Endlich Vollzeitblogger! - Endlich Vollzeitblogger! – Ich mache mein Hobby zum Beruf

Es war ein warmer, sonniger Montagmorgen im Herbst, an dem Stefanie Peters ihre Kündigung einreichte. Knapp zweieinhalb Jahre lang war sie als PR-Beraterin in einer großen Berliner Agentur angestellt, betreute…
Endlich Vollzeitblogger!

Endlich Vollzeitblogger! – Ich mache mein Hobby zum Beruf

Es war ein warmer, sonniger Montagmorgen im Herbst, an dem Stefanie Peters ihre Kündigung einreichte. Knapp zweieinhalb Jahre lang war sie als PR-Beraterin in einer großen Berliner Agentur angestellt, betreute eine Fluggesellschaft, einen Bekleidungshersteller und eine Lebensmittelkette. Doch damit war jetzt Schluss. An dem Tag, an dem sie die privaten Utensilien auf ihrem Schreibtisch in eine kleine Schachtel packte, veröffentlichte sie auf ihrem Modeblog einen Artikel, der der 23-Jährigen so viel Geld einbrachte wie zwei Monate nervige PR-Arbeit. Und im darauf folgenden Jahr sollte das nicht der letzte gewesen sein.

Bereits zwei, drei gute Kooperationen mit finanzkräftigen Marken im Monat reichen aus, damit sich so mancher Hobbyblogger fragt, warum er überhaupt noch einen richtigen Beruf ausübt. Tagtäglich von 9 bis 18 Uhr im Büro anwesend sein, fünf Mal die Woche, das ganze Jahr. Sich von unfähigen Chefs herum kommandieren lassen und gezwungenermaßen mit Kollegen auskommen müssen, die es durch alles mögliche, außer Kompetenz, in diese Position geschafft haben.

Die moderne Medienwelt hält viele Möglichkeiten bereit, um außerhalb der konventionellen Berufsgruppen so viel Einkommen zu erzeugen, dass es für Wohnung, Nahrung, Kleider und so manchen Luxus reicht. Firmen wie Nike, Unilever und Sony stocken ihre Budgets für Onlinewerbung immer weiter auf, ein wenig davon fließt auch direkt in die Taschen von Bloggern, die gelernt haben, Publikumserfolg und Offenheit gegenüber Konzernen gekonnt miteinander zu verbinden.

Die Frage, ob man selbst und das Projekt, das man oft über Jahre hinweg aufgebaut hat, dazu bereit ist, die Sicherheit einer Festanstellung aufzugeben, um Platz für unglaublich viel Eigenverantwortung zu schaffen und auf volles Risiko zu gehen, muss jeder für sich selbst beantworten. Aber es gibt einige Regeln, an die sich zukünftige Vollzeitblogger halten können, um möglichst keinen Fehler zu begehen, den sie schon bald bereuen werden.

Hurra, ich bin reich!

Werbenetzwerke wie Glam Media, Populis oder AdVice zahlen einmal im Monat die Werbeeinnahmen aus. Hierbei sind immer mehrere Kooperationen und Bannerkampagnen berücksichtigt. Durch diesen Umstand werden teilweise so hohe Beträge im vierstelligen Bereich auf euer Konto gespült, dass ihr euch beherrschen müsst, euren Chef nicht sofort telefonisch dorthin zu schicken, wo der Pfeffer wächst.

Einen gepflegten Abgang solltet ihr allerdings erst hinlegen, wenn solche fruchtbaren Kooperationen in regelmäßigen Abständen stattfinden. Herrscht nach dieser einmaligen Euroflut nämlich die nächsten Monate Flaute, kriecht ihr womöglich schon bald wieder zu eurer alten Arbeit zurück. Reumütig und verängstigt. Geld ist toll. Viel Geld ist toller. Regelmäßig viel Geld ist am tollsten.

Außerdem solltet ihr euch im Klaren darüber sein, dass ihr einen großen Teil eures Einkommens gar nicht behalten, sondern direkt weiter schicken dürft. Und zwar ans Finanzamt. Von dem euch überwiesenen Geld gehen erst die Umsatzsteuer und vom Rest grob 33 Prozent an die Kassenmeister des Staates. Wenn ihr euch von dem übrig gebliebenen Betrag mehr als nur noch ein Ticket für das nächste Festival leisten könnt, dürft ihr weiter an dem Plan, allein von eurem Blog zu leben, werkeln.

Lasst mich durch, ich bin vom Internet!

Bisher hat es auch ganz gut geklappt, neben der geregelten Arbeit zu bloggen. Warum soll es also nicht einfach so weiter gehen? Das Problem ist natürlich, dass man irgendwann müde davon wird, den ganzen Tag vor dem Bildschirm zu sitzen. Auch wenn das in den letzten Jahren immer mehr zum Volkssport geworden ist. Schafft man es vom Computer weg, wartet einen Handgriff weiter schon das iPhone.

Selbst, wenn ihr genügend Geld mit Kooperationen verdient, solltet ihr eine Kündigung erst in Erwägung ziehen, wenn euch euer normaler Arbeitstag daran hindert, wichtige Ereignisse wahrzunehmen. Pressevorführungen für Kinofilme finden oft vormittags statt, Produktreisen dauern einige Tage – und wie lange Modewochen gehen, verrät bereits der Name.

Natürlich könnt ihr nur einen guten Blog führen, wenn ihr an diesen speziellen, sich wiederholenden Veranstaltungen teilnehmen könnt. Und selbst kulante Chefs, die euch netterweise des Öfteren an diesen Terminen freigegeben haben, setzen irgendwann einmal Grenzen. Und ihr entscheidet selbst, ob ihr diese überschreiten wollt. Oder gar müsst.

Ich bin Blog!

Wenn ihr 20 bis 30 Stunden in der Woche an eurem Blog herum bastelt, dann darf das schon fast als Zweitjob zählen – auch wenn die allgemeine Gesellschaft das anders sieht. Themen heraussuchen und aufbereiten, Artikel schreiben, Bilder bearbeiten, Videos schneiden, Social-Media-Kanäle managen, technische Probleme lösen, Designs gestalten, Kommentare lesen und beantworten.

Jede Aufgabe verschlingt Zeit – und neben der Hauptarbeit eben genau die, die ansonsten zur Erholung gedacht ist. Pause, Schlafen – oder zur Nahrungsaufnahme. Es ist nur logisch, sich irgendwann zu überlegen, diesen Spieß umzudrehen. Allerdings müsst ihr euch darüber im Klaren sein, dass ein Hobby eben ein Hobby ist. Und wenn ihr dies zum Beruf macht, nimmt damit der Spaß ab – und ihr erlebt einen ungemeinen Stressfaktor, wenn etwas nicht so läuft wie es gedacht war.

Als Vollzeitblogger solltet ihr einen Plan B, und womöglich sogar einen Plan C haben, der es euch ermöglicht, auch über Dürrezeiten finanziell versorgt zu sein. Denn euer Businessplan, der unumgänglich ist, kann noch so gut sein: Ihr seid vom Erfolg eures Blogs und den Budgets von Firmen abhängig. Eine Garantie für Einnahmen sieht anders aus.

Um euch etwas nebenher zu verdienen, könnt ihr zum Beispiel als Fotograf für Zeitschriften arbeiten. Oder ihr schreibt Artikel über bestimmte Themen und bietet sie Medien im Print- und Digitalbereich zum Kauf an. Manch einer musste sogar schon nebenher kellnern, um nicht aus der Stadt flüchten zu müssen. Und das war ja wiederum nicht der Sinn des Ganzen.

Fazit

Das Leben als Vollzeitblogger kann neu, aufregend und erfolgreich sein. Auch wenn ihr eurer Oma immer noch erklären müsst, dass ihr “Homepages im Internet gestaltet”. Allerdings kommen mit dieser Entscheidung Aufgaben auf euch zu, die ihr vorher nicht erwartet habt. Plötzlich müsst ihr Experten im Steuerrecht werden, die Krankenkasse verlangt auf einmal Beträge von euch, die jenseits von Gut und Böse sind. Um nicht vollkommen zu Hause einzugehen, braucht ihr womöglich einen Schreibtisch in einem Co-Working-Space, Adobe-Produkte werden auch immer teurer – plötzlich dreht sich alles nur noch ums Geld.

Dazu kommt, dass Blogs als Basis für die Existenzgründung immer noch sehr neu sind. Niemand weiß, wie lange Agenturen und Marken in diese Art der Publikationen investieren. Vielleicht habt ihr in einem Jahr auch gar keine Lust mehr auf das Thema, mit dem sich eure Webseite momentan beschäftigt. Die Entscheidung, ob ihr Vollzeitblogger werdet oder nicht, wird nicht die letzte sein.

Wenn ihr euch noch nicht bereit dafür fühlt, dann solltet ihr unseren Artikel “Mit Blogs Geld verdienen? Ist doch ganz einfach!” lesen. Seid ihr allerdings ein Allroundtalent und wisst, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um eine Stufe aufzusteigen, dann lasst euch zwei Dinge gesagt sein. Erstens: Viel Erfolg! Und zweitens: Sucht euch einen schönen Zeitpunkt aus, um zu kündigen. Zum Beispiel einen warmen, sonnigen Montagmorgen im Herbst. So wie Stefanie Peters, die an diesem Tag so glücklich wie schon lange nicht mehr war.

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25 Kommentare

  • Stefan

    Was hat der tiefe Einblick in das Dekoletee der Dame im Header mit dem Text zu tun?

    Sex sells? Wollt ihr vom Text ablenken? Wollt ihr mehr Aufmerksamkeit bei Männern erregen?

    • Yucca

      Ich finde, Frauen sollten Dekoletees tragen dürfen, ohne ständig dem Vorwurf der Geilheit ausgesetzt zu sein. Vielmehr würde mich interessieren, ob Apple mitsponsert oder ob das einfach zum Berlin-Mitte-Style als unentbehrliches Acessoire gehört.

  • Ich mag die neue Richtung, die ihr hier einschlagt.

    Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es kein Zuckerschlecken ist sich als “Vollzeitblogger” zu etablieren. Bei mir ist die Kündigung jetzt zwei Jahre her und diese Zeit hatte so ihre Höhen und Tiefen. Inzwischen kann ich guten Gewissens sagen: Ich mach das Vollzeit. Aber das hat definitiv seine Zeit und etliche Nebenjobs in Startups und Aufträge als Freelancer Gebraucht. Und den ein oder anderen Miracolitag.

  • Diana

    toller beitrag, nur das bild passt irgendwie nicht dazu, außer ihr wollt damit auf “sex sells” anspielen, wie der obige Kommentierer bereits ausdrückte.

  • Maximilian Knorke

    Ein interessanter Beitrag, der bei so manchem im Netz eventuell aber auch falsche Illusionen zaubern kann. Was jetzt nicht negativ gemeint, sondern eher nur als Fußnote angemerkt ist.^^

  • Ich kann vom Bloggen mittlerweile gut Essen und Miete zahlen, aber egal wie es kommt – will ich jemals ausschließlich bloggen? Nein! Nicht aus dem Grund, dass es irgendwie nicht erfüllend ist oder so. Sobald ich auf das Bloggen angewiesen bin, bin ich abhängig. Dann MUSS ich Kooperationen eingehen und Advertorials schreiben. Ganz klar, ich schreibe sponsored Posts, aber ich möchte immer in der Lage sein, auch überhaupt nichts annehmen zu müssen, wenn nur scheiße kommt.

  • Ich glaube so gut wie jeder Vollzeitblogger hat auch noch einen Zweitjob, oder seinen Fuß noch woanders, denn grade hier in DE kann man sich 1. nicht sicher sein und hat 2. so hohe finanzielle Verpflichtungen, dass es gar nicht anders geht, zumindest wenn man sich absichern will.

    Ich bin gespannt wie lange das alles noch gut geht :)

  • Ja genau, so sehe ich auch immer aus wenn ich (derzeit nebenberuflich) Vollzeit blogge. Spaß. Euer ernst?

    Bild flop – Artikel top. Ist auf jeden Fall zu schaffen, auch ohne Fernsehen, Radio und Co, wie manche vielleicht denken. Nur dauert das länger. Hängt natürlich auch davon ab, wie fit man im Bloggen ist usw.

  • Thomas Hesse

    Herrlich- wie sie hier alle dumme kommentare von sich lassen, um den backlink zu bekommen.

    Erbärmlich.

  • Der Beitrag gefällt mir wirklich gut, aber bis ich vom Bloggen leben kann, wird sicherlich noch viel Zeit vergehen bzw es wird nie passieren. Finde es aber wirklich toll, wenn man es geschafft hat, denn das zeigt Disziplin und auch Vertrauen in sich selbst! :)

  • Lora

    Super Beitrag, für mich persönlich wären das zu viele Unsicherheiten.
    Kannst du mal einen Artikel darüber schreiben, was man aus rechtlichen Gründen lieber nicht schreiben, verlinken, einbetten usw. sollte ?

  • Seven

    Der Artikel ist sehr informativ, lässt sich gut lesen und hat mich persönlich motiviert es mal auszuprobieren. Jedoch muss ich meinen Vorrednern zustimmen, dass das Bild ein absoluter Fehlschlag ist und meines erachtens lächerlich wirkt. Wenn ich mich als seriöser Blogger präsentieren möchte tue ich das auch nicht mit tanktop und angespanntem Bizeps…

  • Seven

    Ein Kleiner Tip von mir:

    Falls dir dein Leben wichtig ist, würde ich den Islam komplett auslassen ;)

    Ansonsten ist die freie Meinungsäußerung in Deutschland doch gewährleistet. Und falls du da an Grenzen stossen solltest fängst du einfach an zu dichten und schon stehen dir die Tore offen und du kannst schreiben was du willst ;)

  • Im Grunde geht es dem “Vollzeitblogger” doch nicht anders als jedem anderen, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, egal ob Handwerk oder Kreativbranche. Nur mit der nötigen Vorbereitung und der Aneignung von Grundkenntnissen auch aus nicht so wirklich spannenden Bereichen wie Steuerrecht und Buchführung sollte man den Schritt wagen.

    Als vormaliger Amy&Pink-Leser möchte ich ausserdem an dieser Stelle noch ein großes Lob für den neuen Stil und die neuen Inhalte hier auf der Seite aussprechen. Ich freue mich auf mehr davon!

  • Sandra

    Ein guter Artikel, der informativ auf die Vor- und Nachteile eines (Vollzeit)bloggers eingeht. Ich persönlich bin aber ganz froh darüber, dass ich keine Vollzeitbloggerin bin und das nur als lukrative Nebenbeschäftigung betrachte. So kann ich guten Gewissens das ein oder andere Bussi-Bussi-Event ausschlagen und auch mal getrost Abstand vom ganzen Marken- und Werbezirkus nehmen. Wenn mir aber mal danach sein sollte, dann kann ich das auch haben. Klar ist es toll für seine liebsten Freizeitbeschäftigungen seine Miete und Co. bezahlen zu können, aber sobald es zur Haupteinnahmequelle wird verliert man womöglich schnell den Spaß daran.

  • Maik

    Ich spiele mittlerweile mehr als ernst mit eben diesem Gedanken. Wir aber wohl leider eher kein warmer Sommertag werden… ;)

  • Lena

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Befasse mich zur Zeit viel mit diesem/ähnlichen Themen und da ist jeglicher Input hilfreich.
    Viele Grüße.

  • justin

    ich habe eine ganz große blogger-karriere-entwicklung einer kommilitonin mitverfolgt. war sehr spannend, das 3,4 Jahre über zu beobachten. es ist Teil unserer neuen Welt, die das Internet ermöglicht hat. Ob man das nun haupt- oder nebenberuflich macht, hängt in erster Linie vom Erfolg ab und von der zielsetzung, die man sich gesetzt hat. Aber toll, dass man die Möglichkeiten mittlerweile hat!!!

  • Simon de B.

    ein geiles Dekolleté in 1.170px × 749px, darunter irgendein Text in Schriftgröße 8.
    Prima, ich finde hier werden die Prioritäten richtig gesetzt.
    Internet = Porno, so what?
    Mehr davon!

  • Hallo,

    interessanter Artikel, spannendes Thema, schönes Bild.

    Fakt ist, wer denkt, dass er im Internet und als Blogger den schnellen Euro machen kannst, ist extrem naiv. Es ist eine Arbeit wie jede andere auch. Man muss Zeit und Energie investieren, und das nicht zu knapp. Fakt ist aber auch, dass man durchaus sehr erfolgreich sein kann – wie überall wo anders auch.

    Ich muss nur Ressourcen investieren und an meinen Erfolg glauben – dann klappt alles!

Farfetch