- Tinder verschafft uns allen endlich kostenlosen Sex

Foto: Merlin Bronques Der Vater meiner besten Freundin macht Online-Dating. Und die eine aus meinem Ethikseminar auch, die ist Ende 30 und erst vor einem Jahr nach Europa gekommen. Aber…

Tinder verschafft uns allen endlich kostenlosen Sex

Tinder
Foto: Merlin Bronques

Der Vater meiner besten Freundin macht Online-Dating. Und die eine aus meinem Ethikseminar auch, die ist Ende 30 und erst vor einem Jahr nach Europa gekommen. Aber sonst? Mal ehrlich, das haben wir doch gar nicht nötig, oder? Wir sind jung, wir gehen feiern, wir lernen jeden Tag neue Menschen kennen. Online-Dating ist was für Alte, Fremde oder Gamer. Leute eben, die tendenziell nicht so attraktiv und wenig draußen sind.

Dachte ich zumindest. Bis meine Mitbewohnerin – jung, auffällig gut aussehend und nicht gerade schüchtern – mir ihre neuesten Flirts auf dem Smartphone präsentiert. Einer knackiger als der andere. Mit Dan und Dave chattet sie gerade. Mit Marcus will sie sich am Wochenende treffen. Nur Mike nervt irgendwie, weil er sie mit Selfies bombardiert und jetzt auch endlich welche sehen will. Kurz gesagt: Meine Mitbewohnerin, nennen wir sie einfach mal Ute, hat ihre beachtliche Flirt-Quote glatt verfünffacht.

Tinder heißt der neue Smartphone-Segen, der meiner Mitbewohnerin täglich eine Auswahl gleichaltriger Geschlechtspartner aus der Nachbarschaft auf den digitalen Servierteller legt. Das Rezept ist ganz einfach: man nehme eine Handvoll Fotos deines Facebook-Accounts, Name, Alter und Vorliebe (Männchen, Weibchen, beides) und dann noch eine Prise Geolocation und schon werden dir die besten Angebote im passenden Alter im Umkreis von 1, 10 oder 20 Meilen auf den Display gezaubert. Gefällt dir was du siehst, wisch nach rechts. Nicht dein Fall, wisch nach links. Nur wenn ihr euch gegenseitig so ganz passabel findet, erlaubt euch Tinder loszuchatten. It's a match. You and Sebastian have liked each other. Start Chatting or Keep playing.

Es ist ein bisschen wie Speed-Dating, nur ohne den peinlichen Small-Talk. Und ohne, dass ihr euch dafür auch nur anziehen oder etwa die Augenbrauen zupfen müsstet. Einfach schön ungeduscht im Bett liegen bleiben und das Date für den Abend klarmachen. Eure schönsten Facebook-Bilder einmal durch den Instagram-Filter ziehen und schon seid ihr fertig für stundenlanges Jungs-Klarmachen. Ute macht's am liebsten im Bus oder beim Tatort gucken, denn mehr Aufmerksamkeit braucht es für das unverfängliche Dating-Game nicht. Nicht mehr als drei Sekunden gibt sie den meisten Typen. Hot or not? Weiter geht's!

Und dass das Ganze eigentlich der Gipfel der Oberflächlichkeit ist? Kein Problem, erklärt mir Ute. Im echten Leben würden wir ja auch niemanden ansprechen, nur weil wir hoffen, dass er einen netten Charakter hat. Oder habt ihr auf einer Party schon mal nach Hobbys, politischer Gesinnung oder Lieblingsfarbe gefragt, bevor ihr dem süßen Typ mit Dreitagebart eure Telefonnummer gegeben habt? Eben.

Mehr Erfolgschancen als im echten Leben oder beim konventionellen Speed-Dating gibt es bei der mobilen Variante auch noch. Knapp vier Millionen Treffer gibt es jeden Tag weltweit, sagen die Gründer. Aber das wirklich Geniale ist: Wenn die Liebe mal unerwidert bleibt, merkt ihr das gar nicht. Ein nicht-erwidertes Zuzwinkern im Café oder unbeantwortetes Antanzen im Club schmerzt jedenfalls mehr. Auf Tinder bleibt vor allem das süße Gefühl der Bestätigung der anderen 20 Treffer zurück. Denn euch wird ganz klar gezeigt: Potentiell könnte da also schon mal was laufen mit dem, und dem und dem – und 17 anderen.

Ute unterscheidet zwischen Heiratsmaterial und unverfänglichem Nachbarschaftssex. Typen, die man eventuell auch den Eltern vorstellen könnte, erkennt man an den seriöseren Bildern, gern mal mit Krawatte oder beim Raclette auf der Skihütte. Und vor allem gibt es da mehr Gesprächsbedarf: Jura oder Medizin? Theater oder Oper? Beim One-Night-Stand-Kandidaten gibt es eigentlich nicht viel zu chatten. Mehr als “Heute Abend schon was vor?“, muss da eigentlich nicht gefragt werden. Tinder hat das erste Interesse ja schon mal für euch abgeklärt.

Bevor jetzt aber die Fantasie mit euch durchgeht und ihr euch schon als neuen Tinder-Casanova von einem One-Night-Stand zum nächsten hüpfen und nur noch schnell zum Smartphone aufladen und Unterhose wechseln nach Hause kommen seht, muss ich euch enttäuschen: Oft wird eben auch nur rumgeplänkelt. Ganz so aufregend wie auf den vier ausgewählten Fotos (am liebsten auf dem Snowboard, wandernd in den Anden oder oberkörperfrei auf Ko Phi Phi) sind die meisten dann leider doch nicht.

Deswegen sollte man beim tindern am besten auch strenge Regeln befolgen. Ute hat mir die drei wichtigsten Spielregeln erklärt. Erstens: Niemals Typen bestätigen, die es nötig haben ein Oben-ohne Foto hochzuladen. Wir sind uns ja auch zu schade, uns im knappen Monokini oder mit öligem Ausschnitt zu präsentieren. Viel zu einfallslos – und schließlich will man vor dem ersten Date ja auch noch nicht alles gesehen haben.

Zweitens: Niemals auf Jungs reinfallen, die sich hinter einem Gruppenfoto verstecken. Die Gefahr ist viel zu groß, dass der potenzielle Date-Kandidat nicht der mit den Wangenknochen von Ashton Kutcher sondern der mit der viel zu großen Nase und der Gürteltasche um den Bauch ist. Genug Selbstbewusstsein ein Einzelfoto hochzuladen, muss er schon haben.

Drittens: Rotes Licht für Mitbewohner, Freunde von Freundinnen (upps, was machen die denn da?) und Ex-Freunde – das bringt alles nichts als Ärger. Einfach einmal nach rechts wischen und so tun als hättet ihr sie nie gesehen. Und im Fall des Freundes der Freundin noch vorher schnell einen Beweis-Screenshot machen.

Am meisten gefunkt hat es bei Ute dann aber doch mit einem alten Bekannten. Die beiden kannten sich schon von der Arbeit – zumindest so ein bisschen. Er am Eingang. Sie an der Kasse. Auf Facebook waren sie schon seit Ewigkeiten “befreundet“, geredet hatten sie trotzdem nie miteinander. Jetzt, zwei Jahre später, haben sie auf Tinder grünes Licht bekommen. Ute findet Lukas süß. Und Lukas steht auf Ute. Es ist offiziell und endlich können die beiden sich in Ruhe daten.

Ja, es gibt immer noch tausend schönere Arten sich zu kennenzulernen, sich Hals über Kopf zu verlieben oder einfach nur den nächsten One-Night-Stand zu finden, aber es spricht eben auch nichts dagegen sein Liebesleben um ein Date mit einem alten Bekannten und ein bisschen Bestätigung von attraktiven Fremden zu bereichern.

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15 Kommentare

  • Pascal

    Richtig gut!

  • Hannah

    Keine mitglieder im umkreis von 160km??? Hallo kostenloser Sex wo bist du???

  • “Online-Dating ist was für […] Gamer. Leute eben, die tendenziell nicht so attraktiv und wenig draußen sind.”

    n/c

  • Alexander Rentsch

    Bislang sind’s bei mir 20 Matches… keine schreibt zurück.

  • Flo

    Frankfurt bzw. Rhein-Main ist auch eher ne Tinder-Wüste…

  • Mona

    Ich hab erfolgreich meine Liebe mit Tinder gefunden (allerdings in NYC – da ist das Angebot vielleicht groesser). Klar gibt’s schoenere Wege, aber Spass gemacht hats!

  • Markus

    “Online-Dating ist was für Alte” haha glaub mir der Spruch kommt irgendwann wieder zurück zu dir…wie ein Bumerang…wenn du alt genug bist…oh man diese typische Arroganz der Jugend :D

  • Kann man das auch ohne Facebook nutzen?

  • Tinder App – Ihr Name ist Tinder und sie macht uns verrückt!

    […] Wenn ihr mehr über die Tinder App lesen möchtet, dann schaut bei Marcel und Sara […]

  • Marc Terre

    Moin,

    naja das ist wieder mal ein Artikel den nur die “Generation Facebook” hervorbringen kann…
    Ich habe keine Lust, dass alles was ich mal angeschaut oder gemacht habe gelogt wird.
    Aber die Kinder von heute haben ja eindeutig bewiesen, dass Ihnen der Datenschutz wie vor 20 Jahren sch… Egal ist.
    Eine lustige Anekdote dazu ist, dass als die ersten Fotoapparate erfunden wurden, Frauen männer mit Messern angegriffen haben wenn sie fotografiert wurden, heute stellen die Menschen Ihre Fotos jedem Peversen oder Stalker freiwillig zu Verfügung…

  • Marc Terre

    Nachtrag :

    Und an eines sollte Frau Jacos sich auch gewöhnen, NICHTS in dieser Welt ist kostenlos, Alles wird irgendwie bezahlt…

  • Frank

    Hmmm,

    der Artikel liest sich stark wie ein viraler Werbetext für die App…

  • Andreas

    an Naivität ist dieser Artikel kaum zu überbieten!

    Liebe Luisa, natürlich ist ein Ansprechen auf der Straße oder im Club mit einer gewissen Oberflächlichkeit verbunden. Aber ein Foto sagt nichts über Körpersprache wie Gestiken, Mimiken, Stimme und mit welchen Augen man tatsächlich angeblickt wird aus.
    Jemanden beim ersten Kontakt bewusst ein Lächeln zuzuwerfen ist eine Geste, die es auf Tinder nicht gibt. Und diese ist auch oft entscheidend.
    Abgeblitzt zu werden gehört nun eben auch dazu und versteht sich unter “real live”. Tinder dagegen sieht sich eher als Flucht vor der Realität beim Wisch nach links, von dem man selbst nie erfahren wird.
    Ich lebe gern mit der neuen Technik, pflege aber die alte Schule des echten Leben wie z.B.: das man aus Fehlern auch lernt. Vielleicht bin ich hier aber auch ganz falsch und mache nur ein Fass über Generationenkonflikt auf.

    I’ve got love for you, if you were born in the 80’ies.

    Tinder ist lustig, mehr aber auch nicht.

  • Cualcua

    Als nur durchschnittlich attraktiver Mann ist das alles eher frustrierend. Ich gebe eigentlich jeder Frau in fast jedem Alter ein like. Nur leider gibt es für mich seltenst eines zurück. Und wenn man doch mal ein Match hat, dann bekommt man keine Antwort.
    Ich denke ich habe mehr zu bieten, nur leider wird man so schon sehr früh aussortiert.
    Immerhin hat es bestätigt, dass Frauen eben doch oberflächlich sind. Schade eigentlich…

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