Modeblogger WG - Das hier sind die sieben goldenen Regeln für eine perfekte Wohngemeinschaft

Eine Wohnung in Berlin zu finden, das ist ungefähr so einfach, wie in einem dieser Touri-Clubs einen guten Drink zu bekommen. Vom Letzteren lasse ich eh die Finger und greife…
Modeblogger WG

Das hier sind die sieben goldenen Regeln für eine perfekte Wohngemeinschaft

Eine Wohnung in Berlin zu finden, das ist ungefähr so einfach, wie in einem dieser Touri-Clubs einen guten Drink zu bekommen. Vom Letzteren lasse ich eh die Finger und greife lieber zum stillen Wasser, die Sache mit dem Dach über dem Kopf lässt sich aber nicht so einfach klären. Mit etwas Geschick klappt das aber früher oder später – aber wem erzähle ich das, ihr seid bestimmt Experten darin, euch beim Vermieter im frisch gebügelten Konfirmationsanzug einzuschleimen, Bürgschaften zu fälschen und eure Verdienstnachweise zu frisieren.

Was angesichts der tränen- und alkoholgetränkten Erzählungen etlicher Partybekanntschaften (WG-Traumata scheinen als Smalltalk-Thema der Shit zu sein) eher weniger zu funktionieren scheint, ist die Sache mit dem Zusammenwohnen. Sandkastenfreundschaften sind daran zerbrochen, kleine Kriege wurden zu großen Dramen und das alles nur, weil die Pragmatik des Zusammenwohnens den ein oder anderen an der Realität voller Geschirrberge und leerer Kühlschränke zerbrechen ließ.

Lustigerweise werde ich ständig auf unsere #ModebloggerWG angesprochen (ihr Stalker!), weil die Leute es scheinbar kaum fassen können, dass ich es mit diesem Marcel seit über einem halben Jahr in einer Wohnung aushalte – dabei ist es eigentlich ganz einfach. Es gibt da bloß diese sieben goldene Regeln, über die ihr euch Gedanken machen solltet.

Vertrauen

Der Dramaturgie halber wollte ich diesen Punkt eigentlich ganz am Ende aufführen und euch etwas Philosophisches mit auf den Weg geben, aber so verzweifelt, wie manch ein Wohnungs- und Mitbewohnersuchender ist, wird die Vertrauensfrage gern außer Acht gelassen – was oft sehr unschön und im großen Rumgeheule endet. Schließlich wundert es niemanden, dass man auch mit einem vorbestraften Ex-Junkie Vorlieb nehmen würde, solange er die Kaution bezahlen kann.

Da Marcel und ich uns über Twitter gefunden haben und bis heute verwirrte WTF-Blicke dafür kassieren, sind wir wahrscheinlich nicht das beste Beispiel für die perfekt geplante Mitbewohnersuche, aber eine Bitte hätte ich trotzdem: schaltet euer Köpfchen ein, konsultiert das eigene Bauchgefühl und verlasst euch notfalls auf die Menschenkenntnis eurer Freunde, die ihr als Casting-Jury anheuern und sie mitentscheiden lassen könnt, wer ins WG-Recall kommt.

Geld

Machen wir doch gleich mit den unangenehmen Themen weiter, dann haben wir es hinter uns gebracht. Knete ist etwas, worüber man gerade unter Freunden nur ungern redet – aber sobald der Vermieter eine kleine Entschädigung dafür haben möchte, dass er euch ein Dach über den Köpfchen garantiert, wird es Zeit für Moneytalk. Setzt euch am besten noch vor dem Einzug zusammen, rechnet alle monatlichen Ausgaben durch und teilt sie so auf, dass bei der Berechnung keiner das Gefühl hat, dem anderen dafür eine runterhauen zu müssen. Die so ermittelte Summe überweist einer dem anderen am besten per Dauerauftrag und schon könnt ihr euch wichtigeren Themen des Lebens widmen. Easy, oder?

Essen

Dass es bei uns in der Wohnung einen einzigen Raum gibt, der sofort fertig eingerichtet und dekoriert wurde, sagt ziemlich viel über uns aus: die Küche ist das Zentrum unserer Welt und zwar nicht, weil sie knallpinke Wände hat, sondern weil hier Essen gehortet wird. Nachdem wir uns die ersten drei Monate ausschließlich von Tiefkühlpizza ernährt haben, beschlossen Marci und ich so zu tun, als wären wir erwachsen und würden gesund leben.

Also gingen wir los und kauften uns einen Dampfgarer. Der heißt Ulf. Aber ich schweife ab. Worauf ich hinauswollte: Wenn ihr gern zusammen kocht, richtet euch am besten eine WG-Kasse ein und kauft davon für alle ein. Ansonsten gilt: wenn du den verdammten Joghurt nicht gekauft hast, dann iss ihn nicht. Wenn du ihn denn doch unbedingt verfuttern musstest, kauf einen neuen und versuche, diesen nicht auch noch aufzuessen. Ausnahmen: Schokolade. Wenn du eine Ritter Sport Dunkle Nuss siehst, iss sie. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Möbel

Dass jeder sein Zimmer jeder so einrichten darf, wie er möchte, ist ja quasi im Grundgesetz verankert. Schwieriger wird es, wenn zwei komplett verschiedene Welten aufeinanderprallen – wie bei uns. Während ich jede Ecke der Wohnung als Schuhlager annektiere, sucht Marci verzweifelt nach einem geeigneten Platz für seinen noch nicht vorhandenen Riesensessel. Bei mir muss alles möglichst farblich passen, ihm ist wichtig, dass etwas seinen Zweck erfüllt.

Ich bringe gefühlt hundert Möbelstücke aus meiner alten Wohnung mit, er gibt sich mit einem kleinen Schrank in seinem Zimmer zufrieden. Wenn es bei euch aber weniger entspannt läuft und jeder unbedingt sein Lieblingsposter im Flur aufhängen möchte, hilft nur noch Verhandeln. Oder Würfeln. Ausgeklügelte Tauschgeschäfte schaffen Abhilfe: „Wenn du dieses hässliche Bild auf der Stelle verbrennst, lasse ich die Lavalampe nur noch sonntags an“. So wurden schon Menschenleben gerettet.

Putzen

Uuuuuh, ganz heikles Thema. Spätestens dann, wenn einer zufrieden ist, solange er sich durch den Müllberg zur Tür graben kann und der andere einen Hygiene-Fimmel mitbringt. Bei uns ist zwar Beides nicht der Fall, im Flur standen wir aber trotzdem schon mal und haben uns Beleidigungen an den Kopf geworfen. Über unsere Mütter. Und andere fiese Sachen.

Dann haben wir uns aber beruhigt, Tee gemacht und beschlossen, die Aufgaben zu verteilen: er wäscht ab und bringt den Müll raus, ich schnappe mir regelmäßig den Staubsauger und putze die Fenster. Ihr könnt aber natürlich Putzpläne schreiben, euch Aufräumhilfe holen oder das alles anders klären – aber klärt es! Und zwar möglichst bevor ihr wegen Geruchsbelästigung aus der Wohnung geworfen werdet.

Ruhe

So gern ich meinen Mitbewohner auch mag (und jetzt alle so: aaaaaaw!), manchmal muss es einfach ein ruhiger Abend sein, an dem ich Mädchenfilme gucken und mir die Nägel lackieren kann. Auf der anderen Seite ist Marcel bestimmt auch ganz froh, sich nicht von morgens bis abends mein Gelaber über die neuen Sneaker anhören zu müssen – zumindest solange es nicht um Superstars geht.

Und da wir jetzt alle erwachsen und mitten im Leben sind, wäre es gar nicht mal so übel, ein gewisses Takt- und Feingefühl dafür zu entwickeln, wann man einander das Herz ausschütteln kann und wann man den anderen lieber in Ruhe lassen sollte. Gilt übrigens auch für mitgebrachte Freunde, Spontanpartys in der Klausurphase und Sexytime, gepaart mit dünnen Wänden. Der andere wird es euch mit ewiger Liebe und Freundschaft danken und damit wären wir schon beim letzten Punkt angekommen:

Freunde

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, aber der Vollständigkeit halber muss es ja doch sein: fangt niemals, nie, NIE und unter keinen Umständen etwas mit euren WG-Mitbewohnern an! Egal wie heiß euch die neu eingezogene Schnitte an einem lahmen Sonntagabend erscheinen mag und wie sexy ihr eigentlich Bärte bei Männern findet: das alles könnt ihr euch auch bei Menschen holen, die nicht in euren Mietvertrag stehen.

Eigentlich ist es Wahnsinn, dass in Letzteren noch keine beidseitige Friendzone-Klausel verpflichtend eingeführt wurde, aber nachdem ich Horrorgeschichten von mitternächtlichen Liebeserklärungen zwischen Küche und Klo gehört habe – und von darauffolgenden überstürzten Auszügen – kann ich euch nur raten, von WG-Amore die Finger zu lassen. Ihr wisst ja, Wohnungen sind heutzutage wirklich schwer zu kriegen…

s.Oliver

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