Die BuzzFeed-Falle - Journalismus für grenzdebile Idioten

Während sich Kai Diekmann darüber freut, dass ein paar geistig minderbemittelte Bürger, mit iPad in den fettigen Händen, ihre mehr oder weniger hart verdienten Groschen für BILDplus, den Premiumdienst der…
Die BuzzFeed-Falle

Journalismus für grenzdebile Idioten

Während sich Kai Diekmann darüber freut, dass ein paar geistig minderbemittelte Bürger, mit iPad in den fettigen Händen, ihre mehr oder weniger hart verdienten Groschen für BILDplus, den Premiumdienst der größten und gleichzeitig intelligenzlosesten Tageszeitung der Nation, aus dem Fenster werfen und der SPIEGEL mit seiner “2020“-Aktion immer noch mit einem Ast im keuchenden und wimmernden Haufen namens Print herumstochert, wandeln am Horizont, weit, weit weg, die zwei vermeintlichen und gepriesenen Hoffnungsträger des deutschen Journalismus: BuzzFeed und die Huffington Post.

Bunt zusammen gewürfelte Bilder sind das Markenzeichen von Dave Stopera, leitender Redakteur bei BuzzFeed, einer der mittlerweile größten Nachrichtenseiten im englischsprachigen Internet. Seine Artikel heißen “27 Bilder, die deine Ernährung ändern werden”, “Die glücklichsten Fakten aller Zeiten” oder “21 Gründe, warum du niemals einem Baby vertrauen solltest”. Sie sind randgefüllt mit Fotos von süßen Katzen, lustigen Kindern und triefender Nostalgie. Dass der Großteil des Inhalts regelmäßig vom Konkurrenten Reddit geklaut wird, scheint niemanden zu stören.

Über 600.000 Menschen folgen BuzzFeed, 2006 in New York gegründet, mittlerweile auf Facebook, über 500.000 auf Twitter. Nicht mitgezählt: Die diversen Unterseiten wie Music, Geeky oder Books, die allesamt ihre eigenen Accounts besitzen. Artikel wie “50 Dinge, die wie deine Kindheit aussehen” werden eine Millionen Mal geteilt, von solchen Zahlen kann die deutsche Presse nur träumen, seit Jahren kämpft sie auf verlorenem Posten gegen die Zukunft, während die Amerikaner einmal mehr demonstrieren, wie man es richtig macht. Nach Google, Facebook und Amazon nicht das erste Mal.

BuzzFeed, das ist die Zukunft

„Wir müssen alle BuzzFeed viel ernster nehmen, als wir es bisher tun“, schreibt zum Beispiel Springer-Sprössling Christoph Kleese und verweist auf einen Blogeintrag von George Brock, Professor an der City University London, in dem er zugibt, dass er die Stärke und Größe von BuzzFeed unterschätzt hat, dass die Idee zum Journalismus 2.0 führen kann, dass niemand mehr behaupten darf, dass es auf der Seite, zwischen all den TV-GIFs und Memes, keine ernstzunehmenden Reportagen geben würde. BuzzFeed, das ist die Zukunft. Da ist sich so mancher Beobachter sicher.

Auch Karsten Lohmeyer versinkt auf Lousy Pennies in Gedanken darüber, dass sich seine Kollegen schwer mit dem tun, was da auf sie zurollt, aber dass es wohl keinen anderen Ausweg für ihren Berufsstand gibt, als sich dem zu beugen. Und zwar mit einem Lächeln. „Während wir klassischen Journalisten zu großen Teilen immer noch versuchen, im Netz den klassischen (Tageszeitungs-)Journalismus zu imitieren, entsteht der Journalismus der Zukunft längst an anderer Stelle. Er ist losgelöst von dem Denken und Handeln, das ich und viele meiner Kollegen noch auf der Journalistenschule oder in Volontariaten gelernt haben. Er ist losgelöst von verlegerischen Zwängen und hat seine eigenen Gesetze. Und deshalb sieht er auch ganz anders aus und fühlt sich etwas fremd für uns an.“

Und weiter: „BuzzFeed ist eine Seite, die für einen klassischen (Print-)Journalisten wie mich sehr schwer zu ergründen ist. Sie ist eine riesige Aggregationsmaschine, die auf den ersten Blick nur aus Listen, Gaga-Videos und weiterem größtenteils unjournalistischem Kram zu bestehen scheint, aber mit aggregierten und selbst produziertem Content im August diesen Jahres bereits 85 Millionen Menschen erreichte – die meisten von ihnen die so genannten Digital Natives, die mit dem Netz und den sozialen Medien aufgewachsen sind.“

Was macht die deutsche Journalistenriege also – ein paar Jahre zu spät? Anstatt sich kluge und auf die Nation zugeschnittene Konzepte zu überlegen, kapituliert das eine Medienhaus gleich komplett und beugt sich, indem sie ihre Kräfte in ein Huffington-Post-Franchise stecken. Natürlich nicht ohne gleich eine Heerschar ihrer potentiellen nicht bezahlten Autoren mit peinlichen eMails zu vergraulen.

Tierbilder sind heute Journalismus

Während die einen noch auf tote Bäume setzen, für bezahlte und hinter irgendwelchen Paywalls versteckte Inhalte im Netz plädieren oder ihre Zeit in schön anzusehende Dokumentationen auf diversen Portalen, die nie mehr als 20 Leute zu besuchen scheinen, investieren, möchten die anderen gleich Nägel mit Köpfen machen und BuzzFeed mit Haut und Haaren kopieren. Jaja, Katzen, Unsinn, GIFs – Hauptsache Leser!

Dirk von Gehlen portraitiert in der Süddeutschen Zeitung den Gründer von BuzzFeed und der Huffington Post und den Erfinder des Share-Buttons Jonah Peretti: „Vier Jahre nach ihrem Start sei die Seite erstmals profitabel. Deshalb wolle er BuzzFeed nun innerhalb eines Jahres zu einer der größten Seiten im Internet ausbauen, das heißt, das Angebot muss in jedem Fall größer werden als New York Times oder Guardian. Dafür werde BuzzFeed seine Strategie fortsetzen, die talentiertesten Reporter und Autoren aus der ganzen Welt einzustellen.“

Nicht zu vergessen, der Knuddelfaktor: „Die Verbindung, die auf BuzzFeed alltäglich ist, lässt die Zuhörer schmunzeln, sie halten das nicht für seriösen Journalismus. Für Peretti ist diese Kombination die unumstößliche Realität der sozialen Medien. Im Nachrichtenstrom von Facebook läuft dieser “emotionale Inhalt”, wie Peretti die Tierfotos nennt, direkt neben dem “informierenden Inhalt”, für den sich Journalisten bisher einzig zuständig sahen. “Es gibt Journalisten, die mir sagen, dafür haben sie keine Journalistenschule besucht, um sich mit Tierbildern zu befassen”, erzählt er und sagt: “Das ist aber heute Journalismus.” Es gibt auch bekannte Journalisten, die Perettis Meinung teilen.“

38 Menschen, die im Internet nichts zu suchen haben!

Im Grunde haben sich zwei Punkte herauskristallisiert, die mich an BuzzFeed stören und verhindern, dass die Seite als die Zukunft des Journalismus behandelt werden sollte. Egal wie sehr Gründer Jonah Peretti und ein Haufen voller verzweifelter Redakteure sich das auch wünschen mögen. Sie sind so gewaltig und tiefgreifend, dass ich mir wünsche, dass das Konzept von BuzzFeed und all seinen Nachahmern scheitert und die Mehrheit des Internets wieder mehr auf Qualität als auf geistige Diabetes setzt.

Erstens: Der Großteil des Inhalts ist geklaut. Im Grunde ist BuzzFeed nur eine etwas variierte Form von 9GAG, die beide Angebote wie Reddit oder Tumblr im großen Stil abgrasen und alles auf ihre Seite kopieren, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ein Reddit-Nutzer veröffentlicht ein Foto seines Heiratsantrags? BuzzFeed macht daraus: „25 Bilder, die dich an die große Liebe glauben lassen!“ Ein anderer postet das Bild eines iPhones im Saftglas? BuzzFeed macht daraus: „38 Menschen, die im Internet nichts zu suchen haben!“ Auf Reddit kursiert ein Video, das einen Mann zeigt, der einen anderen von den U-Bahngleisen retten? BuzzFeed macht daraus: „19 Leute, die beweisen, dass die Welt doch gut ist!

Das ist kein Journalismus, sondern eine Auflistung emotionaler Augenblicke, die keinerlei Mehrwert an Information, an Gedanken, an Wissen transportieren, sondern einfach nur oft geteilt wird, weil sie Menschen ein gutes Gefühl gibt. Ein bisschen süßer Kram, ein bisschen Promiskandal, ein bisschen Gruseln – im Grunde ist BuzzFeed ein digitaler Brei aus RTL, BILD und der Super Illu – nur ohne Propaganda, Politikverzerrung und Arschlochredakteure.

Zweitens: BuzzFeed ist deswegen so erfolgreich, weil es für die dümmsten Menschen der Welt konzipiert ist. Nur die wenigsten Artikel besitzen mehr als drei Sätze am Stück. Oft steht da nur ein Buchstabenfetzen – und wenn er zu kurz ist, um überhaupt richtig gelesen zu werden, dann wird einfach die Schriftgröße hochgedreht. Am Ende prangen da Dinge wie: „Diese Frau kann nicht heiraten, bevor sie ihrem Mann nicht 300 Sandwiches gemacht hat!“. Oder: „19 Gründe, warum iOS 7 die Apokalypse heraufbeschwören wird!“ Oder: „Nacho Lasagne!“ Dazwischen dann Fotos von blutenden Terroropfern und mutigen Feministinnen und fertig ist ein Programm für ein Publikum, das selbst RTL II zu dämlich wäre.

Eine Generation von IQ-vernichtenden ADHS-Kindern

Die Motivation ist gut, die Ausführung katastrophal: Über den Terror zu berichten ist wichtig. Über den Feminismus ebenfalls. Und ja, vielleicht auch über Nacho-Lasagne. Doch BuzzFeed züchtet sich seine Leser so heran, dass sie keine zwei Sätze mehr nacheinander lesen und verstehen können, wenn sie nicht mindestens auf ein Sonnenuntergangsfoto oder das Bild einer weinenden Frau geklebt wurden, damit sie überhaupt wahrnehmen, was sie jetzt fühlen oder denken sollen.

BuzzFeed treibt eine Generation von IQ-vernichtenden ADHS-Kindern voran, die nichts mehr konsumieren und verarbeiten können, was ihnen nicht vorgekaut und in bunten, handlichen Häppchen serviert wird, um Klicks aus ihnen heraus zu drücken. Sie werden auf der emotional tiefsten Ebene angesprochen, die überhaupt möglich ist. Pizza ist toll! Like. Katzen sind süß! Like. Die 90er sind vorbei! Like.

Wer der Meinung ist, dass kollektive Verblödung die Zukunft des nationalen und internationalen Journalismus ist, der darf seine Seele hiermit beim Springer-Verlag abgeben und wehe er regt sich noch einmal darüber auf, wenn es immer noch Druckerzeugnisse gibt, die „aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht“ bestehen. Denn im Gegensatz zu BuzzFeed gibt sich die BILD wenigstens noch Mühe, aneinander gereihte Sätze zu veröffentlichen.

BuzzFeed ist das McDonald's der Nachrichtenseiten

„Perettis Botschaft ist klar: Wir erleben gerade die nächste Stufe des sogenannten sozialen Webs. Wer die Menschen erreichen wolle, die mit Facebook und Twitter und vor allem Tumblr sozialisiert wurden, muss deren Kultur verstehen – und Geschichten auf ihre Art erzählen“, erkennt Dirk von Gehlen richtig. Doch die moderne Technik hat uns in Stotterer verwandelt. SMS, Twitter, Facebook: Wer sich nicht in weniger als 160 Zeichen ausdrücken kann, der wird nicht gehört. Botschaften kleistern wir heute in Memes, anstatt uns zu verständigen verschicken wir GIFs.

Die technische Freiheit kastriert uns und unser Verständnis korrekt auszudrücken, was wir denken, was wir wollen, was wir wissen. Und sie überhäuft uns mit Möglichkeiten, so dass wir keine Minute mehr still sitzen können, ohne uns auf mindestens drei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Ist BuzzFeed so erfolgreich, weil es die schnellste Möglichkeit geworden ist, wenigstens noch ein paar Fast-Food-mäßig aufbereitete Informationen mitzunehmen, bevor uns soziale Netzwerke, Serien, Spiele und YouTube wieder fortzerren?

Es ist kein Wunder, dass sich keines dieser Frettchen auf Speed mehr am Samstag Vormittag, gemütlich bei einem warmen Croissant und einem heißen Kaffee, hinsetzen und in der aktuellen Ausgabe der ZEIT wühlen kann. Mit großartigen, detaillierten Texten zum aktuellen Geschehen, zu geschichtlichen Wendepunkten, zu Menschen, die wichtig sind, im Hier und jetzt. Wichtiger als jedes Video einer Katze, die keine Ahnung hat, was ein Laserpointer ist.

BuzzFeed ist das McDonald’s der Nachrichtenseiten. Man kann dort ab und zu vorbei gucken und sich an der klebrig süßen Welt der amerikanischen Fettpresse erfreuen, aber wer in dieser IQ-Hölle die Zukunft des Journalismus sieht, der wird sich selbst schon bald auf einem Planeten voller Grumpy-Cat-Zeichnungen, “Breaking Bad”-Mashups und Kanye-West-Zitate wiederfinden und kann auf die ewige Frage, ob es wohl intelligentes Leben im Universum gibt, nur eine korrekte Antwort geben: „Naja, hier auf jeden Fall nicht mehr…“

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37 Kommentare

  • Lieber Marcel,

    kennst Du die netten Worte, die bei Redaktionen nur ungern an eine Gegendarstellung angehängt werden, da sie einem Widerruf gleichkommen: Der Autor hat Recht. Tatsächlich hast Du in vielen Dingen in diesem wunderbaren Artikel Recht, wie ich finde. Gerade deshalb möchte ich in einem Punkt widersprechen – nämlich dann, wenn Du in meinen LousyPennies-Artikel hin interpretierst, dass ich der Meinung bin “dass es wohl keinen anderen Ausweg für ihren Berufsstand gibt, als sich dem zu beugen.”

    Das bin ich wirklich nicht. Ich finde es aber sehr, sehr wichtig, dass sich unser Berufsstand mit diesen neuen Formen des Journalismus (oder was es auch immer ist) beschäftigt, seine eigenen Schlüsse daraus zieht und es vielleicht auch schafft, eine andere Art von modernem Internet-Journalismus für eine deutsche Zielgruppe mit einem gewissen Anspruch zu entwickeln.

    Mag Springer auch einen BuzzFeed-Klon an den Start bringen (das heutige Bild Online ist ja nicht allzuweit davon entfernt), sollte man sich Gedanken darüber machen, wie ein modernes Online-Medium aussehen könnte, das von Redakteuren der Süddeutschen, des Spiegel oder der Zeit gemacht wird. Und das eben nicht den klassischen Print-Mechanismen folgt, sondern 100 Prozent Online (und sozial) ist. Das ist das, was wir meiner Meinung nach aus Medien wie BuzzFeed lernen sollten.

    • Sozialen Journalismus halte auch ich für richtig. Angst habe ich nur, wenn Springer und Konsorten plötzlich anfangen, ihre politische und gesellschaftliche Hetzjagd noch viel mehr in Zuckerwatte einzuwickeln, weil sie auf BuzzFeed gesehen haben, dass das viel besser funktioniert, als nur dämliche Schlagzeilen und unzensierte Opferfotos auf die Titelseite zu klatschen. Die Art und Weise, wie BuzzFeed agiert, sollte auf keinen Fall 1:1 übernommen werden, aber gewisse Aspekte scheinen sie ja richtig zu machen – davon darf man dann gerne, auch als gestandener Journalist, lernen.

  • Bester Artikel, den ich hier jemals gelesen habe.

  • Holger

    Tja, aber was nützt der schönste Journalismus, wenn er niemanden mehr erreicht? Vielleicht können, vielleicht sollten wir uns ja bei BuzzFeed handwerklich was abgucken – und anstatt schöne Dokumentationen auf Webseiten zu platzieren, “die kaum mehr als 20 Leute zu lesen scheinen” unsere Botschaften, Erklärstücke, Erläuterungen in eine Form gießen, die die twitter-, facebook-, tumblr-Generation auch wahrnimmt?

    • Natürlich. Aber BuzzFeed macht viele Fehler, bewusst und unbewusst, die man sich sparen kann, wenn man sein Produkt nicht auf einem Haufen kopierter Artikel aufbauen möchte. Sozial ist gut, der Wechsel von Spaß und Ernsthaftigkeit ist auch gut. BuzzFeed hat vorgemacht, wie man auch die Jugend im Internet für “Nachrichten” begeistern kann. Dieses Wissen kann und sollte man nutzen. Aber mit Bedacht.

  • Ja, sicher doch – können Textarbeiter dies nicht wirklich wollen.
    Nicht nur aber auch deswegen, weil da nichts zu sein scheint, wovon Textarbeiter leben könnten.
    Aber es verlache mir keiner die Funktion des schwarzen Schafs, der dreizehnten Fee, Melkor, Sauron und wie sie alle heißen.
    Wir Menschen, deren Kognition so oft nur im Kontrasten funktioniert, brauchen das “schlechte Beispiel”.
    Wir schätzten keine Sommer ohne Novembergrau, kein Eis ohne Sommerhitze.
    Also brauchen wir auch Buzzfeed.
    Daher kommt doch die Idee, etwas sei dagegen ein BILDungsprogramm.

  • Es wäre sehr freundlich die Bilderklicker nicht mehr Leser zu nennen. Das hat mit langen zusammenhängenden Texten nämlich nichts zu tun. Es erinnert mich mehr so an die Menschen, die schon in der Schule nicht richtig lesen konnten. Und warum nicht? Keine Übung. Egal, ich muss Facebook checken.

  • Ihr seht das alles zu schwarz-weiß! Richtige Inhalte? Niveau? Journalistischer Anspruch?

    Geht doch! Wir wär’s z.B. mit:

    12 gute Ideen für die Regierungsbildung in Geht-nicht-weil-Schland

    6 Gründe, warum man trotz “Geld auch Nichts” und “Zinssystem” immer noch einkaufen und Miete zahlen kann;

    18 Menschen, die beim Kommentare-lesen depressiv geworden sind (=Unterhaltung, ja sicher..)

    10 Politiker/innen, die ganz anders sind als man denkt;

    12 Gesetze, die nach 23 Uhr fast heimlich durchgewunken wurden…

    Tierbilder? Kein Problem:

    36 Tiere, die bald keinen Platz zum Leben mehr haben;

    Katzen? Na klar, aber mit Niveau:

    http://www.youtube.com/watch?v=Q34z5dCmC4M

    Abgesehen vom anspruchsvollsten Katzenvideo aller Zeiten könnten derlei Artikle tatsächlich pro “Listenpunkt” aus einzelnen kurzen, prägnant und verständlich formulierten Absätzen bestehen – mit Link zur qualitätsjournalistischen Vertiefung, die dann länger und gut sein sollte (wiederum mit Links zu weiteren Quellen, nicht nur im eigenen Medium.

    • Diese Listenartikel sind ein Unding, an dem sich auch schon die etabliertesten Medien panisch festgehalten werden. Sie scheinen bei den Menschen gut anzukommen, aber irgendwann gehen einem hier wohl oder übel die Ideen aus.

      • Markus

        Kommt drauf an bei welchen Menschen. Am Listenartikelunding wird vor allem deshalb festgehalten werden, weil sich daraus ganz hervorragend Klickstrecken bauen lassen, mit denen man nicht nur seine Zugriffsstatistiken hochmanipulieren kann, sondern in denen sich auch noch alle paar Klicks Werbung unterbringen lässt. Beides freut den Herausgeber, weniger den Leser.

  • Sorry, das zweite Beispiel sollte natürlich heißen

    6 Gründe, warum man trotz “Geld aus Nichts“ und “Zinssystem“ immer noch einkaufen und Miete zahlen kann;

    “Kommentare editieren” wäre mal ein nettes Plugin!

  • Alternativ könnten sich die Totholzmedien ja auch bei Vice.com ansehen, wie cooler und trotzdem informativer Onlinejournalismus für die junge Generation aussieht.

  • Dafür, dass sich diese Seite “Neue Elite” nennt und hier gegen angeblichen Journalismus für “grenzdebile Idioten” wettert, ist mir diese Analyse bemerkenswert flach.

    Zum Beispiel gibt es einige leicht widerlegbare Falschinformationen über Buzzfeed. Nehmen wir nur die Behauptung: “Nur die wenigsten Artikel besitzen mehr als drei Sätze am Stück.”

    Ach, wirklich? Vielleicht wäre es klug gewesen, auch einmal den News-Bereich anzuklicken. Nur zwei Beispiele:
    Ein Artikel über die Folgen der US-Haushaltskrise für Obamacare hat rund 6.600 Zeichen: http://www.buzzfeed.com/evanmcsan/a-government-shutdown-will-make-it-harder-to-sell-obamacare

    Dieses Portrait des umstrittenen Sportjournalisten Darren Rovell kommt auf rund 30.000 Zeichen:
    http://www.buzzfeed.com/stevekandell/the-ports-guy-the-making-of-darren-rovell

    Das meiste soll außerdem “geklaut” sein. Ach, wirklich? Nun ist das so eine Frage, was “Klauen” denn ist. Für mich wäre dies die Verwendung fremden Materials ohne Quellennennung oder Verlinkung. Dies aber kann ich bei Buzzfeed nirgends ausmachen.

    Was der Dienst betreibt ist Nachrichtenfilterung. Nehmen wir nur diese Story über eine junge Dame, die per Youtube-Video ihren Job gekündigt hat. Auf 1.800 Zeichen wird ihre Geschichte kurz erzählt, dazu ein Link auf ein Blog (in dem die Redaktion das Video vermutlich zuerst entdeckt hat sowie auf ihre Homepage und ihr Blog). Ist das geklaut?
    https://www.amypink.com/de/leben/20131001120542/4251/ich-kuendige-marina-hat-ein-video-gedreht/

    Ups… Das war ja gar nicht Buzzfeed – sondern Neue Elite. Nachrichtenfilterung, also, ist ein ganz alltägliches Geschäft für ALLE Journalisten. Das hat mit Klauen nicht das Geringste zu tun.

    Ach ja, wie ist das noch mit dem Neue Elite Tumblr, das “die schönsten Fotos aus dem ganzen Internet” sammelt?

    Was mir in der Analyse vor allem fehlt, sind drei Dinge:

    1. Buzzfeed wird über Social Media-Shares gesteuert. Während Nachrichtenseiten sich sonst nach einlaufenden Klicks richten, geht es hier um Facebook-Likes und -Shares, Retweets, etc. Diese sind ein Frühwarnsystem für die Attraktivität von Storys. Wer sie zum Erfolgsfaktor macht, macht seine Startseite gleichzeitig unwichtiger: Denn ein steigender Teil der Besucher kommt auf Artikelseiten. Dort kann man dann versuchen über verwandte Themen eine erhöhte Relevanz zu erzeugen und den Leser länger auf der Seite zu halten.

    2. Buzzfeed ist großgeworden mit jenen Listen lustiger Tiere. Nachdem nun aber eine kritische Reichweite besteht, wird ernsthafter Journalismus gemacht, inklusive angesehener Politik- und Wirtschaftsredakteure. Somit geht Buzzfeed den umgekehrten Weg der meisten anderen Seiten. Vorteil: Die Refinanzierung könnte schneller kommen.

    3. Es gibt auf Buzzfeed keine herkömmliche Werbung. Werbekunden müssen individuelle Ideen für Buzzfeed entwickeln, die noch dazu in das Buzzfeed-Ökosystem passen.

    All das könnte man mal analysieren. Wenn man wollte. Selbstverständlich wäre das aber vollkommen unelitistisch.

  • Ich habe das irgendwie das Gefühl, dass hier jemand etwas geschrieben hat, ohne sich wirklich mit dem “Opfer” viel beschäftigt zu haben:
    1. Du vergleichst die ganze Zeit das “Entertainment-Content” von BuzzFeed mit Journalismus. Hast nur Links zu irgendwelchen humoristischen Artikeln als Beispiel genommen. Hast du dir denn die News Section angeschaut?
    2. Wenn ich die Zitate von Jonah Peretti lese, entnehme ich jedesmal, dass er im “Present progressive” spricht. Das heißt, dass sie grad dabei sind, Journalismus in BuzzFeed einzuführen. Sie sind noch am Anfang und wollen weitere Journalisten ins Land holen (die höchstwahrscheinlich nicht für die “25 dummsten Katzen” verantwortlich sein werden).
    (3. BuzzFeed klaut von Reddit und Konsorten? Unter jedem Bild sehe ich eine Quelle. Die Ideen der Listen, wie du ja gut aufgelistet hast, müssen sie von irgendwo haben. Hast du die Idee für diesen Artikel nicht auch von diversen Blogs, Kommentaren und Beiträgen?)

    Auf jeden Fall teile ich den allerletzten Absatz mit dir und verstehe nicht, wie man BuzzFeed ernst nehmen sollte, weil sie ja primär für ihren lustigen Content bekannt sind. Aber wie sie ihre Seite pushen und verbreiten, auch wie sie in den Medien behandelt werden im Moment, SOGAR in Deutschland – das hat BuzFeed echt gut gemacht. :-)

    • Dass BuzzFeed systematisch Beiträge von Reddit klaut, ist kein Geheimnis. Und dass sie damit angefangen haben, einfach unter jedes zweite Bild einen Reddit-Link zu klatschen, macht die Sache auch nicht besser. Es wäre kein Problem, wenn sie ab und zu und von allen möglichen Quellen zitieren würden, aber die schiere Masse an Reddit-Posts und die Zeit, die zwischen Original und Kopie liegen, ist auffällig genug. Klappt aber anscheinend.

      Und ja, BuzzFeed hat auch längere Artikel und Reportagen, aber die sind nicht der Grund, warum die Besucherzahlen so hoch sind. BuzzFeed ist ein Opfer seines selbstbestimmten Niveaus und der Frequenz, die sie vorgeben.

  • parker

    komisch.. irgendwie waren seiten wie diese oder zb amy&pink für mich das deutsche buzzfeed. wenig text, viele bilder, meistens katzen oder titten. oder irgendwas verstörendes. ist letztendlich eins zu eins buzzfeed verhalten. und letztendlich bekommt ihr, genauso wie buzzfeed, nur über solche “artikel” die benötigten klicks um sich relevant zu fühlen.

    klar, buzzfeed ist ne ganze ecke bunter und ads-er, aber wie gesagt, diese und ähnliche seiten ähneln mir sehr dem amerikanischen “vorbild”.

    vice ist auch so’n kandidat, aber dort durfte ich bisher zu viele, zu geile artikel lesen, mit schön viel text und meinung, deshalb steht vice für sich irgendwo.. aber egal, eh alles nur subjektiv

    PEACE OUT, YO!

  • Salon des Refusés | Marcus Bösch

    […] Die BuzzFeed-Falle – Journalismus für grenzdebile Idioten […]

  • Martin Schulz

    Über diesen Satz sollte man wirklich nachdenken – gibt es Analogien ? “BuzzFeed ist deswegen so erfolgreich, weil es für die dümmsten Menschen der Welt konzipiert ist.” – Bild ? Facebook ? Also ich bin total am Grübeln….

  • hardy

    tolle katzenbilder ;-)

    ceterum censeo: was bitteschön ist so schlimm dran, daß es seiten gibt, auf denen jeder entblößte nippel sorgfältig archiviert wird, die einen sammeln briefmarken, die anderen eben nippel.

    honi soit qui mal y pense. jedem tierchen sein pläsierchen.

    aber, schon klar, wenn man zu der “elite” gehört, muss man andere leute eben für unterbelichtete trolle halten, ob die nun gute zwei generationen jünger sind oder nie erwachsen werden geschweige denn je einen echten nippel zu sehen bekommen, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, ihr jpg-nippel archiv zu pflegen, who cares.

    nur, wenn wir so was nie nicht machen, sind wir elite …

  • Eigentlich ein gut geschriebener Artikel, wenn er sich nicht mit Beleidigungen gegen die Leser wenden würde. Der Herr will also nichts mit den unteren Schichten zu tun haben, dann braucht der Herr dafür auch nicht zu schreiben.
    Sie aber zu beleidigen steht niemandem gut.

    In einem Punkt muss ich zustimmen: BuzzFeed ist deswegen so erfolgreich, weil es für die dümmsten Menschen der Welt konzipiert ist. Ich würde es allerdings ohne Beleidigung formulieren: Es ist so erfolgreich, weil es in seinem Niveau die Masse der Menschen anspricht. Das konnte man schon auf YouTube sehen und ist ein alter Hut. Für deutsche Medienhäuser muss es darum nicht heissen weiterhin die Qualitätsfahne hochzuhalten, sondern sich anzugleichen (was nicht heissen muss, das man nur eines von beiden machen kann).

    Auf die Frage ob Buzzfeed Journalismus ist, will ich mit dem Höhlengleichnis antworten: Wer ins gleisende Licht schauen kann und noch etwas erkennt, dem muss jedes dunklere Licht wie Dunkelheit vorkommen.

    Die Devise muss also heissen: Ruhe bewahren und abwarten, bis die Augen sich daran gewöhnt haben.

    Außer das ist dem Herr nicht Niveauvoll genug. Dann aber sollte er lieber schweigen.

    • Das Problem ist ja nicht, dass es BuzzFeed gibt und für welche Art von Menschen es konzipiert ist, sondern dass sich andere etablierte Medien nach und nach an diesem Erfolg, und damit auch an diesem Niveau, orientieren. Und das halte ich für eine große Gefahr.

    • Mit doof ist hier glaube ich nicht irgendsowas Altbacken-Harald-Schmidtsches wie “Unterschicht” gemeint. In der Postdemokratie erstreckt sich Spass-Dummheit in alle Konsumenten-Segmentierungen.

      Publikumsbeschimpfung, also ernsthafte Publikumsbeschimpfung ist wichtig. Sonst wacht doch keine auf. Und die, die sich naserümpfend in die nächste ruhigere Konsummedienecke verziehen, sollen sterben gehen, denn sie sind eh schon scheintot.

  • DankeAuch

    “Eine Generation von IQ-vernichtenden ADHS-Kindern”

    Sehr schön. Sowohl vor- als auch nach dem Aufkommen der Welle an Müttern, die ihr Kind unbedingt mit ADHS diagnostiziert haben wollen, gab und gibt es Kinder und Erwachsene, die ADHS haben.
    Übrigens ein 100% chemisches Defizit, welches natürlich zu diversen Symptomen und (auffälligen/negativen) Verhaltensweisen führen kann.

  • AberHallo

    Danke für den Artikel. Jetzt weiß ich wenigstens, dass in meiner Heimatstadt herumstrolchende Kleinstadtbayern auf der Suche nach geheimen Cafes nicht nervig sind, sondern zur Elite gehören. Tolles Selbstbild. Erinnert ein wenig an Grünenpolitiker, die die Menschen einfach für zu doof halten, um sie zu wählen. Viel Spaß noch im Elfenbeinturm.

  • Huch, wo ist denn mein Artikel geblieben?

  • Hallo zusammen,

    ich muss Droid Boy 100% zustimmen. Der Artikel ist ohne die Beleidigungen lesbar, dann noch das kleine Detail beim Ansteuern dieser Seite. Wenn ich erst meine Augen gerade auf das große Bild über dem Text (sic!) fokussiere und dann ein Overlay mich belästigt mit irgendwelchen Facebook-Likern, dann kann ich einen solchen zu Grunde liegenden Text noch weniger ernst nehmen. Das Medium ist auch teil der Nachricht. Und so ein Overlay ist im Niveau nicht besser als die 1337 dümmsten Schlangenöle im Internet.

    (Früher galt das Lesen an sich ja als verblödend und krank machend. Jedes neue Medium bringt eben Menschen mit sich die es verteufeln und nur die schlechtesten Exemplare herausfischen um pars pro toto einen Punkt zu machen.)

  • Webperlen: Schriftsteller als Netzverächter, Immobilien-PR und die BuzzFeed-Falle

    […] Eine schöne Polemik (via) in Zeiten des Medienwandels: Während allen Ortes auf die Vorbilder aus Amerika verwiesen wird, nimmt NEUE ELITE den Hype um BuzzFeed auseinander: […]

  • Ansgar Spiertz

    Heute auf SpOn: http://www.spiegel.de/fotostrecke/reality-sternchen-kim-kardashian-in-elternzeit-fotostrecke-102143.html
    Ist das noch weit von BuzzFeed weg? Gut, es ist nur einer von vielen Beiträgen, aber die Entwicklung ist offensichtlich!

  • Andreas

    Jawoll!

    BuzzFeed wird mit ständig auf Twitter weiterempfohlen (ja, auch so ein Zeichendienst, der nur wenige Buchstaben zulässt. Aber durchaus sehr coole Texte zulässt, wenn man denn will). Und wenn ich mal reingeschaut habe, dann war da eine widerlich-süßliche Melange aus Dummgelaber, Dummbilder und Dummgelaber… vermischt mit Dummgelaber.

    Super Text über BuzzFeed, stimme ich absolut zu und ja, es ist sicherlich auch überspitzt formuliert. Aber anders kriegt man uns doofes Klick-Vieh doch nicht mehr dazu, auch mal aufzumerken.

  • Frank Schmiechen

    Aha. Da reckt schon der erste deutsche Volkserzieher den warnenden Zeigefinger. Bevor BuzzFeed überhaupt hier angekommen ist. “Grenzdebile Idioten” sind natürlich immer die anderen. Dieser Text ist eine an Peinlichkeit nicht zu überbietende Selbstentblößung. Was Anmaßung und Besserwisserei angeht, einfach nicht zu übertreffen. Herzlichen Glückwunsch! Sprachlich könnte man noch dran arbeiten…

  • Medienwandel: Reden wir über Buzzfeed! – Netzpiloten.de

    […] ist es, Buzzfeed früh zu diskreditieren und das mit Erfolg. Marcel Winatschek wirft dem Portal “Journalismus für grenzdebile Idioten“ vor, was irgendwie witzig ist, weil man das auch ohne Probleme über seine beiden Projekte […]

  • puma sko Danmark

    nice site, all posts are very nice.