Alles nur Verarsche? - Es ist doch vollkommen egal, dass First Kiss nur Werbung ist

Kaum ist die Bier-Challenge einigermaßen abgeflaut, kommt der nächste virale Hit und seit gestern bevölkern gefühlt an die hundert „First Kiss“-Videos meine Facebook-Timeline. Meine Social-Network-Freunde sind allesamt ganz verzückt. Fleißig…
Alles nur Verarsche?

Es ist doch vollkommen egal, dass First Kiss nur Werbung ist

Kaum ist die Bier-Challenge einigermaßen abgeflaut, kommt der nächste virale Hit und seit gestern bevölkern gefühlt an die hundert „First Kiss“-Videos meine Facebook-Timeline. Meine Social-Network-Freunde sind allesamt ganz verzückt. Fleißig wird das Video geteilt, mit Herzen versehen und dazu gepostet: „Free kisses for everyone“, „Schmusen für den Weltfrieden“, „Küssen ist die schönste Nebensache der Welt“…

Alle werden ganz gefühlsdusselig und die Hormone scheinen langsam aus dem Winterschlaf zu erwachen. Wir alle wollen jetzt sofort eine, die an unseren Lippen knabbert oder einen, dem wir unsere Zunge mal wieder so richtig in den Hals stecken können. Und nicht nur das. Wir wollen jetzt verdammt nochmal wieder ein kleines bisschen verknallt sein, mit Herzklopfen und allem drum und dran, und diejenige Person, der unsere Verliebtheit gilt, küssen. Denn in dem Video wird eben nicht nur à la „Sex sells“ rumgeschlabbert, nein es fängt diesen etwas unbeholfenen, aber doch magischen Moment, bevor sich „Fremde“ das erste Mal küssen so richtig gekonnt ein. Dabei ist es ästhetisch und versprüht eine charmante Romantik.

Auch ich war bei meinem ersten Aufruf des Videos irgendwie ganz verzaubert. Da begegnen sich 20 wildfremde Menschen um der Anweisung, sich zu küssen, zu folgen. Nervös tapsen sie also aufeinander zu, starren immer wieder verlegen zu Boden, grinsen einander verschämt an und kichern wie 13-jährige Schulmädchen beim ersten Mal Flaschendrehen. Nachdem die Schüchternheit abgelegt wurde und die Lippen einander gefunden haben, geht es bei den einen mit überraschender Heftigkeit, die auf einige einsame und ausgehungerte Wintermonate schließen lässt, gleich so richtig los, während andere sich eher vorsichtig zärtlich erkunden.

Was einem dabei so trifft, ist, dass das Ganze so schön aussieht, höllisch sexy ist und trotzdem natürlich und irgendwie auch verdammt unschuldig wirkt. Und jetzt meine Lieben, denkt bitte mal kurz an eure „ersten Küsse“ zurück. Ja genau, war irgendwie nicht ganz so toll, oder? Sicher es gibt da immer diese wirklich magischen Sekunden, bevor man es tut. Man ist ganz hibbelig, weil man weiß, dass es gleich passieren wird.

Manchmal traut man sich eine ganze Weile nicht so wirklich und zögert die Spannung deswegen noch ein bisschen hinaus. Aber irgendwann kommt es dann zum Kuss und öfter als es uns lieb ist, schlägt die vorfreudige Spannung binnen weniger Sekunden in anstrengende Anspannung um. Die kann sich nach ein paar Minuten durchaus wieder lösen. Aber hey, ganz ehrlich, wenn man eine „fremde“ Person das erste Mal küsst, ist das ganz zu Beginn meistens komisch und noch nicht so wirklich schön. Ist ja auch klar, denn man muss ja zuerst mal rausfinden, wie der Kusspartner sich so anfühlt und wenn, der sich gut anfühlt, ob und wie man am Besten zusammenpasst.

Dabei gibt es dann auch eine ganze Menge zu beachten. Das Ganze beginnt ja schon mal mit der Kopfstellung, es gibt Links- und Rechtsknutscher, welche, die regelmäßig wechseln, und andere die nur auf einer Seite so wirklich „können“. Es gibt Lippen, die je nach Volumen von sehr schmal über relativ normal bis hin zu Angelina-Jolie-voll, ganz anders sind und dann vielleicht auch dementsprechend passend liebkost werden möchten.

Es gibt Zähne, jede Menge Zähne, die gerade am Anfang oft einfach nur nerven, weil sie immer irgendwie im Zungen-Weg rumstehen. Ja und da wären wir dann auch schon bei den, meiner Meinung nach, oftmals überschätzen Zungen angelangt. Warum überschätzt? Weil mit ihnen der ganze Speichelfluss kommt. Und nein, ich mag es nicht, wenn ich das Gefühl habe, das mir beim Küssen regelrecht in den Mund gespuckt wird. Mein Gegenüber vielleicht aber schon und deswegen sage ich, dass beim ersten Kuss mit dem Unbekannten aus dem Club oder der neuen Liebschaft von Beginn an für beide Seiten einfach alles stimmt, ist ungefähr so wahrscheinlich wie, dass wir morgen alle mit oder neben Brüsten wie jenen von Kate Upton aufwachen.

Ja das mit dem wunderschönen ersten Kuss hat Wren Studio in Wahrheit also echt höllisch gut inszeniert und auch richtig toll abgetimet. Obwohl die Wren-Marketingabteilung es bestimmt brav allen relevanten Blogs und den richtigen Facebook- oder Twitterseiten zugespielt hat, wird das Filmchen inzwischen auch von den großen Medien als Netzphänomen gehandhabt. Und funktionieren tut das echt super, denn das Video hatte nach nicht mal 19 Stunden bereits über zwei Millionen Klicks abgestaubt.

Aber so grandiose erste Küsse funktionieren vielleicht eben doch nur, wenn man wahnsinnig schöne Menschen, die sich ihr Brot eigentlich mit Modeln, der Schauspielerei oder als Indie-Bandmitglieder verdienen, knutschen lässt. Alle sind sie unglaublich attraktiv, dünn und gut trainiert, hip und supertoll gestylt und das trägt wahrscheinlich schon ein klein wenig dazu bei, dass wir uns dieses Video so gerne anschauen.

„Es ist so echt, nicht wie diese Hollywood-Scheiße“, hat eine Freundin dazu gemeint. Ja mag sein, denn die Leute küssen sich nicht in strömendem Regen nach einer dramatischen Vorgeschichte und schmeißen dabei ihr Beinchen filmreif in die Höhe, sondern in einem Filmstudio, ohne sich vorher zu kennen. Genau darin liegt für mich aber der entscheidende Punkt.

Es handelt es sich bei den Küssenden im Video um Menschen, die großteils in einem Job, für den sie in der Öffentlichkeit stehen, arbeiten. Sie wissen, wie sie sich vor Kameras bewegen müssen und können Gefühle verkaufen. Diese Menschen sind keine Normalos wie du und ich, sie wissen genau was sie tun und warum. Denn ganz abgesehen davon, dass sie uns Gefühle verkaufen, präsentieren sie uns Wren-Klamotten.

Einzig und allein Wren wird von den derzeit meist geklickten Küssern im Netz getragen. Wren Studio hat es mit diesem Video somit geschafft, so subtil wie möglich für sich zu werben, denn es geht ja eigentlich gar nicht um die Klamotten oder die Marke dahinter, sondern wie die Zeile „But if you’re not ready for love how can you be ready for life?“ des Soundtrack von Soko mittransportiert darum, offen für die Liebe zu sein und keine Angst davor zu haben. Das beinhaltet nun mal auch, dass man Fremde küsst und dabei vielleicht viele unangenehme Erste-Kuss-Erfahrungen durchzustehen hat, um irgendwann dann auch mal eine Person zu treffen, mit der das so wunderbar funktioniert wie in unser aller neuem Lieblingsvideo!

Foto: Merlin Bronques

Vero Moda

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