- Warum denn gleich so feministisch?

Foto: Merlin Bronques Erst letztens hatte ich ein Gespräch mit einer sehr guten Freundin, die sich fragte, ab wann man sich eigentlich als Feministin bezeichnen dürfe. Ich wollte schon die…

Warum denn gleich so feministisch?

Feminismus
Foto: Merlin Bronques

Erst letztens hatte ich ein Gespräch mit einer sehr guten Freundin, die sich fragte, ab wann man sich eigentlich als Feministin bezeichnen dürfe. Ich wollte schon die Stirn runzeln, aber merkte plötzlich: Ich verstehe sie! Manchmal kommt es mir vor, als wäre Feminismus heute ein Privileg, mit dem man sich nur schmücken darf, wenn man jeden einzelnen #aufschrei-Tweet und sämtliche Werke von Simone de Beauvoir gelesen hat und Pornos in jeglicher Form scheiße und sicher nicht anturnend findet – weil sie frauenverachtend sind.

Sicher, es ist gut, dass wir mit Kampagnen wie #aufschrei auf Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam machen. Und es ist sicher nicht gut, dass es Männer gibt, die Frauen als Objekte ansehen und sie auch so behandeln. Und ja, ich find’s auch blöd, dass McDonald’s offensichtlich glaubt, Frauen essen nur Salat und ja, ich find’s auch scheiße, wenn Werbung übertrieben sexistisch ist, wie der Tumblr Ich kauf’ das nicht beispielhaft aufzeigt. Aber wir haben es übertrieben. “¨

Wenn ich auf Blogs wie dem der Mädchenmannschaft, der sich ganz klar als feministisch positioniert, die Artikel zur Hälfte nicht verstehe, weil ich dafür vorher ein Seminar in Gender Studies belegen müsste, finde ich es sehr schade, wie unzugänglich einer der führenden Blogs auf diesem Gebiet Feminismus für seine Leser mittlerweile gestaltet.

Ich finde es anstrengend, alle paar Zeilen ein Wort googeln zu müssen. Zum Beispiel wusste hin bis gerade eben wirklich nicht, was Cis-Frauen sind. Außerdem fühle ich mich mittlerweile als weiße heterosexuelle Frau aus der Mittelschicht fast schon schuldig für eben diese Umstände. Falsch, liebe Mädchenmannschaft, ganz falsch!

Feminismus soll doch zugänglich sein! Es soll etwas sein, womit sich, wenn möglich, alle Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten beschäftigen und sich darüber austauschen können. Weil, ähm ja, das ist doch eigentlich einer der Grundpfeiler dieser Bewegung?

Und Feminismus sollte kein Kampf gegen Männer sein, was uns eine Frau Schwarzer seit geraumer Zeit versucht weiß zu machen. Sondern mit ihnen, ein Kampf für Gleichberechtigung und Gleichberechtigung verlangt nun einmal zwei gleiche Parts, die zu berechtigen sind. Wir ziehen am gleichen Strang, idealerweise.

Was braucht es also, um sich wirklich Feministin schimpfen zu dürfen? Autorin Caitlin Moran hat diese Frage in ihrem Buch “How to be a Woman” ganz gut beschrieben: „Fassen Sie sich mit der Hand zwischen die Beine. Fühlen sie dort eine Vagina? Wollen Sie selber darüber bestimmen können? Haben Sie beide Fragen mit ‘Ja’ beantwortet? Glückwunsch, Sie sind eine Feministin!“ Simple as that. Und dass Frau Moran mit “darüber bestimmen” sicher nicht nur den sexuellen Kontext meint, dürfte hier jedem klar sein.

Mit vielen Diskussionen zum Thema Feminismus schaden wir Frauen uns momentan mehr als dass wir uns weiterbringen. Warum machen wir uns wieder zu Opfern? Warum wird plötzlich eine Frauenquote gefordert, um die ominöse gläserne Decke zu durchbrechen, anstatt selber mal die Ellenbogen auszufahren? So oft erlebe ich es, in meinem alltäglichen Umfeld, dass Frauen sich klein machen und einfach zu viel Schwäche zeigen. Sich anders formulieren, anders gestikulieren und anders handeln als Männer mit den gleichen Anliegen. Und das auch in ganz alltäglichen Belangen und nicht nur im Job.

Beispiel gefällig? Eine Freundin von mir wird im Club von einem Bekannten angebaggert, das gefällt ihr nicht, er reißt noch einen dummen Spruch und haut ab. Später, als sie schon wieder zuhause ist, erzählt sie ihrem Freund von dem Vorfall und bittet ihn, besagten Bekannten doch anzurufen und „etwas zu sagen“ – sie habe sich nicht getraut als es passiert ist.

Mädchen, du kannst dich doch selber wehren, dachte ich mir. Eine andere Freundin ging aus einem Bewerbungsgespräch mit einem Lohnvorschlag heraus, der viel niedriger war als das von ihr gewünschte Gehalt. Warum? „Die anderen Bewerber waren nur Männer und ich war schon so froh überhaupt zum Gespräch eingeladen worden zu sein!“

Genau solche Aktionen stehen hier als allgemeines Beispiel dafür, wie viele Frauen denken und handeln. Sie machen uns schwächer als wir sind, machen uns zu Opfern, die wir nicht sind, und zeigen, dass wir verdammt noch mal endlich uns selbst ändern müssen, um etwas zu bewegen. Ich rede hier von Sexismus und Feminismus im kleinen Rahmen – mir passt nicht, wie der Typ gerade mit mir geredet hat oder dass mein Chef die Redaktionskollegen vorzieht, obwohl meine Ideen genauso gut sind – und nicht von extremen frauenfeindlichen Bildern in diversen Köpfen oder schwerem Missbrauch.

Kampagnen wie #aufschrei sind wichtig und zeigen, was um uns herum passiert und wo wir ansetzen können. Aber sie werden Sexismus in seinen Grundmanifesten nicht stoppen. Das Bild der Frau ist auch heute, in unseren Breitengraden, in gewissen Köpfen noch immer nicht das beste, und es wird noch einige Zeit dauern, bis wir wirklich alle gleich respektiert werden. Und stellt euch vor, es wird sogar so sein, dass es immer Vollidioten gibt, die Frauen hassen, die Schwarze und Juden hassen – und Schwule am allermeisten.

Wir werden aber zusammen Generation für Generation ein bisschen etwas ändern können. Das müssen wir selbst machen, wenn wir schon immer überall von Girlpower hören, dann seid doch endlich selber mal ein bisschen Rrriot und wehrt euch, riskiert dafür auch etwas und sei es eine Stelle in einem Betrieb, eine Beziehung, die euch nicht glücklich macht, oder einen schönen Abend mit Freunden. Und hört auf, die Lösung in der Zensur von Musikvideos oder im Anprangern von Waschmittelwerbung zu suchen!

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Jack & Jones

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4 Kommentare

  • Das Problem bei der ganzen Sache ist wohl, dass die Zeiten sich geändert haben, somit auch der Feminismuss, der Heute längst nicht mehr das ist was er mal war.

    Früher ging es darum gleiche Rechte für Männer und Frauen zu schaffen (super Sache), heute geht es schon um Frauenquoten(nich so ne super Sache). Wohin das alles führt, lässt sich leicht beantworten.
    Nachdem sich Frauen das Recht dazu erkämpft haben Seite an Seite mit ihren Männern in dieser harten, graumsamen und unbarmherzigen Welt fern ab vom heimischen Herd durchs Leben kämpfen zu dürfen, haben sie wohl bemerkt das es alles Andere als ein Zuckerschlecken ist und bestimmt nicht immer einfach. Vor allem aber, das sie hier und da nicht über gewisse Fähigkeiten verfügen um sich genau wie Männer verhalten/durchschlagen zu können.

    Woher sollen sie auch diese Fähigkeiten haben, wenn sie sich, was bestimmte Dinge angeht, über Jahrtausende hinweg immer wieder auf ihre Männer verlassen haben (was ich persönlich ja als Teamwork betrachte). Ich bin da ganz bei dir wenn du schreibst, das es an jeder einzelnen Frau da draussen liegt, das beste aus ihren Rechten zu machen(ebenso ihre Ellbogen auszufahren), für die andere Frauen aufopfernd gekämpft haben. Leider wird viel zu oft “der Schwanz eingezogen” so bald etwas auch nur nach unangenehm riecht und es wird nach Hilfe #geschriehen und jemanden der diesen vermeintlichen Nachteil irgenwie ausgleicht. Für uns Männer ist das wie ein TagTeam(damit du nich googeln musst: Wechselmanschaft) aber ohne Partner mit dem man Abklatschen kann. Das ganze kommt einer Frau Schwarzer gerade recht um ihr weiters Dasein zu berechtigen. Nur das wirklich doofe an der Sache ist folgendes. Mit solchen Regelungen die diese “Nachteile” ausgleichen sollen, wird der Frau von heute zummindest ein Stück ihrer Freiheit wieder aberkannt.

    Wer wird schon gern bevormundet? Wer will schon nen Job aufgrund einer Quote und nicht wegen seiner Leistungen?(viel Spaß mit den Kollegen…das kann man sicher auch irgendwie regeln). Aber genau das geschieht grade. Die Moderne selbstbewuste Frau von heute gibt Verantwortung ab um den Feminismus gewisse Dinge für sie regeln zu lassen. In meinen Augen ist das ein Rückschritt in die Abhängigkeit und ein Zurückrudern…aber wohin? In die Küche kann man wohl schlecht wieder zurück, denn das würden einem die modernen starken, selbstbewusten Frauen von heute (auf die warte ich heute noch…irgendwie -nich böse gemeint)ziemlich übel nehmen. Also bleibt Frau stecken, irgendwo zwischen dem Bild der modernen, starken und selbstbewusten Frau das uns die Gesellschaft vermitteln will(dieser Schuh passt leider noch nicht so ganz) und dem der Traditionellen – in der Küche wars doch irgendwie nett und Kinder bekommen ist doch garnich sooo schlecht- Bild von damals (soll jetz nicht eine Ansicht wiederspiegeln die sagt Frauen gehören in die Küche, ich hoffe das wird hier richtig verstanden bzw. gelesen.

    Das ganze ist irgendwie wie..nehmen wir doch einfach mal Sport. Männer und Frauen sind gleich, is klar ne?! Also was spricht dagegen sie gemischt gegeneinander antreten zu lassen? Dann stellt man aber leider fest, das Frauen weniger Medialen gewinnen als die Männer – was ja ungerecht ist, also werden einfach Medalien an Frauen vergeben..so quotenmässig unabhängig von den Leistungen die dann nicht miteinander verglichen werden dürfen. Ist das dann noch gerecht? Hat das noch was mit Gleichberechtigung zu tun? So was wie gleichmacherei funktioniert einfach nicht, da Männer und Frauen als sich möglichst ergänzendes Team erschaffen wurden. Bis sich das ändert, vergehen wohl noch ein paar Jährchen. Jedenfalls finde ich es garnicht so schlecht, wenn eine Frau mal den Mut aufbringt und zeigt was sie auf dem Kasten hat, ohne sich hinter diese “vermeitlichen – weil ich eine Frau bin – Schwächen versteckt und sich nicht hinterm Ofen vor traut! Aber darf ich das überhaupt gut finden, oder ist das sexistisch?

    Zum Schluss noch einer zum Denken:
    Sexistisch ist nicht nur auf Frauen begrenzt…das sollte mal einer diesen Kampfemanzen erklären, die in übelster weise über Männer sprechen. Gleiches mit gleichem gegen gleiches? Oder hab ich da was nicht verstanden?

  • MinistIn

    “Feminismus” heute, zumindest in den westlichen Gesellschaften, ist einfach nur noch peinlich, grotesk und zum großen Teil schlicht jungs- und männerverachtend.

  • equalist

    amen!
    ich finde den term feminismus auch ein bisschen irreführend. equalismus…oder so…wäre passender. gleichberechtigung ist doch das ziel.

  • Christopher

    Auch die Männer könnten vom Feminismus profitieren! Selten hat das einer so prägnant formuliert wie Peter Redvoort in “Die Söhne Egalias” …

    Christopher