Tokyo Diary - Fragen und Antworten

Tatsächlich möchte ich diese Folge von Tokyo Diary den gefühlten 176, aber in Wahrheit nur 2, Menschen widmen, die mir eMails mit Fragen rund um meinen Wegzug nach Tokio geschickt…
Tokyo Diary

Fragen und Antworten

Tatsächlich möchte ich diese Folge von Tokyo Diary den gefühlten 176, aber in Wahrheit nur 2, Menschen widmen, die mir eMails mit Fragen rund um meinen Wegzug nach Tokio geschickt haben, der in drei Wochen ansteht. Richtig gehört, in drei Wochen habt ihr mich endlich los! Und da es womöglich noch andere Leute da draußen gibt, denen ich mit meiner total unterstützenden Weisheit rund um das gekonnte Abhauen behilflich sein kann, habe ich diese Fragen in einem epischen FAQ beantwortet und damit so getan, als hätte ich voll die Ahnung von dieser Sache.

Warum ziehst du überhaupt nach Japan?

Ich bin eines dieser verhunzten Kinder, die in Sailor Moon verknallt waren, ihr Taschengeld für die AnimaniA rausgehauen haben und das eigene Glück nur in den Armen von miesem J-Pop fanden. Japan war für mich immer ein unerreichbares Wunderland, irgendwo am Ende der Welt, aus dem man nur Legenden von verrückten TV-Shows, bunten Technikspielereien und einer atemberaubenden Mischung aus Kultur und Moderne hörte.

Irgendwann wurde mir dann klar: So unerreichbar ist Japan gar nicht. Ich arbeite im Internet, also kann ich das von überall aus machen, mir geht es momentan finanziell nicht allzu schlecht und ich bin noch nicht so alt, fett und blind, dass ich aus Scham das Haus nicht mehr verlassen kann. Was also tun? Genau: Flugtickets kaufen, Visum holen, Wohnung beschaffen. Und los geht die Fahrt!

Kanntest du schon Leute in Tokio, bevor du zum ersten Mal da warst?

Ja, aber nur über das Internet. Ich habe schon vorher mit Bloggern, Fotografen und Künstlern geschrieben und sie anschließend getroffen. Es ist wichtig, dort einheimische Leute zu kennen, bevor du länger dorthin reist, weil einige Aktionen quasi unmöglich zu bewerkstelligen sind, wenn du keine Ahnung von Hiragana, Katakana und Kanji hast. Bankaufträge erledigen zum Beispiel. Oder Prepaid-Karten für die U-Bahn kaufen. Oder in Schnellrestaurants Essen bestellen. Solche Dinge eben. Sei nett und such dir dort Freunde. Überraschung.

War es schwer an ein Visum zu kommen?

Reisevisen nach Japan sind generell einfach zu bekommen, außer du sagt den örtlichen Behörden, dass du der Schlächter von Recklinghausen bist. Wenn du über 18 und unter 30 bist, dann hast du in Deutschland die Möglichkeit, ein Visum für einen Ferienarbeitsaufenthalt zu bekommen, das dann ein Jahr gilt. Alles was du dazu brauchst, sind Flugtickets, eine gültige Auslandskrankenversicherung und genügend Knete. Du kannst es direkt bei der Japanischen Botschaft beantragen. Das habe ich auch gemacht und meins war nach knapp einer Woche fertig.

Was hast du mit all deinem Zeug gemacht?

Die Dinge, die mir wirklich wichtig sind, Liebesbriefe, Bücher, das Nacktfoto deiner Mutter, schicke ich nach Hause, damit sie im heimischen Keller vergammeln können. Was geht, habe ich bei Momox verkauft. Alles in zwei Kisten gepackt, die holen das Zeug kostenlos ab. Alles andere wird verscherbelt, verschenkt, verliehen, weggeworfen, verbrannt, neutralisiert. Und wenn dann noch etwas übrig ist, dann hat es übernatürliche Kräfte, und ich werde es an die verrückten Wissenschaftler übergeben, die in der Wohnung unter mir leben. Vielleicht sind sie auch Terroristen, keine Ahnung.

Du hast geschrieben, dass du im Terminal gearbeitet hast, als du zum ersten Mal in Tokio warst, aber im Internet habe ich darüber nichts gefunden. Was zum Teufel ist das?

THE TERMINAL ist eine Mischung aus Co-Working-Space und Café und liegt direkt in Harajuku, über einem Klamottengeschäft. Du zahlst pro Stunde um die 3 oder am Tag um die 10 Euro und kannst dort in Ruhe an deinem eigenen Laptop oder auf herum stehenden iMacs herum tippen. Getränke wie Kaffee, Tee, Saft und Cola sowie Zeitschriften gibt es kostenlos, für Baguettes, Pizza oder Nudeln musst du zahlen. Ab und zu finden dort auch Ausstellungen, Events oder Vorträge statt, alles wirkt sehr hochwertig und aufgeräumt und die Leute dort sind allesamt sehr freundlich.

Wo wirst du wohnen?

Wie Hannah, die vor einigen Jahren schon mal in Tokio gelebt hat, werde auch ich in einer Wohnung von SAKURA HOUSE unterkommen. Die sind auf ausländische Touristen und Arbeiter spezialisiert und bieten einen Haufen Zimmer und Apartments in verschiedenen Stadtteilen an. Meine Wohnung liegt in Setagaya, dem Bezirk mit den meisten Einwohnern. Es ist Apartment 203 und ich zahle dank eines Rabatts 700 Euro Miete im Monat.

Ist Tokio wirklich so teuer, wie alle sagen? Flug, Unterkunft, Leben und so weiter?

Um es kurz zu machen: Tokio ist teurer als Berlin. Doch das ist keine Kunst. Jede Stadt ist teurer als Berlin. Wenn du jeden Tag durch Restaurants und Einkaufscenter tingelst, nicht auf das Internet in deinem Handy verzichten kannst und bei der Wahl deiner Unterkunft lieber wert auf Komfort als auf den Preis legst, dann bist du wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit pleite und wirst aus dem Land geworfen.

Die günstigsten Flüge nach Tokio gibt es wohl bei Aeroflot, da habe ich letztes Mal etwas über 500 Euro für den Hin- und Rückflug gezahlt. Guter Service und sechs Stunden Aufenthalt am Moskauer Flughafen inklusive. In Tokio selbst sparst du am meisten Geld, wenn du mittags Essen gehst oder dir gleich angewöhnst selbst zu kochen, du die öffentlichen Verkehrsmittel klug nutzt und du Lokale und Clubs besuchst, die dir am Schluss keine Grundgebühr draufschlagen – allein, weil du reingekommen bist. Konbinis, kleine Supermärkte wie 7-Eleven, Family Mart und Lawson Store, sind immer sehr günstig und haben meist 24 Stunden am Tag geöffnet. Nur frisches Obst kostet oft ein kleines Vermögen.

Kannst du Japanisch?

Wie ihr alle wisst, bin ich der faulste Schüler der Welt und trotz mehrjähriger intensiver Sprachkurse und einem japanischem Lernpartner beherrsche ich momentan lediglich um die drei Sätze, die allesamt das gleiche aussagen: „Hallo, ich bin Marcel, mein blauer Regenschirm hat Asthma.“ Kauft euch einen Reisesprachführer, bevor ihr nach Japan fliegt. Meiner ist von Lonely Planet und wirklich sehr gut.

Wie ihr richtig Japanisch lernt, hat Danny Choo in einem ausführlichen Artikel niedergeschrieben. Er ist ein Otaku vor dem Herrn, von England nach Japan gezogen und arbeitet dort nun beim Fernsehen. Respekt. Und ihr solltet zumindest die Grundlagen und ein paar Schlüsselsätze beherrschen, denn selbst mit Englisch kommt ihr da drüben nicht weit – das versteht niemand. Außer die Angestellten im Apple-Store.

Gibt es in Tokio Automaten, an denen ich getragene Mädchenunterhosen kaufen kann?

Ja. Manchmal liegen die sogar diesen prallen Manga-Titten-Magazinen bei. Mit Foto und einem Kussmund auf der Packung. Allerdings würde ich dafür nicht unbedingt mein Geld ausgeben, wahrscheinlich hat sie der Kioskbesitzer selbst getragen und wünscht dir anschließend breit grinsend viel Spaß, wenn du mit dem süßlich riechenden Teil nach Hause fährst. Versuch dein Glück lieber bei echten Mädchen. Die riechen auch ganz gut.

Wirst du über deine epischen Abenteuer in Japan berichten?

Ja natürlich! Zum einen werde ich voraussichtlich jede Woche in meiner eigenen Kategorie Tokyo Diary aktuelle Fotos und Zusammenfassungen posten, zum anderen wird am 5. März mein neuer Blog FRIENDS IN TOKYO online gehen, der so etwas wie mein persönliches Reisetagebuch wird. Inklusive Bilder von bunten Videospielläden in Akihabara, Interviews mit genervten Künstlern und Musikvideos von lustigen Girlbands. Voll gut!

Strellson

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere verrückte Neuigkeiten über Reisen zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Topshop

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

3 Kommentare

  • Peter

    Besten Dank für den Einblick.
    Habe eine ähnliches Faszination für Japan und dieser Artikel kommt gleich mal zu meinen “wenn ich mich endlich mal dazu durchringen kann Japan einen Besuch abzustatten”-Bookmarks.

  • Sehr geil! Bin gespannt was du dort alle findest. Von Schlüppern bis Karaoke!

  • af

    Da haste ja Glück das der Yen jetzt ganz gut steht. Also Bier aus dem Supermarkt für 260.- , Konbinis natürlich auch falls man keinen großen 24h Supermarkt um die Ecke hat. Kochen macht auch keinen Sinn, man kann überall lecker und günstig essen oder holen. Kaffee beim Mc, Segfredo, Starbucks usw. (besser und günstiger). Prepaid-Karten sind ein echtes Problem, hier habe ich letztes Jahr mal was gefunden http://www.bmobile.ne.jp/english/u300_visitor.html
    Sakura House ist nicht gerade günstig man findet für long term schon einige andere, auch in anderen tollen Vierteln die nicht nur in Shibuya, Harajuku, Shinjuku etc. sind! Wenn du Leute da kennst, die werden dir schon die richtigen Tipps geben.
    Viel Spaß