorangriff der al-Qaida auf das World Trade Center in New York fragte: „Wie fühlt ihr euch? Habt ihr Angst?“ Schon damals begriff ich: hier geht es nicht nur um die amerikanischen Toten und Verwundeten, sondern darum, dass auch wir selbst potentielle Opfer terroristischer Anschläge sein könnten.

Die „German Angst“ aber betrifft immer auch den ganzen Westen, der erst dann panisch über gewalttätige Konflikte mehrere tausend Kilometer von ihm entfernt wird, wenn diese regionalen Kriege auch ihn selbst bedrohen. Nicht nur die Angst vor unkontrollierbaren Flüchtlingswellen, sondern auch die Verantwortung für humanitäre Hilfe steigt.

Zwei US-Kampfjets über Nordirak

Auch mögliche Terrorangriffe auf westliche Ziele, die Rekrutierung von westlichen Militanten, die dann in ihre Heimat radikalisiert und traumatisiert wiederkehren, stellen Gefahren für uns dar. Aber nicht nur der Westen, sondern auch arabische Länder reagieren mit Waffen, wenn sie selbst einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sind.

So hat der Kampf gegen den Terror begonnen. US-Luftwaffen schießen irakische und syrische IS-Stützpunkte ab, Deutschland schickt Waffen an die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Nordirak, die gegen den Islamischen Staat eingesetzt werden sollen. Die Briten haben sich auch an Luftangriffen auf irakische Objekte des Islamischen Staates angeschlossen. Aber der Westen kämpft nicht allein gegen die Dschihadisten, so bilden sie zusammen mit den muslimischen Staaten Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Jordanien eine militärische westlich-arabische Anti-IS-Koalition.

Die Araber veranstalten glatt eine PR-Kampagne über ihren Anti-IS-Einsatz: So wurde berichtet, dass der der saudische Prinz Khaled bin Salman höchstpersönlich einen F-15S Eagle Kampfjet gesteuert hat. Die Vereinigten Arabischen Emirate schickten eine Frau in den Krieg: die erste Kampfpilotin in der Geschichte der VAE, Mariam al-Mansuri fliegt den Kampfbomber Typ F-16 Block 60. Auf Twitter postete sie: „IS, ihr seid gerade von einer Frau plattgemacht worden. Schönen Tag noch!“.

Syrische Flüchtlinge suchen Schutz in der Türkei

Ein wichtiger geostrategischer Partner fehlt allerdings noch im Militärbündnis gegen die Terroristen: die Türkei. Der Türkei waren lange „die Hände gebunden“, um offiziell eine eindeutige Position gegen den Islamischen Staat einzunehmen. Denn der Islamische Staat hatte 46 türkische Staatsbürger gefangen genommen, die im September durch einen „diplomatischen Handel“ freigelassen worden sind. Nun hat sich auch der türkische Staatspräsident Recep Erdogan gegen die IS positioniert: „Welche Aufgaben uns im Kampf gegen den Terrorismus auch zustehen werden, wir werden unseren Beitrag dazu leisten. Die Unterstützung kann militärisch, logistisch oder politisch sein.”

Währenddessen hat eine französische Studentin in der vom Islamischen Staat kontrollierten syrischen Stadt Rakka das Leben unter der IS-Herrschaft gefilmt. Militanten mit Waffen auf offener Straße kontrollieren die Stadt, in denen Frauen sich nur vollverschleiert in der Öffentlichkeit bewegen dürfen.

Zu sehen sind dort auch Mädchen aus Europa, die in Internetcafés mit ihren Familien skypen. Sie haben ihre europäische Heimat verlassen, um sich durch Ehen mit IS-Kämpfern an dem Krieg zu beteiligen. Einem in ihren Augen „heiligen Krieg“, der aber einem Massaker gleicht und für den sie bereit sind, ihr eigenes Leben zu opfern – und der noch weiteren unzähligen Menschen das Leben kosten wird.

Hinrichtung des US-Journliasten James Foley durch den IS

Um weitere Massaker und mögliche Terroranschläge im Westen zu verhindern, müssen die Staaten schnell handeln. Sie müssen Maßnahmen gegen Radikalisierungen im eigenen Land ergreifen, also verhindern, dass der Islamische Staat noch mehr westliche Sympathisanten gewinnt, die sich an den Kämpfen beteiligen oder in westlichen Nationen Terroranschläge planen. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz sind seit zwei Jahren 400 Islamisten nach Syrien und in den Krieg ausgereist, um sich am „Dschihad“ zu beteiligen.

“Von den Rückkehrern aus den Kampfgebieten des syrischen Bürgerkriegs oder des Irak geht eine akute Gefahr für die innere Sicherheit in Deutschland aus”, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von der CSU der “Welt“. So könnten sie gelernt haben, wie man mit Sprengstoff und Waffen umgeht und dieses Wissen auch in Deutschland einsetzen, um Vergeltungsschläge auszuüben oder die deutsche Regierung dahingehend zu erpressen, sich nicht an einer Anti-IS-Allianz zu beteiligen.

Innenpolitisch versucht hier der deutsche Staat Maßnahmen zu ergreifen, diese Menschen vor einer Ausreise in die Konfliktgebiete zu verhindern. In der außenpolitischen Strategie sind die Amerikaner und Europäer gezwungen Allianzen mit „ihren alten Feinden“ einzugehen.

Protestmarsch im Zeichen des IS auf den Malediven

Der Iran und das Assad-Regime in Syrien teilen ein gemeinsames Interesse mit den USA, Großbritannien und dem Rest von Europa den Islamischen Staat zu bekämpfen. Dabei droht seit Jahren auch der Iran, mit seinem Streben eine Atomwacht zu werden, auch eine Gefahr für den Frieden in der Region und für die Welt zu werden. Wie könnte eine Annäherung im gemeinsamen Kampf gegen den Islamischen Staat aussehen, ohne den Iran zu stärken? Wie geht man nun mit dem Assad-Regime und seiner Armee um, die auch gegen den Islamischen Staat kämpft?

Die Angst vor dem Islamischen Staat ist groß: Er ist zum Staatsfeind Nr. 1 geworden. Für die Amerikaner, die Europäer und die Araber. Für alle gilt: der Islamische Staat ist der größte Bösewichte unter den Bösewichten und: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und er findet weltweit immer mehr Anhänger.

Während unsere Politiker sich mögliche Strategien und Maßnahmen überlegen, die sie selbst schützen und keine strategischen Fehler verursachen, um den Kampf gegen den Islamischen Staat auf lange Sicht nicht zu verlieren, haben die Menschen in Syrien und im Irak schon lange verloren: Sie wurden von Anhängern des Islamischen Staats umgebracht, verschleppt, vergewaltigt und aus ihrer Heimat verdrängt. Die Gräueltaten halten an. Und bereiten dem US-Präsidenten Barack Obama weiterhin schlaflose Nächte. Wie fühlt ihr euch? Habt ihr Angst?

Fotos: Pete Souza / The White House, Senior Airman Matthew Bruch, U.S. Air Force / U.S. Department of Defense, EU Humanitarian Aid and Civil Protection, (Attribution-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0), Kontrast erhöht), Dying Regime, (Attribution-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0), Kontrast erhöht)
Tally Weijl

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere aktuelle Neuigkeiten über das Leben zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Forever 21

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

7 Kommentare

Farfetch