Gegengedanken - Können Männer und Frauen befreundet sein, ohne miteinander zu schlafen?

Jede Woche aufs Neue diskutieren Leni und Marcel in der Rubrik Gegengedanken ein mehr oder minder heikles oder aktuelles Thema. Heute geht es um die allseits beliebte Frage: Können Männer…
Gegengedanken

Können Männer und Frauen befreundet sein, ohne miteinander zu schlafen?

Jede Woche aufs Neue diskutieren Leni und Marcel in der Rubrik Gegengedanken ein mehr oder minder heikles oder aktuelles Thema. Heute geht es um die allseits beliebte Frage: Können Männer und Frauen befreundet sein, ohne miteinander zu schlafen? Oder siegen im Laufe der Zeit etwa doch einfach die Triebe und beide Geschlechter stürzen sich aufeinander?

Leni: „Freundschaften zwischen Frauen und Männern sind natürlich möglich!“

Erst gestern saßen wir in der Küche und haben darüber philosophiert, ob Männer und Frauen befreundet sein können. Die Frage ist wahrscheinlich so alt wie Uschi Glas und trotzdem fällt es uns immer wieder schwer, darauf eine Antwort zu finden. Es ist die alte Harry-und-Sally-Leier, mit der Gegner der Mann-Frau-Freundschaften alle Pro-Argumente zunichte machen wollen – und meist fällt es mir auch schwer, dem zu widersprechen.

Tausend mal erlebt, wie Sandkastenfreunde zu Pärchen wurden, ab und zu realisiert, dass ich selbst den ein oder anderen Kumpel ganz süß fand und oft war das Knistern zwischen zwei eigentlich platonisch befreundeten Menschen einfach nicht zu übersehen. Ja, stimmt alles. Aber eben nicht immer.

Wenn Freundschaften zwischen Männlein und Weiblein so unmöglich wären, dann hätte ich mit der Hälfte meiner Jungs einfach längst keinen Kontakt mehr. Manchmal begegnet man nun mal jemandem, der weder optisch noch gefühlstechnisch ins eigene Beuteschema passt – dessen Herz aber so riesig ist wie meine Freude darüber, ihn zu meinen Freunden zählen zu dürfen. Und jetzt? Soll ich das Ganze in Frage stellen, nur weil der Besagte einen Penis hat? Oder sollen alle meine männlichen Freunde eine künstlich-verkrampfte Distanz zu mir wahren – nur aufgrund meines X-Chromosoms?

Klar, über echte Männerfreundschaften kursieren Legenden und auch meine Mädelsrunde würde ich um nichts in der Welt hergeben wollen, aber wozu sich selbst idiotische Grenzen setzen, wenn man einfach aufs eigene Bauchgefühl vertrauen und sich mit den Menschen umgeben sollte, die einem guttun? Welchem Geschlecht diese angehören, ist für mich dabei zweitrangig.

Und trotzdem muss ich zugeben, dass das Thema kein leichtes ist und viele daran zu knabbern haben – erst recht, wenn der Partner eine beste Freundin hat oder die Traumfrau mit einem anderen Typen rumhängt. Aber das hat mit Vertrauen zu tun und nichts mit der Unmöglichkeit dieser Freundschaften. Denn dass sie möglich sind, ist sicher. Sonst könnten wir niemals zusammenwohnen und in der Küche über diesen Quatsch philosophieren.

Marcel: „Liebe Frauen, all eure männlichen Freunde wollen mit euch schlafen!“

Ich könnte euch jetzt eine ellenlange Geschichte darüber schreiben, dass Freundschaft ein dehnbarer Begriff ist, dass es jede Menge Arten von Freundschaften gibt. Gleichwertige Freundschaften zum Beispiel, von denen alle Teilhabenden zehren, und unehrliche Freundschaften, von denen einer mehr hat als der andere. Aber ich versuche es euch anders zu erklären.

Liebe Frauen, die männlichen Freunde, die ihr zu haben glaubt, teilen sich selbst in zwei Gruppierungen ein. Erstens: Diejenigen, die heimlich in euch verliebt sind und nur auf den richtigen Moment warten, dass sie euch die Klamotten vom Leib reißen und wild auf euch herum hüpfen dürfen. Davon träumen sie schließlich jede Nacht, und das oft seit Jahren.

Zweitens: Diejenigen, die zwar nicht wirklich etwas von euch wollen, aber sich die Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen würden, wenn ihr unten ohne auf dem Boden kniet und es jetzt einfach mal wieder braucht. Was auch immer das genau sein mag. Penis nehmen, in die Vagina oder sonst wo hinschieben, so schwer kann das ja nicht sein.

Wenn ihr nicht gerade Pilze am Kinn, Eiterblasen auf der Stirn oder Mundgeruch bis nach Jerusalem habt, dann haben sich alle, ja, alle eure männlichen “Freunde” schon einmal vorgestellt, wie ihr wohl nackt ausseht und wie ihr im Bett seid. Ob ihr laut Namen stöhnt oder ganz leise kommt, ob ihr kratzt oder beißt oder auf Dinge steht, auf die selbst das Internet keine Antwort weiß.

Sind eure Brüste groß oder klein, straff oder hängend, stehen eure Nippel oder verstecken sie sich, seid ihr rasiert oder buschig, habt ihr schmale Schamlippen oder wuchernde Fetzen. Auf diese Fragen adäquate Antworten zu finden, darauf sind wir schließlich programmiert, vollkommen egal, wie sehr uns die Gesellschaft in Verhaltensmuster drängt, die uns in höfliche, soziale und bedachte Mitglieder der Gemeinschaft verwandeln. Dabei ist es irrelevant, ob wir das wollen oder nicht.

Natürlich ist eine Freundschaft zwischen Frauen und Männern theoretisch möglich. Aber nur solange, bis irgendeiner von beiden psychisch austickt und plötzlich Gelüste entwickelt, deren Wurzeln älter sind als alles, woran wir uns erinnern mögen. Nur ständige Zurückhaltung und Abwägen hält die meisten davon ab, sich wie wild aufeinander zu stürzen, als würde es kein Morgen mehr geben.

Und warum auch nicht? Freundschaften, die sich in Beziehungen verwandeln, sind doch der perfekte Weg. Man weiß genau, auf was man sich beim anderen einlässt, kennt seine Stärken und Schwächen, ist sich darüber bewusst, was er mag und was nicht, hat womöglich bereits einen gemeinsamen Freundeskreis. Praktischer geht’s doch gar nicht!

Das gilt nicht nur für Frauen und Männer. Sondern auch für Männer und Männer. Und Frauen und Frauen. Und Transsexuelle und Intersexuelle und Transgender. Und vielleicht auch für Tiere. Manch einer schafft es ja sogar, Freundschaft und Sex gekonnt miteinander zu vermischen, ohne damit die zwischenmenschliche Beziehung vollkommen zu zerstören.

Wenn ihr also das nächste Mal eure sogenannten männlichen Freunde darauf testen wollt, ob sie womöglich mehr wollen, als nur mit euch abzuhängen, Filme zu gucken und einen durchzuziehen, dann ladet sie doch einfach mal zu euch nach Hause ein, und schlagt ihnen ernsthaft vor, es jetzt und hier zu tun. Ohne Konsequenzen. Wer würde dazu schon nein sagen?

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