Drei kurze Stöße, dann kommt er - Sex ohne Liebe, das ist wie Selbstbefriedigung, nur in schlecht

Meine beste Freundin hat gerade mit jemandem Schluss gemacht, mit dem sie sechs Jahre zusammen war. Sechs Jahre, das ist schon krass für unser Alter, finde ich. Die wenigsten Ehen…
Drei kurze Stöße, dann kommt er

Sex ohne Liebe, das ist wie Selbstbefriedigung, nur in schlecht

Meine beste Freundin hat gerade mit jemandem Schluss gemacht, mit dem sie sechs Jahre zusammen war. Sechs Jahre, das ist schon krass für unser Alter, finde ich. Die wenigsten Ehen halten heute noch so lange, Beziehungen schon gar nicht, nicht mit Anfang 20, wenn man noch nicht weiß, wo man hingehört und landen will.

Sie hat also mit ihm Schluss gemacht, oder er mit ihr, ist ja auch egal, jedenfalls ist es aus, sechs Jahre für den Arsch. Er war ihr erster fester Freund, der Erste, mit dem mehr lief als nur Händchen halten und knutschen und vielleicht mal ein Griff an die vom Snoopy-BH geschützte Brust. Er war der Erste, der ihr sagte, dass er sie liebte, der Erste, den sie mit zu den Eltern nahm, und der Einzige, mit dem sie jemals schlief.

Sie waren eins von diesen kitschigen Bilderbuchpaaren, ihr wisst schon, die, die man aus Filmen kennt, die, die sich für ihr erstes Mal so richtig viel Zeit lassen und es dann im Lichtschein der Ikea-Kerzen im heimischen Kinderzimmer zum ersten Mal treiben, während das Album des Lieblingskünstlers läuft und die Kuscheltiere am Bettrand sitzen und dabei zusehen, wie er sich zum ersten Mal total ungeschickt ein Kondom über den vor Aufregung nur halbsteifen Schwanz zieht und dann genauso ungeschickt in ihre Muschi steckt, ein paar Küsse, zwei, drei kurze Stöße, dann kommt er, das ist schon irgendwie romantisch und süß, nur dass in Filmen der peinliche Teil natürlich ausgelassen wird und das erste Mal immer länger dauert als in echt.

Sechs Jahre lang haben sie sich geliebt, und ich sage hier bewusst geliebt und nicht gefickt, das ist es nämlich, was sie sechs Jahre lang gemacht haben, Liebe, sie haben Liebe gemacht und es wurde immer besser und sie immer glücklicher und jetzt ist es doch aus zwischen den beiden, die Liebe ist weg und der Sex und jetzt fehlt etwas, die Liebe und der Sex.

Die Liebe ist etwas, das sich nach so langer Zeit nicht leicht ersetzen lässt, der Sex allerdings schon, also, wenn man das kann, natürlich, den Sex ohne die Liebe. Meine beste Freundin hat bisher mit einem Mann geschlafen, ich schon mit viel mehr. Das war mal mit, mal ohne viel Gefühl und jetzt sitzt meine beste Freundin hier und fragt mich, wie das eigentlich ist, der Sex ohne die Liebe, und wie man das so macht.

Sex ohne Liebe zu bekommen, das ist gar nicht so schwer. Immerhin geht's den meisten in der Großstadt nur ums Ficken, das sagen sie zumindest, aber glauben tu ich's nicht. Wenn du in der Großstadt bist und Sex ohne Liebe willst, dann gehst du einfach in den nächstgelegenen Club und schnappst dir dort das, was du gerade willst.

Oder du meldest dich bei Tinder an, lädst ein paar Fotos von dir hoch, auf denen man deine Oberweite gut zu sehen kriegt oder schreibst ein paar Mädchen an, ob sie Bock haben auf ein bisschen Spaß, irgendeine sagt schon ja, sofern du halbwegs gut aussiehst und kein totaler Creep bist, versteht sich. Sex ohne Liebe zu kriegen, das ist leichter als man denkt, niemand hier muss untervögelt sein, ehrlich nicht, doch guter Sex ohne Gefühle, ich glaube, den gibt es einfach nicht.

Ich muss jetzt ehrlich zu euch sein, so wie ich's auch zu meiner besten Freundin war: Sex ohne Gefühle gibt mir nichts. Ich hab es sehr oft ausprobiert und teste es noch immer, doch Sex ohne Gefühle, das ist noch nicht mal Druckabbau, denn der Orgasmus, ich meine, wenn ich überhaupt einen habe, während mich ein random Dude penetriert, der kommt gar nicht im Kopf an, nur mein Körper reagiert auf die mechanische Stimulation, die ihm da jemand gibt. Das ist wie Selbstbefriedigung, nur in schlecht.

Es mag ja sein, dass es da draußen Leute gibt, die es total geil finden, ihre Geschlechtsorgane an den Genitalien möglichst vieler fremder Menschen zu reiben, doch ich gehöre nicht dazu. Wenn ich ehrlich bin. Zu euch. Und zu mir selbst. Klar, ich hatte schon ganz geile Ficks mit Menschen, die ich keine fünf Minuten kannte und mit denen ich kein Wort gewechselt habe, aber richtig guten Sex, den habe ich nur, wenn ich verliebt bin, wenn das Mechanische zu einem Gefühl wird, und zwei zu einem, wie man so schön sagt.

Man kann einfach aussprechen, was man fühlt und will und sich beim Ficken in die Augen schauen und den Orgasmus des anderen über den eigenen stellen und danach nebeneinander einschlafen, Arm in Arm, einfach so, ohne diese peinlichen Situationen am nächsten Morgen, wo man im Halbdunkeln seine Klamotten zusammen sucht oder über das Haustier des Mitbewohners des One-Night-Stands stolpert, weil man von dem ganzen Jägermeister, der in der Nacht davor durch die Kehle floss, immer noch betrunken ist.

Vor allem aber kann man etwas miteinander aufbauen, nicht nur eine Beziehung, eine Zukunft, nein, auch Sex. Man kann voneinander lernen und herausfinden, was man wirklich mag und was nicht und Grenzen überschreiten, vielleicht auch ein paar neue finden und diese dem Partner setzen, es geht nicht mehr um den Egoismus oder darum, dem anderen jetzt möglichst gut zu gefallen, sondern um ein wir, einen gemeinsamen Moment, der eben nicht nur geteilt wird, weil man einfach nicht allein sein kann.

Die Basis für guten Sex ist einfach Vertrauen, und für Vertrauen braucht's eben Gefühle. Wie genau diese dann aussehen, kann unterschiedlich sein, aber ohne diese Gefühle ist's eben nur Sex, ein bedeutungsloser Fick, und mal ehrlich, zu guten Ficks gehört eben viel mehr dazu als nur Schwänze und Muschis und das Wissen, wie man beides kombiniert.

Sex ohne Liebe ist somit eigentlich für'n Arsch, aber wir machen's halt trotzdem, weil man uns gesagt hat, dass man das so macht, gerade wenn man erst mit jemandem Schluss gemacht hat, das altbewährte Trostpflaster eben, und es ist ja auch okay, wenn du Bock hast, go for it, aber nötig, nee, nötig ist das eigentlich nicht.

Meiner besten Freundin habe ich geraten, es sich einfach mal wieder richtig schön selbst zu besorgen. Das ist ja dann irgendwie auch Sex mit Liebe, und der unangenehme Walk of Shame bleibt einem auch erspart. Dafür behält man sich die Würde. Und weiß immer, wo der nächste Orgasmus her kommt, wenn man mal wieder ganz hart untervögelt ist.

Fotos: Sandy Kim
Nadine Kroll: Stellungswechsel
Tally Weijl

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s.Oliver