Tokyo Diary - Der Wedding kann mich mal

Aufmerksame Leser und Trolle wissen bereits, dass ich in ein paar Monaten nach Tokio ziehe. Voll die Überraschung. Erst mal für ein Jahr. Das Problem an der Sache ist, dass…
Tokyo Diary

Der Wedding kann mich mal

Aufmerksame Leser und Trolle wissen bereits, dass ich in ein paar Monaten nach Tokio ziehe. Voll die Überraschung. Erst mal für ein Jahr. Das Problem an der Sache ist, dass ich solche Dinge immer aus dem Bauch heraus entscheide und es erst mit der Angst zu tun bekomme, wenn sich nach und nach abzeichnet, dass das, was ich da lustig locker durch die Gegend entschieden habe, ja auch irgendwann Wirklichkeit wird.

Es ist keine halbe Stunde her, da habe ich meine Wohnung gekündigt. Es ging ganz fix. Mein Vermieter druckte einen rasch auf seinem Uralt-PC zusammen getippten Zettel aus, ich unterschrieb ihn, fertig, tschüss. Am 28. Februar hat mich der Wedding los, einige Tage später sitze ich im Flugzeug in die japanische Hauptstadt. So schnell geht das. In meinen Augen vielleicht sogar zu schnell.

Denn normalerweise muss ich immer dreimal so viele Hürden nehmen, um an mein Ziel zu kommen, als normale Menschen. Und bislang lief alles ziemlich glatt. Das ist mir schon fast ein wenig suspekt. Aber was soll’s, man darf sich ja schließlich nicht beschweren. Was mache ich mit meinem ganzen Zeug? Bei Momox und auf Flohmärkten verkaufen, verschenken, wegwerfen. Und die wirklich wichtigen Dinge irgendwo bunkern.

Jetzt heißt es aber erst einmal für eine Woche nach Hause fliegen, um mir dort bei Weihnachtsbraten und Plätzchen anhören zu dürfen, was das doch für eine idiotische Idee ist. „Gibt’s da den ganzen Tag nur Sushi?“, „Pass’ ja auf, dass du keinen Typen im Schulmädchenkostüm abschleppst!“, „Ist es da nicht gefährlich? Erdbeben, Mafia und Atomkatastrophen?“ – alles schon gehört.

Ich habe jetzt fünf Jahre lang im Wedding gewohnt. Und klammheimlich immer darauf gehofft, dass er sich endlich mal zum Trendbezirk entwickelt. Die Mieten sind günstig, die Künstler sind willig, die Lage ist in Ordnung. Aber wahrscheinlich sind schon Leute dabei gestorben, die genau darauf gewartet haben. Und wenn die Trends nicht zu mir kommen, dann gehe ich halt zu den Trends. Oder so.

In dieser neuen Rubrik “Tokyo Diary” halte ich euch erst einmal auf dem Laufenden, was meine Vorbereitungen für ein Jahr im Ausland so sind. Als wäre ich der erste Mensch auf der Welt, der jemals irgendwo anders hingezogen wäre. Aber vielleicht ist es ja ganz nützlich für Leute, die auch nach Japan oder sonst wo hinwollen. Und anschließend gibt’s natürlich Berichte von drüben. In etwas mehr als zwei Monaten. Hurra. Tschüss.

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5 Kommentare

  • Kayzah

    Kannst Du schon japanisch, oder lernst Du das dann erst “on demand”?

  • wow! großer schritt? und das nur wegen behaarten mumus :)

  • me

    alles gute!! ich kenne das, ich brauche auch immer lange bis ich eine entscheidung treffe und zögere auch schon ewig mit der weg-aus-berlin-sache…und dann geht es mir auch immer trotzdem irgendwie zu schnell. es ist normal, dass man zum schluss dann doch noch mal angst bekommt vor dem ungewissen, und irgendwie das alte dann doch wieder in einem tollen licht sieht. deine entscheidung ist bestimmt die richtige, das leben ist zu kurz um auf seine träume zu warten! ich wünsche dir alles gute. new year, new luck, new life. alles was einem im leben bleibt, sind die schönen erinnerungen, also ab nach tokio um die luft des neuen und abenteuers einzuatmen. schöner als mark twain könnte ich es nicht sagen: So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.“ Mark Twain

  • Julischka

    genauso gehts mit auch immer – spontan was entscheiden, weil man es wirklich so meint, aber wenn die zeit ran ist, plötzlich denken FUCK!?
    du machst das schon! aber ich will immer fein mitlesen, was du so treibst, okay? viel glück! und liebe.

  • Gee

    Hey Marcel,

    wünsch dir jede menge Fun in Nippon. Aber wenn du wirklich zu den Trends ziehen willst, geh nach Seoul, Japan geht genauso wie Europa ziemlich bergab, zum Teil wegen der immer älter (und damit immer uncooler) werdenden Bevölkerung. Japan war in den 80er und 90er richtig hip aber zur Zeit kommt aus Korea, Australien, Brasilien und Thailand mehr. Seoul>Melbourne>Rio>Bangkok>Tokyo

    Trotzdem wirds geil :-D Berlin ist zwar ganz nett aber halt immer noch (Ost!)Deutschland und das wirds leider noch mindestens 10-20 Jahre bleiben.

    LG
    Gee