Cro und H&M in der Trendkritik - Der Kindermodendesigner

Cro, das Genie, ist natürlich gar kein Genie. Er ist der freundliche Junge von nebenan, der nette Musik macht und damit sehr erfolgreich ist, vor allem bei kleinen Kindern. Meine…
Cro und H&M in der Trendkritik

Der Kindermodendesigner

Cro, das Genie, ist natürlich gar kein Genie. Er ist der freundliche Junge von nebenan, der nette Musik macht und damit sehr erfolgreich ist, vor allem bei kleinen Kindern. Meine 11-jährige Cousine ist ein so großer Fan, dass sie sich auf dem Weihnachtsmarkt eine Panda-Mütze gekauft hat. Weil er so süß und harmlos ist, darf sie ihn auch hören. Er ist ungefährlich und nimmt keine zensierbaren Wörter in den Mund, die einen schlechten Einfluss auf unsere Kleinen ausüben. Zudem teilt uns der 23-jährige seine Zukunftsängte mit, lebt weiter in einer unbeschwerten, leichten Welt.

„Baby, bitte mach dir nie mehr Sorgen!“, verlangt er und tut so als ob alles „easy“ wäre. Mit „Hi Kids“ von Eminem beeinflusst, und „King of Roap“ als der „coolste im Game“ lässt er sich von den Kurzen feiern. Der Junge mit der Maske, ein „Disney-Prinz“ der neuen Generation, macht Liebesgeständnisse und läuft davon, wenn es zu ernst wird, hat keinen Plan, wo es hingehen soll, aber findet das „yippie yeah“.

Carlo Waibel, wie Cro bürgerlich heißt, ist weder tiefsinnig, noch mit den Worten revolutionär, kritisch oder politisch zu beschreiben. Er ist einfach nur nett, aber das macht ihn auf musikalischer Ebene nicht weniger wertvoll. Er ist eben noch ein Kind. Und wer weiß, in welche Richtung sich der kleine Racker entwickelt. Seine zuletzt veröffentlichte Single „Starting Over“, die wie auch ein YouTube-Nutzer kommentiert, von Dillons „Cha Cha“ inspiriert zu sein scheint, verstärkt die elektronischen Töne. Ein Trend?

Cro H&M

Von Sido die Maske entliehen, „den Flow von Savas, den Style von Casper, dann noch ein bisschen Odd Future, Mac Miller, Wiz Khalifa“ wie er selbst sagt. Dabei trägt er die im Rap umstrittene Tight Jeans, dazu Whitees mit der Aufrschift „Oh Shit“ und Nikes, wie viele anderen großen Namen des Genres und Supreme im Video von „Meine Zeit“, wohin das Auge reicht. Ganz wie die amerikanischen coolen Kids von Odd Future.

Unterstützt wird dabei auch die eigene Marke Vio Vio. Ernst genommen wird er neben der Sprechtechnik und den Lines der kindlichen Attitüde wegen sicher nicht. Wer den 23-Jährigen in Interviews hört, merkt schnell, dass er kein tiefsinniger Rapper ist, der mit dem vermeintlichen Ernst des Lebens konfrontiert wurde. Ist das schlecht? Einfacher kann es nicht gesagt werden, aber Cro macht gute Laune zu einem freshen Beat, also nein.

Aber in welcher Hinsicht lässt sich Cro denn nun von Odd Future inspirieren? Der ein Jahr jüngere Tyler, the Creator, wird von Kanye West als die Zukunft des Rap gefeiert. Doch der stylische Junge mit der tiefen Stimme kritisiert und provoziert eben jene, die ihn hören, und damit auch Cro. „Let’s buy guns and kill those kids with dads and mom, with nice homes, 41k’s, and nice ass lawns, those privileged fucks got to learn that we ain’t taking no shit, like Ellen Degeneres clitoris is playing with dick, I’m jealous as shit, cause I ain’t got no home meal to come to.“ Vielleicht kopiert unser deutscher Nachwuchslyriker doch nur den Stil des amerikanischen Vorbilds, der die Personifikation von Supreme sein muss.

Cro H&M

Cro arbeitet jetzt mit H&M an einer eigenen Kollektion. Aus der Pressemitteilung ist zu entnehmen, dass der Cartoonist Teile für Jungs und Mädchen entworfen hat, die ab dem 4. April in limitierter Edition in rund 200 Shops erhältlich sein werden. Das ist natürlich für viele Cro-Feinde ein willkommener Anlass, Kommentare wie „Der schwule Panda Style beim schwulen H&M(O) Laden :)“ zu verfassen. Dass in der Rap-Szene ein anderes Bild dominiert, führt immer wieder zu homophoben Äußerungen. Tatsächlich ist H&M, wie die FAZ Irwin zitiert, zur Zeit genau wie Zara, Bershka und Primark ein Ort, „an den einen die Mutter vor zehn Jahren zum Einkaufen schleppte.“ Was im Klartext bedeutet: H&M ist nicht mehr cool.

Zur Zielgruppe der international überaus erfolgreichen schwedischen Modekette passt das, wofür Cro steht, aber optimal. Denn der Musiker und H&M arbeiten quasi für genau dasselbe Publikum. Doch H&M ist auch als Ausbeuter bekannt. Von Designern und Kinderarbeitern. Cros gestalterische Fähigkeiten und die daraus resultierenden Produkte wiederum sind im Grunde genommen nicht viel Neues.

Ganz in der langen Tradition von H&M wird ein Copy-Cat-Verhalten an den Tag gelegt. Die Stücke gleichen den Marken Supreme, Dope, Obey und Kenzo. Den Vorbildern. Caps tragen die Aufschrift „Milk“ und sind mit süßen Kuhflecken verziert. Was dabei die Aussage ist, bleibt unklar. Fleckenpudding Paula für die 11-Jährigen? Wifebeater, T-Shirts und Jutebeutel für die kleinen Kids tragen putzige Tiermuster. Die Pfoten eines Tigers jagen auf einem der Shirts den Hintern eines Mädchens, dazu heißt es mit dem Hit von MC Hammer „Can’t touch this“ für die pubertierenden Jungs. Cro habe das designt – er trage es auch selbst gern.

Cro H&M

Warum Rooz von Hiphop.de die Kollektion von Cro kritisiert? Der Kinderarbeit wegen, aber wie ein anderer Youtube-Benutzer richtig kommentiert, trage der Moderator selbst Nike Air Max. So einfach ist das dann wohl doch nicht. Doch anders als Rooz ist Cro für viele ein Vorbild und vermittelt damit auch Werte. Mit seiner Verantwortungslosigkeit trägt er die Schuld dafür, dass Kinder eine ignorante Haltung gegenüber dem Konsum pflegen und weiterhin den Fast-Food-Trend ausleben. Aber wenn es um Umsätze und Erfolg geht, sitzt man eben in einer moralischen Zwickmühle.

Doch wer sollte nach Karl Lagerfeld und Lana del Rey denn sonst Werbung machen? Etwa die Gangsterrapper wie Haftbefehl oder die, wie der Spiegel berichtetet, erfolgreichsten Rapper Kollegah und Farid Bang? Eben jene Hörer der Gangsterrapper sind meist gerade die, die Cro und auch H&M als schwul bezeichnen. Diese Stars wären vermutlich ein noch schlechteres Beispiel. In den USA funktioniert das dennoch.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gehen musikalische Härte und unübersehbares Marketing seit Jahrzehnten Hand in Hand. Rick Ross und Tyga werben momentan für Reebock, A$AP Rocky, eine Lichtfigur des amerikanischen Gangsterraps, macht sogar Werbung für den kalifornischen Designer Alexander Wang. Und wofür könnten unsere deutschen Gangster-Rapper werben?

Cro H&M

Der YouTube-User „too early“ hätte da schon so einige Ideen. EKO wäre zum Beispiel prädestiniert für Pinzetten, Massiv für Anabol, Abdi für Zahnpasta, Haftbefehl für Integrationsprobleme, Pillath für Weight Watchers, Farid für Haarwachs im Auto, Majoe für Baseballschläger, Fard für Fifa, Fler für Karotten, Veysel für ADHS-Pillen, KC Rebell für Gibs, Al-Gear für Kondome, PA-Sports für Fruchtzwerge, Alpha Gun für Haarausfall unter 40.

Wir sind also gespannt, welcher Junge – oder zur Abwechslung auch mal: welches Mädchen – den nächsten großen Werbedeal an Land zieht. Hoffentlich ist diese Kooperation dann aber überzeugender, verantwortungsbewusster und konsumkritischer als die Cro x H&M Kollektion vom netten Panda aus Deutschland, der mithilfe von Kindern aus Bangladesch Mode für Kinder aus Deutschland macht.

s.Oliver

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere faszinierende Neuigkeiten über Mode zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Tally Weijl

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

8 Kommentare

  • Irgendwie hat der gesamte Beitrag keine Aussage …

    soll er über Fotzen und Titten rappen? Aber nein, da steht, es ist ja ok das er harmlos ist und selbst sein will. So… liebe Autorin, whats your fucking problem? Ah.. es geht um Kinder in Bangladesh … wtf. Für diese Aussage habe ich mich durch so einen langen, vor einer klaren Aussage fürchtenden Text voller Widersprüche gelesen?

    Cro ist Mediengestalter soweit ich das mal gehört habe, … passt doch.

    “Hoffentlich ist diese Kooperation dann aber überzeugender, verantwortungsbewusster und konsumkritischer”
    Bist du seine Mutti? Sei du doch überzeugend, verantwortungsbewusst und konsumkritisch. Hat er doch nie behauptet so zu sein.

    Man fragt sich wirklich: was will sie eigentlich sagen.

  • I

    Stimme Robert zu!
    Außerdem: selbst wenn ESPRIT ihn gefragt hätte, wären seine Klamotten von Kindern aus Bangladesh genäht worden. -.-

    Auf den Shirts steht “Millk” nicht “Milk”. Wenn man M und K zuhält steht da nur noch “ill”. höhö.

  • bck

    du kannst immer nur kritisieren…

  • Bela

    Kann mich dem ganzen anschließen – irgendwie fehlt die Pointe bei dem Text.

    Teils liest es sich wie eine unterschwellige Hasstirade gegen Cro, dann wieder so als ob dir momentan die Ideen ausgehen worüber du schreiben kannst und du lieber auf nen Bandwagon springst anstatt was handfestes zu recherchieren.

    Es gibt doch in jeder Generation “Künstler” die die Ikone für den momentanen “Mainstream” bilden. Man siehe nur TH während des “Emomainstreams” – bei der Generation Hipster/Tumblr (Ich bezieh mich hier nicht auf die Vintage-Indies, die sind ne Riege für sich und mmn. mittlerweile wieder ausm Mainstream rauß) ist das halt Cro.

    Er macht sein Ding, und das anscheinend ganz gut. Kein Grund sich unterschwellig drüber auszulassen, nächstes oder übernächstes Jahr gibts wieder nen neuen Mainstreamtrend und neue “Künstler” die das zu ihrem Vorteil nutzen. Ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

    Und zu der Kinderarbeit: so lang du nicht ALLES selber anbaust, deine Klamotten selber nähst und strickst. Die Rohstoffe für eben jene selbst abbaust und weiter verarbeitest, dein Wohnort aus eigener Körperkraft errichtet hast und irgendeine Form von elektronischen Unterhaltungsmitteln (Handy, PC, Tablets, TV, MP3Player, etc.) brauch man auch nicht den Moralapostel spielen. Klar ist Kinderarbeit fürn Arsch, keine Frage, aber sich in nem Blog darüber auszulassen hilft neimandem.

    Und was unsere ganzen Thug-Rapper angeht, warum nicht Adidas? Die haben doch sicherlich irgendwo heimlich nen Werbevertag unterzeichnet bzw. momentan is ja Thuglife in Mode.

    Nun gut ich verlier den Überblick, der Eintrag ist okay hat für mich aber leider nichts handfestes. Man merkt hier und da ein wenig Kritik aber das wars dann auch.

    Kannst du defintiv besser.

  • pascal

    Liebe Autorin,

    ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht wo ich anfangen soll.
    Zuerst einmal handelt es sich bei mir nicht um einen fanatischen Cro-Fan.
    Personen zu bejubeln war prinzipiell noch nie eine meiner Stärken.

    Was mir an deinem Essay ein bisschen gefehlt hat, war die klare Aussage.
    Erst wird Carlo als Person gehatet, dann geht´s um Odd Future & Co und unbelegte Aussagen wie
    ” H&M ist nicht mehr cool. ”
    Ich wusste irgendwann nicht mehr was jetzt ernst gemeint ist und was nicht.

    Ich antworte jetzt einfach mal auf ein paar Punkte :

    Aussagen über den Charakter Cros zu machen, halte ich für sehr gewagt. Alles was du ihm vorwirfst, ( kindisch, aussagelos, etc. ) sind eigentlich eher Dinge, die dein Verhalten beschreiben, wenn du dir ohne jegliche Backgrounds und persönliche Gespräche ein Bild von ihm machst und vorallem von oben herab beurteilst.

    Das wäre dasselbe, als würde ich dich anhand deiner Kurzbeschreibung charakterisieren:

    Kunstgeschichte und Germanistik: Macht auf intellektuell, Eltern müssen wohl das Studium finanzieren, da Studienfächer brotlose Kunst sind.
    werkelt an ihrem Theaterstück: Postmaterielle Interessen, hält sich für überaus intellektuell.
    schreibt auf ihrem eigenen Blog: Mitteilungsbedürftig, benötigt Ausmerksamkeit, narzistisch.

    Nichts hiervon meine ich ernst, aber es ist genau das, was du mit Cro getan hast.

    Weiter im Text:
    Kleidung aus Bangladesh. Klar, bei den Preisen, müssen irgendwo im LCA sehr kleine Hände am Werk sein.
    Ich heiße das nicht gut, versuche, betonung auf “versuche”, dem auch persönlich entgegenzuwirken durch besseres Konsumverhalten.
    ( Aber jeder, der das einmal versucht hat, weiß, dass es verdammt schwer ist. Willst du Made in Germany, zahlst du auch Made in Germany. Und die Sachen müssen einem auch erstmal gefallen und passen ! )
    Wenn Cro sich jetzt also H&M rauspickt, dann steht er zwar in der Veranwortung, kann aber wohl oder übel damit leben. Die paar Jährchen Fame können seine Altersvorsorge sein. Und wie andere schon kommentierten: Bei Esprit wäre das nicht anders.

    Mich interessiert hier viel mehr, ob du selbst alle deine Kleider selber nähst? Und falls nicht, verzichtest du dann auf H&M,Zara und Co? Und wer finanziert das? Ne wirklich, das mein ich gar nicht böse, mich interessierts wirklich !

    Ich würde gern noch viiiiel schreiben, aber der Text ist schon so lang, dass eh niemand bis hierhin gelesen hat.

    Fazit:

    Vllt. schaffst du es ja deinen nächsten Text etwas objektiver und vorallem ÜBERLEGTER zu schreiben.
    Sapere aude darf auch gelten, wenn man für AMY&PINK schreibt, welches durchaus öfter polarisiert.
    ( Keine krasse Kritik, ich mag Euch)
    Und Meinung haben ist zwar gut, aber Meinung und Wissen sind zweierlei. Denk dran.

  • Herr von Fuchs

    Wie kommt den die Autorin zu dem Schluß, A$AP Rocky wäre ein Gangsta-Rapper?

Jack & Jones