Der Traum vom schnellen Geld - Wie ich Prostituierte werden wollte und es einfach nicht hinbekam

»Vergiss alles, was du kanntest, denn jetzt bin ich da, um dir ein neues sinnliches Paradies zu erschließen.« Das klingt gut. So kann ich meine Zukunft beginnen – ein erotisches…
Der Traum vom schnellen Geld

Wie ich Prostituierte werden wollte und es einfach nicht hinbekam

»Vergiss alles, was du kanntest, denn jetzt bin ich da, um dir ein neues sinnliches Paradies zu erschließen.« Das klingt gut. So kann ich meine Zukunft beginnen – ein erotisches Pathos, eine neue Handynummer und eine glatt rasierte Muschi. Jetzt muss mich nur noch jemand anrufen und schlappe hundert Euro übrig haben. Ich starre auf den Bildschirm und sehe sie vor mir: in drei kurzen Sätzen zusammengefasst und mit vier Nacktbildern verziert. Meine glorreiche Zukunft als Prostituierte.

Das war so nicht geplant. Ich habe Abitur gemacht, meine Praktika bei mehr oder weniger namhaften Zeitungen absolviert. Immer mit erstklassigen Bewertungen und dem Versprechen, angerufen zu werden, sobald es eine freie Stelle für mich gibt. Ich habe hart an mir gearbeitet und eloquent geschrieben. Angerufen hat aber keiner. Zurückgerufen auch nicht.

Jetzt sitze ich also an meinem stotternden 2006er Toshiba und stelle Erotikannoncen ins Netz. Die Bilder habe ich mit meiner Webcam gemacht, die Dessous von meiner Freundin ausgeliehen. Der Text ist inspiriert von einer erfahrenen Nutte, die sich im Internet Wildkatze nennt. Es ist nicht so, als hätte ich nicht auch einen anderen Job machen können.

Kassiererin vielleicht. Oder Eisverkäuferin. Mit Putzen hätte ich meine Probleme, aber wenn das Geld stimmt? Ich dachte darüber nach, recherchierte, wurde fündig. Reinigungsfachkraft für 6,50 Euro die Stunde. Da brauchte ich nicht lange rechnen; Klodeckel bezahlten mir die Monatsmiete nicht. Was blieb dann noch? Die Antwort war einfach: Sex.

Darin bin ich eigentlich nicht besonders gut. Das darf man nicht falsch verstehen: Es ist nicht so, dass ich nicht gerne mit Männern schlafe. Für gewöhnlich empfinde ich aber etwas dabei. Nicht immer Liebe, klar, aber wenigstens Angst vor einer kalten Nacht. Oder ich bin hemmungslos betrunken. Da wirkt die Nacht meist noch viel kälter als sonst, muss ich zugeben. Da kann es schon mal sein, dass aus der anfänglichen Seelenverwandtschaft nicht viel mehr entsteht als der kurze Rausch vom selben Schnaps.

Aber so? Ganz ohne Abhängigkeitsbekundungen, ohne verzweifeltes Mundaneinanderpressen, ohne stundenlanges Warten auf den Rückruf? Ich weiß nicht. Na gut – warten muss ich jetzt ja auch. Auf den ersten Anruf. Da geht es nur nicht um Liebe, sondern um die nächste Miete. Liegt das wirklich so weit auseinander?

Ich bin aufgeregt. Mein Herz pumpt ein Haufen Adrenalin in meinen Körper. Das passt nun überhaupt nicht. Was soll ich sagen, wenn das Telefon klingelt? Muss ich meine Stimme verzerren? Hat Pamela Anderson eigentlich erst den Rock ausgezogen oder das Hemd? Das sind so Fragen. Ich weiß ja nicht einmal, wie man ein Kondom richtig überzieht.

So etwas lernt man in der Schule nicht. Da schaut man bunte Katzenfilme, diskutiert über Spermien und Eierstöcke. Aber Kondomüberziehen? In meinen Beziehungen habe ich immer darauf verzichtet. Stört die partnerschaftliche Bindung, finde ich. Ein Stück Kautschuk in einem drin, wie soll denn da Romantik aufkommen?

An AIDS sterben will ich aber nicht. Mit zwanzig ist man zwar nicht unbedingt erwachsen, aber an die Zukunft denkt man schon, zumindest ab und zu. Außerdem muss Sex für Geld nicht unbedingt romantisch sein. Dennoch – wie soll er denn sein? Mir gehen sämtliche Horrorszenarien durch den Kopf. Ich habe weder Lederröcke noch Peitschen zu Hause.

Von Kliniksex erst kurz zuvor gehört. Ich schaue manchmal Pornos, aber nur die, in denen sich die Pärchen küssen. Küssen kann ich noch am besten, aber das fällt bei Sex für Geld ja flach. Blasen bekomme ich vielleicht noch hin, wenn der Mann mir da ein bisschen hilft. Das will jeder schließlich anders haben. Doch was mache ich, wenn der Kerl über mich drüber rutscht? Muss ich dreckige Wörter sagen und laut schreien, wenn ich so tue, als würde ich kommen?

Meine Partner haben sich nie bei mir beschwert. Aber die haben auch kein Geld bezahlt. Ich bin verunsichert und nervös. Ich kann nicht fassen, so viel Sex gehabt zu haben, ohne je etwas darüber zu wissen. Die Illusion einer unwiderstehlichen Erotikbombe, die ich von mir hatte, zerbricht in viele kleine Teile. Das Fazit: Ich bin noch richtig unschuldig.

Das Jobcenter hilft einen da auch nicht gerade weiter. Es sollte eine Weiterbildung geben, Trockenübungen vielleicht, Selbsthilfegruppen für Anfänger. Da kann man fragen, was man so macht, wenn vor der Haustür ein monströses sechzigjähriges Tier auf einen wartet und dann in der Wohnung masturbiert. Ganz haarig, eingehüllt in Schweiß und Feierabendbier, frisch von der Baustelle. Da flüchte ich eigentlich schon, wenn sich der nur neben mich in die Straßenbahn setzt.

Ich sitze da und warte. Was soll ich nun tun, wenn das Telefon klingelt? Ich starre auf meine nackten Brüste auf dem Bildschirm, dann auf mein Handy, immer im Wechsel. Das ist viel schlimmer als die Abi-Prüfung. Als das Telefon klingelt, nehme ich nicht ab. Ich kann einfach nicht. Ich lösche die Kontaktanzeige, den Traum vom schnellen Geld, den ersten Millionen auf dem eigenen Konto.

Was, wenn die ganze Sache auffliegt? Wenn Mama nicht mehr reden will, wenn mir Papa nichts mehr zu sagen hat? Ich seufze. Mein Mut reicht nicht weit genug. Ich fürchte mich vor Repression, vor zerbrechenden Bindungen, vom gesellschaftlichen Selbstmord. Das kleine Mädchen, das sich in der Abizeitung über Intimbehaarung ausgelassen hat, widersteht nicht dem sozialen Druck. Immer eine große Klappe gehabt, nie sind den schönen Worten Taten gefolgt. Das war schon immer so.

Es ist nicht leicht, Prostituierte zu sein. Jede Frau, die sowas macht, besitzt meine volle Bewunderung. Ganz im Ernst. Was würde dieses haarige Bauarbeitertier denn machen, wenn es keine Frau gibt, die bereit ist, für Geld mit ihm zu schlafen? Prostituierte wenden eine Menge Schaden von uns ab. Vielleicht sind sie sogar die wahren Retter unserer Gesellschaft.

Dennoch. Mein sinnliches Paradies, von dem ich schrieb, gibt es in Zukunft wohl nur noch mit der Illusion von Liebe – oder betrunken an der Bar. Meistens dann umsonst. Wenn mir aber mal jemand einen Fünfzigeuroschein in die Tasche schieben will, habe ich trotzdem nichts dagegen. Ich öffne das Schreibprogramm und tippe in langsamen Abständen Wörter in das weiße Feld: Bewerbung als Kassiererin. Nicht besonders lukrativ, aber für den Einzelhandel hatte ich schon immer ein Herz.

Topman

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22 Kommentare

  • Sebastian

    Schrott

  • Theresa

    …traurig
    also wenn du das nicht einmal hinbekommst wundert es mich nur sehr wenig dass es mit deiner Schreiberkarriere auch nicht klappt

  • Martha

    Ich kann mich da total reinfühlen! Ich vermute das haben ziemlich viele Kommilitoninnen von mir probiert, wie viele es dann aber doch durchgezogen haben ist nochmal was anderes.

  • Max

    Wieso ist das Schrott? Finde es interessant.

  • Joachim

    erst den Gewerbeschein holen…da fehlen wirklich weiterbildungsangebote beim Jobcenter…

  • Anna

    hej mal ein echt gelungener Artikel (Y)

  • Boah. Ich hasse es wenn ich versehentlich auf diesen Scheiss-Blog mit Scheisse drin klicke. Da steht nur scheisse da oben. Die sieht scheisse aus. Alles scheisse. Warum schreib ich hier?

    Schöne Scheisse.
    Na wenigstens was.

  • Tine

    Vielleicht solltest dus mal auf Mygirlfund probieren. Da musste nicht gleich mit Typen ins Bett gehen und bekommst trotzdem Kohle. Macht ne Freundin von mir auch.

  • Miss Kitten

    Sarah, dein Artikel liest sich großartig. Mutig, ehrlich ja nahezu treuherzig packst du deinen innerlichen Konflikt in einen Kranz aus Worten.
    Ich glaube an dich.

    Miss K.

  • Mir hat der Artikel auch sehr gut gefallen.
    Hast definitiv Potential.

  • Tracy

    Es machen viel mehr Frauen als man zu Glauben gewagt hat…unscheinbare..sogar schüchterne die in ihrem Leben nur einen Freund hatten ……und es werden mehr weil es einfach nicht anders geht.

  • Christoph

    Bei einem Bekannten bewerben sich die Mädels. Auch viele Studentinnen sind wirklich sehr hübsche und intelligente dabei.

  • Torsten

    Sarah, Kopf hoch! Du machst schon dein Ding. Kassiererinnen sind auch wichtig. ;-) Das Leben wird dir noch mehr Chancen offerieren..

  • Lilia

    “Was würde dieses haarige Bauarbeitertier denn machen, wenn es keine Frau gibt, die bereit ist, für Geld mit ihm zu schlafen? Prostituierte wenden eine Menge Schaden von uns ab. Vielleicht sind sie sogar die wahren Retter unserer Gesellschaft.”
    Bauarbeiter werden hier als klassische Klienten von Prostituierten dargestellt, was definitiv nicht den Tatsachen entspricht. Wie kommt man zu der Aussage, dass Prostituierte eine Menge Schaden von uns abwenden? Soll das wieder der Anstoß zur “keine Prostituierten = mehr Vergewaltigungen”-Debatte sein?
    Der gesamte Artikel ist fürchterlich geschrieben. Hinzu kommt, dass Du Dir ein Themenfeld aussuchst und, ohne über jegliche Hintergrundinformationen zu verfügen, anfängst alles in guter Schulmanier eindimensional herunterzuschreiben.
    Ja die Thematik warum junge Frauen sich prostituieren oder zumindest darüber nachdenken, mag interessant sein, aber nicht in dieser Form auf Grundlage von Hirngespinsten.

  • Lilly

    Ja die Thematik warum junge Frauen sich prostituieren oder zumindest darüber nachdenken, mag interessant sein, aber nicht in dieser Form und auf Grundlage von Hirngespinsten.
    Null Recherche und ein schrecklicher Schreibstil. Dieser Artikel strunzt vor lauter Vorurteilen, die nicht einmal im weitesten Sinne haltbar sind.

  • Lesenswerte Links – Kalenderwoche 28 in 2014 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2014

    […] Sarah wollte sich gegen Geld flachlegen lassen: Der Traum vom schnellen Geld – Wie ich Prostituierte werden wollte und es einfach nicht hinbe… […]

  • Lady Hekate

    Liebe Sarah…Kopf hoch! Es ist alles halb so heiß gegessen wie gekocht. Erstens mal: Das “haarige Bauarbeitertier” ist ungefähr so häufig wie eine Begegnung mit dem Yeti auf der Kö in Düsseldorf oder dem Kurfürstendamm in Berlin. Die Mehrzahl meiner Gäste zum Beispiel sind sehr nette und zivilisierte Männer – die anderen kommen gar nicht über meine Schwelle oder werden freundlich aber bestimmt wieder hinauskomplimentiert. Und oft denke ich mir, dass wir Sexworkerinnen wahrscheinlich arbeitslos wären, wenn sich diese Männer bei ihren Ehefrauen genau so viel Mühe geben würden wie bei uns. Alle kommen ohne Ausnahme frisch geduscht und adrett hier an, manche bringen auch Blumen mit oder ein kleines Präsent und hinterher plaudern wir noch ein bisschen. Und DAS ist oft wichtiger als die berühmten elf Minuten “ohlala”. Eins allerdings ist wichtig: Frau muss ihre Gäste MÖGEN – oder ihnen doch zumindest mit einer gewissen Empathie entgegentreten (das wichtigste Handwerkszeug – nicht nur für Therapeuten und Seelsorger….*lächel*) . Und frau muss das mögen, was sie TUT – also sie muss Freude am Sex haben. Wenn das nicht zutrifft, ist es besser, sie lässt die Hande von diesem Beruf – denn dann wird sie garantiert unglücklich. Ansonsten: solltest Du doch noch mal einen Versuch mit Sexwork machen wollen: versuch es doch erstmal als Werbcamgirl. Da handelst Du mit Illusionen und es ist absolut ohne Risiko. Ansonsten gibt es auch einen Berufsverband – den BesD – lauter erfahrene Sexarbeiterinnen, die gerne ihr Wissen und Know How weitervermitteln. Du solltest allerdings einige wichtige Dinge berücksichtigen, wenn Du tatsächlich Ernst machen willst: 1. schaff Dir ein zweites Handy an – Sexworkerinnen werden manchmal gestalkt, da ist es besser , wenn Du Geschäft und Privat auseinanderhalten kannst.
    2. Es gibt Anlaufstellen für Frauen, die sich für dieses Metier interessieren – wenn Du zum Beispiel feststellen solltest, dass Du eine Neigung zu Dominanz hast, kannst Du in einigen Studios lernen wie frau das macht. Oder Du fragst eine erfahrene Betreiberin – in Berlin gibt es zum Beispiel das “Cafe Psst”… die Inhaberin ist sehr nett.
    Oder kontaktier einfach mal den BesD und frage nach einer Kollegin aus Deiner Region – als angehende Journalistin wirst Du ja wissen, wie und wo du am besten recherchieren kannst. Und wenn alle Stricke reißen: such Dir einen Sugardaddy. Wenn frau jung und hübsch ist, hat sie in den einschlägigen Foren alle nur erdenklichen Chancen. Viel Glück und Erfolg – und viele nette Gäste!

  • Aynur

    Entweder ist der Artikel ein Scherz oder da hat jemand wirklich keine Ahnung wovon er schreibt. Sich eine “glorreiche” Zukunft als Prostituierte vorzustellen ist schon etwas naiv, außer vielleicht man arbeitet als Edel-Escort. Witzig finde ich auch, dass man gerade mal über drei Nebentätigkeitsmöglichkeiten nachdenkt und weil man das alles nicht so ansprechend findet, als einzige Antwort die Sexarbeit übrig bleibt… ? Ähm ja… Und wer sagt, dass bei Sex gegen Bezahlung Lederröcke und Peitschen erwartet werden? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Männer eben nicht auf diese professionelle Nummer stehen. Alles ziemlich klischeehaft geschrieben. Davon abgesehen meiner Meinung nach auch noch auf eine sehr arrogante Art und Weise. “Haariges Bauarbeitertier”? Solche überheblichen Kommentare können ja nur von jemandem kommen, der selber aus wohlhabenden Verhältnissen stammt. Meine Beobachtung! Ein Arbeiterkind würde so was niemals sagen. Ziemlich widersprüchig find ich auch, dass du diese Frauen bewunderst, es aber selber nicht machst. Ja “große Klappe, nichts dahinter” das war wohl die einzige wahre Aussage in diesem Artikel. Ich selber bin Studentin und verdiene nebenher Geld mit Sex und ich sage nur ich liebe mein Doppelleben!

  • Jadore

    Sarah, ich habe das gleiche vor, meine Mutter will mich nicht mit meinem Vater hab ich keinen Kontakt Freunde habe ich keine und mein Freund schlägt mich nur, ich glaube das ich den Mumm habe es durchzuziehen…. und wenn nicht ? … ja was dann ……

  • Jessy

    Ich würde mich mal sehr gerne in der Prostitution umsehen….🔍🏙Mich interessiert es einfach nur mal so wie es dort im allgemeinen halt aussieht🎤📁……

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