Cash, Diamond Rings, Swimming Pools - Die Rappergöre D E N A ist die Zukunft unserer Hauptstadt

Googelt man nach D E N A, so wird einem als Erstes die Deutsche Energie-Agentur und an zweiter Stelle eine japanische Internetfirma, die irgendwas mit Spielen in sozialen Netzwerken macht,…
Cash, Diamond Rings, Swimming Pools

Die Rappergöre D E N A ist die Zukunft unserer Hauptstadt

D E N A

Googelt man nach D E N A, so wird einem als Erstes die Deutsche Energie-Agentur und an zweiter Stelle eine japanische Internetfirma, die irgendwas mit Spielen in sozialen Netzwerken macht, ausgespuckt. Erst der dritte Link führt mich zu DER D E N A, zu Dena from the Block oder Denitza Todorova, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt.

Wer von ihr bis jetzt noch nichts gehört hat, ist verdammt spät dran, denn D E N A wurde bereits vor gut einem Jahr im Ranking von SPIEGEL ONLINE unter die zehn interessantesten Newcomer des Jahres gewählt. Zu besagtem Zeitpunkt war ihr bisher bekanntester Song „Cash, Diamond Rings, Swimming Pools“ quasi über Nacht eingeschlagen wie eine Granate. Ein Musterbeispiel für ein Internet-Phänomen mit 10.000 Klicks pro Tag und das allein in der ersten Woche nach der Veröffentlichung.

Im dazugehörigen Musikvideo rappt sich die Wahlberlinerin in einem rosa Glitzer-Trash-Pulli durch Neuköllner Flohmarktstände, voll fadenscheinigem Bling-Bling und mehr oder weniger schlechten Imitatprodukten großer Marken. Sie singt davon, dass die Kohle fehlt, sie Diamanten zwar nicht brauche, aber schon gerne mit ihren Freunden am Pool in einem warmen Land chillen würde.

D E N A

Als ich mir das Video zum ersten Mal reingezogen habe, war das ein WTF?!-Erlebnis allererster Sahne. Ich war hin und weg davon, wie gekonnt diese Tante im ärgsten Hipster-Outfit ihre Lyrics von Wohlstandssehnsüchten durch dieses ärmliche Immigranten-Setting auf selbstironische Art und Weise einerseits bricht und andererseits dann aber doch wieder alles so wunderbar zusammenpasst, weil die Gesamtkomposition ganz einfach den gegenwärtige Zeitgeist von „Berlin ist arm, aber sexy“ trifft.

Auch D E N As zweiter Song „Games“ thematisiert mit „Everybody is on a TV show screaming: I`m a star“ auf den ersten Blick den Wunsch nach Bekanntheit, Ruhm und Reichtum. Eigentlich scheint es D E N A aber darum zu gehen, das zu kritisieren, was mit einer Industrie, in der permanente digitale Selbstdarstellung ein Muss ist, oft unweigerlich zusammenhängt: falsche Freundschaft und gegenseitiges Ausnutzen auf dem Weg nach oben.

Mit „Thin Rope“ zeigt uns die Rapperin, dass sie nicht vor hat, sich herum schubsen zu lassen, sondern ihr eigenes Ding durchziehen will und wird – auch wenn das bedeutet, Zeit und Mühe investieren zu müssen: „I gotta go through the whole level, can’t skip it“.

D E N A

Was es heißt Durchsetzungsvermögen zu haben, hat die gebürtige Bulgarin nämlich schon früh verstanden. So war es, als ihr Heimatland noch nicht zur EU gehörte, kein Leichtes ein Visum zu bekommen, um dann in Deutschland „Europäische Medienwissenschaften“ zu studieren. Den Bezug zu ihren osteuropäischen Wurzeln hat D E N A übrigens bis heute nicht verloren.

Er spielt sogar eine dominierende Rolle. So ist die Musik zum im September veröffentlichten Track „Guestlist“ voller Balkan-Vibes und auch das Video dazu wurde in Bulgarien gedreht. Nach eigenen Aussagen geht es im Song um mehr, als nur darum, nicht auf der Gästeliste zu stehen und deswegen nicht in den Club reinzukommen. Das soll nur eine Metapher für Status und in Zusammenhang damit für Ausgrenzung im Alltag, in der Gesellschaft oder im jeweiligen soziokulturellen Kontext sein.

Was sich durch alle D E N A-Songs zieht, wie die Faust aufs Auge passt und dadurch zu so etwas wie Denitzas Markenzeichen geworden ist, ist ihr – wie ich glaube – gewollt nicht akzentfreies Englisch. Das schafft spannende Kontraste zu einer Musik, die nicht wirklich klar einer Richtung zugeordnet werden kann, denn D E N As internationalen Pop als eine wilde Mischung aus Neunziger Hip-Hop, souligem Rap und Balkan Beats zu beschreiben, greift irgendwie zu kurz.

D E N A

Vor allem dann, wenn man in ihren vorab veröffentlichten neuen Song des im März 2014 erscheinenden Albums „Flash“, hineinhört. Hier präsentiert sich D E N A von einer ganz anderen Seite als bisher: weniger aggressiv, eine ganze Spur ruhiger, reifer und um einiges emotionaler. Dennoch bleibt sie ihrer kopfnickenden Lässigkeit mit wenigen eingängigen und gerade deswegen so mitten ins Herz treffenden Sätzen wie „Think about it what we`ve got: Bunch of missed calls in the middle of the night“ treu. D E N A rappt in unkomplizierter Manier über das vielleicht größte aller amourösen Probleme: „Bad Timing“.

Eine Liebelei, die aufgrund äußerer Einflüsse von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist. Die Gründe dafür sind vielseitig und reichen von räumlicher Distanz über ein ständiges Einander-Verpassen aufgrund der Tatsache, dass man wechselweise in einer fixen Beziehung gefangen ist, bis hin zu weiß der Kuckuck was.

Wie dem auch sei, jeder hat es schon mal erlebt und jede kann sich damit identifizieren. Und gerade deswegen möchte man hingehen und dieses toughe Balkanmädchen, das so viel geschafft hat und offensichtlich trotzdem mit den gleichen 08/15-Problemchen wie wir alle zu kämpfen hat, einfach nur mal ganz fest drücken – oder sich wenigstens gemeinsam mit ihr die Seele aus dem Leib heulen.

Fotos: Obi Blanche, Charli XCX und Katharina Poblotzki

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