Verwöhnt, weltfremd, undankbar - Wir sind die Generation der verweichlichten Heulsusen

Baby Boomer, Golf, Generation X – seit Beginn der Neunziger Jahre wurde jede Generation von Menschen in einzigartigen Kategorien mit mehr oder minder amüsanten Namen zusammengefasst. Alles ab dem Jahrgang…
Verwöhnt, weltfremd, undankbar

Wir sind die Generation der verweichlichten Heulsusen

Baby Boomer, Golf, Generation X – seit Beginn der Neunziger Jahre wurde jede Generation von Menschen in einzigartigen Kategorien mit mehr oder minder amüsanten Namen zusammengefasst. Alles ab dem Jahrgang 1989 ist jetzt die sogenannte Generation Y. Generation Y – das sind wir. Und wir, wir werden gerade erwachsen.

Darüber wird viel in den Medien diskutiert. Und genau darüber regen wir uns gerne auf. Denn so selbstbewusst und ehrgeizig wie wir kategorisiert werden, genauso auch verweichlicht und verwöhnt sind wir letzten Endes. Vor allem: verwöhnt. Mein Opa erzählt oft von seiner Kindheit, da geht es um den Krieg, zerstörte Wohnungen, Ratten essen, die Rebellion der zu kurzen Miniröcke und Revolte gegen die Obrigkeit.

Unsere Generation dagegen zieht mit MacBook, iPhone und vor allem jeder Menge Geld – natürlich von Mama und Papa in den Arsch geschoben – durch die weite Welt und verlangt vor allem eines lautstark: Spaß. Spaß am laufenden Band. Und vielleicht nebenbei noch ein kleines bisschen die Welt retten, für das gute Gefühl. Und so.

Kurz gesagt: Uns stehen alle möglichen Türen offen. Wirklich. Von Anfang an. Wir sind jung, wir sind schön, wir sind intelligent – wir kennen uns aus. Hauptschule, Realschule, Abitur. Ausbildung, Weltreise, Studium. Wir können alles, wenn wir nur wollen. Nur eine Frage hält uns zurück: Wer soll sich da noch entscheiden können?

Heute Kunstgeschichte, morgen BWL. Anders als die Generationen vor uns haben wir nur eine Qual: die Qual der Wahl – zwischen 3.000 Ausbildungsberufen und über 17.000 Studiengängen. Wir, mit einer Kindheit im Reihenhaus mit Garten, mit Haustier und Mamas die uns in ihrem Auto von der Schule abholen und uns zum Klavier und Tennisunterricht fahren, und wir, die Englisch bereits im Kindergarten lernen.

Von unseren Eltern aus der Generation X wurden wir gefördert, verhätschelt und gefeiert. Schon als kleiner Hosenmatz war uns immer die volle Aufmerksamkeit gewiss. Wir durften mitentscheiden wohin die Familie in den Urlaub fährt und welche Farbe das neue Familienauto haben soll. Wir wurden immer ernst und an die Hand genommen, die Welt wurde uns erklärt.

Wir wissen, was es heißt, sich frei zu entfalten und verwirklichen zu dürfen. Da ist es doch nur logisch, dass wir das auch im Erwachsenenleben beibehalten wollen. Papas Lieblingstöchter studieren ein Jahr lang Modedesign, dann doch lieber Kunst, nur um im Anschluss eine Frisörausbildung zu machen. Wir folgen schließlich lediglich unseren Gefühlen.

Dazwischen werden Wohnung, Essen, Unterhaltung, Fitness, Reisen, Sozialleben, Krankenkasse und das tausendste Paar Schuhe bezahlt. Die Freiheit von heute und das erkämpfte Geld der Generation vor uns, müssen schließlich auch irgendwie ihre Wertschätzung finden. Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Scherzhaft werden wir von einigen auch „Generation Pippi“ genannt. Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, eine autonome Göre, die mit ihren Streichen und ihrer rotzigen Lebensart zur Heldin einer ganzen Bevölkerungsschicht wurde. Wir lassen uns nichts gefallen, wir wissen, was wir wollen, wann wir es wollen.

Generation Y. Das Y wird wie im Englischen ausgesprochen. Why. Warum. Wir sind die Generation der Fragen. Fragen wie: Passt mein Studiengang wirklich zu meinen Ambitionen? Zu meinem Charakter? Bin ich nicht noch viel zu jung, um in festen Strukturen zu arbeiten? Werde ich auch in 20 Jahren noch Freude an meinem Beruf haben? Warum mache ich nichts Kreativeres? Bin ich nicht unterbezahlt?

Freizeit statt Karriere, Sonderurlaub statt Stress: Wir geben für den Beruf nicht mehr alles. Wir erwarten. Immerhin sind wir auch herausragend gut ausgebildet. Macht Platz – jetzt kommen wir! Job, Gehalt, Selbstverwirklichung, Aufmerksamkeit, Fürsorge, Mitsprache. Chefs, die auf unsere Bedürfnisse eingehen. Arbeit, die uns gänzlich erfüllt.

Und wenn wir nicht bekommen, was wir uns wünschen, von wem auch immer, dann werden wir trotzig, stampfen mit den Füßen auf, schmollen, ziehen uns zurück und machen lieber gar nichts – oder studieren einfach weiter. Auf ein Neues. Alles ist besser als das hier. Für uns, die die Wahl haben, ist das schon fast eine Pflicht.

Unsere Generation ist entgegen mancher Ansicht weder faul noch dumm noch undankbar. Eigentlich sind wir sogar sehr fleißig. Wenn wir uns denn Aufgaben und Herausforderungen stellen dürfen, die wir für würdig erachten. Wir haben ganz verschrobene Ansichten von der Arbeit und dem Leben – und das sorgt für Konflikte.

Im Gegensatz zu den Generationen vor uns, sehen wir uns gerne als Weltverbesserer. Und das ist nichts Schlechtes. Aber müssen wir wirklich anfangen zu heulen, weil Papa uns nach dem vierten Studienabbruch doch mal den Geldhahn abdreht oder wir uns erst einmal in einem Praktikum nach oben arbeiten müssen und plötzlich sogar unsere Miete selbst zahlen sollen?

Das haben die vielen Generationen vor uns auch getan. Und wisst ihr was? Die haben ihre Zähne zusammengebissen, durchgehalten – und leben auch noch. Überraschung! Vielleicht ist aus ihnen am Ende nicht Anna Wintour, Gisele Bündchen oder Steve Jobs geworden, aber das Leben ist eben kein Süßigkeitenladen.

Nicht wenigen davon geht es trotzdem (oder sogar?) prima. Die haben einen Job, mit einem echten Gehalt, mit Versicherungen, mit Rücklagen. Also liebe Kinder, bitte wacht endlich auf und lasst euch gesagt sein: Reißt euch zusammen! Denn so einfach ist das Leben nicht. Willkommen in der Realität. Generation Y – das sind wir. Und wir, wir werden gerade erwachsen.

Foto: Merlin Bronques

Forever 21

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8 Kommentare

  • fix

    Unsere Generation hat wesentlich mehr Gemeinsamkeiten mit früheren Generationen, dass die Unterschiede so minimal sind und kaum gewertet sein sollten. Ist eben alles wieder nur Aufputschen eines Themas, dass in jeder Munde ist, aber dennoch im Endeffekt keinen Nährwert hat.
    Aber warum verteufelt man alles was neu ist? Nur um sich wieder sinnlos über etwas aufzuregen? Es sind eben Entwicklungen zu sehen, die es aber auch braucht, sonst würde alles weitere stagnieren und in Depression enden. Und spätestens dann wäre wieder nur jeder am meckern, dass doch alles immer den selben Gang geht.
    Was ist falsch daran, Wahlmöglichkeiten zu haben, sich auszutoben? Warum sollte ich mich darüber aufregen, dass sich meine Eltern aufgeopfert haben um mir die bestmöglichste Schulbildung zu ermöglichen, eben damit ich es später einfacher habe und diese genannten Wahlmöglichkeiten zu haben.
    Vielleicht haben gewisse Ansätze deines Eintrags aber auch mehr mit Änderungen zu tun, gegen die wir nichts tun konnten, G8, zu Jung ins Studium… Man kennt sich selbst nicht, warum muss man sich sofort entscheiden?

  • jaja

    Ist ja peinlich, wie ihr den Ich-generation Artikel auf shambo.de kopiert.

  • Adolf123KackeSuper

    Wasn das fürn spießbürgerlichen Einheitsbrei? Geheucheltes Schuldbewusstsein! Total klischeehaft aus dem Nähkästchen geplaudert.. journalistische Arbeit ahoi!

  • Adolf123KackeSuper

    Wasn das fürn spießbürgerlicher Einheitsbrei? Geheucheltes Schuldbewusstsein! Total klischeehaft aus dem Nähkästchen geplaudert.. journalistische Arbeit ahoi!

  • Monsieur Croche

    Ein weiteres Problem dieser Generation: das Selbstmitleid und das Gejammer, sobald einem mal ein etwas rauher Wind entgegenbläst. Akzeptiert es: die Kindheit ist vorbei und es wird nie mehr so sein, wie es war.

  • Martin

    Ich habe Asperger (=eine milde Form von Autismus, der meist erst spät erkannt wird) und mir wurde auch immer nur erzählt, dass ich mich zusammenreisen soll, was am Ende zu massiven Selbstzweifeln, Depressionen und Selbstmordgedanken geführt hat. Also sollten sich vielleicht doch nicht alle jungen Leute zusammenreisen, sondern nur all diejenigen, die wirklich aus Bequemlichkeit handeln und sich dies mitnichten verdient haben.

  • lennox

    diesen artikel braucht kein mensch. die autorin scheint offensichtlich von sich selbst zu sprechen und hat die “probleme” ihrer generation ziemlich profan runtergebrochen.

Strellson