Armut als Lebensstil - Das prekäre Leben

Wir sitzen beim besten Italiener der Stadt. Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise, ein edler Tropfen, ein Digestiv, die Rechnung wird geteilt. Die beste Pizza der Stadt, begleitet von Antipasti und interessanten Unterhaltungen.…
Armut als Lebensstil

Das prekäre Leben

Wir sitzen beim besten Italiener der Stadt. Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise, ein edler Tropfen, ein Digestiv, die Rechnung wird geteilt. Die beste Pizza der Stadt, begleitet von Antipasti und interessanten Unterhaltungen. Niemand achtet auf den Preis, aber es wird trotzdem viel über Geld gesprochen, jedenfalls über den Mangel dessen. Immer zu wenig. Am Tisch redet man über die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse, eine Freundin beschreibt ihren neuen Job. Beschäftigt ist sie als Trainee auf Probe bei einem renommierten Modelabel, irgendwo zwischen Mitte und Magersucht, sie verdient nicht mal genug um – um was eigentlich? Offensichtlich reicht es zum Essen gehen. Unter Freunden fragt man nicht. Sie erwähnt beiläufig, dass sie aber – im Falle der Übernahme zur Festanstellung – immerhin 1.500 Euro brutto verdienen wird. „Du Glückliche“, schallt aus einer Ecke, „ich wünschte, ich würde auch so viel verdienen.“ So viel?

Sicher: Wir reden hier über Berliner Verhältnisse und die Gehälter in Deutschland sind freilich beschissen. Aber – muss man gleich fett in die Hände klatschen vor Freude? Das ist verinnerlichte Armut; Armut, die als gerecht empfunden wird. In welchem Verhältnis steht so ein Gehalt zur Realität. Einer, in der man vielleicht Kinder haben möchte und ein Leben außerhalb der Arbeit? Wobei: wer will schon sowas?

Immaterielle Arbeit

Es kommt in der Kreativ- und Medienbranche häufig vor. Der Job ist wichtig für das Unternehmen. 1.500 sind eine Farce, nicht für die Position an sich, sondern für den Stellenwert in der Firma. Und meine Freundin könnte woanders sicherlich mehr verdienen – hat sie früher auch, bis sie beschloss, das finanziell abgesicherte Leben für ein Abenteuer in der Hauptstadt auszutauschen. Sie lebt einem verständlicherweise großen Ideal unserer Zeit nach: etwas zu machen, was Spaß bringt. Einen Job, mit dem sie sich identifizieren kann, bei dem die Lernkurve steil ist, wo es nicht nur um das Absitzen von Zeit sondern um eine gewisse Form der Identitätsentwicklung geht. Die Gelegenheit dazu hat sie nun gefunden: Verantwortung und Mitspracherecht kann sie in ihrer neuen Stelle umsetzen. Es kostet sie während des Traineeships ihr ganzes Erspartes. Nichts davon wird während der Festanstellung wieder in die Kassen gespült werden. Trotzdem stoßen wir an. Großartig, da ist für Berliner Verhältnisse nicht nur die Miete drin, sondern mindestens sechs Mal Berghain und der extra Espresso-Shot für 40 Cent wenn“˜s nachts im Büro mit der Verantwortung mal wieder etwas länger dauert.

1.500 Euro mit Nullperspektive nach oben. Oder man wechselt bald und hofft, dass es woanders besser wird. Als Single kann einem die projektbasierte Arbeit nur gut tun: ungebunden, flexibel und mit größter Hingabe darf man sich dem temporären Leben hingeben. Da verzichtet man – für eine Altbauwohnung im Kiez, für einen Fuß in der Medienwelt, für eine Reputation im Job – doch gerne auch auf solche Dinge wie Familienplanung. Aber wir sind jung und lernen dazu. Ist es nicht selbstverständlich, dass wir in finanzieller Knappheit leben müssen? Sind das Lehr- oder Leerjahre? Sind die Gehälter generell zu niedrig oder geht der Virus nur in der Kreativwirtschaft um? Hatten Mama und Papa recht: hätten wir lieber etwas Anständiges lernen sollen?

Vielleicht. Doch nicht lediglich in den Dienstleistungsbranchen und für Geisteswissenschaftsstudenten muss dieser Armuts-Usos gelten. Im 21. Jahrhundert soll jeder kreativ sein, Entscheidungen treffen und kommunizieren können. Das Informationszeitalter lässt grüßen, und selbst spießige Konzerne rüsten sich langsam dafür aus, auch den letzten Fließbandarbeiter zum Floor Manager zu machen.

„Die Seele der Beschäftigten muss Teil des Unternehmens werden“

Das Selbstverständnis der Selbstausbeutung gilt heutzutage für jeden. „Ich möchte etwas arbeiten, was mir Spaß macht“ ist der Slogan dieser sich selbst unterminierenden Bewegung. Für den Spaß an der Sache gibt man schon mal den Zweck der Sache auf. Arbeit aus Leidenschaft. Nicht für die Existenzsicherung. Damit haben eigentlich schon ziemlich viele reiche und machtvolle Menschen gewonnen, von der Staatsgewalt mal ganz abgesehen. Alles läuft wie am Schnürchen.

Es gab eine Zeit, in der die Arbeit von den freizeitlichen Dingen zu unterscheiden war. Nun ist die Arbeit heute das, worin sich Leben manifestiert. In diesem Leben ist kein Platz für eine strikte Trennung. Wer sich für ein Praktikum bei einem renommierten Label den Arsch aufreißt, soll sich dankbar für die Chance zeigen statt mit der Faust für Geld auf den Tisch zu hauen. Blogger kennen dieses Problem ganz gut: sie werden mit Geschenken – meist in Form von Gästelistenplätzen auf irgendwelchen B-Seiten-Veranstaltungen – überhäuft und dann als gierig bezeichnet, wenn sie für Promoarbeit Geld verlangen. So wird uns beigebracht: was sich nicht wie mühevolle Arbeit anfühlt, das wird dir auch nicht bezahlt. Selbst wenn es wertvoll ist.

Die Ästhetisierung der Arbeit

Wir geben uns High Fives für gut abgemischte DJ-Sets und bezahlte Gigs, für schön geschossene Fotos und veröffentlichte Texte, für wunderbar komponierte Mood-Filme und erstaunlich ausdauernde Projektarbeit. Manchmal flüstern wir leise einander zu, dass wir dankbar sind, nicht in irgendeinem Kaff oder einem Bürojob gelandet zu sein. Wir können aufstehen, wann wir wollen, können arbeiten wann wir wollen, können networken wann wir wollen, und dabei müssten wir gar nicht. Am schönsten ist es, wenn wir zusammen arbeiten können. Wir tauschen uns in unserer Freizeit aus, setzen die Pläne dann lachend um. Meine Firma ist meine Familie. Meine Arbeit ist der Raum, in dem sich meine Identität in vollen Zügen entfalten kann.

Viele – insbesondere hier in Berlin – kennen es: nachdem man sich von den Fesseln der 08/15-Anstellungen befreit hat, arbeitet man plötzlich in einem Umfeld, in dem die Arbeit etwas bedeutet. Sie hat einen höheren Zweck: man tut es für die Company, für die Gesellschaft, für eine bessere Welt. Mehrheitlich wird darüber gefachsimpelt, wie man das Arbeitsleben verbessern kann. Das Arbeitsleben. Ersetzen wir doch das Wort Leben einfach mit Arbeit. Es würde uns die Verwirrung, die Selbsttäuschung und auch eine Zeitspanne von zwei Silben einsparen. Zeit, die wir dringend benötigen um unsere „Work-Work-Balance“ zu verbessern.

„So lange man bezahlt wird, gibt es keinen Grund zur Beschwerde.“ Ist das so? Ich kenne nicht zu wenige die beim beschissensten Arbeitgeber der Stadt Schlange stehen, um für 400 Euro im Monat, auch am Wochenende, „arbeiten zu dürfen“. Warum? Weil der ihnen Gästeliste, exklusiven Zugang zur Medienwelt und ab und zu gesponsorte Schuhe klarmachen kann. In der gemeinsamen Küche steht ein 6.000-Euro Kaffeevollautomat. Die prekären Arbeitsverhältnisse werden mit Konsumartikeln genährt, aber die gehören dazu wie einst der BMW und das Reihenhaus zum gutbürgerlichen Kaufmann. „Wir bieten Ihnen ein junges, kreatives Team mit flachen Hierarchien und einen eigenen Mac-Arbeitsplatz.“ Ich habe nichts dagegen, meinen Vorgesetzten per Du anzusprechen und zusammen mit bunten Farben auf beschreibbaren Wänden Brainstorm-Seminare abzuhalten, die wir dann mit dem iPad fotografieren. Aber sollte ich für all das auf ein ordentliches Gehalt verzichten? Diese Frage stellt sich für viele nicht. Da wird mit den Achseln gezuckt.

„Was soll ich sonst tun?“, sagt eine geknechtete Freundin. „Ich liebe den Job. Ich liebe die Kollegen. Ich kann hier voll mein Ding machen und brauche ja eigentlich nicht wirklich mehr, als ich bekomme. Irgendwann wird sich schon etwas Besseres finden.“ Das sagt sie, obwohl ich weiß, dass sie noch einen zweiten – übrigens furchtbaren – Job machen muss, um ihre Leidenschaft im ersten Job bezahlen zu können. Ein teures Hobby.

I“˜ve Got The Power

Es gab eine vermeintliche Emanzipierung: wir haben uns aus den Top-Down Verhältnissen befreit und arbeiten nun in der Netzwerkgesellschaft; hierarchielos und ohne Aufpasser. Dabei hat sich nicht wirklich irgendetwas geändert, denn abhängig sind wir immer noch. Newsflash: die Opfer von heute sind immer noch die Opfer von damals, mit dem Unterschied, dass sie das nicht mehr erkennen können oder wollen. Blogger, die sich mit Schuhen bezahlen lassen. Generation Praktikum a.k.a. „Irgendwann wird sich die Sklaverei schon gelohnt haben“. PR-Agenten, die nach fünf Jahren Berufserfahrung immer noch am Existenzminimum kratzen. Warum lassen die das mit sich machen?

Alles zeugt von einem „Lifestyle-Wahn“, der auch die Arbeitswelt nicht verschont. Die Ästhetisierung des Alltags – alles muss so schön und korrekt ausgerichtet sein, alles bestmöglich kunstvoll und formvollendet drapiert – erlaubt keine Ausnahmen. Das Leben wird zum Kunstwerk, und der Anspruch dieser Mission liegt darin, auch seine Existenz in diesem Rahmen absichern zu können. Anders ausgedrückt: auf die schönst mögliche Art und Weise Geld verdienen. Von Effizienz keine Spur.

Weil der kreative Mensch – also mittlerweile alle Menschen, die etwas auf sich halten – mit seiner wirtschaftlichen Aufgabe in eine unzertrennliche Symbiose eingetreten ist, findet sich die Arbeit bei ihm zu Hause wieder. Beim Joggen, in seiner Unterwäsche, beim Geschlechtsverkehr. Das private Leben ist auf Meetings, auf Networking-Events (gerne auch als Partys verkleidet), im Terminkalender und auf der Geschäftsreise immer mit dabei. Das ist keine Hingabe mehr: das ist Selbstverarschung. Wahrscheinlich ist es nicht mehr möglich Grenzen zu ziehen. Die Konsequenz: jeder Job, den wir machen, bezahlt nicht mehr nur unsere paar Stunden Arbeit am Tag, sondern unsere Person und unser ganzes Leben. Die Klamotten, die wir tragen. Die Abendessen, die wir uns leisten. Die Menschen, mit denen wir befreundet sind. Die Musik, die wir hören. Die Urlaube, die wir buchen: 1.500 Euro im Monat. Manchmal machen wir Jobs auch umsonst, denn vielleicht denkt man beim größeren Projekt an uns, vielleicht wird unsere Kulanz berücksichtigt, vielleicht ist dieser Job das Sprungbrett zum großen Geld. Kein Wunder, das Burn-Out und Depression zu den Krankheiten dieses Zeitalters gehören. Wir bemessen unsere Leidenschaften und unsere sich prächtig entwickelnde Identität an dem Geld, das uns am Ende des Monats zusteht.

It Ain“˜t Over Til It“˜s Over

Diese extremen Phasen der Belastung gehören offensichtlich dazu. Sie werden uns als unumgänglich verkauft. Und wer profitiert davon? Die, die schon immer das Geld hatten. Das ist kein neidvoller Blick nach oben. Das ist ein ernüchternder Blick in die eigenen Reihen. Der politische Klassenkampf scheint nicht mehr zu existieren. So lange große wie kleine Unternehmen ihren Arbeitnehmern den Lifestyle bieten wollen – flexible Arbeitszeiten und ab und zu Massage-Incentives – werden sie ihr Kapital in Form der informationsverarbeitenden Menschen schützen können. Wie lange werden wir uns ungerecht behandeln lassen, schön im Deckmantel der identischen Interessen?

Vielleicht ist das Konzept „Gerechtigkeit“ unangebracht, wenn der Mensch nicht das Gefühl hat, ungerecht behandelt zu werden. Aber ich sehe nur den Hustle: sie richten sich mit schönen Dingen ein, gehen auf schöne Partys und kriegen schöne Goodie Bags geschenkt. Wie viele Leute möchten sich noch jeden Tag in den Spiegel lügen, dass sie „sich gerne minimalistisch“ einrichten, wenn sie eigentlich nur gelernt haben, dass ihnen die dicken Dinge – die teuren Matratzen, die funktionalen Küchen, die dekadenten Kaffeemaschinen, die Haute Couture, die gute Ausbildung – gar nicht erst zustehen sollen? Man gibt sich zufrieden – man entscheidet sich proaktiv für dieses Leben, als hätte es jemals eine Entscheidung gegeben. Schließlich ist es ganz praktisch, wenn der Sneaker, Vintageklamotten und untapezierte Wände wieder im Trend liegen.

Das intellektuelle Proletariat

Der prekäre Lifestyle, den man früher noch gezielt mit „Hipster“ umschreiben konnte (bevor der Begriff gänzliche Bedeutung dank inflationärer Nutzung verlor) birgt natürlich einen unübersehbaren Reiz: arm aber sexy. Banker, Immobilienbesitzer, Versicherungsmakler, Politiker, Ärzte, Anwälte – alles raffgierige, spießige, systemkonforme Marionetten. Sie füllen die Leere ihres Lebens mit überteuerten und viel zu vielen Konsumartikeln und ihr Job macht ihnen das möglich. Der prekäre Lifestyle distanziert sich durch den bewussten Konsum und durch die bewusste Arbeit als Lebensinhalt. Es war schon immer so: um sich zu identifizieren, muss man sich abheben. In diesem verzweifelten Versuch der Abgrenzung wird schließlich auch die Armut als Mittel zum Zweck akzeptiert, die Arbeit „for the man“ wird als Arbeit für sich selbst wahrgenommen. Es erübrigt sich der Anspruch auf das Wesentliche: Geld. Wachstum. Perspektive. Wieso auch? Es würde nicht zum Lifestyle passen.

Die Arbeit wird zu meinem Lifestyle. Um ihn gesellen sich meine Freunde, meine Gewohnheiten, meine Neigungen. Das ästhetisch ganzheitliche Bild meines Daseins erlaubt keinerlei Zufall oder Platz zum Scheitern. Selbst die gewollte Armut gilt in diesen Sphären als Teil des Großen Ganzen. Wir haben nur ein Leben: es muss perfekt sein. In dieser Matrix der Arbeits- und Lebensorganisation haben wir uns selbst gefangen. Die macht es uns möglich, mit unserer Armut beim Abendessen in einem gutbürgerlichen Restaurant zu prahlen. Wir mögen zwar unter unserer mühevollen Arbeit leiden, aber wenigstens machen wir es nur für uns und nicht für jemand anderen. Wie ein schöner Disneyfilm: Eine romantische Illusion.

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203 Kommentare

  • Daniel Schöps

    Was soll ich sagen…. ein wirklich wirklich gut geschriebener Artikel der klar sagt, was Sache ist. Top,weiter so! Das ist die richtige Richtung für “Neue Elite”.

    • Ach, immer ihr Berliner…

      Ja, kann schon sein, dass in Berlin eine breite Bevölkerungsschicht an nichts so hart arbeitet wie an ihrer Außenwirkung. Ich seh’s mal so: Wer in eine Stadt zieht, wo es kaum richtige Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft, dafür aber billiges Bier und Party bis zum Morgengrauen gibt, der hat sich sein Schicksal selbst gewählt. Ich lebe in Süddeutschland, arbeite meine 40-Stunden-Woche ab und verdiene dafür gutes Geld. Bei uns ist alles nicht so hip, dafür brauche ich keine Gedanken an Networking zu verschwenden, und darüber, ob ich immer die passenden Klamotten anhabe.

      • Anna

        Glaub mir, über passende Klamotten macht sich auch in Berlin keiner Gedanken!

          • Yucca

            In Berlin gab es mal alles, mal die Leute, die nichts auf äußeres geben, die Spießer, die Styler, die Armen, die Reichen… Das hat sich aber geändert. Diese Stadt ändert sich ohne Unterlass.
            In Mitte mietet man sich nicht mehr eine Wohnung – das besorgen mittlerweile andere für dich. Im Wedding, würde ich mal sagen, gibt es noch lebendige, kreative Boheme. Alles verlagert sich. Das mag man bewerten wie man will, aber keiner kann mir erzählen, dass den Leuten im Café Burger oder im White Trash egal ist, wie sie auf andere Leute wirken.

        • Stephan

          Das kannst du nicht ernst meinen!

  • Das ist ein sehr schöner Artikel. Es kommt immer darauf an, wie man den Begriff “prekär” genau definiert, denke ich. Ist es die mangelnde soziale Absicherung bzw. fehlende Aufstiegschancen? Oder geht es um den ökonomischen Wert? In der Medienbranche kann man sehr viel Geld in sehr kurzer Zeit verdienen. Dafür gibt es auch Durstphasen; das ständige sich-selbst-neu-erfinden. Aber ist dieses Arbeitsverhältnis wirklich als prekär zu bezeichnen? Wie du schon sagst: Wir suchen es uns selbst aus. Meiner Ansicht nach ist das schon ein Ausschlusskriterium. PR-Manager wird man nicht, weil man keinen anderen Ausweg hat, keine andere Perspektive. Es ist eine sehr bewusst gewählte Entscheidung, Lifestyle gegen finanzielle und soziale Absicherung, aber die ist im Notfall oft noch von den Eltern gegeben.. hinzu kommt, wie du auch so schön beschrieben hast, die Lebensästhetisierung.. Wer sich das “leisten” kann (mit Freunden rel. teuer essen gehen, ausgehen, etc), ist meiner Meinung nach weit entfernt von Prekariat oder Armut. Es ist allerdings interessant, wie es in 10, 20 Jahren so aussieht.

    • Martin

      Vielleicht sollten sich alle im Medienbereich prekär und offensichtlich latent unzufriedenen Menschen einmal klar machen, dass sie bis auf weiteres in einer kapitalistischen Gesellschaft leben. Und in dieser hat die Art von Arbeit, die sie zu Markte tragen, offenbar nicht den Wert, den sie erwarten. Zum einen weil die Konkurrenz an Medienschaffenden zu groß ist, zum anderen weil nur die wenigsten Abnehmer ihrer Leistungen (Verlage, Sender, Redaktionen) selber einen Weg gefunden haben, ihr eigenes Produkt (Magazine, Sendungen, Webcontent) auch in einer digitalisierten Welt gewinnnbringend zu verkaufen. Und drittens sind viele der Medienschaffenden auch einfach nicht so gut, in dem, was sie tun, wie sie es gerne wären. Ein Bachelorstudium im Kommunikationswissenschaften macht genauso wenig einen PR-Berater wie ein paar InDesign-Kenntnisse jemanden zum
      Screendesigner befähigen.
      Was bleibt: aufhören zu weinen und der Wirklichkeit ins Gesicht sehen. Entweder mag man sein Dasein dann immer noch oder man stellt sich der Ernüchterung und sucht sich etwas anderes außerhalb des Medienzirkus’.

      • Henreitte H.

        Da machst du es dit aber sehr einfach wenn du sagst, die Medienbranche ist hart, wenn dir das zu hart ist such dir was anderes. Nur weil es so ist, muss es noch lange nicht heißen, dass es gut ist und das man nichts daran ändern muss.

  • Sandrian

    Traurig aber wahr! Und nicht nur in Berlin, auch im hintersten Kaff dieser Republik ist diese Abzocker-Arbeitswelt angekommen. So hatte ich dieses Jahr vier verschiedene Jobs, in denen mir überall Großes versprochen wurde. Im Endeffekt merkte ich schnell, dass dort nur schlechtbezahlte Höchstleistungen verlangt werden und eine überhöhte Anzahl an nicht bezahlten Praktikanten beschäftigt werden, die teilweise sogar länger arbeiten mussten, damit die “Bezahlten” sich nicht zu viele Überstunden ansammeln.

    Für die Unternehmen ein großer Gewinn, für die Gesellschaft ein großes Problem. Ich werde mich jedoch nicht mehr ausbeuten lassen und habe alle vier Jobs nach einiger Zeit abgelehnt.

  • Moritz

    hammer Arktikel…

  • Kete

    Diese Welt hört sich so furchtbar kalt an. Gehört zur Leidenschaft nicht auch ein Stück Liebe? Ich führe ein kleines Unternehmen und ich bin sehr darauf bedacht, dass es meinen Mitarbeitern gut geht. Ich stelle Ihnen Speisen, Getränke, Arbeitsmaterialien und bezahle sie gut. Ich gebe ihnen Vertrauen und ein Stück Zuhause. Durch diese Gegebenheiten bekomme ich Vertrauen, Hingabe und super Leistungen zurück. Meine Angestellten lieben ihre Arbeit und geben 100 Prozent. Der Kunde merkt dies, ist glücklich und zahlt für den Service auch gerne mehr. So sind Kunde, Mitarbeiter und Chef happy. Es kann so einfach sein…warum verstehen das so wenige Menschen bzw.Unternehmer? Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Wo sind diese Werte hin? Stattdessen ist man lieber cool, sitzt in einer abgefuckten Agentur, hält sich mit Aufputschmitteln über Wasser, um abends auf der Party einen Platz auf der Gästeliste zu haben? Den fame zu bekommen? Dem Chef sein Luxusleben zu ermöglichen? Auf seine Bedürfnisse zu verzichten? Oje, das ist erbärmlich. Gott sei Dank habe ich mich von dieser Welt befreit und kann mein Unternehmen so führen wie ich das mag. Mit Liebe, Leidenschaft und dem Gefühl ” anderen was Gutes zu tun.” Yes!

    • Liebe Kete,

      du bestätigst im Prinzip mit deiner Antwort genau das, was ich beschrieben habe. Die Welt, die ich male, ist nicht kalt. Sie ist warmherzig und leidenschaftlich. Die Leute reißen sich den Arsch auf vor Leidenschaft, für sich und ihre Kunden, für ihre Kollegen und Vorgesetzten. Sie halten sich alle aneinander fest und nutzen den Konkurrenzkampf nur im äußersten Notfall. Man hat zeitweise das Gefühl, die ganze Stadt ist auf Schmusekurs.
      Es geht nicht darum, dass jemand ausgebeutet wird oder nicht gut behandelt. Es geht darum dass die Wahrnehmung darüber, was EINEM ZUSTEHT und was WICHTIG ist sich komplett verschoben hat. Wenn du deine Arbeitnehmer bezahlst und sie mit ihrem Gehalt zufrieden sind gibt es keinen Grund zur Beschwerde. Dass trotzdem ein systematisches Zurückstellen der Ansprüche geschieht und nicht so recht verstanden wird, wo die Macht heutzutage eigentlich liegt, steht dazu nicht im Widerspruch.

      • Äh, doch, diese Welt ist kalt. Ich wohne auch in Berlin, ich habe auch einen tollen, interessanten, vielversprechenden Studiengang absolviert und abgeschlossen. Ich habe viel Aufwand und Hingabe in meine Ausbildung gesteckt und bin deswegen immer noch hochverschuldet. Seit meinem Abschluss finde ich keinen Job, der auch nur ansatzweise in mein Berufsfeld passt, weil sich auf die Stellen hunderte anderer Leute bewerben. Und die sind eben immer noch einen Tick oder auch viel besser qualifiziert als ich. Daher arbeite ich – immerhin nicht mit Hartz-IV-Unterstützung – immer noch in meinem langweiligen, anspruchslosen alten Studentenjob und frage mich, wie das alles weiter gehen soll. Ja, und ich bewerbe mich auch immer noch und auch außerhalb Berlins. Daher finde ich solche Artikel ziemlich blauäugig und verwöhnt, weil sich Dein Leben offenbar in einer völlig anderen Realitätsebene abspielt. Es gibt hier Leute, für die ist das hippe Berliner ah-wenigstens-tue-ich-was-mich-erfüllt-Leben nicht so besonders witzig ist.

    • jurkan

      …ja, so einfach ist das… ;)

  • Bleibt zu hoffen, dass du für diesen sensationellen Beitrag ausreichend entlohnt wurdest!

    Wenn man noch zwei Schritte zurückgeht, gelangt man zu der Frage: Was passiert, wenn der demokratische Kapitalismus der breiten Masse ökonomisch nichts mehr einbringt?
    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/431902_ttt-titel-thesen-temperamente/16561492_superreiche-aufstieg-und-herrschaft-der-neuen

  • mjs

    daran merkt man mal wieder, wie krass überbewertet berlin doch ist…
    alle reden immer davon als wäre es das neue new york oder sonstwas, und eigentlich gibts da ur noch einen kampf zwischen den szenen, die in friedrichshain und kreuzberg aueinanderhocken – kleinfamilien, kreative, studenten… das funktioniert auf dauer einfach nicht und irgendwie sollten das die menschen mal einsehen.

  • Pruß

    Bei Berlins Schulden hat es die Stadt bitter nötig wenigstens einen Starken Arbeitsmarkt in der DIenstleitung etc. zu haben…tut doch der Wirtschaft gut und treibt die Gentrifizierung, was nichts an deres ist als ein Wirtschaftswachstum, an. Also weshalb beschweren sie sich? (Zumal steigen so auch auf dauer die Löhne! MÜnchen lässt grüßen ;) )

  • E

    Ihr redet euch eure Bedürfnisse aus, statt was zu verändern. Wohin soll das führen? Der Job als Freizeitbeschäftigung ist nicht sehr aufregend und darüberhinaus keine Selbstverwirklichung!

  • Man wird sich die Frage stellen müssen, ob diese selbstausbeuterischen Tendenzen als systemimmanentes Problem die letzte Konsequenz des Lifestyle-Dogmas oder ob sie die Folge eines artifiziellen Eingriffs in eigene, aber auch fremde Biographien darstellen. Ich vermute ja, daß das eine das andere konditionierte, als einige findige Unternehmer den Lifestyle mehr noch als den hohlen Konsum als Pawlowsche Quasiwährung entdeckt haben, die es ihnen erlaubt, mit diesem neuartigen symbolischen Kapital im soziologischen Sinne ein völlig neues Argumentationsfeld am Verhandlungstisch zu eröffnen. Wenn sie den Lifestyle zum Gegenstand der sozialen Identitätsbildung und Distinguition ideologisieren, gebrauchen sie die Rhetorik eines buchhalterischen Streiches, die Stabilität mit zumindest virtuellen Chancen, Ratio mit Verlockung und letztlich dadurch auch Sicherheit mit Risiko vertauscht. Das Kräfteverhältnis “Arbeit zum Leben” wird zumindest in einer postindustriellen Gesellschaft nach Bells Typus zusehends zu “Arbeit als Leben”.
    Da wird die Kreativwirtschaft gern als allzu bequemes Beispiel angeführt, das vor einigen Jahren von Chris Dercon mit dem immer noch prägenden Begriff des Künstlerprekariats verbunden wurde (http://www.monopol-magazin.de/artikel/20101584/-chris-dercon-kuenstlerprekariat.html). Wir kennen den Bedeutungshorizont dieser Realität aus unserem eigenen Umfeld nur zu gut, versäumen es aber zumeist, die sich hier grundsätzlich so deutlich abzeichnenden Entwicklungen in anderen Branchen weiterzuverfolgen. Wenn Großbanken die Panoramageschosse ihrer Finanztürme für mitarbeiterwirksame Fitnessstudios und Freizeithallen reservieren, sollte uns das ebenso besorgen wie das häppchenorientierte Gefälligkeitennetzwerk der Berliner Kreativmogule. Was hier letztlich fehlt, ist eine gewissenhafte Verortung dieser neuartigen Währungen in einem arbeitssoziologischen Diskurs, der die vielfältigen Widersprüche gegenwärtiger Lebensrealitäten würdigt und, wo nötig, kritisch hinterfragt.

  • Mario

    Ob man sich bei 1500 Euro brutto ne Altbauwohnung im Szenekiez leisten kann bzw. überhaupt bekommt? Anderseits kann man das so auf alle Branchen ausdehnen. Bin selber in einem relativ “unkreativen” Teil der IT-Branche tätig und da wird auch gnadenlos unterbezahlt.

  • K

    DAUMEN HOCH & DANKE!

  • Ervin

    Toller Artikel.´Liefert quasi die Cultural Studies Perspektive auf das hier: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/hr/sendung_vom_18082013-104.html

  • ein akademiker-praktikant

    …und währenddessen sinnentleerte wahlplakate auf weiter flur, wobei sich eigentlich ein gesetzgeber in der pflicht fühlen könnte diesen trend zu unterbinden.
    entweder hat er nichts von dieser entwicklung mitbekommen oder möchte die unternehmens”kultur” und “schöne” zahlen nicht gefährden. danke fürs aus- und ansprechen!

  • vom Lande

    Es wird doch keiner gezwungen den kreativen Job in Berlin auszuüben. Die geringe Entlohnung ist halt der Nachteil den man hierfür in Kauf nehmen muß. Und wenn es halt so viele Menschen gibt die sich im Kreativbereich selbstverwirklichen wollen, dann hat das natürlich Auswirkungen auf die Höhe der Entlohnung (Angbot und Nachfrage). Wollen sie eine höhere Entlohnung müssen, müssen sie halt das Metier wechseln und sich zukünftig halt in ihrer Freizeit fortentwickeln/selbstverwirklichen. Und außerdem gibt es viele “normale” Arbeitnehmer die mit einem Brutto-Gehalt von 1500€ zurecht kommen müssen. So, das wollte ich mal schreiben und jetzt könnt Ihr meine Antwort zerreissen.

    • Genau das ist die neoliberale Rhetorik vom freien und selbst regulierenden Arbeitsmarkt, die auf der Grundannahme sozialer und professioneller Mobilität der Arbeitnehmer ausgeht. Man wird sich eingestehen müssen, dass das Gleichgewicht zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern branchenübergreifend so weit verschoben ist, dass diese Prämisse so ausnahmslos nicht mehr gelten kann. Die simple Aufforderung, “sich doch was anderes zu suchen”, kommt angesichts der Realität auf dem heutigen Arbeitsmarkt blankem Hohn gleich.
      Das ist eine hochpolitische Meinung, das ist mir völlig klar, aber vor dem Hintergrund des deutlichen Linksrucks in der deutschen Parteienlandschaft auch eine populäre und vielleicht, so hoffe ich, richtige Kritik am Modell der sich selbst regulierenden Märkte.

      • Schau dir mal die Startup-Szene an, gerade bei Ruby on Rails und iOS-Entwicklern, da ist der Markt genau umgekehrt. Die werden haenderingend gesucht, die Arbeitgeber wollen dich sofort festanstellen, aber die Leute wollen lieber auf Freelance-Basis arbeiten, da keine Sozialabgaben (ausserdem moechte man sich ja nicht binden). Tagessaetze 500-800 EUR kein Problem. Man wird eigentlich permanent von Headhuntern angeschrieben und tauscht sich untereinander aus ueber laecherliche Angebote “ach ne, die wollen wir nur Festanstellung machen und nur 70k EUR Jahresgehalt”.

        Das hilft den Kreativleuten vielleicht nicht, aber der Markt funktioniert eben tatsaechlich. Ist ja nicht so, dass sie sich Rails-Entwickler einfach besser abgesprochen haben und deswegen die Preise hoeher sind, die dort erbrachte Arbeitsleistung ist den Arbeitgebern offenbar das Geld wert.

      • Thomas

        Nun, bezeichne es als neoliberal, aber wenn sich 1000 Leute auf eine Stelle in der “wasmitmedien”-Branche bewerben haben diese Bewerber nunmal eine ganz andere Verhandlungsposition als wenn sich 10 Leute auf eine Softwareentwickler-Stelle (z.B.) bewerben. Und da wird auch keine linke Romantik was dran ändern.

      • Vom Lande

        Also wenn ich sehe und höre, wie händeringend gute Handwerker, Ingenieure usw. gesucht werden sind die Chancen am Arbeitsmarkt garnicht so schlecht, wenn man eine entsprechende Ausbildung hat.. Sie können sich vielleicht sehr eloquent ausdrücken, aber das nutzt Ihnen auch nichts, wenn es einfach zuviele Bewerber in einem zu kleinen Markt gibt. Dies war auch schon früher (z.B. “Lehrerschwemme” in den 80ern) so. Und daran wird sich auch erst etwas ändern, wenn sich genügend Leute von diesem “Kreativmarkt” abwenden. Und es gibt auch genug Menschen, die ihren Kreativtraum in ihrer Freizeit ausleben, hierbei denke ich z. B. an die ganzen Garagenbands, Amateur-Schauspielgruppen usw. die es landauf, landab gibt.

      • Vom Lande

        Und ganz nebenbei: Diese Seite heißt “Neue Elite”. Elite hat vom Wortursprung auch (leider) immer etwas mit Auslese zu tun.

  • Ja. Exakt. Erinnert mich an die grausame Doku “Work Hard – Play Hard” von Carmen Losmann.

  • Erstmal: SUPER Artikel. Sehr gut geschrieben. Auch der Inhalt trifft voll!

    Zweitens: Freut mich das hier zu lesen! Macht weiter so.

  • Hiker

    Wirklich guter gelungener Artikel, leider war ich über die Perspektivlosigkeit gegen Ende etwas enntäuscht. Banker, Immobilienbesitzer, Versicherungsmakler, Politiker, Ärzte, Anwälte als systemkonforme Marionetten zu bezeichnen ist hier etwas kurzsichtig. Systemtheoretisch sind die angesprochenen “Hipster” nichts anderes, lediglich in ihrem eigenem System mit dessen eigenen sozial akzeptieren Normen und der entsprechenden kohösion für die Mitglieder des Systems. Was mich zu der annahme verleitet, dass die von dir angesprochenen “Marionetten” ihre Arbeit sicherlich auch ideologischen Ansichten unterworfen haben und damit ihren “Lifestyle” zum Selbstzweck ausleben. Besonders an dieser Stelle sind meiner Ansicht nach Ärzte!!, Politiker sowie Anwälte zu nennen.

    • cpt.ahab

      Sie haben den Satz nicht verstanden. Sie haben den Inhalt absolut falsch interpretiert. Es geht um eine Ansicht, die früher und heute für solche Menschen galt. Es geht nicht darum diese Berufe so zu definieren.

  • Petra Prösel

    Wenn jeder und seine Mudder etwas “mit Medien” machen will, muss man sich nicht über die Löhne wundern. Zugleich sollte man sich auch immer über die Wertschöpfung der Arbeit Gedanken machen…
    Ebenso verdienen viele Menschen (wie oben schon beschrieben) auf diesem Gehaltsniveau – Eine Krankenschwester/Altenpflegerin sollte in meinen Augen das Doppelte eines Medienhipsters verdienen, aber so ist die Realität leider nicht…

  • Jonas Schiefferdecker

    “Seit der Aufklärung gilt das Idealbild vom mündigen Individuum, das Verantwortung für sein Handeln trägt. Durch die Übermacht der neuen Medien und den globalen Kapitalismus wird jedoch die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, systematisch zerstört. Auch Erwachsene sind tatsächlich keine mündigen Individuen, sondern verharren in einem Zustand der Unreife, der es ihnen unmöglich macht, die jüngere Generation zu Verantwortungsbewußtsein zu erziehen. Ein Generationenvertrag wird aufgelöst und das Leben auf das Lustprinzip, die bloße Gegenwart, reduziert, somit wird Vergangenheit ausgelöscht und eine Zukunft nach den Idealen der Aufklärung aussichtslos. Die Folgen sind eine Infantilisierung der Gesellschaft, strukturelle Verantwortungslosigkeit und eine durch manipulative Medien verursachte gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeitsstörung.”

  • Guter Artikel! Sehr gute beobachtet und widergegeben! Ja! leider ist es so, dass viele Medienunternehmen den Preis drücken! Warum weil es junge & dumme Menschen gibt, die sich auf Grund des Lifestyles für wenig Geld anbieten. Das traurige an dem ist, dass erfahrene Fahkreative mit diesen Dumping-Löhnen nicht mithalten wollen! Die Medienbranche weiß, dass Medienjobs attraktiv sind, damit locken Sie die unerfahrenen bzw. unkreative Einsteiger. Traurig aber wahr. Die Einsteiger tauschen ihre langweiliges, liebevolles Umfeld gegen LIfestyle, coole Parties und coole Leute ein. Das ganze nichts mit finanzieller Armut zu tun, sonder mit geistiger und sozialer Armut! Manch ein “WannaBe-Kreativer / LIfestyle-Seeker” hat heutzutage die Möglichkeit, einen wirklichen Kreativ-Job zu machen, weil er sich unter dem Preis verkauft. Sorry, solche Leute machen den kreativen Markt kaputt und jammern dann auch noch. Naja!!! Was soll man dazu noch sagen? Jammer auf höchsem Level! Selbstschuld ein wirklich kreativer Mensch findet eine Lösung, um die finanzielle Unzufriedenheit auszugleichen. Ein unkreativer ist einfach nur froh, dass er einen coolen Job hat, ganz egal was er für einen Preis dafür zahlen muss und jammert dann auch noch, dass er kein Geld hat ….vielleicht wachen sie irgendwann auf und erkennen, dass der ganze LIfestyle ihr Leben kaputt gemacht hat, oder Sie beweisen sich als wirklich kreativ! Doch dafür brauch man Ausdauer und Disziplin! Nochmals super Artikel!

    • jonathan

      Genau das! Ich sehe in meinem Umfeld ein Masse an unfähigen und unkreativen Leuten die meinen “irgendwas mit Menschen und Medien” studieren/arbeiten zu müssen weil sie es cool finden. Es ist schlimm mitanzusehen wie dies den wirklich Kreativen der Branche schadet. Wacht auf! Das Gros dieser Leute ist einfach unfähig oder mäßig talentiert. Und dafür gibts dann auch kein Geld. So einfach ist das.

      Der Artikel nennt die Orientierungslosigkeit und Unfähigkeit zur Einsicht. Ein wichtiger Punkt, denn das Dogma der Gruppe: Gemeinsam anders sein. So ist noch jede artisitsche Bewegung zugrunde gegangen. Am Überfluss. Der Wert der Kreation liegt in der Einzigartigkeit. Und nicht in den Gemeinsamkeiten einer Gruppe angeblicher Individualisten die sich doch ziemlich ähnlich sind. Eine Abwehrhaltung gegenüber “spießiger” Bildung (mit Ausnahme von diesem einen Reclambuch das sich am Boden des Jutebeutels seit Monaten einsam hält) und doch reicht die politische Mündigkeit noch nicht mal bis zum Nachrichten lesen. Worüber definiert man sich also? Im Endeffekt ist es doch genau der Konsum dem man dem Spießbürgertum vorwirft. Die Trends setzten wenige und sie laufen als erste nach. Der Versuch dem hinterherlaufenden 0815 Bürger vorraus zu sein, kulturelle Impulse aufzusaugen und zu integrieren solange sie noch Frischware sind. Ziemlich berechenbar. Diesen Leuten fehlt genau wie den meisten Menschen eine Identität. Ich würde sogar sagen noch mehr als Otto.

      Und weder der Staat noch das Kapital hindert den modernen Menschen daran mündig zu werden und zu denken. Ein Meer an Informationen steht jedem mit einem Internetanchluss zur Verfügung.

      Eine Gesellschaft kann nunmal nicht nur aus mittelmäßigen Fotografen bestehen. Dank Instagramm, Filterfunktion und guten Kameras für wenig Geld meint jeder heutzutage artistisch begabt zu sein. Und der gefakte Sozialrahmen im Social Network beklatscht den visuellen Müll noch und lässt die Leute glauben auf dem richtigen Weg zu sein. Ein Irrweg.

  • Martin Schneider

    Wir (Unternehmen in Rheinland-Pfalz) hatten jüngst eine Bewerberin aus Berlin zu Gast. Sie hatte ein Studium und ein Traineeship hinter sich. Ihre Gehaltsforderung: 19.000 EUR. Brutto. Pro Jahr. Wir sagten ihr, dass wir das nicht machen könnten, woraufhin sie Verhandlungsbereitschaft signalisierte: nach unten. Unser Argument, dass wir ihr 28.000 EUR als Minimum nach der Probezeit anbieten wollten, weil sie sich andernfalls kaum etwas zu Essen kaufen könne, machte sie stutzig. Uns auch. Sie fängt demnächst bei uns an und wir freuen uns. Natürlich wissen wir, das selbst die 28.000 EUR Luft nach oben haben.

  • PrgBoy

    Wow, das ist ja mal hart. Ich bin SW-Entwickler. Da fühlt man sich schon bei 40.000 im Jahr ausgenutzt. Ich finde, man sollte Arbeit nicht mit Hobby verwechseln. Das Geld, was man selbst nicht bekommt, hat ja dann der Arbeitgeber in seiner Tasche. Warum soll ich so jemanden mit meiner kostbaren Lebenszeit und meiner Arbeitskraft sein Auskommen finanzieren?

  • EierGlocke Notlin

    Meine Ansicht …. baue dir ein System auf das dich ab deinem vierzigsten Lebensjahr selbst ernaehrt!
    Ganz simpel!
    Nur von vielen nicht verstanden.
    Vor allem in Berlin!
    Die Sucht selbst in den Medien stehen zu wollen ist zu Groß!

  • Marcel

    Was ne geile Schnecke auf dem Foto..

  • Julia

    Danke für den großartigen Artikel!

  • Falk

    Erster guter Artikel hier. Richtig gut. Das ist die richtige Richtung.

  • Matti

    Medien braucht kein Mensch. Und wenn man meint, daß das der Mittelpunkt des Lebens sein soll, muss er mit solchen Konsequenzen rechnen.
    Wenn ich die nochmal die Chance kriegen würde mit beruflich zu entscheiden, hätte ich nie im Leben die beruflichen Weg in die Medienwelt genommen.
    Der Zug ist abgefahren und ich tue das beste daraus.

    • Doreen

      “Medien braucht kein Mensch”, mit solchen Äußerungen solltest du vorsichtig sein! Ich möchte hier nur zu bedenken geben, dass der Begriff Medien sehr weitgefächert ist und das erste Medium nun einmal die Sprache ist. Ohne Sprache könnte das Leben relativ schwierig werden ;). Mal abgesehen davon, dass wir uns ein Leben ohne “technische” Medien heutzutage nicht wirklich vorstellen können. Sie sind einfach in unserem Alltag integriert. Ich wüsste bspw. ohne Fotos nicht, wie meine Oma ausgesehen hat und bin daher auch sehr froh, dass dieses Medium des öfteren meine Erinnerungen wiederbelebt.

      Der Artikel hat mir sehr gut gefallen!

  • Georg

    Ich verstehe nicht ganz was hier mit Armut gemeint wird? Der eine Dollar am Tag, den der gefühlte Rest der Welt verdient?
    Also so plakativ das jetzt klingt, kann ich diese Jammerei, in einem der reichsten Länder der Welt,einfach nicht verstehen! Und noch weiter, würde das Wort “Gerechtigkeit” etwas zählen, gäbe es wohl niemanden, der in Deutschland mehr verdient als 1500 Euro im Monat, nur um die millionen Hungernden zu Versorgen und den echten Armen wieder auf ein anstädiges Niveau zu verhelfen, denen wir gerade auf der Tasche liegen und uns dabei über zu wenig Bezahlung in der ach so förderlichen kreativen Werbebranche beschweren. Ich meine, ich möchte nicht unfair sein, deshalb erkläre mir einer welchen reellen Gegenwert man in der Werbebranche schafft für den es sich lohnt bezahlt zu werden: Wem wird in dieser Branche geholfen? Was wird an materiellem & nützlichem produziert? Wie wird irgendjemandes Leben auf irgendeine art verbessert? Ich nehme mein Urteil zurück wenn mich jemand vom gegenteil überzeugt, aber soweit ich das verstehe geht es nur darum irgendein (meist unnützes, und in der produktion schädliches) Produkt angeblich kreativ zu vermarkten und am Ende wird das auch noch Kunst genannt.
    Ich glaube hier wird sich beschwert ohne nachzudenken, und als erstes sollte man sich mal mit der Sinnhaftigkeit der Werbeindustrie auseinandersetzten, bevor man über Gehälter in westlichen Ländern meckert.
    Ich meine mir ist klar das das alles schon tausendmal erzählt wurde, aber angesichts der Zustimmung (die noch weniger ironisch als der artikel klingt) in den Kommentaren, wollte ich das alles nochmal sagen.
    Viel Spaß noch beim chilln mit der Elite :D
    In dem Sinne wo ist euer Problem?

    • Liebe Georg,

      ich sehe ein: von Armut keine Spur. Aber in dem Wortschwall geht ja häufiger das verloren, was man eigentlich sagen möchte. Daher fasse ich mich kurz zusammen ohne irgendwelche Gehaltsvorstellungen oder Berufsbranchen zu nennen, denn die scheinen oftmals schon sehr provokativ zu sein.

      Im Grunde geht es darum, dass viele Menschen heutzutage Arbeit nicht mehr als solche identifizieren. Im Gegenteil: die Arbeit wird zu einem tragenden, wesentlichen Bestandteil des Lebens. Der Charakter, die Identität, der Werdegang eines Menschen und teilweise auch sein Wert werden an der Arbeit selbst gemessen; gar nicht unbedingt am Geld. Das ist gefährlich, denn das kann ausgenutzt werden. Wenn Unternehmen feststellen: ah, dem ist das ja total egal was wir dem bezahlen weil er das super gerne macht, dann können wir ihn ausbeuten. Das können auch Kunden anderer Branchen sein und es ließe sich auch mit höheren oder niedrigeren Summen festlegen. Was genug Geld ist oder nicht, das möchte ich an dieser Stelle nicht diskutieren.

      Eher möchte ich klarstellen, dass Arbeit trotzdem Arbeit ist. In den bestehenden Machtverhältnissen wird der kulturelle Umschwung zur Arbeit als Lebensinhalt von den Mächtigen und Reichen ausgenutzt, bzw. hat das Potenzial, ausgenutzt zu werden. Wer sich dem mit größter Leidenschaft hingibt, der beutet sich eventuell selbst aus. Völlig egal, ob er es als gerecht empfindet oder nicht. Und genau DAS ist das Problem.

      • jonathan

        Das stimmt einfach nicht.

        Heutzutage definiert man sich weniger über die Arbeit als jemals zuvor. Vergleiche doch die Gesellschaft for 100 Jahren mit den heutigen Standards! Weniger Arbeitszeit, ein besseres Sozialsystem (auch wenn das Überarbeitung bedarf) und eine unglaubliche Vielfalt und Mobilität um seine Freizeit zu gestalten.

        Studiere doch einfach Bücher und andere kulturelle Zeugnisse aus frühreren Zeiten. Da gab es eine klare soziale Hierarchie. Der Lehrer hatte dies und jenes Ansehen, der Arzt jenes. War der Vater Metzger wurde der Sohn es auch. Diese Grenzen haben sich lange verschoben (auch wenn nicht komplett aufgelöst). Mehr Zeit und Möglichkeiten sein Leben abseits (!) der Arbeit zu gestalten bestimmen die Entwicklung und nicht umgekehrt.

        Der einzige Grund warum die Medienbranche so wenig zahlt ist ein riesiges Übermaß an durchschnittlichen Bewerbern. Und das drückt nunmal die Löhne. Hier wurden genug Beispiel von anderen Branchen genannt in denen händeringend nach Arbeitskräften gesucht wird. Und diese Leute haben gewiss ein Leben neben dem Job auch wenn dieser ihnen Spass macht.

        Die Medienpraktikanten haben sich für ihren Weg entschieden. Sie könnten sich jederzeit umorientieren anstatt zu jammern und die Gesellschaft dafür anzuprangen Leute für etwas nicht zu bezahlen das keiner braucht: zuviele Durchschnittskräfte für zu wenige Jobs. Egal (!) in welcher Sparte.

    • Tumblethomb

      Das Problem liegt für mich im Problem. Das ist moderne Sklaverei.Ausbeutung im wahrsten Sinne dieses Wortes.Auch fernab er hier beschriebenen Branche…
      Bsp. aus der Realität:
      Ein mittelgroßes Fast Food Unternehmen an einem der teuersten Plätze Deutschlands,mitten an der binnenalster in Hamburg stellt leute für 3,90 Euro bis 4,80 brutto an,Vollzeit 160h-200h im Monat,unbezahlte Überstunden,Überstunden werden mit “Freizeit vergütet”Krankengeld!was ist das??,und die Angestellten sind teilweise akademiker/innen und keine Karriereverweigerinnen/erer…

      Was verstehst du unter “einem der reichsten Länder der Welt”.Wessen Reichtum?meinst du geld?Wessen geld?
      Und wenn ich was von der Systemtheorie Luhmanns und dem Wesen,Funktion, Wert sowie Wirkungen des Geldes verstanden habe kennt es keine gerechtigkeit ;-)

  • Tumblethomb

    Famos.Grandios.Aus dem Herzen und der Seele,meiner.
    Du kennst mich nicht.Und kennst mich doch,Liebe Autorin.
    Welch klare Beschreibung der faden Wirklichkeit unserer Zustände.Ich beziehe mich vor allem auf die Hamburgischen und Norddeutschen Arbeitsverhältnisse 2011-2013.
    Ich bin selber Arbeitgeber und habe 2 Köpfe über mir und 102,grösstenteils, tolle Menschen als meine Angestellten unter mir.
    Was ich war:
    Philosophie -Magister,Soziologie -Bachelor, abgeschlossen.Fern Uni Master Kulturwissenschaften am Laufen.
    Was ich bin:
    32,ledig,wohnhaft Hamburg Mitte
    Arbeite 5-7Tage die Woche, mit den Besten und mir nahestehendsten Mensch/Menschen zusammen
    Gehe jeden tag zur Arbeit,glücklich, meistens,dennoch verfolgt mich permanent eine innere Unruhe, die Fernando Pessoa besser beschreiben kann, als ich. Innere Unruhe, weil ich es mit ,v.a., jungen Heranwachsenden zu tun habe, mit ihnen spreche, zuhöre und mich ihre Ideen,Motivationen,Geschichten,Motoriken interessieren, warum sie bei mir arbeiten möchten…Dein Absatz “Die Ästhetisierung der Arbeit” beschreibt die hiesigen Zustände,bez. dessen, auf die Faust…
    Teilweise hat es Fetischcharakter warum Menschen bei mir/uns arbeiten möchten.
    Egal, es geht “nur um mich”.;-)
    Ich verdiene gut,es würde locker reichen, würde ich “bewusst” oder “bewusster”leben.Dennoch sehe ich mich,für das was ich tue und wie ich handle unterbezahlt, v.a. wenn ich sehe wie mit Geld bei uns i.d.F. um sich geworfen wird,siehe auch Exxpressomaschinenverweis in deinem Artikel, meine “Freizeit” (Was ist das eigentlich?) eingenommen wird von dem Job sowie ich Tätigkeiten und Handlungen der GF übernehme, die einerseits nicht zu meinem Aufgabengebiet zählen andererseits aus diversen Gründen doch( Strukturelle Probleme/Organisation inexistent), auch oder nur um den Laden am Laufen zu halten.Es einem, auch mir vielleicht, Recht machen. In diesem Punkt finde ich einfach keine Linie bzw. bin auf der Suche. Zurück zum Kern.Armut.ich bin zwischen dem 10 und 17 eines Monats ein pleitegeier und sammel dosen und teile mir das essen mit meinen freunden
    und das ist einerseits wunderbar,
    -weil, weniger ist mehr (hab ich nie richtig verstande, gelesen aber nicht gelebt)
    -ich hab weniger sorgen um geld
    -ich kann besser planen,weil kein plan
    -ich bin offener
    andererseits fatal,
    -weil ich meine kleine Nichte finanziell mehr unterstützen möchte
    -mir mehr Schallplatten,Konzerte und verlorene Kopfhörer kaufen möchte
    – mindestens 4 bis 7 Kinder haben will
    -und und und
    Will sagen: Meine Ambivalenz bez.Arbeit/Prekarität/Armut hast du,liebe Autorin sogar sehrsehr gut beschrieben.
    Vielen Dank für diesen Artikel und danke dir, Doe ,für die Empfehlung dessen.
    Mehr von dir!

    Verweis:
    –>lieber/liebe E, du schriebst:
    “ihr redet euch eure Bedürfnisse aus, statt was zu verändern. Wohin soll das führen? Der Job als Freizeitbeschäftigung ist nicht sehr aufregend und darüberhinaus keine Selbstverwirklichung!”
    Ich sage dir mein Job ist Freizeit,meine Freizeit mein Job.
    Ich kann anziehen, essen,trinken, meinen besten Freund,Freunde sehen, anschreien,knutschen,umarmen, bei meinem Job wann ich will. Morgen einfach frei machen und/oder 7 Tage oder auch 10 tage am Stück arbeiten.Ich fasse dies als Selbstverwirklichung auf,einerseits.Ich weiss, das beinhaltet diverse Modalitäten und Komponenten.Und ich glaube, bin der festen Überzeugung, dass ich etwas verändere, indem ich den geist und die seele der firma transformiere, bzw. geistige und nette menschen in unserem gewerbe einstelle,zum einen,zum anderen menschen sinn,arbeit,gehalt, ein bischen sicherheit was planung betrifft(studium finanzieren,kinder ernähren, etc.pp.), gebe, die teilweise auf
    dem hiesigen arbeitsmarkt als “gescheitert” gebrandmarkt wurden und werden.(Eine Mitarbeiterin der Agentur für/von/Zu Arbeit, sagte dies kürzlichst zu einer Fast-Mitarbeiterin von mir.Zur Info:Sie ist 33,kann 3 Sprachen, hat ein Diplom in Agrarwissenschaften,ist seit 7 jahren in Deutschland, der Liebe wegen und kommt ursprünglich aus Warschau. Leider konnte ich sie nicht anstellen,da ihr “Mann” ihr die Arbeit versagte bzw. verbot.Aber dies ist eine andere Geschichte…

    • Georg

      In deinem Beispiel (Jim Block?)wird jetzt aber nicht der durchschnittliche Szenebewohner Berlins angesprochen!
      Ich meine diese Menschen, die das unfreiwillig machen, sehe ich auch als tatsächliche Opfer an!
      Aber um gerade beim sogenannten sich selbstverwirklichenden Hipster/Mittelstandskind zu bleiben, muss ich sagen, dass nur die Tatsache, dass es noch reichere Menschen gibt, die noch unsozialer sind, nicht wirklich dazu ausreicht sich dagegen im Detail und nicht als Gesamtkritik zu beschweren. Und wenn man sich schon beschwert, dann sollte man das doch viel mehr über die allgemeine Lage, die andere Schichten und vor allem andere Länder in einem ganz anderen, hier ungeahnten Ausmaß trifft, welche man nur nicht selbst erlebt! Ich finde nur um erlich zu sein die Kritik ein wenig zu flach, ganz besonders wenn man das Arneitsfeld Werbung bertachtet, das ja nur ganau von dem diese Zustände verursachenden System lebt! Trotzdem is der Ansatz lasst euch nicht ausbeuten logischerweise richtig, der hier durchschimmernde Aufruf zur kleinen Revolution wirkt für mich aber eher wie ein Hund der sich in den Schwanz beißt!
      P.S. Dein Beruf hört sich trotzdem sehr spannend und gut an Thumblethomb und ja so ist das bei Luhmann, aber das ist ja offensichtlich das problem :D

      • Es war wichtig, den durchschnittlichen Szenebewohner anzusprechen, weil er sich selbst nicht als Opfer sieht. Nur weil er mehr verdient als ein bettelarmer Bürger, der schon bei der Bildung keine Chancen hatte (etc. pp) heisst das nicht, dass er in irgendeiner Hinsicht besser dran ist. Das ist ja das Ding mit der Selbstverarsche. Aber: das ist auch der starke Mittelstand, die breite Kraft, die größte Masse. Wir reden hier ja nicht nur von einer Stadt, sondern von einer global greifenden Transformation in der Wirtschaft. Wenn schon die gut gebildeten Menschen aus gutbürgerlichen Häusern und einer soliden Ausbildung, egal ob Ingenieur oder Medienwissenschaftler, das nicht verstehen – dass sie sich selbst auf den Leim gehen – wie sollen sie dann die Missstände der Welt beheben können?

  • Leopold

    Ein schnittig geschriebenes Stück; bloss am Denkapparat würd ich noch ein paar Jahrzehnte lang feilen, statt apriori Schlüsse zu ziehen (s. “Es war schon immer so: um sich zu identifizieren, muss man sich abheben.”).
    Liebes, L

  • Baum

    Den Text fand ich sehr unterhaltsam, wie einen schönen Disneyfilm: etwas für Kinder und/oder zum Abschalten der eigenen Wirklichkeit.
    Tut mir auch leid für die (noch folgenden) kritischen Worte.
    Dann fangen wir mal an…

    Ich finde es bewundernswert, wie es in deiner Welt selbstverständlich ist, dass alle denken, kreativ arbeiten zu wollen, nur weil es heutzutage (technisch) möglich ist. (“arbeiten, was mir Spaß macht”). Vor 20 Jahren konnten nur tatsächlich große Kapazitäten in teuren Studios Musik/Film/Fotos/sonstwas produzieren. Und das war eine gute Auslese. Inzwischen kann und macht das eben fast jeder und überall. Einen (finanziellen) Wert hat diese Arbeit in den meisten Fällen aber völlig zu Recht nicht.
    Vor 5-10 Jahren waren es nur diese “irgendwas mit Medien”-Ausgebildeten.
    Heute kommt dieses fatale kollektive Selbstverständnis hinzu: “der kreative Mensch – also mittlerweile alle Menschen, die etwas auf sich halten”
    Ich kann dir sagen, von welcher Arbeit ich mehr halte, wenn du mir jetzt einem PR-Manager oder Blogger, einer Biochemikerin oder einem Arzt gegenüber stellst. Um es deutlich zu sagen: wieso sollte das, was sich die allermeisten jungen Menschen aus den Fingern saugen können, auch nur ansatzweise so gut bezahlt sein, wie eine Arbeit, für die es eine ernsthafte Ausbildung bedarf, die evtl. sogar noch etwas bewirkt anstatt nur zu unterhalten?

    Wer wirklich denkt, das sei unfair, muss noch ein bißchen älter werden oder aufwachen.
    Man kann Arbeit und Leben trennen. Sehr gut sogar. Aber nur, wenn man auch etwas Sinnvolles gelernt hat…

  • hier

    sehr gut geschriebener Text !
    ich musste schmunzeln weil ich sovieles aus eigenem Leben wiedererkenne..es ist wirklich genau so. Aber da sollten die Leute sich langsam mal fragen ob sie zur Besinnung kommen wollen oder ob sie ihr Leben lang das so weiterführen wollen.

  • Mili

    Ein großartiger Artikel! Danke! Bitte mehr dazu!

    Wir arbeiten auf unserem Blog im Prinzip an der gleichen Thematik, zwar erst in den Anfängen und fokussiert auf die Situation von Designern- und Designerinnen, aber letztendlich basierend auf einer ähnlichen Analyse.

  • ‘aber wenigstens machen wir es nur für uns und nicht für jemand anderen’

    ‘aber wenigstens machen wir es nur für uns und nicht für jemand anderen’
    diese haltung ist der urspung des problems, von dem du betroffen bist. schön geschrieben, aber das problem im grunde nicht erkannt.
    es tut mir leid, falls du diese sprachlichen fähigkeiten in den dienst derer stellst, an die deine kritik sich eigentlich richten müsste.

  • Adina

    Kompletter Realitätsverlust – so einen schlechten Artikel habe ich lange nicht mehr gelesen.

  • Taubenhaucher

    “…wenn sie eigentlich nur gelernt haben, dass ihnen die dicken Dinge – die teuren Matratzen, die funktionalen Küchen, die dekadenten Kaffeemaschinen, die Haute Couture, die gute Ausbildung – gar nicht erst zustehen sollen?”

    Bei solchen Sätzen wird mir leider schlecht – wer bitte sollte denn überhaupt ein Recht auf derartigen Kapitalismus-Abfall haben? Inwiefern sind diese Dinge denn erstrebenswert? Sie sind doch lediglich traurige Abgrenzungsversuche der “reichen und schönen” “Elite” die sich für etwas Besseres hält und dem Kapitalismus in den Allerwertesten kriecht um sich selbst das bequemste, spöttischste und nobelste Leben zu ermöglichen, dass sie sich nur vorstellen können. Unheimlich peinlich, sonst nichts.

    Diese “dicken Dinge” stehen niemandem zu, selbst mäßig- dekadente Dinge die wir uns alle (auch mit Hartz IV) noch leisten können, beruhen auf Ausbeutung anderer Menschen. Wem das nicht klar ist, der lügt sich in den eigenen Stoffbeutel.

    Nebenbei bemerkt verdienen sich die (Billig-) Modeläden mit ihren Vintage-Sneakers und Blumenhosen (deren Hersteller nichts von dem Geld sehen) und sonstigem hippen Mode-Gedöns (welches nächstes oder vielleicht übernächstes Jahr – sobald die Leute eben realisiert haben, dass diese Hornbrille auf ihrer Nase doch eher peinlich aussieht als cool- dann wieder auf die Südhalbkugel verschifft und auch nochmal teuer verkauft wird, weil dann etwas anderes “in” ist) dumm und dämlich an den Möchtegern- Armen.

    Aufwachen und selber denken hilft. (reisen vielleicht auch)

    Das Problem sind nicht die bösen Arbeitgeber oder der böse Staat sondern der nie enden wollende Egoismus jedes einzelnen.

    Traurig, dass es hierzulande Menschen gibt, die auf der Straße leben müssen und dass hier Läden wie Kik und sonstige immer noch verkaufen dürfen und andere nehmen Worte wie Ungerechtigkeit in den Mund, wenn es um Gehälter geht, von denen die meisten Menschen dieser Erde nicht mal zu träumen wagen.

    Nichts für ungut, trotzdem nett geschrieben und alles. Aber ich konnte das nicht unkommentiert einfach hinnehmen, wie hier alle nur zustimmen und keiner mehr merkt dass die meisten von uns selber auf der Seite stehen die es zu kritisieren gilt.

  • Frau Sensemann

    Oh je: nun fühle ich mich noch schwächer und ausgelaugter, als ich von Party und Praktikum eh schon bin. Was ist die Alternative?

  • Adam Nümm

    Ein ziemlich schäbiger, unkonkreter Artikel, der es zwar irgendwie gut meint, in dem er ansatzweise unser Verhältnis zur Arbeit in Frage stellt, aber letztlich keinerlei Linie bzw. These erkennen lässt. WORUM GEHT ES DIR? Um Jammern auf hohem Niveau? Soll Deine Freundin doch losheulen, dass sie ihre Heimat verlassen hat und wieder zurückziehen! Die Gehälter in Deutschland sind beschissen? In welcher Welt lebst Du?

    Wenn Du Dich wirklich für die Thematik Arbeitsethos interessierst, dann solltest Du hier nicht so einen Brei verzapfen. Fakt ist: Wer sich zum Sklaven von hirnverbrannter Arbeit macht, ist selber Schuld. Ob nun aus Angst, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden oder wegen sonstwas, spielt keine Rolle.

    Nicht das neue Verlangen der Menschen, eine sinnvolle Arbeit machen zu wollen, ist die Wurzel des Übels! Sonndern der gesellschaftliche Druck, der auf “Arbeitslose” gemacht wird. Ein Großteil der Menschen werden genau dort gehalten: Arbeit, aber eben immer nur so, dass es gerade reicht, und so, dass sich keiner traut, die Arbeit niederzulegen, weil sonst wäre man ja raus, bloß nicht abrutschen!

    Dieses perfide System ist nicht neu. Auch wenn heute minimalistisches Design schick ist und Corporate Identity die total Verblödeten noch weiter verblödet. Solange die Menschen nicht wirklich frei sein wollen, wird sich daran nix ändern.

    Bedingungsloses Grundeinkommen. Kommt in Deinem Artikel nicht vor? WUNDERT MICH!

  • lisa

    Hallo,
    dein artikel liest sich so, als wuerde es sich nur um eine arbeitsbranche handeln, alles was mit medien und fashion zutun hat. Sorry, aber es gibt noch andere branchen, wo man spass an der arbeit habe kann. In berlin hat nur irgendwie jeder das beduerfnis fashion journalismus oder mediendesign zu studieren, ist doch klar, warum man keinen vernünftigen job kriegt. Das ist so einfallslos und keineswegs irgendwie mehr interessant. in berlin muss jeder individuell sein und im endeffekt möchte doch jeder dasselbe.

  • Jan

    Scheißt euch nicht ein, studiert BWL und geht in die Finanzbanche. Wenn ihr Geld vedienen wollt seid ihr hier richtig, wenn ihr stinkende Hippies werden Wollt, geht nach Berlin !!!

  • Der Artikel ist nicht schlecht, er beschreibt ein Symptom unserer Zeit in perfekt sarkastischer Weise. Es kann sein, dass es reicht sich mit den Auswirkungen zu beschäftigen, jedoch bekommt man hier das Gefühl das der angesprochene Personenkreis selbst schuld an seiner Lage ist und, wie das mit der kognitiven Dissonanz eben so ist, sich dabei noch wohl fühlt.
    Weiter oben in den Kommentaren wurde ganz richtig auf die “neoliberale Rhetorik” hingewiesen. Und diese wird seit Jahrzehnten gepredigt und umgesetzt.
    Ein paar Stichpunkte: Hartz IV, Agenda 2010, fehlende Mindestlöhne, Steuersenkungen für Großverdiener und Unternehmen, …
    Es ist mühsam geworden sich dem allen noch ernsthaft zu stellen und so verblüfft es auch nicht, dass ein großer Teil der neuen armen Elite auch noch neoliberal wählt. Und damit ist nicht nur die CDU und die FDP gemeint, nein ganz richtig auch SPD und die Grünen haben bisher eine äußerst neoliberale Politik zu verantworten.

    Wie wir dem ganzen Schlamassel entkommen? Ich befürchte gar nicht. Der Status Quo wird sich nicht ändern solange es gerade genug Brot und Spiele gibt, bzw. keine einschneiden Ereignisse uns zum Handeln zwingen.

    In dem Sinne, wählt Mutti aber jammert mir nicht einen vor, dass ihr für immer arm seit.

  • Thomas Huber

    Das ist ein wirklich guter Artikel über die prekären Lebensverhältnisse in der sogenannten Kreativbranche. Vielleicht zwei Ergänzungen,um der spürbaren Ratlosigkeit und Ohnmacht zu begegnen.

    Erstens kann man hier in berlin (und anderswo) das Scheitern des Neoliberalismus besichtigen. Das Versprechen des Neoliberalismus, dass eine entsprechende Leistung auch den sozialen Aufstieg ermöglicht, ist falsch. Tausendfach werden Talente eben nicht verwertet, weil sie vom Zufallsregime des Marktes (Angebot und Nachfrage) einfach ignoriert werden. Erfolg am Markt und dieser wiederum nur auf Zufälle der Nachfrage und Aufmerksamkeit zurückgeführt. Nicht jedes Talent und nicht jede Anstrengung wird belohnt, der Erfolg muss erst am Markt verdient werden. In diesem Sinne erzeugen die Markterfolge der einen und die Marktmisserfolge der anderen soziale Unterschiede, die nicht mehr mit dem Begriff der Leistungsgerechtigkeit überbrückt werden können.

    Die Klage darüber kommt in der Regel von Leuten, die im Prinzip selbst neoliberal denken, bzw. dachten sie, auf diesem Ticket in ein erfolgreiches Leben zu Segeln. Deshalb sollte sich diese Enttäuschung gegen die politischen und publizistischen Wasserträger dieses Prinzips richten: Da der Neoliberalismus in der Krise ist, suchen seine verbliebenen Streiter in der Öffentlichkeit in letzter Zeit mit neuen Argumentationsketten einen strategischen Ausweg aus dem Versagen des Marktes: Ungleichheiten sollen künftig fraglos hingenommen werden. So fordert der beispiellos zynische Norbert Bolz: „Wir sollten zufrieden sein mit dem was gut genug ist, statt mit absurdem Aufwand nach der optimalen Lösung zu suchen.“ Er fordert von denjenigen, die sich mit der Bescheidenheit ihrer Lebensverhältnisse abzufinden hätten eine „Tapferkeit der Bürgerlichkeit“: „Sie besteht darin, auf ein Konzept von Glück als Wunscherfüllung zu verzichten. Die Tapferkeit des Bürgers bewährt sich darin, dass dass er seine Identität in der rituellen Aufrechterhaltung der sozialen Situation sucht.“ Leider folgen viele Betroffene in ihrer Ratlosigkeit diesem Appell und richten sich in der rituellen Aufrechterhaltung in ihrer Werbeagentur, Modemarken etc. ein. Yeah Sarah beschreibt das treffend: »Das ist verinnerlichte Armut; Armut, die als gerecht empfunden wird.«

    Prof. Nullmeier hat recht, wenn er sagt: »Der Aufruf zur fraglosen Akzeptanz und zur Hinnahme allen Geschehens “šohne Murren' und ohne Reflexion auf gute Gründe steht im Widerspruch zu modernen Vorstellungen von Selbstbestimmung und Autonomie, zum Wunsch nach kognitiver Durchdringung der Welt und Bewertung der Zustände in denen man lebt.«

    Ich glaube dass dieser Artikel von Yeah Sarah genau diesen Zwiespalt beschreibt, ohne ihn politisch-intellektuell richtig zu erfassen. Deshalb wäre es gut, wenn diejenigen, die von den prekären Verhältnissen in der Kreativbranche betroffen sind, stärker ihre Situation auch politisch reflektieren würden.

    Zweitens unterschlägt der sehr gute Beitrag, dass diejenigen, die aufgrund ihrer Jugend oder Mangels an Zugängen noch keine Verwertungschance für ihr Talent ergattert haben, die Mechanismen gar nicht in Frage stellen, unter denen sie fraglos so leiden müssen, sondern selbst so handeln würden, wenn sie an die Schalthebel und Futtertröge ihrer Branche kommen würden oder auch nur in deren Nähe.

    Denn letztlich handelt es sich bei der Auseinandersetzung, die die Marginalisierten mit den Etablierten führen, um eine knallharte soziale Auseinandersetzung, um ein „Turnier um Etablierung, ausgefochten auf den Bahnen einer intellektuellen Kampfstätte, die unter der Herrschaft von Instanzen steht, welche Anspruch erheben auf das Monopol kultureller Legitimität und das Recht, über diese Etablierung im Namen des bürgerlichen Bildungsideals zu befinden.“ (Bourdieu)

    Im Verlauf dieser Auseinandersetzung, die in der ideologischen Hülle digitale/kreative Rebellion (»wir arbeiten, um Spass zu haben«) gegen den etablierten Mainstream (»alles raffgierige, spießige, systemkonforme Marionetten«) ausgefochten wird, wird einmal mehr der reichlich tradierte Gegensatz zwischen Mainstream und Avantgarde die sich selbst lustigerweise sogar neuerdings offenbar »neueelite.de« nennt, ausgefochten. Die Spielregeln der Distinktion, nach denen sich die Unterschiede in der legitimen Hierarchie ausdrücken, werden damit nicht aufgehoben, sondern lediglich auf einem anderen Feld ausgetragen. Die Logik der symbolischen Beziehungen, d.h. das kulturelle Spiel bleibt das gleiche. Um die Details wird heftig gestritten, und in dieser Auseinandersetzung profilieren sich die Kritiker.

    Einem Teil derjenigen, die das Establishment angreifen, geht es letztlich um „hochkulturelle“ Anerkennung; sie wollen sozusagen die Elite-Blogger oder Elite-Berater werden, die sich dann von den anderen Kreativen abgrenzen können. Hier äußert sich ein kulturelles Jungtürkentum, es geht um die Selbstetablierung einer selbsternannten Bohème durch „Rebellion“ gegen jene, die bislang noch die Gatekeeper sind.

    Diese soziale Auseinandersetzung als solche auch offen zu benennen, wäre ein Akt der Aufrichtigkeit der nachrückenden Alterskohorten, statt sich immer nur als wehrloses Opfer zu inszenieren…

  • Einfach nur jmd

    Nett geschrieben aber eindeutig zu langatmig und nach den ersten Absätzen auch schon zu langwierig. Man kann innerhalb der ersten Absätze ahnen worin der Artikel münden wird und worauf er hinaus will, also wozu soll ich weitere 20 Absätze lesen, wenn mir das schon nach dem ersten Absatz klar ist?
    Think about it.

  • KAT

    Das Wesentliche: Geld. Wachstum. Perspektive?

    Anstatt unsere Generation dafür zu kritisieren, dass sie ihre Beschäftigung mehr nach Interesse auswählt, als nach größtmöglichem Gewinn, sollte über den Begriff der Arbeit und die Verbindung Arbeit-Lohn nachgedacht werden. Die Trennung von Arbeit und Freizeit ist überholt, sowie das model Arbeit überhaupt.

    Ich möchte mich mit überhaupt nichts beschäftigen, was mich nicht interessiert, auch nicht für gutes Geld! Ich beschäftige mich hundertmal lieber mit etwas, was mich interessiert und verdiene weniger, als einen Scheißjob für mehr Geld zu machen. Und damit rede ich mir nicht meine prekäre Situation schön, sondern damit vertrete ich einen neuen Wert, der ganz langsam die Arbeitswelt reformieren kann.
    Dass Menschen, die noch im alten Bild von Arbeit und Profitgier verharren so eine Haltung zur eigenen Arbeitskraft ausnutzen ist klar. Deswegen sollten aber nicht wir, die wir neue Prinzipien und Werte vertreten zurück zu “GELD WACHSTUM PERSPEKTIVE”, sondern weiter die Meinung vertreten und verbreiten, dass das Model Arbeit sowieso völlig überholt ist und das Model “Interesse und Beschäftigung” an dessen Stelle tritt.

    Ich finde die Vorstellung, nur noch einen Terminkalender zu haben, der mit Terminen gefüllt ist, die mich interessieren ehrlich gesagt viel angenehmer, als die Vorstellung zweier Terminkalender, von denen einer sehr begrenzt und der andere mit uninteressanten Scheißterminen gefüllt ist.

    Was überdacht werden muss ist nicht die idealistische Haltung zum Thema Beschäftigung und Tätigkeit, sondern das Model der Entlohnung dessen. Siehe da, die Freundin kann ihren Job mit ihren geliebten Kollegen und ihrem geliebten Umfeld rund um die Uhr machen, wenn ihr das Spaß macht, wenn sie damit nicht ihren Lebensunterhalt verdienen muss, weil für die Lebensgundlage unabhängig von ihrer Tätigkeit gesorgt ist! Bedingungsloses Grundeinkommen heißt das und es ist keine Utopie.

    Auch wenn der Arikel natürlich seine Berechtigung hat, und es einen ganzen Haufen Menschen gibt, die diesen Beschäftigungsidealismus völlig falsch verstehen und zu ihrer eigenen Verknechtung beitragen (und die meisten Arbeitgeber noch versuchen diese Haltung auszunutzen), wie kann man so rückwärtsgewandt schreiben, dass ernsthaft gerufen wird: “Zurück zur distanzierten, verantwortungslosen Position des Arbeitnehmertums, das Wichtigste ist Geld, nicht dass der Job dir Spaß macht!”

    Das Wichtigste ist, dass du nichts tust, was du nicht tun willst und dass du UNABHÄNGIG DAVON WAS DU TUST eine gesicherte Lebensgrundlage hast!

  • Kaluba

    “Wir haben nur ein Leben: es muss perfekt sein.”

    Aber so ist es doch? Wo ist das Problem? Versteh die aussage des Textes nicht ganz

  • Hensch

    Auf den Punkt. Und sehr unterhaltsam geschrieben.

  • lynn

    bitte? oohh ich leide, weil ich mir ein glamouröses underground leben nicht leisten kann! ;)) von konsum geblendete generation. traurig.
    check her out- die hier könnte ein paar hippies inspirieren*

  • Liz-Katharina

    Der Artikel sitzt…und ist sehr gut geschrieben. Vielen Dank!

  • Marcel

    Diesen Hipster-Berlin-Lifestyle können sich die meisten doch nur leisten, weil ihre Eltern sich 40 Jahre mit harter Arbeit im Süden der Republik etwas Wohlstand erarbeitet haben und nun ihre 40 jährigen Kinder mit vollem Einsatz unterstützen müssen. Eigentlich Peinlich.

  • HecPac

    einer der besten texte, die ich von dir lesen durfte. ich dachte während des lesens “so true!” und sah erst am ende, von wem er ist. sehr empathisch!

  • ist das jetzt der neuste/letzte schrei, dass sich reiche armut leisten koennen? was sagen die, die es tatsächlich betrifft? frei nach dem motto: sich duemmer zu stellen, als man ist, duerfte ein leichtes sein, umgekehrt wirds schwieriger? o.O. in was fuer einer welt leben wir eigentlich…. das maedel auf dem bild. ich nehm sie mit ;)

  • Jacke

    Wie kann man bitte erst von einem gemeinsamen Essen mit Vor- und Nachspeise erzählen und im nächsten Augenblick Wörter wie “Armut” und “Prekariat” in den Mund nehmen? Ihr seid alle zur Schule gegangen, habt studiert, besitzt Smartphones und fliegt drei Mal im Jahr in alle Herren Länder. Klar habt ihr auch mal finanzielle Engpässe, aber irgendjemand hilft doch immer aus….

    Da kommen einem die Tränen bei so viel Ignoranz. Guckt mal bitte über den Rand des Tellers!

  • flo

    – nicht ganz das Thema aber gut, vor ein paar tagen gelesen und reiht sich ein!

    F. A. S., 11. AUGUST 2013
    WIRTSCHAFT
    Wie kreativ ist Berlin?
    Die deutsche Hauptstadt zieht Künstler aus aller Herren Länder an. Doch das Berliner Milieu macht träge. Es fehlt an Inspiration und Kaufkraft. Von Hendrik Ankenbrand und Frey Lindsay
    Was für Miami und Köln die Kunstmessen sind, ist für Berlin die Buchhandlung Kisch&Co. in der Oranienstraße: Schnittstelle zwischen Werk und Konsum. 20 Kreative spazierten pro Tag durch die Tür, berichtet der Inhaber, gekommen, um abzuladen: dicke Packen Handzettel über die eigene Ausstellung in einer der 400 Galerien der Stadt, das nächste Happening, die nächste Vernissage. Zwei Tage dürfen die Packen liegen, dann wandern sie in den Müll. „Sonst ersticken wir.“

    Gegenüber, im Gitarrenladen Central Music, reißt der Besitzer die Konzertplakate gleich ab, die Zugezogene dort ungefragt drapieren – noch unwissend, wie es läuft in dieser Stadt. 220 000 Kreative leben laut Senatsverwaltung in Berlin. Im Ausland hat sich herumgesprochen, da gebe es einen Platz auf der Welt, der arm sei, aber sexy. Massen junger Kunstschaffender und solche, die es werden wollen, kamen. Vor Ort folgt der Lernprozess, dass halbleere Konzertsäle in Berlin keine Schande sind, wie Folksänger Simon Fagan beobachtet hat, Migrant aus Dublin. Im Gegenteil: „Ambitioniert zu sein, vorwärtskommen zu wollen, das gilt hier fast als Verbrechen.“

    Wie kreativ ist Berlin? Auch den Musiker Robert Coleman hat der Ruf der einzigartigen Subkultur, gepaart mit günstigen Mieten, einst nach Berlin gelockt und mit ihm seine Band, die Australier wollten ihr Berlin-Album einspielen, wie Anfang der neunziger Jahre U2. Doch U2 bekam in Berlin nichts zustande, also spielte die Band ihr Erfolgsalbum „Achtung Baby“ schließlich in Dublin ein. Auch der Australier Coleman flog nach eineinhalb Jahren wieder heim, ohne Songs, aber mit einer Erkenntnis: Diese Stadt sei so relaxed, ihre Mieten so niedrig und das Bier so billig, dass man anders als in New York, London und Los Angeles auch ohne Plattenverkäufe gar nicht gezwungen sei, „irgendetwas fertigzubekommen“. Berlin sei nicht kreativ, nur voller Leute, die darüber redeten, kreativ zu sein.

    Coleman hat seine Erfahrungen in der „New York Times“ niedergeschrieben, die Reaktionen aus Berlin waren vorhersehbar. Der Missmut jener, die sich zur kreativen Klasse zählen, ist nichts Neues in einer Stadt, in der jede der vielen Podiumsdiskussionen zur Zukunft der Kultur wie auf Schienen in die immer gleichen Fragen mündet: ob die viel zu stark gestiegenen Mieten und die viel zu schwach gestiegenen Subventionen die Kreativen der Welt bald aus Berlin vertrieben, womöglich nach Warschau: diese Stadt sei wenigstens noch arm, wie es sich gehört.

    Auf seinen Raves und Partys habe er nie einen erfolgreichen Künstler getroffen, sagt der Musiker Coleman, diese hätten wohl in ihren Ateliers gesessen und gearbeitet. Da habe er begriffen: für Kreative ist Berlin nur der Ort, in der zufällig die Wohnung steht.

    Der Singer und Songwriter Simon Fagan liebt diese Stadt für ihr Flair, auch wenn es nichts zu verdienen gibt. Also schuftet er in Saarbrücken auf Baustellen. Spielt er in Berlin einen Gig, gibt es 100 Euro, der Berliner zahlt nicht gern. „Fünf Euro Eintritt sind die Obergrenze.“ Berlin sei so anders, hat der Ire in drei Jahren festgestellt: „Auf Ausländer, die Geld verdienen wollen, schauen die Leute mit Verachtung herab. Sie rümpfen die Nase und fragen, was das soll. Berlin habe nichts mit Geld zu tun.“

    Das stimmt, zumindest, was die sogenannte Kreativwirtschaft angeht, also die Bereiche Kunst, Design, Musik und allerhand anderes. Betrug deren Anteil an der Wirtschaftsleistung vor vier Jahren noch 20 Prozent, ist sie nach den letztverfügbaren Daten auf 16 Prozent gesunken. Während im Bundesgebiet die Umsätze zulegen, erwirtschaften Berlins Kreative kaum mehr als zuvor – in der Summe, wohlgemerkt: Weil die Beschäftigtenzahlen in der Kreativwirtschaft gestiegen sind, macht der Einzelne im Schnitt weniger Geld.

    Steht das im Widerspruch zur Großmannssucht der Stadt, die sich vergangene Woche wieder mal beim Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit Bahn brach, der nach der Fashion Week das Fazit zog, Berlin werde „in der Modewelt zur unverzichtbaren Adresse“? Dass Hugo Boss verzichtet hatte – der Vorstandschef Karl-Heinz Lahrs hält Berlin für irrelevant – so wie Escada, Rena Lange, Esprit, Diesel, Levi Strauss, Marc Cain? Deren „Fehler“.

    Die staksig-stöckelnden Fashion-Touristen mit Fummel und Sekt kamen ja schließlich auch in diesem Jahr, bemüht, sich bei der Sause nicht die Beine zu brechen. Das ist die Energie, aus der sich die Stadt speist, die Rotzigkeit einer pubertierenden Göre. Sarah Kilcoyne entdeckte sie vor eineinhalb Jahren. Die Irin macht jetzt in Street Art, „erst mal zum Spaß“, aber sie will stärker in die Kunstszene. Sie findet, Berlin macht süchtig: „Es ist so cool. Du kannst hier leben, ohne irgendein Ziel zu haben.“

    Das einzige Problem sei Geld. Viel davon braucht es allerdings nicht, noch sind die Mieten viel niedriger als in New York, London und Paris. Des Nachts führt Sarah Touristengruppen von Bar zu Bar und Drink zu Drink: Pub Crawl heißt die Kneipentour unter Anleitung, Lohn und Trinkgeld reichen zum Leben.

    Reduziert sich die Kreativität der Stadt auf ihre Armut? Die Wohnung von Casey McKee ist ein hundert Quadratmeter großes Loft, an den Wänden hängen die gerahmten Werke des Künstlers: selbst gefertigte Fotografien mit Pinsel übermalt. Der Amerikaner ist erfolgreich. Nicht in Berlin, hier haben die Menschen kein Geld, Caseys Umsätze sind mit der Finanzkrise um neunzig Prozent eingebrochen. Die meisten seiner Bilder verkauft er nun in Hamburg und Frankfurt, da, wo Kapital ist und Interesse. Berliner Vernissagen interessieren den Amerikaner nicht: „Da geht es nicht um Kunst. Das sind Hipster-Partys.“ Was in den Galerien der Stadt an den Wänden hängt, nennt er auf Englisch „clever“, was so viel heißt wie oberflächlich. „Es gibt nur ein paar wirklich gute Galerien.“ Berlins Bedeutung sei überhöht. „Es geht dabei nicht um die Arbeit, nur um die Szene.“ Die hat der große Maler und Exzentriker Markus Lüpertz mit Atelier im brandenburgischen Teltow mal als „hysterisch“ bezeichnet, verzweifelt versuche man „im Ödland auf Kunst zu machen“. Aber wo kein Geld sei, da sei eben auch keine Kunst.

    Berlin hatten sie damals in Phoenix nicht auf dem Radar vor zehn Jahren, irgendwie ist er dann doch seiner Heimatstadt entflohen und in Deutschland gelandet, es war kurz nach Beginn des Irak-Kriegs, Casey wollte raus aus Amerika. Mittlerweile hört er in Berlin Amerikas Akzent an jeder Ecke. Er mag die Stadt, weil um ihn herum alles in Zeitlupe abläuft: „Beim Tempo in New York und London musst du strampeln, oder du ertrinkst.“ Berlin sei perfekt: „Ich zahle die Mieten und Restaurantpreise einer armen Stadt und verdiene wie in einer reichen Stadt.“ Er hat Glück gehabt. Die meisten der 4500 Berlin-Künstler verkaufen nur hier oder gar nicht, eine Umfrage des Berliner Instituts IFSE sagt, gerade mal ein Viertel der Galerien sei „im Kunstmarkt sichtbar und wirtschaftlich überlebensfähig.“ Martin Klosterfelde, gebürtiger Hamburger und einer der Platzhirsche des Hauptstadt-Kunstmarkts mit international erfolgreichen Künstlern wie Christian Jankowski und John Bock, macht auf jeden Fall jetzt erstmal dicht.

    Der Sänger Simon sagt, er habe es sich ausgesucht, in dieser Stadt zu leben, dass sie arm ist, sei nicht ihre Schuld. Ihn nervt trotzdem, dass viele Konzertsäle keine akzeptablen Lautsprechersysteme haben, anders als in London, wo die Zuschauer mehr zahlen und die Plattenlabels sitzen mit Verträgen. Geht es um elektronische Musik, zahlt auch der Berliner zwanzig Euro Eintritt wie in London, der Unterschied ist: In England gibt es noch mehr. „Die Stadt ist sehr auf Bands ausgerichtet, Berlin nicht“, sagt Simon. „Es gibt die Lärmbeschränkungen nach zehn Uhr, es gibt nicht genügend kleine Konzertsäle, so für 100, 200 Leute. Das ist schlecht für junge Bands.“

    Er sitzt in seiner Wohnung in Neukölln, ist gerade aus London zurück. In der Stadt, in der es ziemlich genau hundert Live-Bühnen mehr gibt als in Berlin und ungefähr fünf Mal so viele Festivals, hat er drei Shows an diesem Wochenende gespielt. In Berlin ist er seit drei Jahren und hat keinen Auftritt in voller Besetzung gehabt. Das lag auch daran, dass es schwerfiel, trotz der riesigen internationalen Kreativen-Szene überhaupt jemanden zu finden, der nicht nur über Musik reden wollte, sondern auch welche herstellen: „In the future“, irgendwann zusammenarbeiten, das ist für Simon der ewige Refrain dieser Stadt. „Berlin ist gut, um Lieder zu schreiben, wenn es ernst wird, geh nach London und spiel bei den Großen mit“, sagt er. Oder Amerika. Hat er genug Geld, will er hin. „Die Leute benutzen Berlin wie einen Fußabtreter, sie benutzen die Stadt für einen bestimmten Zeitraum, dann verpissen sie sich“, sagt Simon. „Die Stadt ist pleite, aber niemanden kümmert das, weil die Zeit einfach zu gut ist. „Jeder, der mich hier besucht, flippt aus. Meine Freunde sagen, das sei die beste Stadt überhaupt“, sagt der Maler Casey.

    Das hat natürlich mit Kreativität nichts zu tun, aber ist das vorzuwerfen in einer Stadt, die Kreativität so wenig honoriert? Javier Blanco Chiocchio, geboren in Argentinien, zog vor drei Jahren aus der Nähe Madrids nach Friedrichshain. Eigentlich macht er Animationskunst. Tatsächlich schlägt er sich mit anderem herum, Werbevideos für Internet-Apps etwa. Doch auch die Marketingfilmchen werden schlecht bezahlt, weil es in Berlin eben eine Menge Leute gibt, die das können, was Javier kann, und bereit sind, für wenig bis nichts zu arbeiten, denn fürs Bier reicht es in dieser Stadt immer. So rauschen die Preise für Kreativität in den Keller.

    Javier überlegt, bald wieder im Feinkostladen zu jobben wie früher. Für Leute wie ihn wirkt sich der Berliner Lifestyle ungefähr so aus wie auf Studenten einer Eliteuniversität, die plötzlich beschließt, jeden Bewerber aufzunehmen.

    Das kann auch angenehm sein. Die Arbeitslosenrate in Rochdale, Stadtteil der englischen ehemaligen Industriestadt Manchester, beträgt 75 Prozent, die Lebenserwartung 69 Jahre, und Mike Wood, 24, ist froh, da raus zu sein. Vor eineinhalb Jahren kam er nach Berlin, und für ihn bot die Stadt alles, was er suchte. Er sei kreativ, aber kein Künstler und lebt doch den Lifestyle, den Berlin mit diesem großen Wort verbindet. Er textet die Produktbeschreibungen eines riesigen weltweit tätigen Internetkaufhauses für Designermöbeln.

    Mike sitzt beim Augustiner vor einer Bar in der Warschauer Straße und zählt auf, wo sich in Neukölln/Kreuzberg/Friedrichshain die Szene gerade trifft und welches Werk welcher DJs sie diskutiert. Der Klatsch der Kunstszene ist ihm vertraut. Er ist ein Profiteur der eigentümlichen Berliner Kreativenszene: Man muss nichts schaffen, um dazuzugehören. Die meisten seiner Freunde sind Künstler.

    Für das Internetkaufhaus arbeitet er „nine to five“, das Gehalt ist nicht überragend, aber es reicht für die Miete, für Essen und für Drinks. Mike sagt, viele seiner gebildeten Altersgenossen, die ins Kreativmekka Berlin kämen, hielten sich für kreativ, weil ihre Eltern sie so genannt hätten.

    Ihn kümmert das nicht, aus Rochdale haben es nur ein paar seiner Altersgenossen rausgeschafft, er kam bis nach Berlin. Man kann es hier ganz gut aushalten. Und das ist das Ehrlichste, was man über die Kreativweltmetropole Berlin überhaupt sagen kann.


    Von einem überteuerten Apparätchen ohne vernünftige Tastatur verschickt.

  • Jan

    Naja, für einen Handwerker sind 1500,- der Standard bis ins hohe Alter. Kaputter Rücken inklusive. Mancher Koch im Osten kommt Brutto kaum auf 1200,-… (this list is non-exhaustive) Insgesamt fehlt es vielen Berufen an der materiellen Anerkennung. Schön das hier zumindest eine Gruppe ihr Sprachrohr gefunden hat. Meine Hoffnung ist, dass alle denen der Artikel gefällt sich mal darüber Gedanken machen inwiefern Sie die Arbeit anderer respektieren wollen und was sie das kosten wird. (Das ist aber teuer? Gibts da nicht noch Rabatt?)

  • Opferhaltung? Echt jetzt?
    Is mir n bisschen zu einfach. Klar, wir wurden und werden seit Jahren auf Konsum gebürstet. Um so mehr zählt jetzt Haltung und Selbstachtung. Und nein, Hipsterbrille und Nikes tragen ist _keine_ Haltung.
    Ich sag’s immer wieder: ich mag Berlin sehr und ich bin ein Teil der so genannten Medienlandschaft. Aber niemand _muss_ in Berlin leben und niemand _muss_ sich bei “hippen” Agenturen ausbeuten lassen. Wenn man’s aber cool findet und sich über Gästelistenplätze definiert, dann, ja dann“¦

    Kann mich Kete nur anschließen: es gibt genug leidenschaftliche, tolle Arbeitgeber, die für spannende Kunden arbeiten, ordentliche Löhne zahlen und den Begriff “Work-Life-Balance” verstanden haben. Nach 8 Stunden nach Hause gehen ist machbar. Aber – Vorsicht – sicher nicht so cool.

    Wir haben’s erschaffen, wir können’s ändern.

  • Name

    hi

    habe den artikel bis zum ende gelesen und bin etwas enttäuscht über seine einseitigkeit. du beschwerst dich über mehrere absätze, alles ist nur negativ. dabei gibt es durchaus auch positive aspekte an kreativ-jobs, die du aber schlichtweg übersiehst. aber für dich ist das ja alles nur selbstausbeuterischer lifestyle.

    eine alternative bzw lösung des problems bietest du auch nicht an. deine phrasendrescherei ist genauso hohl und effektlos wie das geplärre der occupy wallstreet bewegung! reicht es etwa schon, sechs stunden die woche mehr “freizeit” zu haben? oder 1000 euro mehr zu verdienen? ist dann alles wieder ok? das ist doch lächerlich!

    wie so viele andere hast du keinen plan. das problem hast du nicht wirklich erkannt. du beschwerst dich lediglich über symptome –

    nein nein nein
    sorry

  • Haugy

    Hallo,

    zunächst finde ich zwei Dinge am Artikel sehr positiv:

    1.) Es wir die Realität einer Lifestyle-Industrie sehr gut in das heutige Kapitalismussystem gesetzt, in der meiner Meinung nach die studierten “Kreativen” wie die “Bergwerksarbeiter” von gestern sind. Sie sind zu viele und der eigentliche Wert ihrer Arbeit auf Grund der Schnellebigkeit sehr gering und nicht wertstabil. Hier besteht natürlich ein Gegensatz zum Bergbau, aber der Kern der Situation bleibt gleich.

    2.) Der Artikel zeigt darüber hinaus die Leidenschaft, die die Menschen dazu antreibt, sich als Neo-Bergwerksarbeiter in den Niederungen der Lifestyle-Industrie zu verdingen.

    Meine Schlussfolgerung: das wird auf Dauer nicht funktionieren.Mir fehlt daher an diesem Artikel einzig der Transfer, die Konsequenz aus den Fakten, die hier dargelegt sind. Der Sachstand ist toll beschrieben und einige Kommentare haben auch toll die geisteswissenschaftliche Perspektive zusammengefasst, was mich sehr gelangweilt hat.

    Wo sind neue Perspektiven, Möglichkeiten diese breite Masse an Leuten dazu zu bewegen, ihrer Leidenschaft nachzugehen, ihre Kultur weiterzuentwickeln, um noch in 40 Jahren mit Leidenschaft zu arbeiten ohne sich in dieser Industrie zu verdingen bei 1500 € brutto.

  • Tobi

    Ach, die Verheißung auf Unabhängigkeit und Erfüllung als Waffe der Ausbeutung und modernen Sklaverei- Man möchte fast einen Roman darum bauen, so bittersüß liest es sich.
    Aber es liest sich eben nur so (nebenbei, der ganze Artikel liest sich sehr angenehm, man könnte fast vergessen worüber man da liest, so angenehm liest er sich.), am Ende ist es doch nur das Klagelied einer selbsternannten Elite, der Blick auf eine Subkultur, die weder das Sub- hin bekommt, noch die Kultur erleben kann… Aber das mag ein etwas zu zynischer Blick auf diesen ganzen “wasmitmedien” Hype sein, von jemanden der sich den Spaß angesehen hat um sich dann schaudernd nach einer nicht ganz so mainstreamigen “waswomankreativseinmuss” Branche um zusehen.
    Man verstehe mich nicht falsch, ich finde den Blickwinkel interessant, wirklich. Arbeit sollte nicht mit Selbstverwirklichung verwechselt werden, das klingt klasse. Wie irgendwas, dass einem der eine Lehrer/Prof/Hausmeister, der scheinbar doch schon was vom Leben gesehen hat erklärt- vorzugsweise dann, wenn man ihm durch die Fensterglasbrille einen langen Blick zuwirft, nachdem man grade eröffnet hat, dass man was mit Medien machen will.
    Ich frage mich nur, was heißt das im Umkehrschluss? Arbeit, also dass was man (das hier wohl angesprochene junge Berlin natürlich weniger, man ist ja frei und flexibel, und, naja, kurz vorm Verhungern) die nächsten 50 Jahre lang 8 Stunden am Tag, 40 Stunden die Woche machen wird, soll einen also nicht erfüllen, sondern ernähren. Zwischen Schlaf und U-Bahn soll die Selbstfindung, die geistige Ernährung stattfinden. Ja super.
    Der Punkt ist doch, der Kreative hat diese Probleme immer schon,denn der Kreative will nunmal, um seine Gott verdammte Kreativität auszuleben, unabhängig, also auch ungesichert durchs Leben tänzeln. Dass sich grade eine halbe Generation als Kreativling verkauft macht die Sache nur eben nicht leichter.
    Aber ich denke dieser Umstand ist der Autorin durchaus bewusst, die Eingangsszene ist in ihrer geißelnden Selbsterkenntnis ja kaum zu überbieten: Da sitzen sie beim Italiener, kein Blick für die letzte Spalte der Speisekarte, und debattieren über ihre ach so schreckliche Armut… Man stelle sich vor, diese Leute lassen den Klassenkampf wieder aufleben: Die Hipsterrevolutionen, die Geschichten bei denen wir unseren Kindern nicht in die Augen blicken können, sollte er denn jemals dazu führen, dass wir uns die Kinder leisten können.
    Ich arbeite wirklich nicht gerne mit Argumentationen die “Und in Afrika…” anfangen, aber es fällt scheinbar nicht nur mir schwer, diese Karikatur von Elend mitanzusehen- Vielleicht, weil Bret Easton Ellis uns das alles schon vor 20 Jahren viel drastischer vorgekaut hat.

    Ich fürchte fast, dieser Kommentar hat ein wenig an Präzision verloren, ist etwas übers Ziel hinausgeschossen und überhaupt, hat weder Hand noch Fuß noch Richtung noch Motivation- Dafür aber viel Zynismus, für die neue, selbsterklärte Elite, der ich den Hungertot gönne wie kaum jemand anderem, für unsere Gesellschaft, die nicht weiß ob sie nun Konsum oder Freiheit liebt, und sicherlich auch für mich selbst. Letztendlich wollen wir doch alle frei und kreativ und reich sein- achja, und gönnen auch jedem anderen diesen Reichtum; Wenn der Reichtum dann nur nicht zur neuen Armut werden würde…

  • Karl-heintz

    Nach diesem Artikel fühle ich mich in die Konservative Ecke gestell. Mir ist soziale Absicherung, Familiengründung usw. Wichtiger als egoistische selbstverwirklichung. Da ich nicht in Berlin wohne kann ich auch diesen Artikel nicht bestätigen ob es wirklich diese hipster gibt. Nur soviel, im süden kann man in der Kreativwirtschaft gut arbeiten, 40h die Woche mit bezahlten überstunden, gutes bier und seine 1200 eur miete kann man lockerst zahlen. Was machen wir hier in München falsch?

  • Ullibulli

    Das kenne ich nur zu gut. Ist übrigens kein Phänomen nur in der Großstadt, sondern geht von Berlin bis Bielefeld.
    Problematisch ist es besonders dort, wo Bewerber zu hunderten sich die Klinke in die Hand geben. Der Konkurrenzkampf in den kreativen Berufen ist hart und davon profitieren die Unternehmen. Selbstausbeutung muss man allerdings auch zulassen, niemand zwingt einen dazu. Wer unbedingt bei einem Unternehmen arbeiten möchte, weil er dort das “große Rad” drehen kann, dafür aber am besten noch Geld mitbringt, der ist ist im Prinzip selber Schuld, denn er lässt es mit sich machen. Solange es Leute gibt, die solche Jobs annehmen, wird es auch Unternehmen geben, die solche Leute ausbeuten.
    Wer hier auf den Gesetzgeber hofft wird enttäuscht werden, der hat schon bei der Generation Praktikum versagt. Der Wandel fängt bei jedem selbst an.

    Und ja, es gibt Unternehmen die gerechte Löhne zahlen, allerdings muss man dafür vielleicht die berufliche Scheuklappe weiter öffnen.

  • Ich habe diese Zeilen interessiert verfolgt. 1500 € Brutto das sind (wenn man von einer 40 Std. Woche ausgeht, meist reicht das ja nicht) 9,38 €/Std. Ich hab schon einmal für deutlich weniger gearbeitet. Heutzutage kann man sich davon sicher kein “Leben” leisten, geschweige eine Familie auf die Beine stellen. Da kommt die Forderung einer Politiker nach einem Mindestlohn von 10 €/Std. schon fast zu lächerlich vor. Ohnmacht ist es aber, was viel mehr dahinter steckt.

  • Maurice

    Was soll dieses Photo?

  • Eine Perspektive, die keine ist | traurigekrankewelt

    […] “In diesem verzweifelten Versuch der Abgrenzung wird schließlich auch die Armut als Mittel zu… […]

  • save our kids from this culture

    und die Lösung sei: mehr Geld? Bei aller Schönheit der Gedanken fühlt sich das nach Bruchlandung an. Und nach: Aufschub. Nämlich nach: eigentlich weiter so.
    Eigentlich weiter so mit der Vermarktung von Leidenschaften, eigentlich weiter mit der Ausbeutung einer inneren Überzeugung.
    Ist es tatsächlich Gerechtigkeit, wenn man die in den Wettbewerb gegen andere Sehnsüchte geschickten Sehnsüchte einfach nur besser entlohnt bekommt? Ist das Finanzielle tatsächlich die Stellschraube, an der hier gedreht werden muss? Ich glaube da muss für (mindestens) diese Generation noch ein besserer Weg gefunden werden.

  • Franz

    Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

  • Paul

    Man kann auch einen guten, angenehmen, wertvollen Job haben, und 5000 Euro verdienen. Wenn Leute gut sind, produktiv, sollten sie von der Firma entsprechendes Geld bekommen. Wenn die Firma gar nicht entsprechend verdient, ist es etwas anderes. Dann muss man sich mit den geringen Verdienstmöglichkeiten abfinden, oder sich einen Laden suchen, dessen Geschäftsmodell besser funktioniert. Die Lebenseinstellung “glücklich arm”, die der Artikel vermittelt, finde ich besonders fatal, wenn ich daran denke, in welches Rentenproblem die jetzt jungen hineinlaufen. Insgesamt klafft die Schere in der Gesellschaft zwischen arm und reich immer weiter auseinander. In München können sich Normalverdiener kaum noch eine Wohnung in der Stadt leisten, dort lebt in schönen Vierteln mehr und mehr nur noch die Oberschicht. In Berlin geht der Trend auch in diese Richtung (z.B. Prenzlauer Berg). Wenn nun eine große Gruppe in dem Spiel sagt “ok, arm, aber glücklich”, dann machen sie sich tendenziell selbst zu Opfern in dem Umverteilungskampf, tragen zu noch mehr Ungerechtigkeit bei. Wenn es genug Angestellte gibt, die bereit sind, für einen Hungerlohn zu arbeiten, dann stellt eine Firma ja niemand an, der für die gleiche Arbeit ein vernünftiges Gehalt möchte. Also diese gut gemeinte Anspruchslosigkeit fördert das Lohndumping, und man sollte sich in der Arm-Kuschel-Romantik mal überlegen, wo solche Werte wie Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt geblieben sind.

  • K-oZ

    Der Text spricht viele Wahrheiten aus und öffnet hoffentlich so manche Augen.

    Die Stilisierung der Kultur- und Kommunikationsarbeitenden, die sich ihr Leid auf hohem Niveau immer noch selbst aussuchen, zu “Opfern” lehne ich aber ab – es gibt in der deutschen Arbeitswelt genug Menschen, auf die der Begriff eher zutrifft, weil sie eben keine Wahl haben. Die hier angestoßene Debatte über Maßstäbe ist trotzdem wichtig – man sollte dabei nur selbst nicht das Maß verlieren und so tun, als wäre der Kreuzberger Agentur-“Hipster” gleich arm dran wie die für unter 1500 im Monat arbeitende Fabrikangestellte.

  • fabian

    schnarch…langweilig…alles tausendmal schon gehört am nachbartisch beim italiener…

  • Der_Betrachter

    Stehender Applaus für diesen Artikel von mir!!!

    Darum:

    Wenn wir uns den Parteiendschungel in Deutschland so betrachten, dann sehen wir wieder jede Menge bunter Plakate mit Versprechungen, die uns auf eine bessere Zukunft hoffen lassen sollen. Bei all diesen geschönten Worten mag bei so manchen Menschen neben Hoffnung sogar der Glaube an das Gute erweckt werden und die Masse der Wahlschäflein geht voller Hoffnung und mit guten Glauben an die URNEN, um das einzige politische Gut abzugeben – die eigene Stimme.
    Wer von den Parteien besser darin war, die Schäflein hoffen und glauben zu lassen, dass bald alles viel besser wird, der wird auch viele – in Urnen beerdigte Stimmen – erhalten.

    Leider ist es jedoch so, dass die Römer vor über 2.000 Jahren das Grundprinzip von Steuern, Zöllen usw. einführten und es alle folgenden Generation völlig unbedacht übernahmen, obwohl es noch nie annähernd zufriedenstellend funktionierte.

    Warum funktioniert ein Steuersystem wie das unsere nicht? Im Grunde ist es ganz einfach. Ein System, das alle wichtigen Belange ordentlich und reibungslos steuern muss, muss ein stabiles und unumwerfliches System mit einem soliden Fundament sein, damit für die schnelle Umsetzung von allen Belangen eine Garantie vorhanden ist.

    Das von den Römern übernommene Grundsystem besitzt jedoch das Gegenteil von einem soliden Fundament. Es besteht tatsächlich aus lauter unvorhersehbaren Variablen, (unvorhersehbare Faktoren wie Missernten, Umweltkatastrophen, plötzlicher Rückgang oder Anstieg der Geburtenzahlen …) welche sich drastisch negativ auf alle wichtigen Gesellschaftsparameter auswirken können, so bald es zu einem negativen Ungleichgewicht von Bedarf und Haben bei den Steuergeldern kommt. Die Renten können dann nicht mehr garantiert werden, wichtige Belange können nicht angegangen werden usw. Die Folge sind drastische Schulden zu hohen Zinsen …

    Neben den Steuern gibt es jedoch noch die freie Marktwirtschaft, die innerhalb vorgegebener Grenzen (Dumping und Wucher) die Preise für Waren festlegt. Kaufleute und andere Unternehmer sind auf Profit bedacht und in diesem System kann es auch nur so funktionieren. In Zeiten, in denen es vielen plötzlich nach und nach schlechter geht, werden jedoch selten die Preise gesenkt, weil es sich die Unternehmer einfach nicht leisten können, wenn die Rohstoffpreise usw. unverändert hoch oder gar noch höher sind.

    Die Folge davon ist zunehmende Armut zunehmende Arbeitslosigkeit, Lohndumping und weitere negative Folgen für die untersten Gesellschaftsschichten. Die obersten versuchen ihren Standard weitgehend aufrecht zu erhalten, indem sie die unteren Schichten immer weiter auspressen.

    Die Hoffnung der unteren Schichten heißt dann meist Lohnerhöhungen, Steuersenkungen oder immer mal wieder Bedingungsloses Grundeinkommen. Diese Hoffnungsschimmer für die Unterschichten führen jedoch allesamt letztendlich zur Inflation. Warum? Nun, Unternehmer erhöhten bislang in ihrer Gier immer die Preise, wenn es größeren Gesellschaftsschichten plötzlich finanziell etwas besser ging. Somit steigen die Preise allgemein in nahezu allen Bereichen und die kurzfristig etwas bessergestellte Unterschicht ist wieder genauso arm, wie vor der letzten Erhöhung des zur Verfügung stehenden Geldes. Der nächste Schritt sind neue Forderungen nach Lohnerhöhungen und so geht das Spiel dann weiter, bis eine Inflation unvermeidlich wird, so lange dieses impotente System aufrechterhalten bleibt.

    Ab und an kommt dann eine Idee, wie etwa der Euro, welche dieses schnelle Fortschreiten der Inflation kurzfristig eindämmt, da quasi fast alle Einkommen halbiert wurden, während die Preise in vielen Bereichen 1:1 angepasst wurden. Da die überwiegende Anzahl der Bürger/innen diesen Schachzug, der aus massiver Gier folgte, erkannte, wurde diesem Wucher wenigstens in wenigen Bereichen Einhalt geboten. Dennoch stiegen die Unkosten weitaus schneller seit der Euroeinführung, als die Löhne.

    Es ist kurz gesagt nahezu egal, welche Partei mit guten Absichten für das Volk gewählt wird, da der Fehler im System liegt und keine Partei innerhalb dieses Systems die Missstände verändern kann. Das, was global geändert werden muss, damit sofort alle wesentlichen Missstände angepackt werden können, ist eine Systemänderung.

    Statt zu kritisieren und sinnlos zu meckern machte ich mich an die Arbeit und entwickelte ein funktionierendes Wirtschaftssystem, das so bestechend einfach ist und zeitnah umgesetzt werden kann, dass ich am Ende davon selbst sehr überrascht war.

    Dieses System habe ich auf 148 Seiten dargelegt. Doch die Darlegung des Systems ist nur ein kleiner Hebel, der einen gewaltigen Stein ins Rollen bringen soll. Es geht nun darum, dass dieses neue System flächendeckend verbreitet wird und dass alle Menschen dieses System fordern. Übersetzungen in weitere Sprachen sind bereits geplant und werden umgesetzt, so bald genügend Einnahmen zur Finanzierung flossen. Wichtig ist, dass dieses neue System in jedem Land bekannt gemacht wird. Sei es schriftlich oder über Mund zu Mund Propaganda. Dann müssen es die Menschen LAUTSTARK fordern und letztendlich wird die Masse der bislang Unterdrückten und Ausgebeuteten die Mehrheit bilden. Und: Neue Parteien, welche hinter diesem neuen System stehen, können jederzeit gebildet werden. Doch clevere Parteien werden das neue System in ihr Programm einbeziehen, wenn sie nicht von der Bildfläche verschwinden wollen.

    Darum geht es in dem neuen System:

    Das Grundprinzip des neuen Weltwirtschaftsystems in ALLER “Kürze”:
    · Es wird politisch eine oberste Direktive festgelegt, die darauf ausgerichtet ist, dass Frieden herrscht und alle wesentlichen und wichtigen Belange weltweit sofort angepackt und zum Wohle aller Menschen umgesetzt werden.
    · Das gesamte Steuersystem fällt weg
    · Alle notwendigen Mittel für zuvor überprüfte Existenzgründungen werden voll aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt
    · Alle notwendigen Betriebs(un)kosten werden voll aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt. Das bedeutet: Alle produktionstechnischen Belange (Gebäude, Maschinen, Rohmaterialien …) werden nach strengsten Umweltvorschriften festgelegt und auch entsprechende Nach- oder Umrüstungen für neue Anlagen, Filter usw. die benötig werden, werden aus dem humanen und sozialen Welttresor voll finanziert
    · Alle Löhne/Gehälter werden aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt
    · Das Geld für alle notwendigen sozialen und sonstigen Belange wird nach einer Sinn- und Zwecküberprüfung aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt
    · Elternteile, die ihre Kinder bis zu einem gewissen Alter selbst erziehen, erhalten ebenfalls einen Lohn, der aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt wird
    · Alle Renten werden aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt
    · Alle Kosten zur Gesundheitserhaltung und im Krankheitsfall werden in ALLEN Bereichen aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt
    · Urlaubs- und Weihnachtsgeld wird für alle Einkommensbezieher/innen aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt
    · Alle Einnahmen aus Unternehmungen jedweder Art fließen in voller Höhe in den humanen und sozialen Welttresor zurück !!! DAS IST EIN WESENTLICHER FAKTOR DES NEUEN SYSTEMS!
    · Die zukünftigen Löhne sind somit völlig unabhängig von einer notwendigen Einnahmehöhe einer Unternehmung, da die Unternehmer die Löhne nicht mehr bezahlen, sondern diese – FÜR ALLE – aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt werden. Dafür fließen die vollen Umsätze jeder Unternehmung in den Welttresor zurück
    · Die Börsen werden abgeschafft und Banken erhalten lediglich nur noch einen rein bürokratischen Status ohne jedwede Möglichkeit, mit den Geldern der Kunden zu spekulieren
    · Alle Kindergärten und Schulsysteme werden kostenlos. Das Geld dafür wird aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt
    · Studiengebühren wird es keine mehr geben, denn das Geld dafür wird aus dem humanen und sozialen Welttresor zur Verfügung gestellt
    · Mieten und übliche Unkosten für Abwasser, Strom, Müllabfuhr und GEZ-Gebühren fallen weg! Dass das möglich ist, ist gewiss. Wie es möglich ist, ist im Buch ausführlich dargestellt
    · Bereits ab dem Kindergarten bis hin zur fertigen Ausbildung oder bis zur Beendigung des Studiums erhalten alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein monatliches Grundhonorar je nach Klasse/Stufe … und weitere Honorare für besondere Leistungen, die jedoch nicht einzig an guten Noten orientiert sind, jedoch teilweise auch
    · Die Löhne werden insgesamt nicht mehr so weit auseinanderliegen, wie dies heute der Fall ist. Jeder Lohn wird jedoch so hoch sein, dass sich jeder tätige Mensch MINDESTENS einen Lebensstandard leisten kann, der dem einer heute alleinstehenden Person mit einem Nettoeinkommen von 2.500€ entspricht – bei durchschnittlichen Lebenshaltungskosten. Die Lohnobergrenze wird bei ca. 12.500 enden. Ich habe die Löhne jedoch nach völlig anderen Voraussetzungsfaktoren festgelegt, als dies bislang der Fall war
    · Durch das System werden zig Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen!
    · Hartz IV wird es nicht mehr geben!
    · Alle Umweltprobleme können sofort effektiv angegangen werden!
    · DER HUNGER UND DAS ELEND KÖNNEN SEHR ZEITNAH UND NACHHALTIG BEENDET WERDEN!

    Es sind noch zig weitere Punkte, doch das Prinzip dürfte klar sein. Dadurch, dass das Steuereinzugssystem wegfällt und das Geld für alle Belange einfach zur Verfügung gestellt wird, funktioniert das gesamte System zu 100%. Da alle Einnahmen der Wirtschaft in den Welttresor zurückfließen und dafür alle betrieblichen Unkosten und Löhne daraus finanziert werden, kann es niemals eine Inflation geben. Zudem werden die Preise fixiert, da niemand mehr in harter Konkurrenz zueinander steht, doch das geht hier nun zu weit …

    Es sind noch viele weitere Punkte, die sich absolut positiv auswirken. Wir müssen nun nur eines TUN: WIR MÜSSEN DIESES SYSTEM BEKANNT MACHEN – UND ES FORDERN!

    Es liegt also nur an UNS, nicht an den anderen.

    • Haugy

      Ehrlich das haben die Kommunisten auch ohne Geld nicht hinbekommen.

      Frage: Was ist mir Religion und Glauben?

      Deine Schreibweise hat was radikales, forderndes und ist für mich damit schon mal abzulehnen. Du redest von einer Art Förderalismus mit kommunistischen Zügen. Du willst die Disparitäten der Welt mit der Relativierung von Kapitalismus erreichen.

      Das System wird sich nur ändern, wenn der Mensch sein Verhalten verändert, das ist ein Prozess in jedem Einzelnen, der auch nur in Gange kommt, wenn der Leidensdruck hoch genug ist oder wenn unser Kapitalsystem kollabiert. So lange “arm ist geil” das Motto Berlins und der HippsterGeneration ist, verarschen die Leute sich selbst und lernen noch nicht mal etwas, was sie überleben lässt, wenn wir schon längst am A. sind. Bis zu dem Punkt werden deine 146 Seiten nix ändern und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
      Schau mal nach Griechenland. Die werden sich in 20 Jahren freuen, weil dort jetzt der Kapitalmarkt zusammengebrochen ist und der EURO Rettungsschirm sie aussichtslos versucht im Wirtschaftssystem zu halten. Die fangen jetzt wieder an mit Subsistenz und Tauschhandel und werden daraus auch wieder moderne Geschäftsmodelle entwickeln. Danach kommen Portugal, Spanien, Italien…

      Wir müssen mal langsam davon runterkommen unsere globale Welt zu hypen und uns unser Konsumverhalten mit Billigfussel schön zu saufen, so lange Mama und Papa noch bezahlen. Ich glaube, dass eine Art “Lokalismus” als System mit kleinen Wirtschaftskreisläufen und kurzen Wegen und ohne übermässigen Konsum von Industrieprodukten eine Option wäre, die unsere Großeltern noch erlebt haben, welche sich aber im Zuge der Industrialisierung der letzten 40 Jahre fast aus den Köpfen der Konsumgesellschaft gestrichen hat..

  • braennvin

    Super Artikel, ich habe das alles auch schon wahrgenommen ohne es so prägnant formulieren zu können.

    Einen Aspekt möchte ich noch hinzufügen. Gerade in den „Kreativberufen“ (in „“ weil jeder Beruf in irgendeiner Form kreativ ist) hat ja jeder irgendwas studiert. Fast alle machen dann ein oder mehr Praktikum und dies dann oft unbezahlt.

    Warum lässt man sich auf so etwas ein?

    Ein Praktikum ist Arbeit und sollte auch so bezahlt werden. Wenn eine Firma daran gewöhnt ist mit Praktikant kostfreie aber gut ausgebildet Arbeitskräfte zu bekommen, warum soll die Firma da richtigen Arbeitern richtiges Geld bezahlen?

    Das Problem das du beschreibst ist die direkt Ableitung davon.

    • Der_Betrachter

      Die unbezahlten Praktikas sind nur ein Teil des Übels.
      Du beschreibst diese Problematik jedoch genau richtig.
      Deine Frage: “… warum soll die Firma da richtigen Arbeitern richtiges Geld bezahlen?” – trifft genau den Punkt.

      Die selbe Vorgehendweise findet auch im Bereich der Arbeitslosen statt, nur mit einem anderen Hintergedanken.
      Dort werden Langzeitarbeitslose immer wieder in Praktikas gesteckt – mit der Lüge als Vorwand, dass eine Chance zur Übernahme besteht.
      Ich konnte dies bei einem Einkaufsmarkt über 2 Jahre lang beobachten, dass dort für Hilfsarbeiten nur Langzeitarbeitslose eingesetzt wurden und mir wurde kein einziger Fall bekannt, bei dem jemand übernommen wurde. Von einem Fall weiß ich direkt, dass auch in massiven Umfang Überstunden mit der Lüge: Wenn du fleißig bist, dann übernehmen wir dich … – gefordert wurden. Als das Praktikum dann vorbei war hieß es plötzlich, dass sich die Personalabt. doch anderse ntschieden hätte und kurz darauf wurde diese Stelle erneut durch eine Langzeitarbeitslose belegt – jedoch erneut als Praktikantin.

      Das ist totale Ausbeutung, das gezielte schüren von Hoffnungen, Wirtschaftskriminalität und noch viel mehr.
      Wenn sich Langzeitarbeitslose dagegen zur Wehr setzen, dann werden sofort Sanktionen nach SGB II angedroht, die allesamt gegen das Grundgesetz verstoßen. Die Fehler liegen im System, das von Geld- und MAchtgeilen als Werkzeug missbraucht wird.

  • Pirat Anarchist

    Diese Prekarität ist eine Folge einer völlig unpolitischen Jugend welche nicht mehr bereit ist für ihre Klasseninteressen zu Kämpfen. Einewelche sich freiwillig völlig dem Kapital ausliefert ohne in irgendeiner Weise kämpferisch zu sein. Wer so passiv ist braucht sich nicht wundern nix zu verdienen währen die Kapitalisten Kasse machen.

    So schlittert diese Generation ihrer selbstverschuldeten Armut entgegen.

  • david

    du verwendest das wort armut. du verbindest es mit romantik, lifestyle und besuche beim italiener. ich finde dies äusserst bedenkenswert und deplatziert. “verzicht als lifestyle” klingt sensibler. der ganze artikel wäre sonst eine paradoxie.

    • Rufus

      Das Stimmt. Aber Verzicht auf Lifestyle trifft es ja dann auch nicht. Keine Kohle in den Taschen und trotzdem oder gerade genau deshalb kein verzicht auf Lifestyle. Die eigene (echte) Identität wird zugunsten einer herbeigesehnten neuen Form des “Ich” und für den Job aufgegeben. Aufopferung quasi für den Traum den viele träumen. Der Job wird zum iPhone der Arbeit.

  • … Künstler träumt weiter

    Ja ihr Künstler. Meint die Welt verbessern zu können indem ihr schöne Dinge schafft oder bestimmte Auffassungen habt aber eure Werke kann man nur angucken, dabei etwas fühlen und evetl. noch drüber nachdenken. Versteht mich nicht falsch, ich finde es positiv, dass die Gesellschaft in Deutschland es sich leisten kann, dass jeder noch so kleine Fussel künstlerisch aufgewertet werden kann. Ich selbst habe noch während der Abizeit mit dem Gedanken gespielt, später etwas im Bereich Industriedesign zu machen und bspw. ein Praktikum in dem Bereich gemacht – ich habe dennoch einen anderen Weg gewählt, weil ich eine Abhängigkeit vom Geschnmack des Kunden sah und weil ich realisiert habe, dass Kunst nicht überlebenswichtig ist. Bezahlte Kunst ist purer Luxus und nicht notwendig. In anderen Ländern sind die Leute froh, wenn sie auf irgendeine Weise genug Geld bekommen, um zu überleben – bei uns dürfen Leute mit Kunst Geld verdienen, weil andere genug Geld haben es dafür auszugeben.
    Deshalb ist dieses elitäre Gehabe einfach unangebracht, wenn man bedenkt wie wenig gesellschaftlichen Nutzen die, ich nenne es mal künstlerischen Werke, bringen. Keiner wird davon satt und gesund und in den seltensten Fällen kann jemand die Dinge zur Lösung von Problemen oder in einer anderen weiterbringenden Form nutzen. Gepaart mit “aufstehen und arbeiten” wann man will kommt es dem abgenutzen “seinen Traum” leben vielleicht nahe, aber Elite?! Spricht man von Elite, wenn man anderen die “angeblich” “unliebsame, minderwertige Arbeit” überlässt und sich das rauspickt, was einem die reinste Erfüllung bringt und das ohne Großen nutzen für den größten Teil der Gesellschaft? Ist es nicht eher eine Art von Faulheit und Egoismus? Also werdet mal erwachsen! Das einfache abtun von Berufen, die nicht wirkich etwas mit Kunst zu tun haben in der Form: “Banker, Immobilienbesitzer, Versicherungsmakler, Politiker, Ärzte, Anwälte – alles raffgierige, spießige, systemkonforme Marionetten” zeigt ja schon wieder Beschränkheit der Sicht. Ich bin bspw. auf dem Weg Ingenieur zu werden und ich mach das nicht, weil ich raffgierig bin, sondern weil mich die Funktion von Technik bis in kleinste Detail interessiert . Ich würde dies auch tun, wenn ich plötzlich durch einen Zufall nie wieder über Geld nachdenken müsste. Es ist das, wobei ich aufgehe und wofür ich mich hingebe. Ohne die abwertend genannten Berufe müsstet ihr euere Schätze daheim Bunkern, hoffend, dass es niemand klaut – in einer Hundehütte pennen – für jeden Schaden selbst aufkommen, den ihr verursacht – selbst entscheiden, ob man in den Krieg zieht oder welchem Land man unterstützung gibt – hoffen, dass ihr nicht abkratzt, weil ihr Fieber habt – im gerichtlichen Streitfall selbst argumentieren – und in meinem speziellen Bereich hättet ihr kein Strom, kein Internet, keinen PC, keinen Stuhl, wo euer elitärer Arsch drauf sitzt. Also bleibt mal schön auf dem Teppich.
    So und nun um diesen negativen Beigeschmack meines Kommentares wieder etwas wegzuspülen. Ich freue mich, dass es Leute gibt, die eine künstlerische Tätigkeit ausüben. Sonst hätte ich nicht meinen designten Schreibtisch, keinen Audi Motorsport Wandkalender, nicht die Musik vorhin im Auto und nicht die hübsche Oberfläche, in die ich gerade tippe. Aber es geht mir echt gegen den Strich, wie oft sich diese Künstler über alles und jeden erheben wollen – gerade aber für die Gesellschaft am wenigsten das tun, was wirklich gebraucht wird. Denen gönne ich die 1500€, denn im Grunde ruhen sie sich auf der Arbeit anderer aus ohne was zurückzugeben und laufen dann auch noch eingebidet durch die Gegend rum – merkt ihr noch was? … träumt weiter

    • prayer

      voll. Letztendlich kehrt man immer wieder selbst vor der eigenen Haustür.
      Aufjedenfall schon mistig das sich soviele nicht zuHause fühlen und da am rumbröseln sind“¦ welcher Luxus soviel Zeit darein zustecken wo andere einfach dazu gewzungen werden und sie dennoch ein sehr schönes und erfülltes Leben haben, sie haben halt nicht entschieden an den wenigen Kreuzungen, aber alles dazwischen in ihrer Farbe und Größe dazu beigetragen, aufrecht im Strom des Systems der sie genährt. vielleicht sowas wie eine digitale Luxuskultur und wir sehen welche Freiheiten wir dafür fordern, aber wir bieten auch immer mehr an nichts dafür haben zu wollen oder bezahlen zu wollen. Das dies von heute auf morgen in unserer Lebenseinstellung realen widerklang birngen kann ist natürlich aber braucht Zeit (objektiv unendlich viel davon, aber subjektiv nur ein Leben), für den Übergang brauchen wir alle uns und Gegenseitig, so wie deine Meinung dazu welche mir wunderschön und verantwortungsbewusst in den Kontext eingefügt zu sein scheint.

    • Mario

      Ich wäre an Deiner Stelle mal ein bisschen vorsichtig mit diversen Pauschalaussagen und würde diese nochmals überdenken und reflektieren. Wenn man es auf den kleinsten gemeinsamen Nenner runter bricht, dann braucht der Mensch im Endeffekt nicht mehr als zu “fressen und scheißen” und dann sind auch Deine Zahnradkonstruktionen oder was ein Ingenieur so macht genauso Luxus wie unsere Layouts. Allerdings leben wir in einer zivilisierten Gesellschaft die nur mittels Kommunikation und Informationsaustausch funktionieren kann. Dass diese ordentlich aufbereitet und in Form gebracht werden dazu, braucht es einen Fachmann also einen Designer. Ansonsten würde es wohl an vielen Stellen der Informationsvermittlung erheblich haken. Der kreative Beruf hat in der zivilisierten Welt demnach genauso seine Daseinsberechtigung und ist genauso wichtig, wie der dess Ingenieurs. Ich geb Dir schon Recht, dass im Kreativbereich ziemlich viele unfähige Irrlichter durch die Gegend geistern. Diejenigen, die jedoch auf professionellem Niveau tagtäglich Ihr geistiges Eigentum zum Besten geben, müssen sich von Deinen Aussagen erheblich auf den Schlips getreten fühlen. Solche Aussagen sind eine unverschämte Respektlosigkeit anderer Leute Arbeit gegenüber. Da fühle ich mich angesprochen!

      • Der Ingenieur

        Es sind nicht alle Künstler/Designer gemeint – gemeint sind diejenigen, die nicht künstlerische Tätigkeiten geringschätzen, ohne die eigene Abhängigkeit gerade dieser niedriggeschätzten Berufe zu erkennen (diese Abhängigkeit von Designern gibts auch in meiner Sparte). Gerade die Autorin scheint nämlich eine von den beschriebenen Personen zu sein und bei so viel Lob und der scheinbar großen Leserschaft konnte ich mich ausnahmsweise mal nicht zurückhalten, denn es ist defnitiv nicht meine Art im Netz große Kommentare zu schreiben. Adressaten sind also Künstler vom Typ der Autorin. Jetzt muss ich auch etwas schmunzeln wie die Anrede aufgefasst werden kann, quasi als Kriegserklärung an alle Künstler. ;) Dies war nicht das Ziel, auch wenn ich einsehe, dass dies nicht eindeutig zu lesen ist.
        Dass ich mich mit meiner Sparte nicht höher stelle, habe ich versucht zu verdeutlichen, indem ich den Teil mit meinen Praktikum und den Teil mit den Produkten, die ich selbst nutze, eingeworfen habe. Dort ist auch diese ansprechende Oberfläche hier genannt. Von dem Nutzen bspw. hinsichtlich Aufbereitung von Information und Kommunikation ist in meiner ersten Zeile nichts zu erkennen, was ich jetzt als unfair erkenne, aber wie gesagt, ich habe ja genannt, dass ich die Produkte nutze also auch brauche und mich freue, dass mir das jemand ermöglicht.
        Um es also nochmal klarzustellen:
        Ich habe Respekt vor den Leistungen und Produkten (egal von wem und mit welcher Einstellung, solange es mir oder anderen Leuten zusagt) – im Grunde ist das meiste in meinem Zimmer hier nämlich auch von jemanden designed worden, was ich sicher selbst nicht so hinbekommen würde. Keinen Respekt habe ich für dieses abwertende Verhalten, dass es im Grunde in jedem Beruf gibt, den man nicht mal eben so können kann. Und dabei muss ich sagen, dass ich dieses Verhalten persönlich im Bereich Kunst nun einmal am häufigsten und ausgeprägsten erlebt habe, ohne zu verheimlichen, wie gerade in unserem Hause über BWLer hergezogen wird … ;D
        Hauptaussage: Vergesst nicht, dass hinter jeder Leistung bzw. jedem Produkt immer jemand steht und sofern euch die Dinge gefallen, so solltet ihr auch den Beruf der dahinter steht respektieren. Das wünscht sich die Autorin nämlich selbst, ohne Gleiches an die “raffgierigen Berufe” zurückzugeben.

  • Robert Feuchtl

    hey yea sara, ein sehr deeper und gut geschriebener und auch nötiger artikel! erstmal gratulation zum scharfsinn…

    für mich dennoch nur halb schlüssig obwohl ich diese welt, die du da beschreibst, nur zu gut kenne; ich halte “arbeit” weder für ein grundrecht noch für etwas was an bäumen wächst. “arbeit” ist über menschliche geschichte hinweg entstanden, vor etlichen tausend jahren haben wir aas gegessen dass wir gefunden haben und fruechte gesammelt und son brei aus zermatschten koernern gebacken als fladen. der rest war rumliegen, weglaufen, feuerholz sammeln, kämpfen, kinder kriegen aber vor allem viel, viel, richtig viel freizeit :) .. ach nein. “freizeit” gab es ja nicht, denn “arbeit” war auch noch nicht erfunden. weiss der henker wer gluecklicher war… der sprachstamm von “arbeit” stammt übrigens aus begrifflichkeiten der geschichte dr folterinstrumente. in fast jeder sprache!

    dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Sozialwissenschaften)#Wortgeschichte

    und du vergisst die kleinigkeit dass gerechte löhne auf kosten anderrer gehen. z.B. der dritten welt. irgendwer muss ein gutes gehalt bezahlen. meist sind das gewinne duch ausbeutung dritter, noch subalterner aufgestellter kräfte…

    • prayer

      voll. Letztendlich kehrt man immer wieder selbst vor der eigenen Haustür.
      Aufjedenfall schon mistig das sich soviele nicht zuHause fühlen und da am rumbröseln sind… welcher Luxus soviel Zeit darein zustecken wo andere einfach dazu gewzungen werden und sie dennoch ein sehr schönes und erfülltes Leben haben, sie haben halt nicht entschieden an den wenigen Kreuzungen, aber alles dazwischen in ihrer Farbe und Größe dazu beigetragen, aufrecht im Strom des Systems der sie genährt. vielleicht sowas wie eine digitale Luxuskultur und wir sehen welche Freiheiten wir dafür fordern, aber wir bieten auch immer mehr an nichts dafür haben zu wollen oder bezahlen zu wollen. Das dies von heute auf morgen in unserer Lebenseinstellung realen widerklang birngen kann ist natürlich aber braucht Zeit (objektiv unendlich viel davon, aber subjektiv nur ein Leben), für den Übergang brauchen wir alle uns und Gegenseitig, so wie deine Meinung dazu welche mir wunderschön und verantwortungsbewusst in den Kontext eingefügt zu sein scheint.

  • yuna

    HAMMER Artikel – spricht mir als Bloggerin (mit einem anderen Job zum Leben) aus der Seele!

  • miss carrie

    Nicht nur in den Kunst- und Medienberufen – auch in der Wissenschaft findet sich dieses intellektuelle Prekariat. Ich sage nur: Hallo, hier, ich! Danke für einen guten Artikel!

  • rotfront

    ein sehr gelungener einblick in die grausame welt der weißen, deutschen mittelschicht zwischen 25 und 35.
    eine frage drängt sich auf und ihre beantwortung entzieht sich mir hartnäckig: was ist widerlicher? das sich suhlen im eigenen “elend”, welches nur ein zyniker als solches benennen würde, oder die haarsträubende “gesellschafts-” bzw. “systemanalyse”, die mit floskeln um sich werfend zwar kritisch sein will, doch über den gemeinschaftskundeaufsatz der klasse 8b es nicht hinaus schafft? ich weiß es nicht zu beantworten. wahrscheinlich ist es die mixtur aus beidem, dem gesang auf die kapitalistisch verwaltete welt mit ihren modedesignenden snobs, sowie der empörung darüber, sich all die schönen statussymbole, die zur identitätsbildung notwendig scheinen, nicht leisten zu können, die angst, kein guter konsument zu sein. so oder so ist es nichts neues, sondern altbekanntes phänomen deutscher spießer: immer ihres “rechtmäßigen status” beraubt und immer einer konsequenten systemanalyse unfähig. ja, das übel hat system. die autorin hat es nur mal so vollkommen nicht verstanden…

    interessant ist nebenbei auch (mal wieder) die konstruktion dieses ominösen “wir”. dazu kann ich nur sagen, voll berlin und so: die grenze verläuft nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen dir und mir.

    in diesem sinne deutscht mal weiter vor euch hin, ihr lieben hipster. 1933 wärd ihr alle nazis gewesen.

    • alter bist du arm

      “ein sehr gelungener einblick in die grausame welt der weißen, deutschen mittelschicht zwischen 25 und 35.”

      wieso weiss, wieso deutsch?

      “in diesem sinne deutscht mal weiter vor euch hin, ihr lieben hipster. 1933 wärd ihr alle nazis gewesen.”

      hipster=deutsch?

      wärd?

      und sonst noch alles klar bei dir?

  • Patrick Steiner

    Ich denke man kann das nicht so pauschalisieren. Es gibt Leute die arbeiten in den Medien, die verdienen gutes Geld. Zum Beispiel bei den Öffentlich Rechtlichen. Und es gibt Leute, die haben BWL studiert an einer FH und trotzdem nicht das Abschlussarbeit-Praktikum gefunden was sie für den Studienabschluss gebraucht hätten.

    Ist man wirklich glücklicher wenn man für 2500 Euro im Monat den Spot der Commerzbank AG plant, statt für 1500 Euro etwas zu machen, hinter dem man zu 100% steht? Ich bin gerne Altenpfleger, obwohl ich auch nicht mehr als 1500 Euro im Monat verdiene. Wenn alle nur ans Gehalt denken würde, dann würden Jobs wie Krankenschwester, Friseure oder Bäcker langsam aussterben. Der gesellschaftlche Druck verlietet einen natürlich dazu lieber in Brüssel European Studies zu studieren statt in Castrop-Rauxel eine Lehre zum Bürokaufmann zu absolvieren. Wer kein Akademiker ist, wird oft als geistig minderbemittelt betrachtet von jungen Leuten. Schön zu sehen in Singlebörsen, wo manche Damen ausdrücklich einen Akademiker haben wollen. Selbst geschieden und mit Kind sieht man sich selber noch als “Elitepartner” nur weil man ein paar Semester Kunstgeschichte studiert hat.

  • Matthias

    Mir kommen echt die Tränen. Vielleicht ist es auch einfach so, dass Löhne doch etwas mit Knappheit zu haben. Dann mag es sein, dass in Berlin zu viele Leute rumlaufen die gerne mit “kreativer” Arbeit ihren Lebenstraum verwirklichen wollen. Offenbar ist es so, dass wir die wirklichen Knappheiten im Bereich Naturwissenschaften, Medizin, etc. liegen, was ich auch an deutlich besseren Jobperspektiven und Gehätern zeigt. Klar, jetzt werden wieder alle sagen, dass das kapitalistische Kackscheisse ist, aber auch in einer Planwirtschaft bräuchten wir kein Heer von “Kreativ”-Wirtschaftlern…

  • jucker

    mit diesem artikel hat sich die verfasserin als eine der angesprochenen enttarnt. arm aber sexy oder so?
    ne also mich verstört dieser artikel ob seiner völligen substanzlosigkeit.
    wenn man so allgemeine artikel verfasst, lohnt es sich auch, einen schritt weiter zurück zu gehen. wertende kommentare wie “raffgierige systemdingsler” sind vollkommen ziellos dahergeschriebene begriffe, die gut klingen aber irgendwie nichts bringen oder?
    profite sind systemrelevant. wenn es schulden und guthaben gibt und menschen/unternehmen/banken gibt, die profite einfahren, gibt es auf der gegenseite wiederrum jemanden, der abstriche machen muss. das ist absolut logisch. das ist +/-, das hätte man auch schnell mal recherchieren können, bevor man seinen artikel als kunst verkauft.
    wer der tiefsinnigkeit seines lebens mit worten noch nicht gerecht werden kann, sollte es mit taten tun, sonst kommt man da nicht weiter.
    so ist es diese rein schwache kunst, der man im jahr ungefähr 1000000000 mal übern weg läuft, die rein destruktive ziele verfolgt. ich ziehe den hut vor den künstlern, die lösungen für probleme in ihre werke einbauen usw.
    also ich wünsche mir für weitere artikel: stichhaltigere inhalte
    weniger wertung
    warum überhaupt vorwürfe an bänker machen? die machen nur ihren job – noch dazu ziemlich gut! also in ner szenezeitschrift die nicht auf seriosität besteht ist der artikel absolut ok – man sollte nur nicht zu sehr auf ihn zählen.
    das wort ist es, mit dem man uns verarscht, da wir uns die welt in worten beschreiben/erklären. schöne rhetorik aber im grunde nur phrasen.

  • steve

    “…aber wenigstens machen wir es nur für uns und nicht für jemand anderen.”
    ich habe noch wenige gesehen, die es wirklich für selbst machen. den hippen job zu machen, darüber zu reden, erzählen können was man gerade so abfahrenes treibt. ist das wirklich immer für einen selbst? das ist auch kleidung, auch schmuck, den man anlegt. eben um sich wie so schön beschrieben “zu identifizieren”.
    die szene, in der alle klagen, wie schlecht alles ist, weil kein geld verdient wird, macht am ende auch nur wenig spass. völlige hingabe für einen job ist nie lebenserfüllend, solange man das für andere macht. und das macht der großteil der szene. leben ist leben. leben ist freunde, familie, reisen, feiern, gut kochen, musik, auch arbeiten. aber arbeit muss eine teilzeit sein, und am ende die anderen wichtigen sachen ermöglichen und finanzieren.
    ein gruß von einem ex der szene.

  • Coco's Philosophy – Ästhetisierung des Jobs – Armut als Lebensstilcocos philosophy

    […] ich um zu leben oder lebe ich um zu arbeiten? Mit dieser Frage setzt sich Yeah Sara in ´Neue Elite` kritisch auseinander. Armut als Lebensstil oder besser gesagt die Ästhetisierung des eigenen […]

  • C’est Rap

    Der Artikel möchte auf den fressenden, gierigen und dekadenten Blutsauger Kapitalismus aufmerksam machen, indem er kritich aufzeigt, wie unkritisch unsere Generation mit seiner Zeit umgeht, was ihnen zusteht und was wirklich wichtig ist im Leben nicht zu verstehen vermag oder vergessen hat. Bis dahin alles Ok ABER: Weder glaube ich an die Ästhetisierung des Alltags, der Arbeit, noch daran, dass Armut “Hip” sein soll und sich dadurch ein neuer “Lifestyle” a la “arm aber mit Herz, Vollblut und Leidenschaft am Leben teilnehmen und sich dabei so sexy füheln” entwickelt haben soll. Über welche Kinder sprechen wir hier eigentlich? Wieder die Mathildas, Anne Frieses, Emmas, Oscars, Edgars, Felix’? Die Sprösslinge des Bildungsbürgertums, die wie immer auf selbstentdecker-Tour sind um ihre eigentlich-und deswegen auch möglich- Persönlichkeit entwickeln wollen, die Welt entdecken und überall mitreden wollen und dabei so tun als wär man arm? Dass bei den meisten monatliche Zuschüsse, gesponsort by Mom and Dad zum Alltag gehören sieht man ihnen natürlich nicht an. Da können sie noch so hip tun und ihre Mütze oder Tasche vom Flohmarkt gekauft haben oder beim Sperrmüll gefunden haben. Dieses: “Ich bin ja so unglaublich interessant und vielseitig” (dabei erwähne ich natürlich nicht, dass ich auch mal Papas Kredidkarte benutzen darf) ist sooooo uncool und spießig. Oder kennt ihr Arbeiterkinder (damit meine ich die wirklichen Arbeiter in der Fabrik, als Putzfrau, auf dem Bau…), die unbedingt in die Medien-und Werbewelt wollen. Das geht doch gar nicht, woher sollen sie auch die Kreativität, die Phantasie entwickelt haben, bei den ach so wichtigen und hippen Jobs, die die Welt nicht braucht. In Deutschland ist dieser Aufstieg der unteren Klasse unmöglich.

    • prayer

      das ein solcher Aufstieg der unteren Schicht in Deutschland nicht möglich ist oder wäre halt ich persönlich für Bullshit. Dafür sehe ich vielzusehr wie die Medien uns transzendieren, und das in einem praktischen Sinne -alltagskommunikationsdigitalisierung- was uns aufjedenfall erstmal auf eine gleiche Stufe hebt. Aus meiner Generation 30 kenne ich viele die sich den Weg aus einer reinen Arbeiterfamilie hoch zum Studium durchs ABitur gebastelt haben und das aber mit dem gleichen Bewusstsein wie du es hier beschreibst. Ich würde sogar sagen, das gerade die Leute die aus einem ungewöhnlichen bzw. unvorgegebenen Bildungsweg und Erwachsenwerden hier die Muster der Unkontrolliertheit und Kreativität in einen täglich sich maschinisierenden Zeitgeist reinwachsen lassen. Wir werden gemacht oder nicht, aber die Frage bleibt letztendlich fürwahr und jeden Alters, leben wir auch? Entwickeln wir uns auch? Heute geschieht eine Änderung in unserem sozial-kulturellem Gefüge mit Markengeschwindigkeit… wo bleiben wir mit der Gewissheit was nach 68 mit den Menschen passiert ist… Aufbruch ist so oder so an der Front

  • martinita

    Leute, es hat doch Jede/r die Wahl. Willst du viel verdienen geh nach München oder Frankfurt. Willst du den Lifestyle in Berlin geniessen, musst du eben mit etwas weniger Geld zurecht kommen! Man kann natürlich auch aus Berlin versuchen ein zweites München zumachen. Aber dann ist Berlin ja nun nicht mehr Berlin!

  • Chris

    8400 Likes, 218 Tweets. Klar nörgelt man hier auch rum, aber ich denke, die meisten Nörgler können nicht in dieser Klasse mitspielen. Ich hab den Artikel gern gelesen, mach mal so weiter, Yeah Sara.

  • Prekärer Lifestyle

    […] Der Rest ist ebenso lesenwert. Einfach selbst lesen, nämlich hier […]

  • Sepp von SAP

    IT-Beratung: Bin bei 6000€ brutto nach 10 Jahren mit abgeschlossener kaufmännischer IHK-Ausbildung. Arbeitszeit zwischen 40-50 Stunden, zeitweise auch 80 (Projektgeschäft, 100% Reisebereitschaft).

    Ich bin nicht als IT’ler auf die Welt gekommen. Nach der Grundschule wollte ich Soldat werden, nach der Mittelstufe Journalist, nach dem Abi Jurist. Als alle Träume zerplatzten, bin ich zum Arbeitsamt und habe dort eine Berufsberatung durchlaufen. Hat gepasst wie eine Faust aufs Auge, obwohl “Betriebswirtschaft” und dort mögliche Jobs nie in 13 Jahren Schule vorgekommen sind.

    War im vorletzten Jahr in der Kölner Gloria, dort gab es Comedy u.a. mit Zuschauerinterviews. Die Moderation hat allen Ernstes gefragt, was denn der Beruf “Einkaufsleiterin” ist. Die arme Frau wurde ausgelacht. Hätte sie bloß “Polizistin”, “Malerin” oder “Näherin” gesagt.

    Andere Baustelle: Meine Frau arbeitete länger in der Hotellerie und freute sich über Ihre Gehaltserhöhung auf 1700€ brutto – studiert, in leitender Position mit Mitarbeiterverantwortung, jederzeit erreichbar und 48 Wochen(end)stunden. Die Phase hörte gottseidank irgendwann auf und sie ist für das anderthalbfache in die Industrie in einen 08/15-Job gegangen. Immer noch viel zu billig, aber wenigstens ein guter Schritt in Richtung auskömmliche Rente.

  • Tessa

    Toller Artikel, viel Wahres dran. Habe mich in meiner Volo-Zeit erkannt. Dennoch konnte ich den Artikel nicht teilen, weil zu viele Rechtschreibfehler drin sind…

  • Steffen

    Wirklich sehr gut auf den Punkt getroffen. Natürlich wollen das viele hier nicht einsehen aber natürlich verkauft man sich auf irgend eine Art und Weise für das was einem Spaß macht. Wenn einem die Arbeit aber tatsächlich so viel Spaß macht und man darin aufgeht ist natürlich die Frage warum man es auch nicht machen sollte. Schließlich erfüllt es einen. Ich finde es nicht schlimm für ein paar Schuhe zu arbeiten und die oder andere Party eingeladen zu werden wenn ich dafür sonst eh was bezahlt hätte. Im enddefekt muss jeder für sich selbst entscheiden was für ihn am wichtigsten ist und da nun gerade die Kreativbranche verdammt cool ist, kann man da schon mal für ein Apple und ein Ei arbeiten.

  • Mr. B

    Mal ehrlich warum ist es so weil jeder, der irgendwie, irgendwo in der Medienbranche arbeitet, es mit sich machen lässt, weil sich keiner wehrt, weil sie meinen irgendwann kommt die Anerkennung und Erfüllung. Dem ist aber nicht so, da sind Leute die machen dicke Umsätze mit Hilfe dieser Arbeit aber es wird stetig einer der es mit sich machen lässt mit einem anderen ersetzt. Gewehrt wird sich nicht weil da irgendwelche Abhängigkeiten geschaffen werden die keine notwendigen Abhängigkeiten sind. Ich bin aus der Medienbranche abgehauen die ganze Arschkriecherei dort macht es unmöglich das man etwas ordentliches auf die Beine stellen kann, ich arbeite wieder in der IT

  • Manfred Klimek

    Sehr gut geschriebener, nüchterner, intelligenter Artikel. Vieles auf den Punkt gebracht. Kompliment!

  • Prayer

    haha, bämm, in your face. We are living it, It is maybe gross and stinky, but it is certainly us, we even do not have time to change the mainstream right now, let them old greasy guys get it, we have something to do with our lives, get it real, try to keep totally to ourselfs, and now we are getting it official, we are doin it maybe after all for the same reasons, what can we actually wish to believe to be more true for us?!!

  • jo

    bla bla bla…..
    die spezies mensch hat ihren status auf diesem planeten mit intelligenz erreicht. devinition von intelligenz kann jeder nachlesen, nur tut es wohl keiner mehr…….

  • jepa

    Guter Artikel. Regt zum Nachdenken an…

  • Daniel KJ

    By the way: Wie hoch war der Stundenlohn für den Artikel? (-;

  • cthulhu

    aha, lese ich da wirklich richtig???

    “Banker, Immobilienbesitzer, Versicherungsmakler, Politiker, Ärzte, Anwälte – alles raffgierige, spießige, systemkonforme Marionetten. Sie füllen die Leere ihres Lebens mit überteuerten und viel zu vielen Konsumartikeln und ihr Job macht ihnen das möglich. Der prekäre Lifestyle distanziert sich durch den bewussten Konsum und durch die bewusste Arbeit als Lebensinhalt.”

    sind es nicht gerade die Hipster die ihre leere mit iPhonse, Macbooks, Beghain und sexueller Promiskuität füllen??? mittlerweile sind mir spießige familienväter lieber als ach so aufgeklärte hipster…. ihr seid die eigendlichen marionetten!

  • Basti

    Der Artikel kreist zwar um das Problem, kommt aber nicht so richtig auf den Punkt: Das Problem ist schlichtweg, dass es viel zu viele Bewerber gibt und jeder Praktikant/Trainee/Angestellte ohne Probleme jederzeit ausgetauscht werden kann. Warum? Weil die Jobs offensichtlich ein Maß an Qualifikation verlangen, das von sehr vielen erreicht wird.

    Wenn man mal in die Branchen schaut, in denen (vergleichsweise) viel verdient wird, gibt es dort sehr viel weniger Bewerber. Da buhlt die Firma um ihre neuen Mitarbeiter und die bringen eine fundierte Ausbildung, Fachwissen und Kreativität mit, die kaum jemand vorweisen kann. Oben wurde schon Software-Entwicklung angesprochen, mir würden spontan zum Beispiel (industrielle) Forschung und Ingenieure einfallen. Das sind Tätigkeiten – im Gegensatz übrigens zu vielen Jobs in der Kreativwirtschaft – bei denen große Kreativität und Fähigkeiten gefragt sind, für die es eben nicht reicht, mal drei Jahre lang einen Bachelor gemacht zu haben.

    Was ist aus meiner Sicht eine mögliche Lösung des Problems, das der Artikel anspricht? Macht euch unersetzlich. Wer sich deutlich von der Masse abheben kann – und zwar durch “harte” Qualifikationen und Erfahrungen, nicht durch eine endlose Liste von Praktika (wobei sich das nicht ausschließen muss!) – hat zwar keine Jobgarantie, aber immerhin deutlich bessere Karten und bei Gehaltsverhandlungen viel Spielraum nach oben. Das erfordert aber einen großen persönlichen Einsatz und eine Arbeitshaltung, die kaum mit mehr als einem Club-Besuch in der Woche zu vereinbaren ist.

Forever 21