- Eine Woche BuzzFeed – Das Ende eines Experiments

Anfang des Monats disste ich BuzzFeed. Und zwar hart. Die haben von alledem zwar (wahrscheinlich) nichts mitbekommen, aber dennoch schrieb ich am 1. Oktober 2013 mit einem süßen Foto von…

Eine Woche BuzzFeed – Das Ende eines Experiments

Anfang des Monats disste ich BuzzFeed. Und zwar hart. Die haben von alledem zwar (wahrscheinlich) nichts mitbekommen, aber dennoch schrieb ich am 1. Oktober 2013 mit einem süßen Foto von Lil Bub garniert: „BuzzFeed ist deswegen so erfolgreich, weil es für die dümmsten Menschen der Welt konzipiert ist.“

Und weiter: „Nur die wenigsten Artikel besitzen mehr als drei Sätze am Stück. Oft steht da nur ein Buchstabenfetzen – und wenn er zu kurz ist, um überhaupt richtig gelesen zu werden, dann wird einfach die Schriftgröße hochgedreht. Am Ende prangen da Dinge wie: „Diese Frau kann nicht heiraten, bevor sie ihrem Mann nicht 300 Sandwiches gemacht hat!“. Oder: „19 Gründe, warum iOS 7 die Apokalypse heraufbeschwören wird!“ Oder: „Nacho Lasagne!“ Dazwischen dann Fotos von blutenden Terroropfern und mutigen Feministinnen und fertig ist ein Programm für ein Publikum, das selbst RTL II zu dämlich wäre.“

In den Kommentaren ging es heiß her, manche stimmten mir zu, manche eben nicht – wie das so ist, im Internet. Frank Schmiechen, stellvertretender Chefredakteur der Welt am Sonntag philosophierte: „Aha. Da reckt schon der erste deutsche Volkserzieher den warnenden Zeigefinger. Bevor BuzzFeed überhaupt hier angekommen ist. “Grenzdebile Idioten“ sind natürlich immer die anderen. Dieser Text ist eine an Peinlichkeit nicht zu überbietende Selbstentblößung. Was Anmaßung und Besserwisserei angeht, einfach nicht zu übertreffen. Herzlichen Glückwunsch! Sprachlich könnte man noch dran arbeiten…“

Sobald ich über ein Thema geschrieben habe, verliere ich danach normalerweise das Interesse daran. Ihr müsst wissen: Alles langweilt mich nach kürzester Zeit. Auch die wahnsinnigsten Themen. Aber BuzzFeed, oder besser gesagt das gesamte Konzept der Re- und Mashupblogs, verfolgt uns so sehr auf unseren täglichen Reisen durch das Internet, dass es unmöglich ist, deren Einflussbereich zu ignorieren und diese Auswüchse nicht interessant zu finden. Besonders innerhalb der momentanen Debatte rund um die vermeintliche Zukunft des Journalismus.

Ich wollte es selbst wissen und habe NEUE ELITE die letzte Woche lang “gebuzzfeedet”. Das publikumsnahe Design klaute ich von unserem im letzten Jahr eingestellten Onlinemagazin THE INVADER, bei den Artikeln galt nur eine Regel: Hauptsache interessant, diskussionswürdig, Aufmerksamkeit erregend! Wir pflügten unsere Feedreader durch und hauten alles in die große weite Welt, was entweder bereits bei Seiten wie Mashable, Reddit oder HYPEBEAST gut ankam oder uns selbst so dermaßen zum Lachen brachte oder unseren Blutdruck erhöhte, dass wir genau wussten: Das ist der Hammer!

Herausgekommen sind dabei Artikel wie “So echt sieht Chinas Kopie von Paris aus!“, “Jede Frau sollte sich dieses Menstruations-T-Shirt kaufen!” und “Kim Kardashians Arsch ist größer als dein Zimmer!” Wir sparten weder an Superlativen noch an Ausrufe- und Fragezeichen, die Texte sollten zugänglich und lebensnah sein, die Bilder und Videos plakativ und schnell zu erfassen. Wir merkten schon am ersten Tag: Das alles geht leichter als gedacht…

Was als Experiment begann, artete schon nach kurzer Zeit in einen internen Rekordversuch der höchsten Likes und Aufrufe aus. In dieser einen Woche hatten wir mehr Besucher als andere Onlinemagazine in einem ganzen Jahr. Uns gingen bereits nach kurzer Zeit die Banner aus, selbst die auf der untersten Backupebene. Was aber noch viel besser war: Es war unglaublich befreiend und lustig! Einfach alles veröffentlichen zu können, was Spaß macht, das ist kein Zwang, sondern ein Privileg.

Der erste Artikel, den wir ins Rennen schickten, befasste sich mit Banksys günstigem Straßenverkauf und kam auf knapp unter 500 Likes. Brasilianische Polizisten, die keine Gnade kennen, kratzten an der 600er-Grenze, das lustige “Game of Thrones”-Video reichte zumindest knapp an die 400 Likes heran. Vor dem Experiment hätten wir wohl keinen dieser Artikel veröffentlicht, aber wir wurden eines Besseren belehrt.

Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, dieses Experiment jetzt zu beenden und es als normalen Inhalt fortzuführen. Wir wissen, dass sich nicht jeder von euch für als Batman verkleidete Väter, japanische Modemädchen oder Nicki Minajs Brüste interessiert, aber schließlich gibt es zwischen all diesen unernsten Themen auch genügend Artikel, die mehr Inhalt bieten: “Hey Jessica Weiß, wie wird man ein erfolgreicher Blogger?” zum Beispiel. Oder “So stark kämpft Hamburg für seine Flüchtlinge!” Oder auch “Ist Ghost die Zukunft des Bloggens?

NEUE ELITE, das steht für die junge Kraft im Internet. Dazu zählen Blogger, YouTuber und Twitterer genauso wie Stars, Games und Mode. In allen Formen, die irgendwie interessant sind. Ein offenerer Inhalt bietet uns nicht nur die Möglichkeit, mehr Besucher anzusprechen und so auch mehr Werbeeinnahmen, die nun einmal Publikationen wie uns im Internet erst möglich machen, zu generieren, sondern uns auch mehr zu entfalten und Meinungen über Themen zu verfassen, die sonst womöglich zu klein, zu anders, zu untypisch gewesen wären.

Was mich dieses Experiment wiederum über BuzzFeed und ähnliche Seiten gelehrt hat? Dass diese Art von Veröffentlichungen Spaß machen können, wenn man denn selbst die Welt der Memes, der WTFs und der viralen Überraschungen lebt und atmet. Sie sind NICHT die Zukunft des Journalismus, sondern ein Teil davon. Zugänglichkeit kann Menschen, die sich sonst nur für witzige GIFs oder entblößte sekundäre Geschlechtsteile interessieren, auch für ernstere und schwierigere Themen begeistern.

Ich nehme also (fast) nichts zurück, was ich am 1. Oktober von mir gegeben habe, aber erkenne an, dass es verschiedene Wege gibt, um Leser mit allen möglichen Ebenen von neuen Informationen zu versorgen. Dass sich alle Verlage jetzt darauf versteifen, unbedingt das deutsche BuzzFeed zu produzieren, halte ich für den falschen Weg. Aber ein bisschen mehr thematische Offenheit kann womöglich die letzte Bremse lösen, die bislang zum Erfolg gefehlt hat. Und letzt lasst mich durch, ich muss schließlich die nächste große etwas dämlich guckende Katze finden… Yolo!

Jack & Jones

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8 Kommentare

  • Karl P.

    DANKE! Danke, dass Ihr wieder zu Eurer normalen Form zurückkehrt! Ich war wirklich verwirrt und hab mich gewundert, was mit Euch passiert ist! Die letzte Woche hier fand ich schrecklich – wobei mich das Ganze eher an eine schlechte Kopie von vice erinnert hat (wenn deren “Artikel” überhaupt noch schlimmer gehen), als an BuzzFeed.

  • Naekubi

    Tatsächlich war ich kurz davor die Neue Elite aus meinen abonnierten Feeds rauszunehmen. Wenn man selbst schon buzzfeed, reddit und co. Verfolgt, tendiert der Neuigkeitenwert gegen Null. Ich hoffe demnächst wieder auf mehr Substanz und Brillanz sowie gesellschaftsverändernder Brisanz. Und weniger Bilder von/ mit Terry Richardson. Dank wäre euch gewiss.

  • Ich weiß gar nicht, warum das alle so schlimm fanden. Ich habe mir zu 70% die genannten Videos letzte Woche angeschaut und OMG ich danke euch für dieses Game of Thrones Video!!!

  • Und dich dachte schon: was’n da los? Hatte Neue Elite grad richtig lieb gewonnen und dann so was … #binerleichert

  • frank

    Ach komm die Scheiße kauf ich dir nicht ab. Du ziehst immer den Schwanz ein sobald etwas nach hinten losgeht und dann kommen solche peinlichen Erklärungen ala “Ab jetzt wird alles anders”… ein Monat später “Wir machen das jetzt doch nicht mehr”.

  • Liebe Mitkommentatoren:

    “Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, dieses Experiment jetzt zu beenden und es als normalen Inhalt fortzuführen.”

    Konzentration beim Lesen hilft!

  • Bernd

    Tja, die Kommentatoren bestätigen damit die Aussage des Artikels. Mit mehr als ein paar Sätzen sind die Leser offenbar überfordert. Aber da man das Experiment ja eben nicht wirklich beendet sondern in den Regelbetrieb überführen will, dürfte für schlichtere Geister künftig dann ja mehr als genug Inhalt vorhanden sein.

  • Mein Pseudonym

    Die Leute lieben halt einfach Picdumps so ist es eben und wenn sie Themen bezogen sind wie bei Buzzfeed, lieben sie diese noch mehr.

Guess