Maximilian Battenberg - Der Junge im Minirock

Zur Show „Women I am“ von Anja Gockel führte das 19-jährige Model Maximilian Battenberg am vergangenen Mittwoch im Rahmen der Mercedes Benz Fashion Week mit rotem Mund die neuen Kreationen…
Maximilian Battenberg

Der Junge im Minirock

Zur Show „Women I am“ von Anja Gockel führte das 19-jährige Model Maximilian Battenberg am vergangenen Mittwoch im Rahmen der Mercedes Benz Fashion Week mit rotem Mund die neuen Kreationen der Damenkollektion aus. Weil Anja Gockel sich nicht entscheiden konnte, ob ein männliches Model unter diesem Motto als Provokation aufgefasst werden könnte, ließ sie eine Münze fallen, die sich für das Model entschied. Aber sogar die dapd, die ihr Video zu Anjas Show an Nachrichtenportale wie Welt.de und Spiegel Online verkaufte, verwechselte Max mit einer Frau.

“Es ist fantastisch, was die Natur macht, dass sie manchmal Männer so weiblich designt, dass man sie von Frauen nicht unterscheiden kann. Dieses Spiel finde ich spannend”, kommentierte Anja Gockel sein Aussehen. Doch ist es wirklich die Natur? Oder sind es die Gesellschaft und der Charakter, der das Ich designt? Wenn Maximilian Battenberg durch das am Brandenburger Tor gelegene Zelt der Mercedes Benz Fashion Week mit einem paillettenbestickten Minirock auf High Heels läuft, erntet er von allen Seiten Blicke weiblicher Neider.

Aufgewachsen ist das 1,78 Meter große Model mit dem markanten Gesicht und den anmutig wirkenden dunklen Augenbrauen auf blasser Haut in einem Dorf in der Nähe von Mainz. Derzeit studiert Max an der Goethe Universität Frankfurt Kulturanthropologie. Interessiert ist er an verschiedenen Lebensweisen, die er bereits im frühen Alter durch gemeinsame Reisen mit dem Vater erleben durfte. „Es ist sehr spannend, zu sehen, dass wir alle der gleichen Art angehören, aber jeder einen anderen Glauben hat, wenn es darum geht, was nach dem Tod geschieht oder ob es einen Gott, Götter oder gar keinen Gott gibt. „Diese Vielfältigkeit interessiert mich, die Tatsache, dass jeder anders ist.“

Modeln war nie sein Traumberuf, doch als er von einer Freundin dazu gedrängt wurde, unterschrieb er schon zwei Wochen nach Einsendung der Bilder den Vertrag bei der Hamburger Modelagentur Modelwerk. Transgender Model Andrej Prejic, das internationale erfolgreich ist und bereits vor genau einem Jahr für Michael Michalsky lief, war kein Vorbild für Max, hat ihm aber gezeigt, dass nicht nur die Modewelt offener wird, sondern man auch Erfolg haben kann mit dem, was man selbst wirklich ist. „Vorbilder habe ich nicht, denn ich denke, man muss seinen eigenen Weg gehen, statt sich an anderen Menschen zu orientieren.“ Seinen eigenen Weg ist Max gegangen. Er steht zu dem, was er sein möchte. Die Zeiten, in denen er sich markant männlich kleidete, um in seinem Heimatdorf nicht aufzufallen, hat er hinter sich.

Maximilian entschied sich vor einem Jahr, seine Haare länger wachsen zu lassen und sich zu schminken, alles so zu tun, wie er sich selbst am wohlsten fühlt. „Denn es ist mein Leben und ich muss mit mir selbst zufrieden sein“, erklärt er selbstentschlossen. Als Mann oder Frau möchte er sich nicht einteilen. Es gebe häufiger Frauen, die aussehen wie Männer, aber als Mann, der wie eine Frau aussieht, müsse man sich jeden Tag von irgendwelchen Menschen auf der Straße etwas anhören. „Muss das wirklich sein? Wir sind im 21. Jahrhundert“, bemerkt Max das diskriminierende Verhalten reflektiert. Max findet es schade, dass Andrej zu den wenigen gehört, von denen man etwas weiß und es noch immer verpönt ist, als Mann weiblich auszusehen. Die meisten bemerken gar nicht, dass Max ein Mann ist. Ob sie als er oder sie beschrieben wird, ist Max egal.

In der Uni hielt man Max die ersten zwei Wochen lang für ein Mädchen, bis er anfing zu sprechen. Ab dem Zeitpunkt wurde er häufiger gefragt, ob er ein Junge oder ein Mädchen sei und wie man ihn ansprechen sollte. „Das Klassifizieren von Geschlechtern ist nicht so sinnvoll. Es gibt eine Richtlinie, aber man darf sich nicht zu sehr darauf fixieren. Man muss offener sein, denn jeder hat seine eigene Persönlichkeit und sollte diese auch zeigen können.“ Max erklärt jedem, dass jeder ihn beschreiben darf, wie er möchte. „Wer mich sie nennen möchte, nennt mich sie, wer mich er nennen will, nennt mich er.“ Das Model interessiert sich für Männer, aber versteht sich nicht als homosexuell, denn das würde für ihn bedeuten, dass er ein Mann ist. „Das wäre wieder eine Eingrenzung. Aber vielleicht bin ich ja gar kein Mann.“

In der Schule sind die Mitschüler von Max recht offen mit seinem Outing umgegangen. „Zumal wir auch zu zweit waren, ich und mein Freund. Wir hatten uns und Freunde, die uns Rückhalt gegeben haben. Wenn man keine Schwäche zeigt, wird man weniger gemobbt, was nicht heißen soll, dass Menschen, die gemobbt werden, schwach sind. Aber wir waren schlagfertig oder haben einfach nicht reagiert, sondern ignoriert. Das Beste ist es, Gleichgültigkeit zu zeigen, wenn es darum geht, was andere Menschen über einen denken.“

Und selbst bei Anja Gockel bemerkte keiner, dass Max ein Transgender-Model ist. Eine Dame sei nach der Show gekommen, um Max zu loben. Aber ihr sei aufgefallen, dass das Model für eine Show von Anja Gockel, die dafür bekannt ist, weiblichere Frauen zu buchen, sehr dünn sei. Dass Max ein Junge ist, hätte sie erst nach der Show erfahren. In der Zukunft möchte er weiterhin modeln. Für Männerkollektionen wird er mit einer Größe von 1,78 Metern weniger Chancen haben, aber für Damenkollektionen ist die brünette Schönheit zurzeit ein sehr gefragter Typ.

Maximilian genießt Mode in Maßen, kauft gerne ein und mag es, schön auszusehen. „Wenn ich mich mit Menschen über nichts anderes außer Mode unterhalten kann und über das Aussehen anderer Menschen gelästert wird, denke ich mir, dass das nicht sein muss.“ Er ist der Überzeugung, dass sich jeder anziehen darf wie er möchte. „Manche Menschen interessieren sich nicht dafür, haben einen anderen Stil oder können sich etwas nicht leisten. Man kennt nie die Hintergründe der Menschen. Es ist unfair, voreilig Schlüsse zu ziehen. Das Aussehen bedeutet nicht Charakter. Was soll ich mit Freunden, die gut aussehen, aber einen scheiß Charakter haben? Ich lerne die Leute lieber kennen, bevor ich ein Urteil schließe.“

Maximilian Battenberg Maximilian Battenberg Maximilian Battenberg

Fotos von AMY&PINK und Mercedes-Benz.

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3 Kommentare

  • Eine spannende Geschichte, aber das mit “er/sie” ist doch echt genauso bescheuert wie die gute alte Salzstreuerin. Wer einen Schniedel hat, wird mit “er” bezeichnet, wer eine Mumu hat, mit “sie”. Fertig. Was soll denn dieser Blödsinn von wegen “vielleicht bin ich gar kein Mann”. Klar ist er einer. Kann man denn nicht rein das biologische Geschlecht zur Bestimmung des Personalpronomens nehmen? Alles andere macht es doch nur unnötig kompliziert. Einfach (und mMn richtig) wäre doch, zu sagen, dass er ein Mann ist, der gerne Röcke und Lippenstift trägt. Und ja, er ist schwul. Wieso braucht er dafür die Ausrede, eigentlich vielleicht gar nicht männlich zu sein?!

    • Rhakshas

      Viele “Künstler” sehen sich als androgyne oder auch asexuelle Spiritualität. Außerdem wollen sie in Gottes Namen nicht MAinstream sein und sich in eine Schublade stecken lassen. Wenn ich die Wahl habe mich als hübscher Homosexueller, der modelt und meist für eine Frau gehalten wird oder als über die zwanghaft vom Proletariat eingeführten Geschlechtergrenzen stehende Entietät zu begreifen, fällt die Wahl leicht.
      Es ist auch ein Stückchen Selbstschutz, denn seine Kindheit und Jugendphase war in seinem wahrscheinlich konservativ-nationalen Dorf bestimmt keine Schöne.
      Kritisch wird es nur, wenn sich ein Mensch findet, der das tatsächlich hören will, wie unsere Kunststudentin.
      Models und auch Schauspieler sind meines Erachtens nach nur Projektionswände größerer Geister. Bestes Beispiel ist Mister Cruise, der in guten Filmen mitspielt, aber eigentlich nur auswendig gelernt hat. Im echten Leben scheint er ein Idiot zu sein.
      Genauso gut, wie obigen Artikel könnte man auch über den Produktionsprozess von Schaufensterpuppen schreiben.
      Obwohl Models und Schauspieler nur das tragen, tun, und sagen, was ein anderer ihnen vorgibt, wächst über der Zeit das Selbstvertrauen und man denkt, man hätte künstlerische Ahnung…Fraglich ist, macht die Leinwand das Bild zu einem Kunstwerk, oder das, was auf ihr zu sehen ist ? In ganz seltenen Fällen trägt der Untergrund, oder auch die Umgebung zum Kunstwerk bei, trotzdem hat sich beides wieder der Künstler arrangiert, die Materialien selbst haben kein Mitspracherecht.

  • It’s on…no, really it is! | der geheime fleck

    […] gender roles….I am not too sure. Maybe that counts in the cases of Andrej Peijic and lately  Maximilian Battenberg at Berlin Fashion Week… but for women* modelling as men* in serious fashion companies, […]