Im Gespräch mit Olson - Der neue Star der Rapszene schüttete uns sein kleines Ballonherz aus

Es war einmal ein sonniger Tag, an dem ich den jungen Rapper Olson im nicht ganz so romantischen Büro von Universal traf. Er begrüßt mich mit einer herzlichen Umarmung und…
Im Gespräch mit Olson

Der neue Star der Rapszene schüttete uns sein kleines Ballonherz aus

Olson

Es war einmal ein sonniger Tag, an dem ich den jungen Rapper Olson im nicht ganz so romantischen Büro von Universal traf. Er begrüßt mich mit einer herzlichen Umarmung und dann erblicke ich eine riesige schwarze MCM-Tasche. Man kann es nicht übersehen: Dieser Typ steht auf Mode und teure Marken. Als ich ihm mein Mikrofon in die Hand drücke, macht er große Augen und ergreift diesen „gigantischen phallusartigen Apparat“. Man könnte fast meinen, dass er noch nie ein so enormes Ding in der Hand hatte. Vor einigen Tagen erschien sein Album „Ballonherz“.

Geht’s dir gut?

Ach, mir geht’s gut. Obwohl, man sagt ja immer, dass es einem gut geht. Mir geht es ehrlich gesagt nicht sooo gut. Ich hab ein bisschen Kopfschmerzen.

Möchtest du eine Tablette haben?

Neee, danke. Ich habe heute so eine Cleanse-Saftkur begonnen.

So ‘ne Detox-Geschichte?

Genau.

Und, wie ist es?

Ja, hab Kopfschmerzen. Und Hunger.

Na großartig, das sind ja ein wundervolle Voraussetzungen für das Interview.

(Er lacht)

Du hattest ja heute schon ein paar Interview-Runden. Findest du es cool oder nervt es dich, ständig die gleichen Fragen zu beantworten?

Ich fühle mich geehrt. Deswegen nervt es mich nicht, die gleichen Fragen immer wieder zu beantworten.

Was war bis jetzt die beste Frage?

Wie oft ich zum Friseur gehe.

Und wie oft gehst du?

So alle zwei bis drei Wochen.

Als ich deinen Namen gestern in meiner Recherche bei YouTube eingetippt habe, waren die ersten fünf Videos von dir und dann kamen schon die Olsen Twins und so ne Alte, Bree Olson, die sich von Charlie Sheen hat nageln lassen. Siehst du da überhaupt die große Internet-Karriere für den kleinen Olson aus Deutschland?

Neee, für die Google-Klicks ist es sehr schlecht, weil Bree Olson ein sehr begehrter Pornostar ist, wie ich herausgefunden habe. So ist es jetzt aber.

Wie hast du denn rausgefunden, dass Bree so begehrt ist?

Naja, jeder googelt sich ja gerne schon mal selbst und da kam Bree Olson häufig vor.

Du bist jetzt aber nicht tiefer in die Materie „eingedrungen“, oder?

Doch doch (er lacht). Ich musste schließlich wissen, ob der Name würdig ist.

Ist er das?

Weiß ich nicht. Ich finde das ist eher so Massenabfertigung. Nichts Spezielles.

Wo du gerade von Massenabfertigung redest, kommen wir mal zu deinem Album „Ballonherz“. Was sollte man darüber wissen?

Ich glaube, es ist nicht wichtig, bevor man das Album zum ersten Mal hört, etwas darüber zu wissen.

Pharrell Williams hat mir mal fast dieselbe Antwort gegeben und der ist bekanntlich sehr erfolgreich. Somit ist es vielleicht nicht die schlechteste Aussage.

(Er lacht)

In deinen Texten geht es unter anderem auch um Frauen und Drinks. Ist das überspitzt oder entspricht es der Wahrheit?

Es ist sehr komprimiert auf das Album. Da kann man schon denken, dass ich nichts anderes mache. Das ist natürlich alles über mehrere Jahre gewesen, aber es sind schon true stories.

Das ist natürlich fancy, über free drinks, Weiber und feiern, feiern, feiern zu rappen. Jetzt, wo du aber auch eine Vorbildfunktion hast, könntest du ja zum Beispiel ein Kondom-Song machen. Wie cool Verhütung ist.

Nein, in Songs definitiv nicht, aber ich versuche es nebenbei zu betonen. Beim Helene Beach Festival hab ich mich mit folgenden Worten verabschiedet: „Ich bin Olson. Schön, dass ihr da wart. Nehmt nicht zu viele Drogen und verprügelt euch nicht gegenseitig.“ Ich versuche es da schon zu betonen, aber in einem Song würde ich es nicht machen. Außerdem glorifiziere ich auch nicht ungeschützten Geschlechtsverkehr in meinen Liedern.

Olson

Kommen wir mal zu deinem Musikvideo „James Dean“. Cooler Song, cooles Video, coole Beats. Bist du bereit, ein paar Kommentare zu kommentieren?

Unbedingt. Ja klar.

Pferdelasagne77 sagt: „Wenn der sich nicht so schwul anziehen würde, wäre das Video perfekt!“

Den hab’ ich auch gelesen und dann hab ich auch schon aufgehört. Ich hab das schon oft gehört. Schwule Männer mögen mich auch. Ich komm’ damit klar.

Saskiah schreibt: „Was ich nicht verstehe: Was hat das mit James Dean zu tun?“

Ich verstehe, dass sie es nicht versteht. Es hat nichts mit James Dean zu tun. Die einzige Parallele zwischen mir und ihm ist die Flucht aus der kleinen Vorstadt in die Großstadt. Er, um als Schauspieler etwas zu erreichen, und ich als Musiker. Worum es aber eigentlich in diesem Song geht, ist, dass ich eigentlich ein totales Loserleben führe, da ich nichts auf die Reihe bekomme. Aber dann mach’ ich mir wieder die Haare, zünde mir eine Kippe an und tu’ so als wäre ich James Dean, obwohl ich es nicht bin. Ich hab’ aber auch schon so Kommentare gehört wie: „Ey, wenn James Dean das hören würde. Er würde sich in Grab umdrehen, jaaaaa.“ Ich glaube einige verstehen es nicht, dass ich mich nicht wirklich mit James Dean vergleichen wollte.

Kilika1990 schreibt: „Ich dachte Olson wäre dieser Das-Leben-fuckt-mich-ab-Typ? Das ist ja Cro ohne Maske!“

Man kann es denen aber auch nicht recht machen. Früher hieß es, dass ich nicht so viel jammern soll. Jetzt jammere ich nicht mehr und soll es doch wieder machen. Das liegt aber tatsächlich daran, dass ich mich gerade nicht beschweren kann und relativ zufrieden bin. Der Cro-Vergleich ist natürlich sehr einfach, wenn es melodisch wird, aber textlich hat das nichts mit ihm zu tun.

Bleiben wir mal bei „James Dean“. Du singst da von Nächten im Kater, Berghain und Weekend – wie stehst du zu Drogen? Das sind ja bekanntlich die Hochburgen der Druffies in Berlin.

Drogen sind für mich persönlich nichts. Wer es machen will, kann es gerne machen. Mein Kreislauf würde das nicht aushalten. Ich bin sehr zart besaitet.

Awwwww. Liest du denn selber YouTube-Kommentare, wenn du so sensibel bist?

Nicht mehr. Ich habe einen Tag kurz mal reingeschaut, aber das hat mich nur wütend gemacht. Es hat einfach keinen Sinn. In einer Gruppe kann ich auch mal drüber lachen, allerdings hat das lange gedauert bis ich soweit war.

Kannst du mit Kritik umgehen?

Es kommt drauf an welche Kritik. Vor dem Album hat mir ein Freund gesagt, dass ich zu viel schreie und doch mal das “Ch” deutlich aussprechen soll. Solche Kritik höre ich mir gerne an.

Konstruktive Kritik also.

Ja, aber auch nicht immer. Wenn man mir jetzt sagen würde, dass man in einem bestimmten Song die Zeile nicht versteht oder es für einen nicht griffig ist, dann ist das so. Ich hab es eben genauso erlebt. So etwas nehme ich dann nicht an. Also im Grunde kann ich schon mit Kritik umgehen aber es tut mir immer weh, weil ich mir schon gut überlege, was ich mache.

Du bist sehr schön.

(Wir beide müssen lachen)

Du kommst gebürtig aus einem Vorort von Düsseldorf, der sich Kaarst nennt. Als alte Duisburgerin kenn’ ich den Ort nur aus der Staushow. Hat der Ort noch mehr zu bieten als nur Stau?

Ja schon. Ich bin mit 20 noch mal in einen Fußball-Verein gegangen, obwohl ich völlig talentfrei bin. Aber das war schon geil, weil jeder dort so krass leidenschaftlich dabei ist. Nach den Spielen hat man am Rathaus-Platz Fassbier getrunken, in den Trikots. Das war eben voll kleinbürgerlich und unbedeutend für die Welt, aber in dem Moment war es ganz geil. In Kaarst werden die kleineren Dinge noch geschätzt. Es gibt dort allerdings keine geile Wohngegend, die ich jetzt empfehlen könnte.

Olson

Würdest du dich eher als Berliner oder als Düsseldorfer benennen?

Das ist schwierig. Als Berliner würde ich mich nicht bezeichnen, dann bekäme ich bestimmt von dem nächstbesten eine Bombe. Ich fühl’ mich hier aber schon zuhause. Aber ich bin auch kein Düsseldorfer. Ich bin tatsächlich ein wenig heimatlos.

Oh mein Gott, das tut mir leid.

Ja, es ist furchtbar. Ich bin auch noch in Neuss geboren. Das ist die letzte Absteige.

Ich finde ja die Königsallee in Düsseldorf ist die letzte Absteige.

Findest du? Da fühle ich mich hingegen ja wieder wohl.

Das hab ich schon an deiner Tasche erkannt.

(Er lacht)

Glaubst du, dass du in Berlin alt wirst?

Wenn nicht in Berlin, dann im Ausland. Alles andere wäre für mich ein Downgrade.

Musst du dich eigentlich weg sperren, wenn du Songs schreibst, oder machst du das ganz easy peasy nach dem Yoga bei einer Soja-Latte?

Häufig fällt mir einfach etwas ein, was ich mir dann im Kopf oder im Handy abspeichere. Das dauert dann aber schon einen Monat bis der Song wirklich fertig ist. Wenn ich wirklich produktiv sein möchte, muss ich mich in meiner Küche einsperren. Dann bleibe ich da eine Woche und bestelle mir bei Joey’s abwechselnd Salat und Pizza.

Aha, habt ihr da so einen Deal am Laufen?

Nein. Ich bestelle mir bei einem Lieferservice Pizza oder Salat und verlasse nur zum Kippen kaufen die Wohnung. Eigentlich dusche ich dann immer um 1 Uhr nachts, gehe schlafen, wache auf und bin dann den ganzen Tag im Schlafanzug und dusche wieder um 1 Uhr nachts. Das geht ein paar Tage so und dann kommt da auch was zustande.

Das stell’ ich mir hart sexy vor.

Ja, es ist toll wie sich die Pizzakartons stapeln.

Wir haben uns gestern schon beim Sport getroffen. Da hab ich dich gefragt, ob wir uns später auf der Dachterrasse wieder sehen, da es montags immer 50 Prozent Rabatt gibt. Deine Antwort darauf war, dass du den Scheiß nicht mehr nötig hast, weil du jetzt reich bist. Wer holt dich eigentlich auf den Boden zurück, wenn du fame bist?

(Er lacht) Das war natürlich Ironie. Ich glaube, das hast du auch verstanden. Mich muss man auch noch nicht auf dem Boden halten, da ich noch keine Gründe habe abzuheben. Ich habe ja noch nichts geleistet.

Treibst du viel Sport?

Ja, jetzt schon. Ich hab es sehr lange schleifen lassen und war unfit. Seit letzter Woche Montag war ich schon fünf Mal pumpen.

Machst du auch Yoga?

Nee, das ist nicht so meins. Ich mach immer pumpen und geh dann noch eine Stunde auf’s Laufband.

Würdest du dich als eitel bezeichnen?

Voll.

Dann wäre die Cro-Maske doch auch eigentlich überhaupt nichts für dich.

Ich wünschte ich hätte die Cro-Maske. Dann könnte man total entspannt über ein Festival laufen, ohne ständig angequatscht zu werden.

Wieso, das ist doch was Tolles?

Ja schon, aber für Cro bestimmt nicht. Das würde dann so aussehen wie die Endszene in “Das Parfum”.

Mit welchem internationalen Star würdest du gerne mal ein Feature machen?

Kanye West.

Olson

Du hast mal in einem Interview erwähnt, dass du ein Reim-Fetischist bist. Hast du noch andere Fetische?

Feuchte Desinfektionstücher. Das hat wahrscheinlich nichts mit einem Fetisch zu tun, aber ich finde das ist die beste Erfindung der Weltgeschichte. Ich bin nämlich so ein Monk und ich liebe feuchte Desinfektionstücher.

Zu deinem Song „Cornflakes & Trash TV“ – deine Lieblings-Trash-TV-Show?

Ich finde „Schwiegertochter gesucht“ schon ziemlich gut.

Kannst du dir vorstellen bei so etwas wie “Das perfekte Promi Dinner” oder “Let’s Dance” mitzumachen, falls du überhaupt kochen oder tanzen kannst?

Tanzen nur ab zwei Promille. Kochen nur nach Kochbuch. Vorausgesetzt ich wäre ein Promi, dann würde ich beim „Promi Dinner“ nur mitmachen, wenn ich schon wieder auf dem absteigenden Ast wäre und das Geld gut gebrauchen könnte.

Wofür benutzt du die Ausrede, dass du ein Musiker bist?

Dass ich nicht so viel reden kann, um die Stimme zu schonen. So kann ich dem Smalltalk ausweichen.

Wenn du für eine Woche ein Disney-Kinderstar in seiner besten Zeit sein könntest, welcher wärest du gerne?

Dann will ich auf jeden Fall Ryan Gosling sein.

Kannst du mit Geld umgehen?

Keinen Meter.

Dein Lieblings-Fußballverein?

Borussia Mönchengladbach.

Wie oft am Tag guckst du in den Spiegel?

Immer wenn einer in der Nähe ist. So circa fünfzig Mal.

Welche Eigenschaften eines Gentlemans trägst du in dir?

Ich halte die Tür auf, rücke den Stuhl ran und kann mich beim Essen gut benehmen. Das sind nur die Kleinigkeiten, ansonsten bin ich natürlich ein riesengroßer Gentleman.

Würdest du dir lieber von Sido oder von Haftbefehl die Haare schneiden lassen?

Sido hat natürlich einen schönen Scheitel, aber ich glaube ich würde mich für Haftbefehl entscheiden.

Das schönste Synonym für das weibliche Geschlecht in einem Song?

Dirne.

Wenn du jedes Mal einen Song von deinem Album auswählen sollst, welcher wäre der beste nach dem Schlussmachen?

„Morgen vorbei“. Kann man sich am besten einen Tag vor dem Schlussmachen anhören.

Beim Geldscheine zählen?

„Flugmodus“

Und zum masturbieren?

„Cornflakes & Trash TV“, danach kann man dann perfekt einschlafen.

Glaubst du an die Ehe?

Ja, auf jeden Fall.

Wenn du einen Tag im Gefängnis sitzen müsstest, hättest du dann lieber Kanye West oder Kim Kardashian als Zellengenossen?

Fuck, das ist eine Fangfrage. Man kann ja nur falsch antworten. Mit Kim Kardashian.

Da du schon stark modeinteressiert bist, würde ich gerne von dir wissen, ob du lieber bei der New Yorker Fashion Show von Versace in der Front Row neben Katy Perry und Rihanna sitzen oder ein Konzert in Berlin für zehn Fans geben würdest. Wie würdest du dich entscheiden?

Da ich schon öfter ein Konzert für nur zehn Fans gegeben hab, nehme ich die Front Row in New York.

Wo kann man dich am besten stalken?

Auf Instagram.

Willst du noch was zu deiner kommenden Tour sagen?

Ich würde mich freuen, wenn die Leute meine Texte auswendig lernen würden, dann kann ich auch mal verschnaufen und die brüllen mit.

Das war es schon.

Das war sehr angenehm!

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