- Hey Jessica Weiß, wie wird man ein erfolgreicher Blogger?

Wer einen Blick in die deutsche Modewelt wirft, der kommt an Jessica Weiß nicht vorbei. Die 27-Jährige hat sich mit dem Blog Les Mads an die Spitze des über Kleidung,…

Hey Jessica Weiß, wie wird man ein erfolgreicher Blogger?

Jessica Weiß

Wer einen Blick in die deutsche Modewelt wirft, der kommt an Jessica Weiß nicht vorbei. Die 27-Jährige hat sich mit dem Blog Les Mads an die Spitze des über Kleidung, Stile und Models schreibenden Kollektivs gearbeitet, wechselte anschließend zur hiesigen Ausgabe des Interview-Magazins und kehrte ein Jahr später mit ihrem neuen Projekt Journelles und einer eigenen Fernsehsendung über ihr Lieblingsthema zurück.

Diese Woche feierte ihr digitales Zuhause das einjährige Bestehen und wir ließen es uns nicht nehmen, ihr zu diesem Anlass ein paar Tipps und Geheimnisse zu entlocken, wie man sich mit etwas Fleiß und Können zu einem erfolgreichen Blogger mausert, und zu erfahren, welche deutschen Blogs ihrer Meinung nach das Zeug dazu haben, das neue große Ding zu werden.

Ich habe mir gestern “Fashion Hero” angeguckt und bin fast eingeschlafen. Bin ich zu doof für die Show oder ging dir das auch so?

Ich habe mich auf die Sendung gefreut, weil Mode im deutschen Fernsehen so rar gesät ist. Meine kleine bescheidene Sendung “It’s Fashion” ist sehr nischig, also darf Mode gern mehr im kommerziellen Fernsehen stattfinden. Die Sendung ist von der Idee her gut, weil sie Designern eine Plattform bietet, die sie sonst nicht haben in Deutschland.

Weder werden sie von hiesigen Einkäufern und Shops unterstützt – in Skandinavien ist es normal, Jungdesigner aus dem eigenen Land zu tragen – noch haben sie ohne dickes Investorengeld die Chance, ein gut laufendes Label auf die Beine zu stellen. Das Problem der Sendung ist, dass die vermeintlichen Mentoren weder hilfreiche Tipps geben, noch eine Daseinsberechtigung haben. Vom Promi-Faktor mal abgesehen. Was und wie die Einkäufer ihren Job machen, ist im Prinzip spannend. Denn das repräsentiert den deutschen Kunden und den Markt, auf dem jeder aspirierende Designer erfolgreich sein möchte. Ich habe auch auf meinem eigenen Blog eine Review dazu geschrieben.

Jessica Weiß

Dann doch lieber Internet statt TV? Journelles hatte ja in seinem ersten Jahr bereits fast 3 Millionen Besucher. Und es sieht nicht so aus, als würde diese Kurve sinken. Warum glaubst du, ist eure Seite so erfolgreich?

Ich bin stolz auf unser Themenspektrum; die Mischung aus Karriere-Interviews, Wohnthemen, Trendjournalen, Beauty, Mode und persönlichen Looks. Der Leser weiß, dass er tagtäglich mit neuen spannenden Themen versorgt wird – sprich: Regelmäßigkeit, Authentizität, Qualität, Einzigartigkeit. Naja, so weit das noch möglich ist in der Blogosphäre. Dazu jede Menge Fleiß und die stetige Weiterentwicklung der Seite machen den Erfolg hoffentlich aus.

Wie viele Stunden am Tag steckst du in die Seite? Oder anders gefragt: Gibt’s überhaupt noch eine Minute, in der du nicht an Journelles denkst?

Nein, Journelles ist Jessie und Jessie ist Journelles. Ich arbeite inzwischen wieder an den Wochenenden, um das Pensum und den Verwaltungsapparat dahinter zu bewältigen. Und sage mir, dass es in der Aufbauphase unabdingbar ist – wie bei jedem anderen Start-Up auch.

Was sind deine Tipps und Tricks, um einen Blog immer am Laufen zu halten?

Mein Motto war bislang: Was mir gefällt, gefällt hoffentlich auch der Leserschaft. Ich achte auf Abwechslung, aber auch wiederkehrende Rubriken, immer mit der Journelles-ID im Hinterkopf. Mir ist wichtig, dass ich hinter jedem Artikel, auch von meinen Autoren, hundertprozentig stehen kann. Mich nervt die hohe Kopiestruktur der Mode- und auch generellen Blogosphäre, daher probiere ich, immer wieder Neues einfliessen zu lassen, Journelles in Bezug auf Marken und Kooperationen auch mal rar zu machen und nicht das zu tun, was das Gros tut. Letztlich habe ich mich immer von meinem Bauchgefühl leiten lassen.

Jessica Weiß

Was glaubst du, müssen junge Blogger mitbringen, um in der nächsten Generation der Blogs erfolgreich zu sein?

Sie müssen ein einzigartiges Konzept finden, eine Nische, die noch nicht belegt ist. Bloggen macht Spaß, ist aber, wenn man erfolgreich sein möchte, vor allem harte Arbeit. Darüber muss man sich im Klaren sein. Blogs sollen nicht gegründet werden, um Goodiebags abzustauben.

Entweder, man hat eine echte Leidenschaft für Blogs, das Netz und auch Social Media, oder man kann es bleiben lassen – wir leben immer noch von Authentizität. Auch Multitasking-Fähigkeiten sind wichtig. Letztlich machen wir ja all diese Jobs in einem: Redakteur, Lektorat, Fotograf, Kreativdirektor, Webdesigner, Chefredaktion, Bug-Reporter, Social-Media-Manager.

Ist der Markt an Modeblogs nicht langsam mal gesättigt?

Modebloggen ist das neue Tagebuch schreiben und das ist ja auch in Ordnung. Daher trennt sich die Spreu ziemlich schnell vom Weizen, und ich finde: Gute Modeblogs gibt es in Deutschland viel zu wenige. Dafür haben wir durchaus noch Platz.

Wie relevant sind Modeblogs heute in der Branche? Hat sich der vor Jahren abgezeichnete Hype bestätigt oder haben auch Labels und Verlage gemerkt, dass Blogger eher Konsumenten als Meinungsmacher sind?

Modeblogs sind soweit etabliert, auch in der Zusammenarbeit mit Marken und PR. Man muss sie und ihre Daseinsberechtigung nicht mehr erklären. Das Problem ist nun vielmehr: Sich nicht als Konsument, sondern Meinungsmacher durchzusetzen, Budgets für online und Kooperationen freizuschaufeln und auf derselben Augenhöhe mit Labels zu arbeiten, wie es Printmagazine oder deren Online-Ableger tun. Daran arbeite ich täglich und kann daher auch sagen, dass Journelles in der Zielgruppe – hauptsächlich Frauen zwischen 25 und 35 – als wichtiges, meinungsmachendes und ernstzunehmendes Medium wahrgenommen wird.

Was sind deiner Meinung die hoffnungsvollsten deutschen Blogs – und warum?

Ich mag Nischen und diese vier Seiten sind wahnsinnig gut in dem, was sie machen: Little Years, Ohhh Mhhh, Fabian Hart und Kooye.

Jessica Weiß

Und welche internationalen Seiten sollte man auf jeden Fall im Visier haben?

Mein Vorbild ist weiterhin Refinery29, ein Riesenapparat für Mode, Beauty und Wohnthemen. Auch die News-Seite von Stilikone Miroslava Duma, Buro 24/7, ist im Osten bereits expandiert. Ich finde es auch beeindruckend, dass der Hype um reine Outfit-Blogger nicht abnimmt. Eine Chiara Ferragni von The Blonde Salade wird mehr und mehr zum Superstar. Wie lange das wohl noch so geht? Ich habe keine Ahnung.

Liest man im Ausland überhaupt deutsche Blogs oder kann man international nur etwas reißen, wenn man auf Englisch schreibt – was sind da deine Erfahrungen?

Exakt, man kann im Ausland einfach gar nix reißen, wenn man nicht Englisch schreibt. Der Markt ist zudem wesentlich gesättigter – ich habe mich auf den deutschen Markt fokussiert und strebe gar keine Internationalisierung an.

Welche konkreten Tipps kannst du jungen Bloggern mit auf den Weg geben, um auch finanziell erfolgreich zu sein?

Zunächst die Ernüchterung.. (lacht) Mit reiner Bannerwerbung lässt sich zunächst einmal wenig finanzieller Erfolg erzielen. Journelles hat etwa 10.000 Leser am Tag und ab dieser Zahl kann man von einem guten Grundeinkommen reden. Darüber muss man sich im Klaren sein. Am Anfang steht das Produkt, das muss stimmen. Dafür muss es eine klare Zielgruppe geben, so lassen sich richtige Werbepartner ins Boot holen. Kooperationen müssen bezahlt sein, aber auch 100 Prozent zur eigenen Seite passen. Verkauft euch nicht unter Wert, kennt euren USP, aber auch die Schwächen. Wisst, die Besucherzahlen einzuschätzen, denn daran orientiert sich letztlich, was man einnehmen kann.

Jessica Weiß, Palina Rojinski

Bist du denn froh, dich nach Les Mads wieder einem neuen Blog gewidmet zu haben, anstatt deine Energie in einen anderen Bereich gesteckt zu haben?

Meine einjährige Auszeit war wichtig, um das Feuer für’s Bloggen neu zu entfachen und zu wissen, wofür mein Herz schlägt. Ich bin sehr sehr froh, mich in die Selbstständigkeit gewagt zu haben und gehe nun die Vergrößerung meiner Seite an.

Aber hast du es nicht manchmal satt, dich immer nur mit Klamotten, Styles und Blogs zu beschäftigen?

Ständig, aber dafür gibt es ja noch den Business-Aspekt des Bloggens, den ich sehr gerne mache und der einen Großteil meiner Zeit einnimmt. Emails, Kooperationen, Mediakits erneuern, Aktionen ausdenken, Bannerplätze verkaufen, Advertorials eintüten, so tolle Interviews wie dieses hier beantworten. Da vergesse ich, wenn ich mich nachmittags im Schlafanzug und mit Brille auf der Nase vor’m Laptop wieder finde, recht schnell die Modewelt.

Wie wird das Jahr 2014 für dich aussehen?

Och, na hoffentlich rosig, ich heirate!

Na dann jetzt schon mal herzlichen Glückwunsch! Heidi Klum oder Claudia Schiffer?

Im deutschen Fernsehen bitte keine! Claudia: zurück nach Paris und auf den Laufsteg, Heidi ab nach Amerika.

Topman

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