Anime Action: Terror in Tokyo - Nur ein Knopfdruck, und diese Stadt verwandelt sich in Blut und Asche

Wenn wir uns vorstellen, dass wir womöglich nur noch existieren, weil einige wenige kranke Köpfe auf diesem Planeten lediglich nicht bis zum Äußersten gegangen sind, dann wird uns ganz schwindelig.…
Anime Action: Terror in Tokyo

Nur ein Knopfdruck, und diese Stadt verwandelt sich in Blut und Asche

Terror in Tokyo

Wenn wir uns vorstellen, dass wir womöglich nur noch existieren, weil einige wenige kranke Köpfe auf diesem Planeten lediglich nicht bis zum Äußersten gegangen sind, dann wird uns ganz schwindelig. Wir, die normalen Bürger, diejenigen, die keine Armeen befehligen können, die keine Politiker kaufen können, die keine Massen kontrollieren können, sind ihnen ausgesetzt, dem Hunger der Zielgerichteten, denjenigen, die wissen, was sie wollen, egal was, und wie sie es erreichen.

Auf den ersten Blick könnten Arata und Toji ganz normale Jungs sein, der eine groß und schlank, der andere wuschelig und mit Augen, in denen man träumend versinken kann. Lässig schlendern sie unter der heißen Sommersonne durch Tokio, vorbei an lärmenden Autos und Menschen und Zikaden. Dass sie vor einigen Wochen Plutonium aus einer Atomanlage entwendet haben und nun mit Bombenanschlägen die japanische Hauptstadt in Atem halten, sieht man ihnen nicht an. Wie auch?

Wer bei “Terror in Tokyo” die üblichen Anime-Klischees erwartet, wird schwer enttäuscht. Die Saga um explodierende Wolkenkratzer, blutende U-Bahnfahrgäste und ratlose Polizisten ist erwachsen, ohne plump ins Horrorgenre abzurutschen. Auf billige Monster, spukende Häuser und kindliche Fratzen verzichtet Regisseur Shinichiro Watanabe ebenso wie auf überproportionale Brüste, kitschige J-Pop-Songs und riesige Roboter. Sailor Moon kann Tokio diesmal nicht retten.

Nine und Twelve sollten womöglich gar nicht existieren, weder unter ihren Alter Egos Arata und Toji noch sonst irgendwo, ihre Erinnerung beginnt in einem Labor am Ende der Welt und endet in einer kleinen Wohnung mitten in der asiatischen Metropole. Von dort aus planen sie detailliert ihre terroristischen Aktionen, von dort aus spielen sie mit dem Polizisten Kenjiro über YouTube Katz und Maus, von dort aus schlagen sie sich mit der ausgestoßenen Schülerin Lisa herum, sie wollte nicht sterben.

Die Erzählung ist technisch versiert und realitätsnah, sie weiß um die heutigen digitalen Möglichkeiten und macht sie sich zunutze. Nine und Twelve hacken, twittern und streamen sich durch die lachende Bevölkerung. Ihre Rätsel sind klug, die Motive liegen genauso im Dunkeln wie die zahlreichen Feinde, die dort draußen auf sie warten. Trotzdem wirkt die Geschichte niemals überdreht, sie nimmt sich die Momente der Ruhe heraus, auf beiden Seiten, das tut gut.

Mit Lisa können wir uns womöglich am einfachsten identifizieren. Von ihren Mitschülern gemobbt und ihrer Mutter missverstanden, wandelt sie ziellos durch die lauten Straßen von Shibuya, um sie herum telefonierende Passanten, es regnet. Die Leuchtreklamen füllen ihr Gesicht mit falschen Farben, wo soll sie hin, in einer Welt, in der niemand so ist wie sie, sie weint, wir wollen sie nur in den Arm nehmen. Die einzige Rettung ist womöglich ihr baldiges Ende.

Wer genug von großbrüstigen Fantasy-Kriegerinnen hat, von animierten Werbesendungen, von repetitiven Abenteuern ohne Ende und Verstand, der findet in “Terror in Tokyo” eine wahre Oase der mentalen Substanz. Mit wunderschönen Zeichnungen von Kazuto Nakazawa und monumentalen Melodien von Yoko Kanno zeigt dieser Anime einmal mehr auf, in welch qualitativen Sphären wir uns heutzutage befinden, fernab von billigem Hentaimüll und ermüdenden High-School-Storys.

Und wenn man fälschlicherweise annimmt, man wüsste, um was es in diesem verzwickten Spiel um Leben und Tod, um Rache, Hass und Feuer, wirklich geht, dann taucht sie auf, Five, das Mädchen, so schön und kalt und erbarmungslos wie ein Schneesturm, mit den violetten Augen und dem üppigen Haar. Denn plötzlich ist man sich gar nicht mehr so sicher, wer von diesen Köpfen wirklich krank ist, sie würde bis zum Äußersten gehen. Daran gibt es gar keinen Zweifel.

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