- Deutsche Huffington Post, gib Geld!

In den USA zählt der Blog Huffington Post längst zu den größten einflussreichsten Publikationen der Nation, rund 80 Millionen Besucher lesen jeden Monat die aktuellsten Themen und Meinungen aus Politik,…

Deutsche Huffington Post, gib Geld!

In den USA zählt der Blog Huffington Post längst zu den größten einflussreichsten Publikationen der Nation, rund 80 Millionen Besucher lesen jeden Monat die aktuellsten Themen und Meinungen aus Politik, Unterhaltung, Technik, Mode und Musik. Gründerin Arianna Huffington verkaufte das Medium 2011 für 315 Millionen Dollar an AOL, 2012 erhielt die Huffington Post als erste kommerzielle Onlinezeitung einen Pulitzer-Preis. Und der Erfolg geht weiter.

Nach lokalen Editionen in Großbritannien, Frankreich und Italien möchte das Blatt nun auch in Deutschland Fuß fassen. In diesem Herbst noch will die Huffington Post in Kooperation mit der TOMORROW FOCUS Media GmbH eine nationale Version der Publikation auf den Markt bringen und damit in direkte Konkurrenz zu Platzhirschen wie Spiegel Online, Zeit Online und Süddeutsche.de treten.

Jetzt brauchen die Verantwortlichen nur noch Autoren, die die Wichtigkeit der Seite auch hierzulande manifestieren. Doch das scheint leichter gesagt als getan zu sein. Ganz in der Tradition des Geschäftsmodells, in der viele Schreiber gar nicht erst bezahlt werden, verschickt der Redakteur Tobias Fülbeck gerade eMails an Blogger, um sie für das neue Projekt zu begeistern. So ganz scheint das aber nicht zu funktionieren.

Kai Petermann ist 36 Jahre alt, lebt in Berlin und arbeitet dort nicht nur in der Konzeption, sondern unterhält auch zwei Blogs: Stilsucht und Heldth. Auch ihn hatte die TOMORROW FOCUS Media GmbH angeschrieben, ob er denn nicht Lust hätte, für die Huffington Post zu arbeiten. Und zwar ohne Vergütung. Kai reagierte gelassen und antwortete in einer offenen eMail, die gerade gut kommentiert durch die sozialen Netzwerke wandert.



Kai, was hast du gegen die Huffington Post?

Ich habe im Grunde nichts gegen die Huffington Post. Zumindest hatte ich bisher nichts gegen sie. Bis zu dieser eMail, in der ich gefragt wurde, ob ich nicht vielleicht Lust hätte, Artikel zur exklusiven Erstverwertung für die Huffington Post zu veröffentlichen, habe ich die Seite eher als wunderbares Werkzeug der Liberalisierung von reinen Online-Inhalten gesehen.

Aber kennst du nicht das Geschäftsmodell der Huffington Post? Scheint ja woanders auch gut zu laufen“¦

Der Begriff Geschäftsmodell ist an dieser Stelle wirklich sehr mutig gewählt. Für mich gehört zu einem Geschäft eine ausgewogene Verteilung von Geben und Nehmen. Die kann ich bei dieser Art zu arbeiten irgendwie nicht erkennen.

Glaubst du, dass die Art und Weise, wie die Huffington Post in den USA agiert, auch in Deutschland funktionieren wird?

Natürlich werden sich auch Deutschland genug Freiwillige finden, die dieses Modell unterstützen. Und so wird die Huffington Post vermutlich auch in dem digitalen Entwicklungsland Deutschland wunderbar funktionieren. Der Großteil aller Blogger macht das alles ja einfach nebenher, für Ruhm und Ehre. Ich habe mich vor längerer Zeit dazu entschieden, mein Leben mit diesem Internet zu finanzieren und daher ist die kostenlose Arbeit für die Huffington Post von meiner Seite aus keine Option. Es sei denn, ich kann meiner Antwort entsprechend, Vermieter, Lebensmittelhändler, Tankwart und Telekom dazu bewegen, mich für einen entsprechenden Backlink auch unentgeltlich zu versorgen.

Findest du es nicht genug, wenn die Huffington Post durch kostenlose Texte dir Besucher und potentielle Kunden zuschiebt? Ist ja auch eine Art Entlohnung, wenn auch auf Umwegen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Traffic, der durch diese Links generiert wird, meist nicht so berauschend ausfällt. Zumal die Huffington Post ja hier nicht auf bestehende Inhalte verlinkt, sondern exklusive Erstverwertung möchte.

Manche Autoren zahlen sogar Geld dafür, dass sie in bestimmten Publikationen erscheinen, um so ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Mit dieser Ansichtsweise scheint das Angebot der Huffington Post ja sogar noch nett zu sein, oder?

Ehrlich? Das gibt es? Wie viel muss ich jetzt an NEUE ELITE zahlen? (lacht)

Vielleicht, ja, gute Idee! Aber hättest du für sie geschrieben, wenn sie dir einen angemessene Verdienst geboten hätten?

Ja natürlich, denn ich habe ja nichts gegen die Huffington Post als Medium.

Findest du es im Allgemeinen schlecht, wenn Magazine nicht für mentale Arbeit bezahlen wollen? Oder gibt es da Ausnahmen?

Das hängt tatsächlich immer vom Miteinander und dem jeweiligen Hintergrund ab. Projekte, die reine Herzensangelegenheiten sind und meine Leidenschaft wecken, unterstütze ich in jeder Hinsicht sehr gern. Tatsächlich mache ich das ja auch nebenbei. Eine Webseite, die sich zu einen millionenschweren Unternehmen entwickelt hat, sollte irgendwann auch mal teilen wollen.

Denkst du, dass es trotz deiner Abfuhr genügend deutsche Blogger geben wird, die umsonst für die Huffington Post schreiben werden?

Wie erwähnt ja, es werden sich ausreichend viele finden, deren Antrieb digitale Inhalte zu produzieren nicht so furchtbar kapitalistisch ist, wie meiner.

Wirst du die deutsche Huffington Post lesen?

Ich gebe der deutschen Huffington Post in jedem Fall eine Chance. Warum sollte ich das auch nicht tun? So werden die Inhalte deutscher Seiten mit Sicherheit gebündelt konsumierbar.

Foto: Tim Adler.
Forever 21

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Strellson

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7 Kommentare

  • Markus

    Ganz ehrlich, ich wurde auch gefragt und ich finde das einen guten Deal. Aufmerksamkeit gegen meine Zeit. Deshalb habe ich mich auch entschlossen dort mitzumachen. Die verlangen doch von niemandem, dass man seinen Full-Time aufgibt und kostenlos nur für sie arbeitet. Für mich passt das Modell.

  • Simon

    Klar, wer will nicht gratis für ein Arschlochmedium wie Focus Online schreiben?

  • Schade, mein Vermieter macht da leider auch nicht mit. Da bleib’ ich lieber bei Auftraggebern, die Arbeit auch entlohnen.

  • Sarah Meister

    Ganz ehrlich? Das “Angebot” ist eine himmelschreiende Unverschämtheit!!! Und der Gipfel einer traurigen Entwicklung dahingehend, dass Schreiberlinge, Texter, Journalisten immer weniger verdienen. Und in diesem Fall nicht mal wenig, sonder gar nix. Umme. Zero. Und das von so einem Kapitalistenverein wie Burda (Focus). Der Verlag ist echt das Letzte. Ich rufe hiermit zum Boykott der Huffington Post Deutschland auf (Unabhängig davon, dass ich sowieso nicht an den wirtschaftlichen Erfolg der Seite glaube. der Grund: Burda. Kein Verlag versemmelt so konsequent digitale Trends).

    Meine Hochachtung an Herrn Petermann! Ihm zoll ich meinen uneingeschränkten Respekt.

    Und der Herr Redakteur Fülbeck soll halt noch ein Dutzend Praktikanten anstellen, dann hat er auch Leute die für Umme arbeiten. Ich kotze. Bäh!!!

  • Diese Geschäftsmodelle spielen mit dem Wunsch, dass derjenige dadurch bekannter werden könnte. Ich habe mehrere solcher Angebote bekommen: kostenlose Interviews im TV und Radio oder – was die Krone aufsetzt – einen Artikel in einem Magazin schreiben (kostenlos) und dazu von meinem Geld eine große Anzeige schalten. Damit haben die Herrschaften beides. Einen Arikel und die Einnahme über eine Anzeige.

    Man muss sich positionieren, ob man denkt, dass diese Art “Angebote” etwas bringen. Meine Erfahrung: Nein, sie bringen nichts. Vorallen Dingen dann nicht, wenn das Schreiben nicht gerade tägliche Gewohnheit ist und man für einen Artikel etwas ängere Zeit braucht.

    Letztendlich ist das ganze eine individuelle Entscheidung. Es werden, davon bin ich überzeugt, genügend bei Huffington Post mitmachen.

    SG

  • Ich finde es unglaublich schade, dass durch solche Angebote die Arbeit von Bloggern noch ab gewertet wird.
    Andererseits ist es für viele Blogger wohl wichtig bekannter zu werden, egal wie.
    Ich denke, dass sich jeder selbst überlegen muss, wie er bei so einem Angebot handelt :)

  • Die BuzzFeed-Falle – Journalismus für grenzdebile Idioten | Technik | NEUE ELITE

    […] stecken. Natürlich nicht ohne gleich eine Heerschar ihrer potentiellen nicht bezahlten Autoren mit peinlichen eMails zu […]

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