- Schadet die Legalisierung von Cannabis unseren Kindern?

Foto: Sandy Kim Gras rauchen – das ist in den Studenten-WGs dieses Landes ungefähr so beliebt wie literweise Club Mate in sich hinein zu schütten und sich Fernsehserien aus dem…

Schadet die Legalisierung von Cannabis unseren Kindern?


Foto: Sandy Kim

Gras rauchen – das ist in den Studenten-WGs dieses Landes ungefähr so beliebt wie literweise Club Mate in sich hinein zu schütten und sich Fernsehserien aus dem Internet zu klauen. Dass in Berlin-Kreuzberg womöglich schon bald der erste legale Marihuana-Laden eröffnen soll, wird in unserem Umfeld durchaus positiv bewertet. Doch es gibt auch Gegenstimmen zur Legalisierung von Cannabis – und die sorgen sich besonders um unsere Kinder.

Julia Völker hat auf ZEIT ONLINE ein Interview mit dem Psychiater und Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Rainer Thomasius geführt, der strikt dagegen ist, dass Cannabis – auch für Erwachsene – legalisiert werden sollte.

„Cannabis kann das Gehirn dauerhaft verändern. Bei Jugendlichen bleiben Gehirnveränderungen ein Leben lang, zum Beispiel eine Verkleinerung des Hippocampus, in dem wichtige Strukturen des Gedächtnisses stecken“, so Rainer Thomasius. „Wenn die jungen Patienten zu mir kommen, haben fünf Prozent von ihnen psychotische Symptome. Bei manchen wird durch die Droge sogar eine handfeste Schizophrenie ausgelöst.“

Und weiter: „Es gibt keinen ungefährlichen Konsum im Kindes- und Jugendalter. Die jungen Menschen entwickeln nicht ihre eigene Persönlichkeit, sind zutiefst verunsichert und eigentlich nur auf der Suche nach Nähe und Geborgenheit. Die Behandlungszahlen steigen zwar seit Längerem – trotzdem erreichen wir nur einen kleinen Teil. Die Jugendlichen müssen vorsichtig sein, sich nicht selbst zu überschätzen. Es gibt keinen kontrollierten Konsum nach einer Sucht.“

Neben ihm hat Julia auch mit einem heute 18-Jährigen gesprochen, der seit längerem unter Cannabissucht leidet. „Als ich das erste Mal an einem Joint gezogen hatte, hab ich nicht verstanden, warum die Erwachsenen Drogen immer so verteufelten”, sagt er in dem Interview. “Drogen sind schlecht, Drogen machen abhängig”, habe er zwar zu Hause und in der Schule oft gehört. “Doch es hat sich so gut angefühlt – wie sollte etwas so Wunderbares schlecht für mich sein?”

Aber er merkte zu spät, dass er kein Limit kannte. Hatte ihm anfangs noch ein halbes Gramm Marihuana am Tag gereicht, brauchte er später bis zu fünf Gramm am Tag. „Da kam ich leicht auf 600 bis 700 Euro pro Monat“, sagt er. Irgendwann habe er die Rauschwirkung gar nicht mehr gespürt, sondern die Drogen gebraucht, um normal zu sein, um sich überhaupt nach draußen zu trauen. Er war süchtig. Folgen: Schulabbruch und der Rauswurf von zu Hause. “Da wusste ich, dass ich aufhören wollte. Aber ich konnte das nicht alleine schaffen.” Seine letzte Rettung: Therapie.

Eine Legalisierung von Cannabis für Erwachsene würde Rainer Thomasius nach das falsche Signal setzen – besonders für Kinder und Jugendliche. Die würden sich besonders schwer tun, um von der Droge loszukommen. Und wer bereits eine starke Veranlagung zur Schizophrenie hat, löst diese durch die Droge womöglich deutlich früher aus. Sollten wir also freiwillig auf die Legalisierung dieser weichen Droge verzichten, um die nachfolgenden Generationen vor ihr und sich selbst zu schützen?

Puma

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5 Kommentare

  • mischler

    Das es bei Kindern und Jugendlichen teils unwiderrufliche Folgen für das Gehirn hat sollte jedem klar sein. Doch genau aus diesem Grund sollte man ja für eine Legalisierung mit kontrollierter Abgabe sein.
    So würde der Schwarzmarkt geschwächt- was zur Folge hat dass man sich als u18 nicht mehr an jeder Ecke beim Dealer Cannabis holen kann. Selbiges ist oft auch mit flüssigem Plastik, Sand oder gar Glasstückchen versetzt um es schwerer zu machen. Ich verstehe die Angst vor der Legalisierung nicht, haben doch Länder wie die Niederlande oder die USA gezeigt wasein offener Umgang mit der Droge alles bewirken kann.

  • Nein, sollten wir nicht.

  • nLight

    Mischler hat vollkommen Recht, viele 11-12 jährige kommen Heute an Cannabis aus der falschen Ecke, der Schwarzmarkt hat sich so weit entwickelt, das selbst Kinder an das Zeug kommen. Gezüchtete Sorten mit einem THC-Anteil von 10-20%, und noch dazu mit giftigen und lebensbedrohlichen Substanzen gestreckt. Das Verbot hat dagegen nicht ansatzweise geholfen, es ist eher schlimmer geworden. Gerade die Legalisierung und die kontrollierte Abgabe an Volljährige kann dem ansatzweise Einhalt gebieten. Vollständing wird man die Jugend auch hier nicht davon abhalten können, irgendwie kommen Sie trotzdem an den Stoff. Aber so wird es immerhin schwieriger und der Schwarzmarkt größtenteils Ausgemerzt. Der Handel von Cannabis kann dann aber im Strafmaß erhöht werden, weil der Schwarzmarkt dann offensichtlich an Kinder und Jugendliche gerichtet ist, da diese nun die einzigen Betroffenen wären, die nicht Cannabis legal beziehen können und auch selbstverständlich nicht sollten. Jeder der dann Cannabis an Kinder verkauft, sollte dementsprechend eine ordentliche Strafe bekommen.
    Man sollte eher auf Aufklärung setzen und Menschen zeigen, wie man Cannabis auch geregelt konsumieren kann, und nur durch Legalisierung lässt sich überhaupt ansatzweise ein Jugendschutz durchführen.
    Von vielen weiteren Vorteilen ganz zu schweigen!

  • Janosch

    Wieso habe ich, wenn das Thema “Kinder” in solchen Debatten zur Sprache kommt, immer Helen Lovejoy im Kopf?

    War ja klar, dass irgendwann die “Kinder”-Fliegenklatsche ausgepackt werden muss.
    Ganz großes Kino.

    Es wird immer mit Extremen gearbeitet.
    Wenn sich Pro- und Contralager mal endlich annähern und nicht immer nur die totale Legalisierung oder das totale Verbot fordern würden, könnte man sich ja irgendwann mal einig werden.

    Kompromissen Leute. So schwer ist das doch nicht..

  • Der Alte

    Wow, Marcel. Der Artikel war so augenöffnend für mich, dass du total meine Anschauung zu dem Thema geändert hast. Ich hab immer gedacht, so hey Legalisierung is ganz klar die bessere Entscheidung. Kontrollierter Anbau & Qualität, mehr Steuergeld, weniger sinnlose Kosten für den Staat. Vor allem der erste Punkt klang immer ganz gut. So als würd er Konsumenten schützen vor gepunshten Shit der halt auch mal gesundheitlich ungute Folgen haben könnte.
    Aber der Artikel Alter, mit dem Kind da, das Abhängig ist. Wow, ich will jetz eigentlich auch Alkohol verbieten. Soll ja auch nicht immer so gut für Kinder, sein hab ich gehört. Und das soll das mit dem ganzen Masturbieren. Wird man blind davon hab ich gehört! Das Internet? Fang mir erst gar nicht damit an, was die Leute dort finden könnten!

    Ich muss sagen danke Marcel, eines Tages, irgendwann in der Zukunft, wenn du dann nicht mehr schreibst, wird man an dich als einer der großartigsten Freidenker seiner Zeit zurückdenken. Ich hoff der Tag kommt schon bald.

Forever 21