Femen in Tunesien - Fickt eure Moralvorstellungen!

Ihr kennt die umstrittene Aktivistengruppe Femen meist nur aus irgendwelchen mehr oder weniger skandalträchtigen Nachrichten im Fernsehen oder Internet, in denen junge Feministinnen oben ohne Politiker und Ereignisse beschimpfen und…
Femen in Tunesien

Fickt eure Moralvorstellungen!

Femen Amina

Ihr kennt die umstrittene Aktivistengruppe Femen meist nur aus irgendwelchen mehr oder weniger skandalträchtigen Nachrichten im Fernsehen oder Internet, in denen junge Feministinnen oben ohne Politiker und Ereignisse beschimpfen und so politische und gesellschaftliche Umschwünge herauf beschwören wollen. Bisher leider ohne wirklichen Erfolg, aber mit einer immer größer werdenden Gefolgschaft.

Amina ist 19 Jahre alt und kommt aus Tunesien. Viel mehr ist nicht über sie bekannt. Außer, dass sie Mitglied bei eben dieser in der Ukraine gegründeten feministischen Gruppierung werden wollte und deswegen zwei Oben-Fotos von sich auf deren lokalen Facebook-Seite postete. Einmal mit dem Spruch “Fuck Your Morals” auf ihren Körper geschrieben, einmal ganz cool mit Zigarette in der Hand.

Das wäre jetzt nicht so weltbewegend, wenn in Tunesien nicht ein paar religiöse fanatische Vollidioten an der Macht wären, die gar nicht damit einverstanden sind, dass Frauen so etwas wie Meinungsfreiheit besitzen oder mit ihrem Körper anstellen dürfen, was auch immer sie wollen. Nacktfotos von sich ins Internet stellen und auch noch zu einer feministischen Revolution aufrufen? Ähm… nö!

Femen Amina

Also hat ein gewisser Almi Adel, salafistischer Prediger und der Chef der nationalen Religionspolizei, angekündigt, dass Amina gesteinigt gehört. Schließlich könnten dadurch noch weitere Frauen im Land dazu ermutigt werden, sich gegen Unterdrückung zu wehren und Gleichberechtigung zu fordern. Wörtlich nannte er diese Gefahr eine Epidemie. Und eine Katastrophe. Per Gesetz drohen Amina außerdem zwei Jahre im Gefängnis.

Die Begründung ist so wahnsinnig gut. Diese frommen Fanatiker haben also Angst davor, dass durch Aminas Oben-ohne-Fotos andere Frauen auf die Idee kommen könnten, dass sie ja womöglich auch etwas zu sagen haben, anstatt sich von Typen ausnutzen zu lassen, die Religion dazu missbrauchen, ihre perversen Machtfantasien auszuleben. Was ist also die logische Schlussfolgerung? Genau: Amina gehört ermordet!

Aminas Eltern haben die 19-Jährige vorsorglich in eine Psychiatrie verfrachtet. Währenddessen haben ein paar islamistische Idioten die tunesische Facebook-Seite von Femen gehackt und sie mit Sprüchen aus dem Koran und seltsamen Fotos zugemüllt. Anscheinend wollte Amina Selbstmord begehen und hatte deswegen die beiden Bilder veröffentlicht, sie kam anscheinend mit dem gesellschaftlichen Druck nicht mehr klar.

Femen Amina

“Amina und ich hatten vor einigen Tagen noch Kontakt”, erzählt Inna Shevchenko, die Gründerin von Femen, in einem Skype-Interview mit der amerikanischen Zeitschrift The Atlantic. „Wir sprachen immer mal wieder über Femens Ideologie, doch dann war plötzlich ihr Telefon tot und ihre Facebook-Seite verschwunden…“ Aminas Eltern wiederum halten ihre Tochter anscheinend “für verrückt und zu emotional”.

Leider ist Amina deswegen jetzt in großer Gefahr. Ihr drohen wegen der Fotos nun eine Geld- sowie mehrjährige Gefängnisstrafe. Und wenn diese seltsamen salafistischen Fanatiker sie in die Hände bekommen, könnte sie schon bald in irgendeiner Dreckswüste eingebuddelt und dann von ein paar sich daran aufgeilenden Typen mit Steinen zu Tode geworfen werden. Ist da drüben ja eine Art Hobby für die.

Das Internet wäre aber natürlich nicht das Internet, wenn nicht schon einige tausend Leute entsetzt aufschreien würden. Auf den Seiten von Femen stapeln sich die Oben-ohne-Fotos von offenherzigen Unterstützerinnen, Femen selbst veröffentliche ein Statement mit den Worten “Benutzt euren Körper als Plakat für die Sprüche von Freiheit. Nackte Brüste gegen den Islamismus!”, auf Twitter beherrscht der Hashtag Amina das Geschehen.

Femen Amina

Außerdem wurde eine Petition auf der bekannten Online-Plattform Change.org ins Leben gerufen, die sich für die Sicherheit und Freiheit der 19-Jährigen einsetzt und bereits von knapp 70.000 Menschen unterzeichnet wurde. Vorausgesetzt ein paar fanatische Bartträger lassen sich etwas von einem feministisch angehauchten Internetmob vorschreiben. Wohl eher nicht, aber versuchen kann man’s ja mal.

Aber tatsächlich ist es vollkommen irrelevant, ob ihr euch den feministischen Idealen komplett oder auch nur in Teilen zu- oder abgeneigt fühlt. Hier geht es um körperliche und seelische Freiheit und um das Recht, diese vollends ausleben zu dürfen – ohne dass Religion oder falsche Ideale das verbieten. Also unterschreibt diese Petition oder ruft bei Amnesty International an oder schnappt euch ein paar Freunde und fliegt nach Tunesien, um Amina höchstpersönlich zu befreien. Denn wenn irgendetwas mit diesem mutigen Menschen passieren sollte, dann dauert es noch länger, bis sich da drüben endlich mal etwas ändert! Und dann sind alle schuld, die das nicht verhindert haben. Ihr. Wir. Und ich.

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2 Kommentare

  • Fritz

    Die würde auch mal lieber abnehmen, anstatt sich nackt zu fotografieren…

  • Boljana Dobrinska

    Super, ich habe die Petition auch gerade unterschrieben und denke, man muss weiter protestieren, bis FEMEN persönlichen Kontakt zu Amina aufgebaut hat und klar ist, dass sie nicht mehr akut bedroht wird. Daneben ist Druck auf die Regierung aufzubauen, damit radikale Prediger wie Adel Almi “Tugendgefährderinnen” wie Amina nicht länger bedrohen können.

    Anschließend muss man an das von Amina gemeinte Thema heran, nämlich an die islamische Sexualmoral, die Frauendiskriminierung im tunesischen Gesetzessystem und patriarchalisch geprägten Alltag sowie an seit dem Wahlsieg von Ennahda in ganz Tunesien ansteigende Macht der kulturell gegenmodernen Freunde von Scharia (Islamischem Gesetz, angeblich vom Himmel gestiftet und die Seele vor der Hölle rettend) und Fiqh (menschengemachter, koranbasierter Justiz).

    Einen lesenswerten Kommentar zur Todesfatwa des tunesischen Predigers Adel Almi gegen Frauenrechtsaktivistin Amina Tyler sowie zum Weltsozialforum 2013, das in diese Woche in Tunis stattfindet, schrieb Jacques Auvergne.

    http://zottelhexe.wordpress.com/2013/03/23/wo-ist-amina/