- Liebe Reiseblogger… – Hört auf, euch so aufzuführen!

Man könnte es als Defizit betrachten, dass ich seit Jahren, neben ein paar hübschen Studentinnen und Wodki, dem Obdachlosen vor meiner Haustür, nur noch mit Menschen befreundet bin, die in…

Liebe Reiseblogger… – Hört auf, euch so aufzuführen!

Man könnte es als Defizit betrachten, dass ich seit Jahren, neben ein paar hübschen Studentinnen und Wodki, dem Obdachlosen vor meiner Haustür, nur noch mit Menschen befreundet bin, die in deutschen und internationalen Agenturen arbeiten. PR, Design, Presse, Social-Media – egal. Das hat sich so ohne mein wirkliches Zutun entwickelt und jetzt muss ich damit leben. Es gibt Schlimmeres. Denn so bekomme ich einen tiefen Einblick in die Gedanken, Sorgen und Pläne eben dieser und was ich dort immer öfter höre, beunruhigt mich – und macht mich auch wütend.

Ich habe euch auch durch meine Arbeit auf AMY&PINK immer dazu ermutigt, euch selbst im Internet zu verwirklichen. Sei es per Blog, auf Twitter, auf YouTube – was euch eben liegt. Viele von euch haben sich das zu Herzen genommen, sich ein Image verpasst und angefangen, sich in alle Himmelsrichtungen des sozialen Internets zu verteilen. Modemädchen haben schnell herausgefunden, wie der Hase läuft, auch kleine digitale Magazine über Autos, Technik und Musik werden von Monat zu Monat erfolgreicher. Nur eine Gruppe scheint so langsam auszuticken: Die Reiseblogger.

Bislang gab es an euren Plänen und deren Umsetzung nichts zu meckern. Ihr habt euch mit PR-Agenturen und Tourismusverbänden angefreundet, in Kollektiven verbündet, ihr schreibt und fotografiert und dreht Videos und teilt. Das ist alles vorbildlich und ich freue mich für jeden einzelnen von euch, der seinen Traum verwirklichen kann, neben seiner regulären Arbeit die schönsten Orte, die dieser Planet zu bieten hat, zu besuchen.

Leider höre ich immer mehr Stimmen, aus der Reiseindustrie und von Agenturmitarbeitern, die miterleben müssen, wie einige von euch immer absurdere Bedingungen stellen, damit sie überhaupt ihren Arsch in eines der Flugzeuge bewegen, das sie ans andere Ende der Welt bringen soll. Und das häuft sich. Dann fordert ihr plötzlich 5-Sterne-Hotels, Business-Class, Aufwandsentschädigungen, Roomservice, Benzingeld, Eintritte, Shuttles und Spesen.

Ich lausche den Geschichten und traue meinen Ohren nicht. In der einen bestellte eine Reisebloggerin fünf Vorspeisen in einem Sterne-Restaurant, nur um von jedem einen Bissen zu probieren. Die Rechnung ging natürlich an den Tourismusverband. In der nächsten schickte eine andere eine Liste mit absurden Ansprüchen, die so nicht einmal Journalisten der Vogue oder der ZEIT stellen, als Kopie an alle in ihrer Gruppe, an die Vertreterin eines asiatischen Staates – einen Tag vor dem Abflug und ohne die zuständige PR-Agentur zu informieren. Und in der letzten Geschichte wurde ein Reiseblogger für eine Woche auf eine Südseeinsel eingeladen und wart erst wieder beim Rückflug gesehen, obwohl es ein vorher extra für ihn organisiertes Programm gab, das er einfach ignorierte. Oft bekomme ich meinen Mund gar nicht mehr geschlossen vor so viel Ignoranz und Überheblichkeit.

Wenn ich mir dann überlege, dass die meisten von euch gerade einmal eine Hand voll Follower auf Twitter, Besucherzahlen, die nicht einmal den Bingoclub eurer Großmutter beeindrucken und einen Blog, der gerade einmal ein paar Jahre alt ist, vorweisen können, will ich vor Absurdität nur noch schreien. Und wenn ihr dann auch noch im Telefongespräch mit der PR-Agentur den Satz „Ähm, weißt du nicht, wer ich bin?!“ loslasst, möchte ich direkt zu euch fahren und euch eure zwölf Facebook-Fans um die Ohren hauen.

Das Problem an der Sache ist, dass ihr mit dieser vollkommen sinnwidrigen Attitüde allen Beteiligten schadet. Ihr schadet der PR-Agentur und deren Mitarbeitern, weil es nicht ihre Arbeit ist, ihrem Auftraggeber ständig zu erklären, warum es doch eine gute Idee war, euch auf Reisen zu schicken, obwohl ihr euch so aufführt. Ihr schadet den Tourismusverbänden, die sich endlich einmal an Blogger heranwagen und bare Münze in euch investiert haben, und es sich zweimal überlegen, ob sie das noch einmal machen werden. Ihr schadet euch selbst, weil euch irgendwann niemand mehr zu irgendetwas einlädt, schließlich kenne ich genügend von euch, die bereits bei so manchem großen Land auf der Sperrliste stehen.

Und ihr schadet damit allen anderen Bloggern, weil diese Kooperationen für viele, egal ob Verbände, Agenturen oder Konzerne, immer noch neue Experimente sind. Wenn sie sehen, was die finanziellen und auch mentalen Kosten dafür sind, und was am Ende heraus kommt (12 Instagram-Likes, 2 Shares auf Facebook, 1 Retweet…), dann konzentrieren sie sich wieder auf die klassischen Medien wie Fernsehen und Zeitschriften. Und damit schließt sich so manches Tor für andere Blogger, die das wahrscheinlich erfolgreicher, charmanter und klüger gelöst hätten.

Die Regeln für dieses Spiel, nein, dieses Geschäft, sind klar: Hört auf, euch so aufzuführen! Ihr seid weder Tavi Gevinson noch Susanna Lau noch Yvan Rodic – und selbst die arrangieren das alles mit mehr Stil. Klärt alle Bedingungen vorher und mit den dafür zuständigen Menschen! Es ist schön, wenn man in der Business-Class fliegen und in 5-Sterne-Hotels übernachten darf, aber das ist keine Verpflichtung. Manche Tourismusverbände können sich das einfach nicht leisten. Wenn ihr damit ein Problem habt, dann winkt ab! Erst zu allem Ja sagen und sich erst kurz vor Abflug darüber informieren, was eigentlich von euch gefordert wird, das geht nicht. Entweder ihr könnt liefern oder eben nicht. Wenn nicht, dann lasst anderen den Vortritt!

Ihr müsst euch über eines im Klaren sein: Außerhalb dieses Internets kennt uns niemand! Niemand! Wir sind kleine Möchtegernstars in einem kleinen Universum – und oft nicht einmal das. Wer sich auf diesen “Erfolg” also etwas einbildet, der lebt in einer Traumwelt und kann von Glück sagen, dass noch niemand entdeckt hat, wie fernab der Realität er eigentlich vor sich hinlebt. Blogs sind wichtig. Aber nur, wenn ihr dieser Entwicklung nicht permanent Steine in den Weg legt, weil ihr einen kurzfristigen Nutzen davon habt, den ihr letzten Endes doch wieder bereuen werdet.

Dann sitze ich mit meinen Freunden aus den Agenturen bei einem Glas Wein in einer kleinen Bar in Kreuzberg, wir sprechen über hübsche Studentinnen und Wodki, den Obdachlosen vor meiner Haustür, und vergessen dann gerne für kurze Zeit die überheblichen Reiseblogger, die uns und sich das Leben unnötig schwer machen. Man könnte es als Defizit betrachten, dass ich seit Jahren nur noch mit Menschen befreundet bin, die in Agenturen arbeiten. Aber es gibt Schlimmeres. Denn so bekomme ich einen tiefen Einblick in ihre Gedanken, Sorgen und Pläne.

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43 Kommentare

  • Ich bin ein braves Mädchen! :)

  • Im pauschalisieren waren wir ja schon immer gut, nicht wahr?
    Es ist schade, wenn das Fehlverhalten Einzelner auf eine gesamte Gruppe übertragen wird, sowohl hier im Artikel, als auch von Seiten der Agenturen. Es gab mal eine Zeit, da wurde ein Kodex aufgestellt, der genau solches Fehlverhalten zu verhindern versucht. Schade, dass es Leute gibt, die sich nicht daran halten. Zum kollektiven Leidtragen.

  • Super Beitrag. Ich höre von solchen Bloggern auch immer öfter, es ist schade das sich die Industrie (wenn man sie so nennen mag) so entwickelt. Aber auch, dass PR und Unternehmen nicht die Zeit und Ressourcen haben sich wirklich mit den Blogs und Bloggern zu beschäftigen und (oft) auf gefakte Listen zurückgreifen oder auf Freunde von Freunden“¦

  • Ich bin ja auch Reiseblogger, neben einigen anderen Dingen, und ich kann Marcel gut verstehen. Ich habe zwar von den hier genannten Fällen nichts bekommen, aber einiges andere und so habe ich mich dann selbst wieder von einem Reisebloggerzusammenschluß abgewandt.

    Mir wird schon schlecht wenn ich miterlebe, daß in manchen Reiseblogs 50 % und mehr aller Beiträge gesponsert sind. Auch aus Marketingsicht, und ich spreche nur aus dieser Sicht hier mal, sind viele Reiseblogs nicht wirklich zu gebrauchen.

    Dagegen spielen sich einige doch so auf, als wären sie die Profis schlechthin. Schade um die Reiseblogger, die dann drunter leiden und mit über den Kamm geschert werden.

    Aber ich sage auch: wir brauchen noch viel mehr Reiseblogger. Reiseblogger mit vernünftigen Konzepten, Reiseblogger die nicht abgehoben sind und sich für den Nabel der Bloggerwelt halten.

    Ich weiß jedenfalls, weshalb ich mein Reiseblog weiterhin alleine betreibe, ohne die “Unterstützung” irgendwelcher Bloggergemeinschaften oder so. Mit vielen der anderen Reisebloggern möchte ich nämlich nicht wirklich in einen Topf geschmissen werden.

  • Was ist ein 5-Sterne-Restaurant? Die gibt es nicht.

    Ich höre da viel Neid heraus, aber schön, dass ihr diejenigen Reiseblogger einfach nicht ignoriert, sondern dann lieber nochmal wie hier eine Plattform gibt.

  • Ach Marcel, es ist zum brüllen: Seit wann bist gerade du der Zoro der Tourismusverbände, gar der halben Kommunikationslandschaft?

    Grundlegend gebe ich dir Recht, EINZELNE Blogbetreiber überspannen das Maß komplett, doch nervt mich dieses stetig flächendeckende verurteilen. Das ist nicht nur unprofessionell, es ist auch selten dusselig.

    Was ist denn hier der Zweck? Die eine Woche wird die Blogosphäre übern Klee gelobt, die nächste wird haltlos solch brillantes Halbwissen gestreut. Alles für den Traffic? Für effekthaschende Kommentare? Oh man.

    Marcel, ich könnte gleichermaßen die absurdesten Stories aus den klassischen Medien vom Stapel lassen, gar deine Blogger-Themen noch aufsummieren oder mal aus dem Nähkästchen plaudern wie selten stulle so manche Agentur die ach so „verrückte“ Blogosphäre strategisch unterwandert. Doch am Ende mein Lieber, zählt der professionelle Umgang zwischen allen Beteiligten – ohne Einschränkungen.

    Und nun? Was ist jetzt der finale Content? Jetzt hassen dich wieder die Reiseblogger, nächste Woche sind abermals die Modemädchen dran und übernächste gibt's wieder ‘nen Wina-Workshop über Werbung auf Blogs.

    AUFREGEND! Du kleines Social Media Starlet!

    Küsschen.

    Dein Norman

  • Grassierende Undankbarkeit?!

    Wenn mir jemand solche Möglichkeiten eröffnet, wie hier beschrieben, ist ein klein wenig Wohlverhalten und Dankbarkeit schon angebracht. Zumal es sich dabei ja auch immer um eine Zusammenarbeit zu beiderseitigem Vorteil handelt.

    In dem Sinne…

  • Ulrike Hecker

    http://prowebinaronlinesolutions.com/online/LCWeltenb.html
    Das passt!
    Als gelernte Reiseverkehrskauffrau habe ich dies schon oft erlebt: da wird geradezu gefordert, dass man kostenlos irgendwo übernachten darf, aus den unterschiedlichsten Gründen. Ich übernachte lieber preiswert in kleinen familiären Pensionen und freue mich über ein Business-Class Upgrade, wenn es mir dann mal angeboten wird. Und träume von den Zeiten, wo ich mir Busi auch leisten kann.
    Diese “Geiz ist geil”-Mentalität geht mir ziemlich auf die Nerven.

    Ulrike

  • Privat bin ich musikalischer Blogger und warte immer noch darauf, dass jemand Bob Marley ausgräbt, damit er ein Exklusiv-Konzert für mich spielt. Krasse Ansprüche, aber ich habe auch fast 5.000 Twitter-Follower :D Zurück zum Text: Die beschriebenen Erfahrungen habe ich beruflich auch schon gemacht. Allerdings sind es wirklich Ausnahmen, die dann ein schlechtes Bild auf die gesamte Szene werfen. Zum Glück gibt es aber auch die Gegenseite, die langfristig mehr Erfolg haben wird.

  • Das war doch zu Printzeiten nicht anders. Auf jeder Pressereise gab es obskure Gestalten, Vertreter irgendwelcher Pseudomagazine, wenn überhaupt… Sogenannte Kollegen, die sich nicht benehmen können. Aber meines Erachtens sind, ohne solche Schmarotzer verteidigen zu wollen, nicht diese Leute das Problem, sondern die PR-Agenturen, die auf Teufel komm raus die Platzkontingente ihrer Reisen füllen wollen.

    • Klar, schwarze Schafe gibt es überall. Aber der Unterschied ist, dass man beim Print dann einfach andere Magazine nimmt, wenn das eine ausfällt, aber das Internet als Werbemedium ist vielen klassischen Agenturen sowieso noch nicht ganz geheuer. Schlechte Erfahrungen können dazu führen, dass die erst mal wieder die Finger davon lassen – oder eben zurück zu Verlagen gehen, die zufällig auch Internetpräsenzen besitzen.

  • Ehrlich, im momente weiß ich gar nicht worüber sich hier aufgeregt wird.

    Ich bin Reiseblogger (ja ich gestehe) und ja, ich habe auch Kooperationen. Aber für mich ist – wie für die meisten RB die ich kenne – klar, was im Rahmen einer Kooperation geht oder halt auch nicht. Und wenn ich zu einer Pressereise eingeladen werde, dann mache ich dort auch ein Programm mit und bin froh, wenn überhaupt Reisekosten gezahlt werden.

    Alles andere wiederspricht meiner Ansicht von “Kooperationen”. Es geht schließlich darum, das beide Seiten profitieren – Unternehmen wie Blogger – wie wohl in allen Bloggerbereichen. Jetzt von 2-3 Personen auf alle zu Schlussfolgern ist der falsche Weg. Im Kosmetik und Fashionbereich wird sich übrigens auf aufgeführt – selbst auf meiner Blogfindungsphase schon erlebt – und mir scheint, da regt sich kein Mensch auf.

    Das es eine Blacklist gibt, wird wohl nicht unbekannt sein, was ich da aber schon aus Journalistenkreisen für Storys gehört habe, sind wir Blogger da noch ganz Artige :D

  • Cathy

    Klar kann das für die “Branche” negativ sein, aber trotzdem werden sich die beschriebenen “Blogger” erst ändern wenn eben keine Einladungen mehr ins E-Mail Postfach flattern .. solange sie die Einladungen bekommen müssen sie sich doch nicht ändern, läuft doch alles gut, egal wie sie sich wohl verhalten..

  • Sebastian

    Du sprichst mir aus der Seele! Mich nervt es seit Jahren in verschiedenen Themenbereichen, wie sich sich Blogger aufspielen, die 3,5 Besucher am Tag haben.

    LG vom Wannsee,

    Sebastian

  • Das geht alles!!? Geil, ich sattel um auf Reiseblogger.

    Nein, im Ernst. Ich kenne die Szene quasi null, aber das hört sich alles nur zu menschlich an. Wie Dorin Popa schon schreibt, das ganze erziehungsfreie Schnorrer-Gesindel gab’s auch schon in der Offline-Version. Dennoch, ich glaube mich an eine öffentlich geführte Diskussion über die offiziellen und inoffiziellen Regeln der FAZ-Reiseredaktion zu erinnern. vor ein paar Monaten. Da wurde auch knackig diskutiert. Das Problem ist also kein webspezifisches. Webspezifisch ist nun nur, dass sich jetzt sogar Amateur-Proleten zu verhalten können. Das nimmt dem Ganzen natürlich auch den letzten Charme des verwegenen Bourgeois.

  • Julia

    Lieber Marcel,
    ich finde es richtig klasse, dass du hier so “richtig auf den Putz” haust. Gewisse Dinge, wie in diesem Fall das arrogante Verhalten einiger Reiseblogger, müssen einfach auch mal angesprochen werden.

    Für die Agenturen, Reiseverbände etc. bleibt zu hoffen, dass sie zwischen “guten” und “bösen” Reisebloggern unterscheiden können und im Zweifelsfall die “bösen” einfach abschießen!

  • Die Kommentare hier sind eigentlich das Beste an dem Post :)

  • Ein Hoch auf die Selbstzahler!

  • Mark Twain sagte einmal: “Reisen ist tödlich für Vorurteile”.
    Lasst uns einfach diese Welt bereisen, über den Tellerrand schauen, Toleranz entwickeln und die Welt so ein bisschen besser machen. Es geht um Eindrücke, Bilder und Videos

    … der Rest ist doch Nebensache und kein Grund zu meckern :D
    LG Phil

  • Ich bin eine von denen, die in einer PR-Agentur arbeitet und seit einigen Jahren mit Reisebloggern zu tun hat. Der Beitrag hat mir in wirklich sehr, sehr vielen Dingen aus dem Herzen gesprochen. Allerdings kann man nicht pauschalisieren, aber das macht der Artikel ja auch nicht. Ich kenne viele tolle deutsche und internationale Blogger, die ich besten Gewissens an Kunden vermittelt habe und es auch wieder tun würde. Es gibt allerdings auch welche, die auf meiner ganz persönlichen Shitliste stehen und die von mir definitiv nicht mehr hören werden – auch nicht von den Kollegen weil sich so was nämlich sehr schnell rumspricht. Warum? Weil einige Blogger Forderungen stellen die tatsächlich noch nicht einmal von der Vogue und Co kommen würden, genau wie Marcel beschreibt. OK denkt man sich, die haben das vielleicht nur mal versucht und man kann mit denen reden. Pustekuchen. Die wollen genau DAS haben und wenn sie es nicht bekommen, suchen sie sich eben eine andere Agentur. Und hier kommen wir zum nächsten Problem: Es gibt tatsächlich noch zu viele PR-Berater/innen und Presseleute in Hotels und Tourismusämtern, die von Social Media keine Ahnung haben und den Bloggern jeden Wunsch erfüllen, weil sie jetzt auch mal endlich „so richtig loslegen und endlich was mit Social Media machen wollen“. Und solange es diese Leute noch gibt, wird es auch die Blogger mit ihren überzogenen Forderungen geben. Leider.

    Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche. Ich denke allerdings, Qualität und gute Leute werden sich immer durchsetzen – auch wenn es etwas länger dauern kann. Ich für meinen Teil begrüße sehr die Entwicklung von Kollektiven und Kodizes, denn diese tragen ja schließlich auch dazu bei, dass die Blogger sich ethischen Grundsätzen verpflichten, an die man sie im Falle eines Falles dann gerne auch mal erinnern kann.

  • Martin

    Gut, aber sind es nicht auch die Agenturen die ein Stück weit selber daran Schuld sind sich solche faulen Eier ins Boot zu holen…

    Der einzige wirklich erwähnenswerte Reiseblog ist immer noch tuulavintage. Sie hat eine absolute Professionalität wie kaum eine andere.

  • Jan

    “Leider höre ich immer mehr Stimmen” Dann solltest Du vielleicht zum Arzt gehen? Nein im Ernst. Netter Aufriss, netter Anschiss. Aber dieses “Ich habe gehört” und danach dann ein Pauschalverurteilung ins Blog meisseln ist auch alles andere als professionell. Und manches hört sich auch ziemlich aus dem Zusammenhang angerissen an.

    Aber was weiss ich schon, ich gehöre ja zu den verdorbenen Autobloggern. Wenn ich transcontinental fliegen muss für 1-2 Tage Aufenthalt, dann will ich auch einen Sitz in der Businessklasse. Das will jeder Geschäftsreisende, der es sich nicht erlauben kann, hier und drüber erstmal 2 Tage zu akklimatisieren.

    Aus meiner Bloggersicht gebe ich auch keinen Deut auf das, was die Agenturen jammern – ja, auch da gibt es Ausnahmen. Aber sich selbst vom Kunden fürstlich bezahlen zu lassen und dann aufzuschreien, wenn die Blogger auch etwas vom Kuchen haben wollen, ist schon ansatzweise obszön.

    Im Grunde läuft aber alles aufs Gleiche hinaus. Wer Geld verdienen will, muss professionell handeln. Dazu gehört es auch das achsohippe Bloggerimage bei Verhandlungen abzulegen und ganz spiessig Inhalte zu diskutieren und vor allem schriftlich zu fixieren. Dann wissen nämlich die einen, was sie zu tun haben und die anderen, was sie erwarten können.

    Vielleicht nutzt Du mal Deine Kontakte und zeigt exemplarisch an zwei Fällen auf, warum es zu dem entsprechenden Vorfall gekommen ist. Dazu gehören Agentursicht und -Statement und das Gleiche vom Blogger bzw der Bloggerin. Und daran kann man dann wahrscheinlich auch lehrbuchmäßig zeigen, dass mangelnde Kommunikation auf beiden Seiten zum Versagen des jeweiligen Projektes geführt haben. Und das wird dann auch zeigen, dass es nichts mit unverschämten Bloggern oder kruden Agenturen zu tun hat, sondern eben mit fehlerhafter Kommunikation.

  • Der Artikel spricht mir zwar aus der Seele, dennoch ist er natürlich überspitzt und provoziert Diskussionen wie diese. Aber zumindest wird nun mal diskutiert. Leider beteiligen sich viel zu wenig Angesprochene.

    Ich selbst kenne beide Seiten, bin u.a. für Blogger Relations bei einer deutschen Hotelkette zuständig und schreibe gerne über meine eigenen Reisen auf meinem kleinen Blog. Für mich und für alle die es lesen wollen. Ich spiele nicht in der Liga der ganz Großen mit, dafür fehlt mir die Zeit für’s Reisen und für’s Schreiben, aber meine Beiträge werden im Netz gefunden und haben eine gewisse Reichweite. Zumindest bei Kooperationen geht’s ja um genau das: Der Partner, also der Touristiker, möchte Reichweite für seine Marke. Insgesamt glaube ich eine recht gute Selbsteinschätzung der Lage meines Blogs und auch dessen Wert zu haben, was sich in den wohl recht bescheidenen Anforderungen für eine Kooperation widerspiegelt. Ich will kein Geld mit meinen Inhalten verdienen, mir geht es vornehmlich um die Erfahrung, über die ich berichten möchte. Zumeist gehe ich auf Kooperationspartner zu, weil ich schon ein sehr eingeschränktes Interesse habe, was auf meinen Blog soll und was nicht.

    Auf der anderen Seite landen aber auch bei mir wöchentlich Anfragen auf dem Tisch, wo Selbstwahrnehmung und Anspruch meilenweit auseinander gehen. Auch wenn die Beispiele oben etwas überspitzt waren, trifft es im Kern schon zu, dass die Forderungen den Nutzen, den ich von einer Kooperation habe, weit übersteigen.

    Mitschuld an diesem Dilemma gebe ich der Gleichschaltung, die die Reiseblogger-Szene mit Zusammenschlüssen bezwecken möchte. Dort wird dann, neben all den guten Sachen, die so ein Zusammenschluss mit sich bringt, über die Standardisierung der Entlohnung gesprochen – ungeachtet dessen, wie professionalisiert ein Blog wirklich ist. Und was dabei herauskommt, ist genau das, worüber sich PR-Agenturen und Touristiker, die sich ein wenig mit der Materie auskennen, die Augen reiben: Reiseblogger auf dem Qualitätsniveau einer schlechten Schülerzeitung (Achtung: Übertreibung) stellen Ansprüche wie die, die wissen wie man themenrelevante Reichweite erzeugt, leserorientiert schreibt, einen ernsthaften journalistischen Background haben und die deutsche Rechtschreibung ohne Aussetzer beherrschen.

    Ich als Touristiker bin gerne bereit, gute Leistung zu entlohnen, wenn das Ergebnis mich und meine Marke weiter bringt. Letztendlich ist eine Kooperation aber auch nichts anderes als das Schalten von Werbung, und wenn ich für einen Banner bei FAZ.net viel Geld auf den Tisch lege, möchte ich auch davon ausgehen, dass der gesehen wird. Daran müssen sich Blogger, egal welchen Genres, meiner Meinung messen lassen: Thematisch relevant zu sein und Reichweite zu erzeugen. Wer’s schafft, wird gerne auch dementsprechend entlohnt, wer es nicht ganz so schafft, der muss sich eben mit der Basis einer Entlohnung, der Produkterfahrung zufrieden geben, was an sich ja auch schon mal keine schlechte Sache ist.

    Ich hoffe, dass dieser Beitrag die Qualitätsdiskussion der Reiseblogger-Szene ein wenig in Gang kommen lässt.

  • Zwei Gründe, warum ich diesen Artikel nicht ernst nehmen kann:
    1. Der Artikel ist einseitig: Der Autor lässt nur die eine Seite – PR-Agenturen – zu Wort kommen, weil er scheinbar nur dort Freunde hat. Ein anspruchsvollerer Autor/Blogger hätte die Bemerkungen aus dem Freundeskreis zum Anlass genommen, sich auch mal unter Reisebloggern umzuhören. Auch aus deren Sicht gibt es Negativbeispiele, sicher ebenso vereinzelt wie die o.g.
    2. Der Artikel erhebt einzelne Negativbeispiele zum Normalfall und vernachlässigt die einfache Regel: Im Freundeskreis redet man gerne über Dinge, die einen aufregen. Natürlich erzählen seine Freunde aus den PR-Agenturen nicht von den 1.0000 langweilig-unkomplizierten Reisebloggern, sondern nur von denen, über die sie sich geärgert haben. Dazu dann schnell eine plakativ-pauschalisierende Überschrift basteln (“Liebe Reiseblogger, macht dies oder das…”), und fertig ist die Laube – so bekommt man als Blogger Aufmerksamkeit, ohne sich mit einem Thema wirklich befasst zu haben. Das wiederum ist ein Vorgehen, das Bloggern generell vorgeworfen wird, und dieser Artikel gibt den Kritikern leider Recht.
    Zugegeben: Die Masche hat funktioniert: Immerhin machen sich Leute (wie ich) die Mühe, den Artikel zu kommentieren :-)

    • Aus Sicht des Lesers frage ich mich, wer Artikel in dieser schablonenhaften PR-Sprache weiterlesen soll, ohne sich mit Grauen abzuwenden. Ein Text beginnt mit:

      Wilde Beach-Partys und malerische Fischkutter, Kunst, Roulette-Spiel und verträumte alte Villen: In Sopot findet jeder, was ihm gefällt. Entsprechend rappelvoll ist das beliebte Seebad im Juli und August, wenn ganz Polen Ferien hat. Insider mögen Zoppot daher im September, wenn “die Sommerhauptstadt Polens” nicht mehr ganz so quirlig ist.

      Offenbar haben die Auftraggeber (Polnisches Fremdenverkehrsamt und Deutsche Bahn) die Idee gehabt, ihren Urlaubsort und die Bahnverbindungen dorthin im September etwas besser auszulasten. Die meisten Sprachschablonen könnte man aber ohne größeren Aufwand auch auf die Kaiserbäder an der Ostsee anwenden.

  • Der Artikel (oder besser: offene Brief) ist zwar auch mit Wohlwollen nicht mehr als eine journalistische Knallerbse, aber ohne jeden Zweifel beinhaltet er auch eine ganze Menge wahrer Worte. In der Tat sind viele Forderungen absurd und die Wichtigkeit unserer gesamten Szene, womit ich keinesfalls nur die Reiseblogger meine, wird derzeit deutlich höher gehypt als es der Output sinnvollerweise erlauben würde. Wenn man das ganze wirtschaftlich betrachtet, stimmt der ROI bei Blogger-Kooperationen in den seltensten Fällen und zwar aus einfachem Grund: Es wird vorher nicht vernünftig recherchiert, verifiziert und ausgewählt. Da kann man nun köstlich darüber diskutieren, welche Methoden und welche Schritte wirklich zu einer Professionalisierung beitragen könnten. Das sollten und werden wir aber nicht hier auf diesem Medium austragen.

    Selbst ohne diese Schritte kann man heute schon festhalten, dass die Grundregel “OFFENE Kommunikation” lauten muss. Wenn ein Luxus-Reiseblogger mit einem 3 Sterne-Hotel blogmäßig nichts anfangen kann, dann ist das ebenso legitim, wie es einem Backpacker-Budget-Blogger erlaubt sein darf, dieses als unpassend abzulehnen. Wer bei 300 Reisetagen im Jahr einen “Auftrag” nur annimmt, wenn er nonstop oder gar Business Class in eine Destination am anderen Ende der Welt fliegen darf, dann ist auch diese Forderung in meinen Augen legitim. Das Spielchen geht immer in beide Richtungen: Wem etwas nicht passt oder wer den Gegenüber für abgehoben, durchgeknallt, unfähig oder nicht geeignet hält -> offen und ehrlich mit Begründung ABSAGEN. Denn es kann nicht sein, dass nur einseitig über schnöselige oder abgehobene Reiseblogger gelästert wird, während man für arme Destinationen und kleine Fremdenverkehrsämter stets Verständnis haben soll.

    Romane an negativen Geschichten könnte man nämlich über beide Seiten schreiben ;-)

  • Was ist ein professionelles Reiseblog? | Kristine Honig

    […] Diskussionen über Reiseblogger (siehe hier, aber gestern auch hier) taucht immer wieder das kleine Wörtchen “professionell” auf. Doch was verbirgt sich […]

  • Einwurf

    Was ich jetzt nicht verstehe: Werden den keine Verträge gemacht?
    Wenn es Verträge gibt, dann steht da doch alles drin und beide Seiten haben sich dran zu halten. Ansonsten kann man klagen.

    Oder geht man da – sind ja nur Blogger – immer ganz unprofessionell (ohne Verträge) ran? Wenn ja, dann muss man sich auch nicht über Unprofessionalität wundern.

    Und übertriebene Forderungen – na und – fordern kann doch erstmal jeder. Wer zwingt Agenturen denn, sich darauf einzulassen? Einmal Kopfschütteln und den nächsten fragen.

  • Fräulein Julia

    Ein guter Text!
    Gelegentlich stehe ich auf der anderen Seite und organisiere Pressereisen – und werde in letzter Zeit mit immer absurderen Forderungen konfrontiert. Was letztendlich an virtuellem Feedback kommt, ist tatsächlich dann oft nicht zufriedenstellend. Pure Selbstüberschätzung, sage ich.

  • Da möchte man sich doch ganz klar abgrenzen. Das Bloggerimage leidet immer mehr unter sogenannten Abgreifern, die der Welt eigentlich nicht wirklich sinnvolles mittzuteilen haben. Egal welches Blog-Genre. Was ist oder war man denn früher, als es den Blogger noch nicht gab? Webseiten-Betreiber? Online-Journalist?

  • Blogger Relations – wer will was? | Textschleuse

    […] Ursprünglich hatte Torsten eine Session zum Thema Blogger Relations gehalten. Nach seinen ersten Beispielen dazu, was er als Blogger erlebt hat, driftete die Session aber schnell in eine andere Richtung. Noch mitgenommen von einer persönlichen schlechten Erfahrung ließ Juliane von HolidayCheck einen Rant auf “Die Reiseblogger…” los. Ich habe nicht mehr jedes Wort im Ohr, aber es ging sehr in die Richtung des Rants von Neue Elite. […]

  • Hallo Marcel,
    vielen Dank für diesen sehr gelungenen Beitrag!
    An den Reaktionen kannst Du deutlich erkennen, wie treffend Deine Kritik angekommen ist.