- Catching Fire beweist, dass Menschen scheiße sind

Ich bin kein Fantasy-Fan. Menschen-Liebhaberin auch nicht. Ja doch, obwohl ich dieser ach so intelligenten, besseren, nämlich empathischen Gattung angehöre, habe ich unterschwellig eine tiefe Abneigung gegen uns alle. Weil…

Catching Fire beweist, dass Menschen scheiße sind

Ich bin kein Fantasy-Fan. Menschen-Liebhaberin auch nicht. Ja doch, obwohl ich dieser ach so intelligenten, besseren, nämlich empathischen Gattung angehöre, habe ich unterschwellig eine tiefe Abneigung gegen uns alle. Weil wir so super plötzlich abstumpfen, immer wenn eine Portion Ignoranz brauchen.

Das Talent, Probleme nicht zu banalisieren, blieb mir ebenso verwehrt wie ein Faible für Dystopien. Der heftige Auslöser für meine Kehrtwende? „Tributes of Panem- Catching Fire“, mit einer nicht sexy, sondern knallhart inszenierten Jennifer Lawrence sorgt seit der Deutschland-Premiere dafür, dass ich (anti-)utopischen Welten in HD-Auflösung einmalig Anerkennung zolle. Und mich schäme. Beschämt bin, ein Homo sapiens zu sein. Einmal mehr.

Das Schreckliche, was ich dort auf der Leinwand sehe, dafür sollte mir eigentlich die Vorstellungskraft fehlen. Oder es dürfte mir gelingen, das Grauen der vermeintlichen Parallelwelt gekonnt zu verdrängen. Zum Beispiel wenn mein Bus mal wieder zu spät kommt. Doch die Erkenntnis jagt mir das Grauen durch meine Hornhaut.

Catching Fire

Wenn der erste Teil noch leicht ungemütlich war, ist die Fortsetzung schwer zu ertragen und braucht eben mal knapp 168 Stunden zur ansatzweisen Verarbeitung. Aber dass ein Film dieses Genres mich eher von meinen Hippie-Idealen desillusioniert, als die Nachrichten, kann ich ja nicht ahnen!

Wo anfangen? Vielleicht mit einem Fazit: Wenn uns Filme sonst derartig nachhaltig schocken und unsere permanent schwindende Gehirnmasse zum über brodelnden Einsatz bringt, geht ihnen meist die rührende Info zuvor: „Beruht auf wahren Begebenheiten.“ Nun, dieser Film muss das nicht anführen, und genau deswegen ist er so beklemmend. So Weltklasse.

Dass unsere Welt nicht mehr klasse, nicht viel besser ist als die „Hunger Games“, ja bitte, um diese bittere Tatsache zu akzeptieren, schalte man am besten nach dem Kinobesuch der gelungen Verfilmung die „Tagesschau“ ein. Die Protagonisten mit und rund um die famose Katniss Everdeen aka Jennifer Lawrence porträtieren unsere Hölle auf Erden, und das ist nur erträglich, weil man sich zwischendurch an leichten Elementen der Animation ergötzen kann.

Catching Fire

So werden die tragischen Helden mit giftigem Gas bekämpft, was ihnen eitrige, glühende Blasen auf die Haut brennt. Also nicht ganz Giftgas. Da steht Kapitol-King Snow auf dem Podest, gesäumt von den berühmten Panem-Zeichen, mit triumphierender Musik, stramm marschierenden Soldaten auf einem riesigen, malerischen, wenn auch militärischen Platz, in feierlicher Zeremonie zur nächsten Massentötung. Naja, nicht ganz Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

Da wird weder Rücksicht auf alte Frauen noch auf kleine Kinder genommen, oder Schwangere, hier wird der Schwarzmarkt mit Raub von allem „bekämpft“, was einen Wert für die Ordnungskämpfer hat. Hello Kim Jong Un again. Um die Tribute gefügig zu machen, werden Raben ausgeflogen, die Hilfeschreie ihrer Liebsten imitieren.

Okay, in der DDR war es bloß die Drohung, Familienmitglieder zu tyrannisieren. Offiziell. Von Überwachung, Kontrolle und Bespitzlung, Abhorchen der Gespräche und Nutzung intimer Geheimnisse zur Machtvergrößerung, fangen wir besser nicht an. Unterdrückung von Revolutionen bis zur Hinrichtung. Und ha, ha, alle schauen zu.

Catching Fire

„Tributes of Panem- Catching Fire“ ist ein Meisterwerk, ekelhaft, genau darin, uns den Spiegel vorzuhalten, uns zittern zu lassen, uns fluchen und betreten stumm werden zu lassen. Jawohl, die Handlung kuriert uns sogar von unserem idealistischen, von Hollywood verseuchtem Denken: Wir erwarten plötzlich, dass die Guten sterben, statt sicher zu sein, dass sie am Ende eh gewinnen. Wir sehen, dass unsere vermeintlichen Helden Explosionen nicht ohne Kratzer überleben.

Uns wird klar, dass Katniss Fingernägel dreckig sind, ihre Schminke nicht hält, wenn sie heult, ihre Haare nicht sitzen und dass es ihr auch nicht helfen würde. Selbst ihr Gesicht sieht nicht nach Orgasmus aus, wenn sie vor Schmerzen stöhnt.

Schlagartig wird uns bewusst, dass der erste Teil, „Tribute von Panem“, eine Art Aufwärmung war, eine nette Illusion, die ein paar realistische Züge hatte, die uns hungrig machte auf mehr, um uns auf den Magen zu schlagen und den Appetit zu verderben mit der Fortsetzung, die dokumentierte Realität ist – mit ein paar fantastischen Zügen. Und dabei die beste Dystopie ist, die ich je gesehen habe. Ich bin kein Fantasy-Fan. Und Menschen mag ich jetzt noch weniger.

Forever 21

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