Ausgeliefert! - Moderner Sklavenhandel bei Amazon

Ich habe erst jetzt die Reportage anschauen können, die gestern Abend im Ersten lief. Und zwar drüben bei René. Und wie jeder, der sich eine halbe Stunde Zeit genommen hat,…
Ausgeliefert!

Moderner Sklavenhandel bei Amazon

Ich habe erst jetzt die Reportage anschauen können, die gestern Abend im Ersten lief. Und zwar drüben bei René. Und wie jeder, der sich eine halbe Stunde Zeit genommen hat, um mal zu gucken, was da eigentlich los ist, schwanke auch ich zwischen Entsetzen und Ernüchterung. Inklusive einem inneren Schrei, der mir in mein inneres Ohr brüllt: Ja, aber was ist mit Apple? Und H&M? Und allen anderen Großkonzernen?

Worum geht’s? Um Leiharbeiter beim größten Online-Shop der Welt, Amazon, bei dem wir Tag ein Tag aus CDs, Spiele, Bücher und Vibratoren in Maulwurfform kaufen. Günstig, schnell, bequem. Und um die Lebensbedingungen dieser Menschen, die oft aus Ländern wie Spanien, Polen oder Lettland kommen und so verzweifelt sind, dass sie monatelang im Akkord arbeiten. Und dass für scheiße wenig Geld.

Was noch dazu kommt: Anscheinend müssen sie nicht nur zu siebt oder mehr in kleinen Bungalows schlafen, bevor sie danach in Massen in die großen Lagerhallen von Amazon gekarrt werden, sondern ein Teil der Sicherheitsleute, die dazu da sind, um zu verhindern, dass die Arbeiter Brötchen und Kaffee mit in ihre Zimmer nehmen, und Angestellte der Firma “H.E.S.S.” sind, zählen wohl zur rechten Szene und machen dies mit Klamotten von Thor Steinar auch klar deutlich. Und finden es wohl auch ganz geil, ein paar Ausländer als Sklaven zu halten.

„Die beiden Filmautoren, Diana Löbl und Peter Onneken, schilderten akribisch, wie Einschüchterung bei Amazon als Geschäftsmodell funktioniert“, schreibt Frank Lübberding in der FAZ. „Was die „tolle Geschichte“ für die Leiharbeiter bedeutet, erzählen die Autoren in atmosphärisch dichten Bildern. Sie hatten das, was guter Journalismus braucht: Zeit. Sie mieteten sich ebenfalls in dem Freizeitpark ein und es gelang ihnen, die Wirklichkeit europäischer „Wanderarbeiter“ zu skizzieren.“

Und weiter: „Was in China die armen Landprovinzen sind, ist in der EU Süd- und Osteuropa. Von der Unterbringung über den Bustransfer bis zur Überwachung durch die Sicherheitsfirma werden tausende Mitarbeiter zu bloßen Objekten degradiert. Sie werden nur für ein Ziel gebraucht: Den Geschäftserfolg von Amazon sicherzustellen. Wer sich wehrt, muss mit Entlassung rechnen.“

Nach dem Ansehen des Films steigen in einem dieselben Gefühle auf, die man auch hat, wenn man sich aufklärerische Videos von Menschen- und Tierschutzorganisationen ansieht. Obwohl Amazon vielen Fakten schon widersprochen hat. Die Emotion, sofort etwas zu ändern. Kein Fleisch mehr zu essen zum Beispiel. Keine Kleidung oder Telefone mehr bei Konzernen zu erwerben, die nachweislich Kinderarbeit fördern. Oder eben nichts mehr bei Amazon zu bestellen. Und gleichzeitig das Wissen, dass man in wenigen Tagen wieder in das alte Konsumschema zurück fällt.

Denn wenn man erst einmal angefangen hat, wo soll man aufhören? Für mein iPhone haben sich Menschen in China freiwillig vom Dach gestürzt, für meine Sneaker, die am anderen Ende der Welt durch eine Vielzahl von kleinen und großen Hände gingen, mussten auch Tiere leiden. Und selbst vom mit Biosiegeln bestückten Obst und Gemüse hört man manchmal ganz grausige Geschichten. Von Pferdefleisch in Bolognese-Lasagnen von Rewe möchte ich gar nicht erst anfangen. Soylent Green is people! Welt verbessern, ja bitte. Aber wo, wie viel und wann?

René von Nerdcore hat aus dem Amazon-Skandal und besonders den dort beschäftigten Nazis jedenfalls Konsequenzen gezogen: „Ich werde hier ab sofort auf Amazon-Links verzichten und sollte nicht in absehbarer Zeit eine entsprechende Erklärung folgen, auch sämtliche Links per MySQL ins Nirvana schicken. Meine Toleranzgrenze ist beim Einsatz von Nazis praktisch nicht vorhanden.“ Und ihr so?

Mister Spex

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2 Kommentare

  • Boris Gruschenko

    Schlecker !
    War es bei Schlecker nicht auch mal so.
    Ich dachte wer dort arbeitete hatte einen der übelsten Jobs der Welt.
    Bin dann auch nie mehr dorthin gegangen.
    Dann war der Laden (endlich) Pleite.
    Und was kam.
    In quasi jeder Zeitung von Bild bis ZEIT meldeten sich Frauen in Artikeln
    die ihren Job geliebt (!) haben und jetzt seehr traurig sind.
    Fazit: die Welt ist kein Filmchen…wahrscheinlich.

  • SeksiKabus

    Naja sowas überrascht mich nicht mehr, sowas gabs schon immer. Die Bauern gaben das meiste den Adligen, man nennt das wohl Moderne Sklaverei aber was sollen die Menschen machen. Es gibt fast keine Arbeit und dann kommt einer und gebt die ein Arbeitsplatz und was soll da einer Familien Vater machen, er muss sich entscheiden ob die Familie verhungert oder bißchen Geld verdient um seiner Familie ein gewissen Standart zu bieten. Und kauft man nix mehr von Amazon dann brauchen die weniger Arbeitsplätze und die Menschen die den Job brauchen verlieren es…….