- Kioskkritik – Klötzchen, Ballons und der Tod

Ich bin in den letzten Tagen durch jede Menge Flughäfen gerannt und habe mir von überall her die ein oder andere Zeitschrift mitgenommen. Überlebt haben in meinem Rucksack allerdings nur…

Kioskkritik – Klötzchen, Ballons und der Tod

Ich bin in den letzten Tagen durch jede Menge Flughäfen gerannt und habe mir von überall her die ein oder andere Zeitschrift mitgenommen. Überlebt haben in meinem Rucksack allerdings nur englischsprachige Magazine, die sich mit der Aufbruchstimmung im Silicon Valley beschäftigen. Deswegen heute eine “digitale” Sonderausgabe der Kioskkritik. Hauptsache irgendwas mit Computern…

WIRED UK

WIRED UK – Oktober 2013

Worum geht’s? Eigentlich sollte sich niemand freiwillig die britische Ausgabe der WIRED kaufen, wenn er nicht gerade im letzten Land der Könige lebt. Doch das passiert eben, wenn man am Flughafen im letzten Moment in den Zeitschriftenladen am anderen Ende des Terminals stürmt und mitreißt, was man eben noch so schnell zwischen die Finger bekommt. WIRED, wer es nicht kennt, ist die Stimme aus dem Silicon Valley, aus dem Epizentrum der Bohème. Und zwar der echten. Nicht der Möchtegern-MacBook-Konsumenten aus Berlin-Mitte.

Bester Artikel? David Robertson schrieb eine weitläufige Reportage über den dänischen Bauklötzchengiganten LEGO und dessen Entstehungsgeschichte bis hin zur hoffentlich fruchtbaren Zukunft. Dazwischen: Fehlentscheidungen en masse, Produkte, die nie das Licht der Welt erblicken hätten dürfen und ausgeartete Zielgruppenanalysen, die jeden eckigen Stein noch so abgerundet erscheinen lassen. Dazu große Fotos der Fabrikanlagen, nostalgische Einblicke und Erinnerungen an längst vergessene Tage. Sehr schön.

Schlechtester Artikel? Richtig miese Artikel gibt es nicht. Wenn, dann nur für mich vollkommen uninteressante. Entweder weil sie sich auf die britische Technologielandschaft versteifen, von der ich noch weniger Ahnung habe als von der reellen Entfernung zwischen San Francisco und Los Angeles, oder weil sie von Themen wie Maschinen oder Architektur handeln, die ich zwar irgendwie ganz spannend finde. Trotzdem habe ich mich dann lieber dazu entschieden, im Flugzeug etwas zu schlafen. Sorry, WIRED UK.

Time

Time – 30. September 2013

Worum geht’s? Time ist das letzte wirklich wichtige Printprodukt auf der ganzen weiten Welt. Oder so. Die darin enthaltenden Texte zählen immer zur absoluten Spitzenklasse, dafür ist das wöchentlich erscheinende Heft aber auch nur um die 50 Seiten stark und auf einem so billigen Papier gedruckt, dass es allein beim bloßen Anfassen zerknittert. Ein Großteil davon besteht aus Werbung für teure Uhren. Sonst nichts.

Bester Artikel? “Can Google Solve Death?” von beschäftigt sich mit dem Internetgiganten, seinen Führern und dessen Werdegang inklusive Marken wie Android, Google Glass, und Project Loon: Ballons, die Internet in ländliche und arme Gebiete bringen sollen. Letzten Endes läuft alles auf die Frage hinaus, ob Google mit seiner neuen Firma Calico das Leben verlängern und womöglich sogar den Tod besiegen kann. Gruselig und spannend zugleich.

Schlechtester Artikel? Man lese sich einfach das noch einmal durch, was ich bereits bei WIRED UK geschrieben habe und ersetzt die Worte “britisch” mit “amerikanisch” und “Maschinen oder Architektur” mit “Krieg und Leute, von denen ich noch nie etwas gehört habe.” Kluge Geschichten für kluge Menschen. Schlechte Artikel kann sich die TIME nicht erlauben, sonst will keiner mehr Uhrenwerbung bei ihnen schalten.

Offscreen

Offscreen – Nummer 6

Worum geht’s? Kai Brach lebt und arbeitet in Collingwood in Australien und ist so sehr von neuen Technologien fasziniert, dass er gleich ein eigenes Magazin darüber gegründet hat, das sich Offscreen nennt und finanziell von Firmen wie Dropbox, GitHub und Behance unterstützt wird. Auf den etwas über 150 Seiten kommen Menschen zu Wort, in der in der Branche wirklich etwas bewegt haben. Faszinierend für jeden, der sich mit dem Thema Startups beschäftigt.

Bester Artikel? Zwei Interviews fand ich sehr interessant. Eines mit Joshua Topolsky, Gründer der Technologieseite The Verge, der viel über seine Kindheit, seine Arbeitsweisen und seine Sicht auf die digitale Umwelt um ihn herum hat. Das andere führte Kai mit der in Berlin lebenden Jenna Brinning von Tumblr. Beides sehr interessante Persönlichkeiten und Lebenswege.

Schlechtester Artikel? Entweder muss ich diesen Punkt in Zukunft streichen oder mir wieder mehr deutsche Publikationen kaufen. Offscreen ist mit Liebe und Sorgfalt gemacht, man merkt jeder Seite die Leidenschaft zu den modernen Medien an, hier eine Fotoserie von den Schreibtischen bekannter Firmen und deren Mitarbeiter, dort ein paar Tagebucheinträge von Designern, Autoren und Managern. Wer das Internet nicht nur nutzen, sondern auch formen will, der sollte sich Offscreen als zweite Bibel zur amerikanischen WIRED zulegen.

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