- Fashion Hero ist die schlechteste Show der Welt

Foto: ProSieben Und alle Mädels schreien jetzt: Yeah, wieder eine Sendung, die auf dem Mist eines Models gewachsen ist – oder zumindest so tut, damit die Einschaltquote steigt. Genau, die…

Fashion Hero ist die schlechteste Show der Welt

Fashion Hero
Foto: ProSieben

Und alle Mädels schreien jetzt: Yeah, wieder eine Sendung, die auf dem Mist eines Models gewachsen ist – oder zumindest so tut, damit die Einschaltquote steigt. Genau, die Rede ist von der neuen Sendung “Fashion Hero” mit dem allseits bekannten deutschen Topmodel Claudia Schiffer. Das Format gibt's jeden Mittwoch ab 20:15 Uhr auf dem niveauvollsten aller Sender zu sehen: ProSieben!

Das Konzept der Show ist schnell und einfach erklärt: Ein Haufen junger und aufstrebender Designer und ein paar ältere Modelle streiten sich um den Titel Fashion Hero 2014. Was sie dafür tun müssen? Ganz einfach. Schritt 1: Die Kreativität an den Nagel hängen. Schritt 2: Fummel entwerfen, die die breite Masse ansprechen. Schritt 3: Nie der Jury widersprechen, weil die einen im Zweifelsfall hochkant aus dem Studio wirft. Das alles mit nur einem Ziel: Verkaufen, verkaufen, verkaufen!

Und obwohl auch hier, wie in allen Reality-Shows, die in den letzten Jahren immer häufiger über den Bildschirm flimmern, à la Bruce Darnell, die Competition immer und immer wieder betont wird, die Aufgaben Woche für Woche schwerer werden, es um eine Menge Geld geht und jeder Designer für sich und seine Marke kämpft, sind natürlich trotzdem alle Beteiligten beste Freunde.

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Friede, Freude, Eierkuchen könnte man jetzt sagen. Was ist daran so schlimm? Nichts, alles gut. Wir kommen erst allmählich zu dem Punkt, an dem die Sendung für den kreativen Totalausfall sorgt. Dass die Designer jede Woche ein Thema vorgegeben bekommen, nachdem sie ihre Klamotten entwerfen sollen ist vollkommen in Ordnung.

Auch wenn sich in der vergangenen Sendung das allseits beliebte Zwillingspaar Jila und Jale an dem kurz zusammengefassten Motto „Macht alles wie immer, nur genau andersrum“ die Zähne ausbiss, seinen kantigen und androgynen Stil hinter sich ließ, ein verspieltes Blümchenkleid entwarf und diesmal nicht vom sonst so treuen Käufer ASOS ein Gebot bekam.

Dass der Designer-Nachwuchs die Klamotten auf eine spezielle Art und Weise präsentieren muss, zum Beispiel in einem nachgestellten Schaufenster oder einem Foto-Shooting, ist auch noch im Sinne einer bombastische Einschaltquote – die bisher aus unerfindlichen Gründen ausbleibt. Und selbst, dass Claudia Schiffer immer nur bei ihren Lieblingsdesignern auf die Bühne kommt, sich lässig den frisch geschneiderten Trenchcoat überwirft, den Catwalk auf und ab stolziert und somit Käufer und Publikum manipuliert, lässt sich noch ertragen.

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Aber, und das ist wirklich ein dickes fettes ABER, da sind diese drei Einkäufer, von den bekannten Labels Karstadt, s.Oliver und ASOS, die die Sendung einfach nur zu einem großen kommerziellen Witz werden lassen. Denn nicht die Jury entscheidet, welche Designer weiterkommen, sondern Anne Rech von ASOS, Petra Winter von s.Oliver und André Maeder von KARSTADT. Nur der Designer, dessen Mode gekauft wird, kommt in die nächste Runde und darf somit weiterhin die große Ehre genießen, Mode für die Stange entwerfen zu dürfen.

Klar, die Jury, in der Topmodel Claudia Schiffer, die Geschäftsfrau Uta Hüsch und so ein Typ mit ‘nem Monokel, von dem niemand so recht weiß, wie er dort gelandet ist, sitzen, hat auch noch etwas zu melden… allerdings nicht viel. Sie darf den Designern Tipps beim Entwerfen geben, bei Tränen ein Taschentuch parat halten und die Entwürfe in den Himmel loben. Das nützt allerdings herzlich wenig, wenn die Käufer kein Geld für diese wunderbaren und kreativen Teile locker machen wollen.

Und schon fällt das neue Lieblingswort, das einem die Haare zu Berge stehen lassen, von Herrn Maeder: UNVERKÄUFLICH! Klar, nicht jede Frau kauft regelmäßig den knackig engen Lederlook und nicht jeder Typ – selbst wenn er metrosexuell sein sollte – erwirbt ein knallbuntes Oberteil mit irgendeinem „total angesagten“ Klimbim dran.

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Und darum geht es ja: Die Mode, im Anschluss an die Sendung, zu verkaufen, wenn die Mädels vor dem Fernseher noch so richtig heiß auf die eben präsentierten Teile sind. Aber ganz im Ernst, da wurden teilweise Klamotten in die Tonne gekloppt, von der nicht nur die Jury, meine kleine Nachhilfeschülerin, ihr Hund und ich begeistert waren.

Das ist eine Schande, erklärt aber eventuell auch, warum man in den Läden der altbekannten Ketten immer nur das Gleiche zu finden scheint. Denn darauf achten die Käufer selbstverständlich: Dass die Mode im Trend ist, aber bloß keine Trends setzt – die kennt ja noch keiner und dann wird sie nicht gekauft! Das muss jeder Nachwuchsdesigner selbstverständlich auf dem Schirm haben.

Sollte ein Designer es trotz allem wagen, seiner Kreativität freien Lauf lassen zu wollen, bekommt dieser im Anschluss das vernichtende Wort UNVERKÄUFLICH um die Ohren gehauen und will am liebsten kleinlaut mit seinen hübschen Models im Boden des Catwalks versinken. Aber nein, es gibt noch eine Rettung: Den Fashion-Showdown.

Ist ja logisch – so ein Showdown darf ja auf keinen Fall in einer massentauglichen (da ist es wieder, dieses Wort) Sendung fehlen. Der Sinn hinter diesem Showdown ist genauso einfach zu erklären wie die Show selbst: Die armen Seelen, deren Kleidung nicht gekauft wurde, sollen eine zweite Chance bekommen und innerhalb einer halben Stunde aus irgendeinem Teil, das sie vom Moderator in die Hand gedrückt bekommen, was Hübsches und – ACHTUNG – Kreatives zaubern.

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Dann geht's ab hinter die Bühne und ganz fix wird aus einem Friesennerz ein stylisches Ausgehkleid gezaubert. Am Ende der Show dürfen die jungen Talente dann ihre Models in den eben angefertigten 30-Minuten-Entwürfen über den Catwalk jagen. Und da wird's interessant.

Ohne Motto, Reingerede der Jury und ohne den Druck, jetzt etwas für die Einkäufer entwerfen zu müssen, entsteht innerhalb dieser 30 Minuten geileres Zeug, als nach einer Woche intensivem Brainstorming, entwerfen, verwerfen, neu gestalten, abmessen und perfektionieren. Dieser Moment, die letzten Minuten der Show, ist der kreativste Moment der ganzen Sendung. Und hier wird auch das Können durch die Jury gewürdigt. Denn die beweist im Gegensatz zu den Käufern eben doch noch irgendwie Geschmack und Feinsinn.

Aber leider macht dieser kreative Funke das dicke Problem der Sendung auch nicht wett. Am Ende des Tages zählt nämlich immer die Kohle. Selbst ein Kreativer lebt nicht nur von Luft, Liebe und seinen künstlerischen Ergüssen. Das Ende vom Lied ist und bleibt also dasselbe: Frustrierte Designer, die im schlimmsten Fall nur noch für die Einkäufer entwerfen und die Kreativität an den Nagel hängen. Wenn das der Sinn einer Sendung ist, die eigentlich als Sprungbrett für Jungdesigner und Talente dienen soll, dann verstehen ich und auch die schreienden Mädels die Welt nicht mehr.

Jack & Jones

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2 Kommentare

  • Ich muss sagen, dass ich die Idee dahinter eigentlich ganz gut finde.
    Natürlich ist es schade, dass das Kreative und Außergewöhnliche etwas nach hinten gestellt wird, aber man sollte auch realistisch bleiben.
    Außergewöhnliche Schnitte und Farben gefallen mir auch gut, aber wer kauft das? Denn das ist einfach nicht im Alltag tragbar und damit auch nahezu unverkäuflich. Denn welcher Normalbürger (der diese Sendung eben guckt), gibt 200 Euro für ein Teil aus, das er im Leben vielleicht 2 mal tragen wird. Wenn er überhaupt je einen Anlass dafür findet.
    Ich bin gewiss kein Modeprofi, aber ich denke mal, es gibt auf der Welt vielleicht 15 High-Fashion Labels, die von dem Erlös auch leben können. Die Kleidungsstücke sind, meiner Meinung nach, durchaus anders als das, was man in den Läden sonst findet. Etwas mehr Details, etwas mehr Charakter. Dinge, die ich mir auch mal gönnen würde.

    Was mir an der Sendung jedoch fehlt, ist der kreative Prozess. Etwas mehr Fokus auf die Arbeit und weniger auf den Verkauf, wäre schön.

  • Jean

    Auch ich hätte mir einen Artikel gewünscht, der spannender ist als die Show.
    Dafür verlieren sich Nebensächlichkeiten in endlosen Nebensätzen.