Ich, der Profi - Ich, der Profi – In den Tiefen des App Stores

Meine langjährige Lieblingsbeschäftigung besteht darin, so zu tun, als wäre ich ein absoluter Profi. Bevorzugt in Gebieten, von denen ich partout keine Ahnung habe. Als Tourist in eine fremde Stadt…
Ich, der Profi

Ich, der Profi – In den Tiefen des App Stores

Meine langjährige Lieblingsbeschäftigung besteht darin, so zu tun, als wäre ich ein absoluter Profi. Bevorzugt in Gebieten, von denen ich partout keine Ahnung habe. Als Tourist in eine fremde Stadt fahren? Unmöglich! In Toronto, Rom oder New York rausche ich an den hell erleuchteten und überfüllten Sehenswürdigkeiten vorbei, nein, nein, keine Zeit für so einen Unfug, ich stolpere lieber hastig zu meinem Lieblingsasiaten um die Ecke, der hat schließlich das beste Som Tam des Landes. Oft fällt meine Ahnungslosigkeit erst auf, wenn mich Mitreisende nach dem Weg fragen – oder ich mir eingestehen muss, dass ich nicht einmal weiß, in welcher Windrichtung Chinatown liegt.

Neue Computerspiele auf einem normalen Schwierigkeitsgrad beginnen? Unmöglich! Frisch aus der Packung gerissen oder bei Steam heruntergeladen und aus der Liste dann präferiert auf Worte wie “Inferno”, “Hardcore” oder “Selbstmordkommando” geklickt. Früher gab es schließlich auch keine Weicheioptionen, also hingesetzt, durchgezogen und los geht die Fahrt. Dass ich mein virtuelles Vergnügen nach zehn Minuten frustriert aus dem noch virtuelleren Fenster werfe, tut dabei ja wohl nichts zur Sache. Wahre Profis haben eben wenig Zeit für so einen Blödsinn.

Nur wenn es um meine Arbeit geht, um den ziemlich ausfüllenden Bereich meines Lebens, der am ehesten, auch von anderen, als Profession angesehen werden kann, stelle ich mich seit jeher als mehr oder minder sympathischer Amateur an. Was sich besonders an der stümperhaften Wahl meiner Arbeitsgeräte zeigt. Ich bin zwar froh darüber, dass ich kurz nach der Jahrtausendwende vom bösen Microsoft zum verheißungsvollen Steve-Jobs-Zirkel der besseren Menschen gewechselt bin, aber so richtig eingetaucht bin ich nie, in die immer größer werdende Welt der bunten Apps. Dabei sollen sie einem doch gerade auch das analoge Dasein einfacher gestalten. Mit ihren Funktionen, von denen niemand gewusst hat, dass wir sie überhaupt benötigen. Aber jetzt sind sie da – und sie sind großartig!

Freunde außerhalb der Berliner Medienlandschaft habe ich schon lange nicht mehr. Diejenigen, die heutzutage um mich herum springen, arbeiten bei aufgepumpten Startups, in internationalen Werbeagenturen, unter Chefs, die irgendwann einmal ihr Hobby in eine Internetseite verwandelt haben – und dabei geblieben sind. Auf ihren MacBook Airs tippen sie sich filigran wie Klavierspieler durch Menüs und Ansichten, die ich so noch nie zu Gesicht bekommen habe. „Was, du weißt nicht, was Wunderlist ist?“, fragen sie mich dann ungläubig. Warum ich immer noch iTunes statt Simfy nutze. Und wieso, um Gottes Willen, ich im Jahr 2013 eMails über die Standardsoftware von Apple verschicke. „Weil es… funktioniert?“, antworte ich kleinlaut. „Schon mal was von Sparrow gehört, du Kacknoob?“ Ähm… klar? Ich bin schließlich ein Profi…?

Bevor NEUE ELITE der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, setzte ich mich deshalb hin und missbrauchte den App Store. Oder er mich, wie auch immer man das sehen mag. Ich klickte mich durch humane Empfehlungen, wöchentliche Platzierungen und automatisierte Anzeigen. Fort mit dir, du normales Leben. Diese Programme machen mich nun zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen und internationalen Medienbranche. Wenn nicht gar: Dem wichtigsten überhaupt. Also informierte ich mich vorher in illustren Portalen wie The Verge, Mashable und Wired und lud anschließend herunter, was nicht festgewachsen war. Meine Trophäen platzierte ich stolz im durchsichtigen Dock. „Wow, so viele schöne Icons!“, dachte ich mir.

Nun ging es zur Begutachtung meiner in hübsche Formen gepackten Bits und Bytes. Spotify war so nett, mir ein paar Monate ihres Premiumangebots zu schenken, also verwende ich das zum Musikhören. Skype und Twitter zur Kommunikation, Airmail zum Mails verschicken. Das funktioniert zwar nicht immer so wie es sollte, aber es sieht wahnsinnig gut aus. Mit Feedly, in Kombination mit Fluid, lese ich meine Feeds. Und ja, ich bin einer der 5000 ersten Pro-User. Weil RSS und Atom einfach die Grundlagen meiner Arbeit ausmachen – und andere Programme sich nach einem Fehler erst gar nicht mehr öffnen wollten. Mit Coda bearbeite ich meine Webprojekte, Pages, Keynote und Numbers sind schlanker und einfacher als jede Office-Alternative.

Things verhindert, dass ich wichtige Erledigungen vergesse, in Doo schiebe ich meine Rechnungen, Evernote darf sich als mein ganz persönlicher Notizblock bezeichnen, Pocket erinnert mich an tolle Artikel, für die ich im Moment ihrer Entdeckung keine Zeit hatte. Eigentlich. Chrome ist mein Browser. Trotz dieser beängstigenden Sicherheitslücke. Und die Creative Cloud bietet mir den überteuerten Rest: Bridge, um Fotos zu sortieren, Photoshop, um sie zu bearbeiten, InDesign, um unser Media Kit auf dem neuesten Stand zu halten, Premiere Pro, damit ich endlich meinen Traum vom eigenen Kinostreifen erfüllen kann: “CatDog“Ž 3D” – eine Realverfilmung der bekannten US-Zeichentrickserie. Bisherige Versuchstiere haben das Casting allerdings nicht überlebt.

Also sitze ich jetzt hier. Vor meinem vor Möglichkeiten prall gefüllten Computer. Und schon geht es los. Hier ein elektronischer Brief. AirMail, du bist dran! Eine Rechnung trudelt ein. Things, Zeit für dich! Diese Interviewfoto ist lasch und kontrastarm? Photoshop, dein Moment ist gekommen! Einmal angefangen, gibt es keine Pause mehr. Ich bin jetzt ein Profi, sage ich mir. Ob ich mich dabei schlicht und einfach hinter einer Wand aus kostenlosen und -pflichtigen Namen verstecke, sei einmal dahingestellt. Und womöglich ist es auch sinnvoller, wenn man sich über Jahre hinweg durch diesen Sumpf aus guten, schlechten und sehr schlechten Programme wühlt.

Aber für Anfänger bietet diese Liste womöglich eine gute Grundlage, um mit dem Publizieren von Inhalten im Internet Geld zu verdienen. Beziehungsweise das Geld wieder herauszuholen, das man für eben diese Software ausgegeben hat. Oder es dank Abonnements noch immer macht. Für eingefleischte Stubenhocker findet sich vielleicht die ein oder andere unentdeckte Perle, um sich von noch mehr Apps das Leben diktieren zu lassen. Und für mich schaffen diese kleinen Helfer das perfekte Netzwerk aus Funktionen, damit ich auch weiterhin Profi spielen kann. In fremden Städten, neuen Games – oder eben meinem Beruf. â—¼

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