Montagsmonolog - Als Hannah uns einen Liebesbrief schrieb und wir Besseres zu tun hatten

Über eine Woche ist es nun her, dass Leni und ich nach dem morgendlichen Fahrradbesuch bei einer Agentur die Frankfurter Allgemeine Zeitung erworben und sie uns, zum Ärger diverser Passanten,…
Montagsmonolog

Als Hannah uns einen Liebesbrief schrieb und wir Besseres zu tun hatten

Über eine Woche ist es nun her, dass Leni und ich nach dem morgendlichen Fahrradbesuch bei einer Agentur die Frankfurter Allgemeine Zeitung erworben und sie uns, zum Ärger diverser Passanten, laut lachend auf einer Parkbank vorgelesen haben. „Amy und Pink etwa, das extrem erfolgreiche Blog von Marcel Winatschek, das als „Bild“-Zeitung der Hipster gilt, gehört zu den Epigonen“, schreibt Hannah Lühmann dort. „Weil es sich intensiv mit den Brüsten diverser A- bis F-Promis auseinandersetzt, allerdings in diesem bei „Vice“ abgeschauten schludrigen Gestus zwischen Dauerlangeweile und permanenter Erregung.“

Hannah, den Namen mochte ich schon immer. Die ersten Glückwunsch-eMails ertönen auf meinem iPhone. „Die ist so geil“, schreibt eine Freundin von VICE knapp und hämisch. Lenis Stimme ertönt wieder. „Auf Amy und Pink erfahren die Leser, dass der Konsum von Crystal Meth sie in „faule Zombies“ verwandeln werde, dass „dämlich dreinblickende Vierbeiner“ die „wahren Helden der Nacht“ seien, weil ein amerikanischer Blogger nachts die Hunde fremder Spaziergänger fotografiert. Und sie werden aufgefordert, „den Nazis“ sowie ihren „hässlichen Freunden“ endlich das Hakenkreuz wegzunehmen, weil es eigentlich ein Symbol der Liebe und des Friedens sei. Das Blog wird vor allem von jungen Großstädtern gelesen, seine ironische Grundhaltung gilt der gesellschaftlichen Gesamtsituation ebenso wie dem jüngsten Youtube-Hit.“

Ein älterer Herr, der seinen keuchenden Dackel an uns vorbei zieht, guckt uns griesgrämig an. Zu laut, diese jungen Leute von heute. „Was fehlt, sind Beiträge mit Substanz, wie sie „Vice“ doch noch hier und da unter all den Trash mischt. Trash aber, so scheint es, ist konsensfähig in der Generation der 13- bis 30-Jährigen. Das Rezept, nach dem „Amy und Pink“, „Schlecky Silberstein“ und all die anderen zusammengerührt werden, ist immer das gleiche: hochwertige Fotostrecken, dazu „fun facts“ über Stars wie Miley Cyrus oder Selena Gomez, ein pseudosubjektiver Ganz-nah-dran-Journalismus, dessen wichtigstes Kennzeichen das den Leser umarmende „Ihr“ oder „Wir“ in der Überschrift ist, viel nackte Haut und zwischendurch immer mal wieder politische oder gesellschaftliche Kommentare, die häufig völliger Blödsinn sind.“ Hannah scheint uns, trotz ihres schönen Namens, nicht besonders zu mögen. Oder hat sie etwa recht? Die Sonne strahlt mir ins Gesicht, wir stehen auf.

Heute, an diesem, nirgendwo im Kalender erwähnten, Herbstanfang, interessiert sich kein Mensch mehr für den Artikel. Ronny hat sich darüber ausgelassen, Matze ebenso, Mercedes auch. „Medien 2008-2013: Blogs sind tot! Medien 2014: Blogs klauen unsere Klicks!“ Und was denke ich? Außer dass Hannah, trotz ihres schönen Namens, nicht einmal den unseren richtig schreiben kann. Oder dass Autorinnen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichen dürfen, obwohl der halbe eingereichte Text aus zitierten Überschriften besteht. Oder dass eine „fröhliche Welt der lässigen Redundanz“ auch ihre Vorzüge haben kann.

Und natürlich hätte ich Hannah gerne, allein wegen ihres schönen Namens, eine persönliche, mit Parfum eingesprühte, Antwort per Einschreiben geschickt. Aber das ging nicht. Denn ich hatte keine Zeit. Wir hatten keine Zeit, waren beschäftigt. Der 1. September prangte rot angestrichen über unseren Köpfen, den gesamten August über. Niemand von uns wagte mehr, es das neue AMY&PINK zu nennen. Oder das bessere. Stattdessen wollten wir es einfach nur so episch wie möglich machen.

Einen ganzen Monat lang werkelten wir ohne Schlaf und mit jeder Menge Käsepizza an epischen Ideen, an epischen Inhalten, an epischem Unsinn. Und jetzt sind wir, schweißgebadet und mit riesigen Augenringen, endlich fertig. 14 hitzige Rubriken halten euch ab jetzt die gesamte Woche über bei Laune. Kontinuierlich. Dabei sind alte Bekannte wie Lost in Blogs, Ten Little Missions und Kioskkritik, aber auch neue Lieblinge wie Pixelreich, Meinungsmacher und Die Filmfetischisten.

Nachdem Leni und ich vor einem halben Jahr in der Mitte von Berlin zusammen gezogen waren, und die Küche in einen Coworking-Space verwandelt haben, war uns klar: Wir müssen zusammen arbeiten. Die Sneakerverrückte wird euch in Style Selection und Sieben Sachen über Mode und gemeinsam mit mir in Gegengedanken und Modeblogger WG über das Leben auf dem Laufenden halten. Jeden Tag gibt’s dann regelmäßig zwei Rubriken – und dazwischen jede Menge Texte, Fotos und Videos.

Aber das ist natürlich nicht alles. Um euch für eure jahrelange Treue zu danken, startet heute das einwöchige und wahnsinnig gigantische Welcome Back Gewinnspiel, bei dem ihr jeden Tag großartige Preise abräumen könnt. Dabei sind unter anderem iPhones, Spielkonsolen und Digitalkameras. Ihr kommt also voll auf eure Kosten. Heute um 14 Uhr geht’s los, also haltet schon mal eure vierblättrigen Kleeblätter bereit und rubbelt an jedem vorbeilaufenden Schornsteinfeger.

Wir freuen uns auf jeden Fall sehr, dass wir endlich wieder zurück sind, und können es kaum erwarten, euch all die tollen Ideen zu präsentieren, an denen wir so fleißig gewerkelt haben. Wenn ihr irgendwo noch Fehler entdeckt, dann schreibt sie bitte, gemeinsam mit Informationen über euer Betriebssystem und euren Browser, in die Kommentare, damit wir uns das angucken und fix reparieren können. Ansonsten hoffen wir natürlich, dass euch AMY&PINK ab jetzt mehr denn je gefällt – ansonsten könnt ihr ja den nächsten Liebesbrief an uns in einer renommierten Tages- oder Wochenzeitung veröffentlichen.

Hannah Lühmann. An so manch kühlem Herbstabend, wenn die Eichhörnchen hektisch von Ast zu Ast huschen und die gelben Blätter im Wind rauschen, denke ich, fast melancholisch, an unseren gemeinsamen Nachmittag in einem Neuköllner Café zurück. Was wir uns alles erzählten. Leben, Liebe, Leid. Und was danach Wunderbares geschah. Jetzt sehe ich deinen Namen geschrieben, schwarz, auf diesem weißen Blatt, mitsamt all der Missgunst, der Trauer, des Schmerzes zwischen den Zeilen. Ich falte die Zeitung zusammen und lege sie behutsam in den Papierkorb. Hannah, den Namen mochte ich schon immer.

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