Im Gespräch mit Disclosure - Im Gespräch mit Disclosure – Mama ist unser größter Fan

Wir stehen in der Schlange des Berliner Nachtclubs Bi Nuu am Schlesischen Tor. Das Konzert ist ausverkauft, im Saal vermischt sich schwülheiße Luft mit dem Geruch von Schweiß und Bier.…
Im Gespräch mit Disclosure

Im Gespräch mit Disclosure – Mama ist unser größter Fan

Wir stehen in der Schlange des Berliner Nachtclubs Bi Nuu am Schlesischen Tor. Das Konzert ist ausverkauft, im Saal vermischt sich schwülheiße Luft mit dem Geruch von Schweiß und Bier. Hinter mir steht eine Gruppe Mädchen in bunten Leggins, sie trinken eine selbst zusammen gebraute Mixtur aus Wodka, Cola und was auch immer sie noch so im elterlichen Kühlschrank gefunden haben. Sie sind genauso alt wie die Brüder von Disclosure, die Headliner des Abends.

Howard und Guy Lawrence, 18 und 21 Jahre alt, aus Südlondon leben ihren Traum. Sie vermischen Garage so geschickt mit House-Musik, dass ihr Song „Latch“ mit Sam Smith im letzten Jahr innerhalb kürzester Zeit über 1 Millionen Soundcloud-Aufrufe hatte. Mittlerweile spielen sie ausverkaufte US-Touren, treten auf dem legendären Glastonbury Festival auf und touren Down Under. Hätte es mit der Band nicht geklappt, hätten die beiden klassische Musik studiert. Oder Schlagzeugunterricht gegeben.

Ihre Mutter, Carolyn Tickle, führt derweil den dazugehörigen Blog, twittert jede kleinste Neuigkeit und rahmt täglich neue Zeitungsausschnitte ein. Ich habe mir den beiden höflichen Briten darüber gesprochen wie es sich anfühlt, wenn sich weibliche Fans handgroße Logos ihrer Band tätowieren lassen und wie man in so jungen Jahren bereits wissen kann, nach welcher Musik sich die Clublandschaft sehnt.

Ihr habt letzten Dezember in Berlins bekanntestem Technoclub, dem Berghain gespielt. Ihr wart die jüngste Band, die dort jemals aufgetreten ist. Geht ihr überhaupt privat in Clubs?

Guy: Krass, wir hatten keine Ahnung! Wir gehen natürlich oft in Clubs, aber meistens nur um selbst aufzutreten. Ich habe durch Clubs meine Liebe zur elektronischen Musik entdeckt. Howie hat da noch nicht so viel Ahnung, er ist gerade erst 18 geworden. Ich bin eher der Partytyp. Als ich 16 war, habe ich meinen Ausweis gefälscht und bin ständig in alle Clubs gerannt. Am liebsten habe ich Dubstep, James Blake und Mount Kimbie gehört, sie haben mich inspiriert.

Apropos inspiriert, ich habe gelesen Burials „Untrue“ Album hat euch stark beeinflusst, habt ihr ihn mal in echt getroffen?

Guy: Nö, er tritt ja nirgends auf. Er hat nicht wirklich unseren Sound beeinflusst, aber er hat uns sehr inspiriert! Aber ich kenne Leute, die ihn wirklich getroffen haben. Er ist ein ziemlich normaler Typ und hat keinen Bock aufs Rampenlicht. Er macht einfach sein Ding.

Wenn ihr nach Hause kommt, werdet ihr dann wie Helden behandelt?

Guy: Wir waren jetzt so lange auf Tour, keine Ahnung ehrlich gesagt. Vielleicht ein bisschen. Aber dort, wo wir herkommen, passiert auch nicht so viel. Aber die Leute erkennen uns schon auf der Straße und in Pubs.

Ich habe eure Mama auf Twitter gefunden, sie dokumentiert ja wirklich alles. Ist sie euer größter Fan?

Guy: Ja, sie ist auch für den Blog auf unserer Website zuständig und aktualisiert ihn ständig. Seit neustem wird sie auch dafür bezahlt – sie rockt es einfach! Sie hat das ja sowieso gemacht, unsere Presseclippings und Bilder gesammelt – jetzt zeigt sie es einfach allen! Zuhause hat sie uns eine richtige „Hall of Fame“ gebastelt.

Ihr spielt zum ersten Mal auf dem Glastonbury Festival dieses Jahr – oh mein Gott!

Guy: Ja, echt heftig, wir waren noch nie dort! Auf dem größten Festival der Welt… Ich bin gespannt, auf welcher Bühne wir spielen, davon hängt auch die Größe des Publikums ab… Wir haben uns das Wochenende extra freigeschaufelt, dass wir uns auch ein paar andere Bands anschauen können. Wenn dann richtig!

Disclosure

Erinnert ihr euch überhaupt noch, wie das ohne den ganzen Fame war, zum Beispiel an 2011, als ihr Band des Tages beim Guardian wart?

Guy: Hm, vor 2 Jahren hatten wir ungefähr 10.000 Facebook-Fans und haben unsere EP dort verschenkt. Ich hatte gerade meinen Job gekündigt, weil die Band sich angefangen hat zu rentieren. Das war ziemlich cool!

Howie: Ich war noch in der Schule.

Guy: Und seit letztem Jahr haben wir ungefähr drei Singles und eine EP veröffentlicht und echt viel live gespielt. Und jetzt unser erstes Album!

Wenn es mit der Musik nichts geworden wäre, was für Jobs hätten euch interessiert?

Guy: Ich habe Schlagzeug-Unterricht gegeben. Wahrscheinlich würde ich das immer noch machen.

Howie: Ich wäre direkt an die Uni gegangen und hätte klassische Musik studiert. Das war eigentlich mein Plan. Aber dann ist das hier passiert.

Guy: Das kannst du ja immer noch machen…

Howie: Ja, werd ich auch.

Eure Eltern sind auch Musiker habe ich gelesen, was spielen die denn so?

Guy: Mein Papa liebt Rock, er spielt Gitarre. Meine Mum singt und spielt Klavier. Sie liebt Pop und Soul. Und Musicals. Keiner von beiden mag elektronische Musik. Aber sie haben uns ganz früh Instrumente lernen lassen, das war echt cool. Ich habe mit drei Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen. Und mit sieben habe ich Gitarre gelernt.

Ihr seid Brüder – was unterscheidet euch?

Howie: Es ist extrovertiert, ich bin introvertiert.

Guy: Ich geh nach unseren Shows immer feiern, Howard geht pennen.

Howie: Stimmt gar nicht, letztens in Amsterdam war ich mit feiern. Das mach ich so zwei bis drei mal im Jahr.

Guy: Ja klar! So wie letztens in Ibiza! Wir hatten unsere geilste Show überhaupt gespielt, und alle waren total aufgedreht. Dann kam Howard und meinte: „Tschüss, ich geh jetzt ins Bett.“ Und ich dann so: Wie kannst du jetzt ins Bett gehen, wir sind in Ibiza gottverdammt?

Howie: Ja okay, ich brauche halt meine acht Stunden Schlaf.

Guy: Und ich brauche überhaupt keinen Schlaf. Aber das ist glaube ich der einzige Unterschied zwischen uns, wir streiten uns nie.

Wer ist eigentlich auf das Album-Artwork mit dem Gesicht gekommen?

Guy: Einer unserer Manager war auf der Kunsthochschule und hat die Artwork der ersten Single gebastelt. Und als dann die zweite und dritte Single kam, hatten wir kein Geld jemand neues zu engagieren, also haben wir das gleiche Design noch mal verwendet. Jetzt ist irgendwie so ein Ding draus geworden und wir benutzen es für alles. Als Logo und sowieso überall sonst auch.

Ja, so wie das Mädchen, das sich das Ganze tätowieren hat lassen…

Guy: Ja, stimmt! Das war meine beste Freundin Laura, sie wollte uns überraschen. Erst hat sie gesagt, dass sie ein minikleines Logo stechen lässt, dann zog sie ihr Shirt aus und zeigte uns dieses riesen Teil! Und wir so: Wow du hast es echt durchgezogen! Sie ist unser Super-Fan.

Disclosure

Habt ihr einen Lieblingsmoment von euren bisherigen Konzerten?

Guy: Letztens haben wir in London gespielt, was wir ja sowieso viel zu selten machen. Es war eine riesige Warehouse-Party, wir haben das Line-up selbst zusammengestellt und sind selbst aufgetreten. Das Ganze war innerhalb von zwei Stunden ausverkauft, und das vier Monate vorher!

Howie: Ja, oder auch die Show in Los Angeles im El Rey Theatre. Es war gerade Halloween, da stehen die Amis total drauf. Alle waren total krass verkleidet, als Werwölfe zum Beispiel. Das war eine dieser unglaublichen Shows, die wir in Amerika gespielt haben. Die Tour war ausverkauft.

Guy: Das gleiche gilt für Australien, einfach völlig verrückt!

Worauf freut ihr euch am meisten in nächster Zeit?

Howie: Wir freuen uns auf unsere Tour, wir gehen zum Beispiel zurück nach Australien. Unsere Live-Show ist total riesig geworden, wir haben große Screens und machen abgefahrene Sachen mit Lichteffekten. Gott sei Dank reist jetzt ein ganzes Team mit uns, das sich um solche Dinge kümmert, so können wir uns einfach komplett auf unseren Auftritt konzentrieren.

Bei der ganzen Reiserei, was macht ihr am liebsten, wenn ihr nach Hause kommt?

Guy: Naja, wir kommen nicht wirklich nach Hause. Nach unserer UK- und Amerika-Tour hatten wir genau zwei Stunden Zeit. Dann sind wir in den Bus nach Paris, Brüssel, Amsterdam, Hamburg gestiegen. Danach waren wir mal zwei Tage zu Hause. Das hat genau für ein paar Maschinen Wäsche und kurz Freunde treffen gereicht.

Wie habt ihr eigentlich AlunaGeorge getroffen?

Guy: AlunaGeorge waren unsere Vorband bei den Konzerten in London – da sind wir ins Gespräch gekommen. Und genau am nächsten Tag haben wir schon was zusammen getüftelt. Wir haben einen Song gespielt, der ihr sofort gefallen hat. George haben wir nicht so wirklich dazu gebraucht.

Howie: Sie ist eine tolle Songschreiberin!

Guy: Ja, Howard und Aluna haben den Song geschrieben und ich habe ihn produziert. Sie ist ein bisschen komisch, aber eigentlich voll nett.

Und mit Jessie Ware seid ihr ja auch super befreundet?

Guy: Ja, wir kennen uns durch die Musik. Wir haben sie bei einem unserer Konzerte in Brixton getroffen, wo sie auch wohnt. Wir hatten in dem Moment keine Ahnung wer sie war. Sie hat uns die ganze Nacht vollgequatscht und erklärt, was für ein großer Fan sie sei. Als wir dann nach Hause kamen, haben wir es endlich gerafft: „Oh scheiße, das war Jessie Ware!“ Ein paar Monate später haben wir dann diesen Remix für sie gemacht.

Howie: Ja, als wir sie getroffen haben, hatte sie gerade ihren ersten Song mit SBTRKT draußen, da war sie noch nicht so bekannt. Das würde uns heute natürlich nicht mehr passieren. Sie ist jetzt schon oft mit uns aufgetreten und wir sind mittlerweile echt gut befreundet. â—¼

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