Access All Areas:

Access All Areas - Macht euch wichtiger als ihr seid

Eigentlich sind Festivals, Konzerte und Promo-Partys die totale Abzocke. Da zahlt ihr erst ‘ne Menge Taschengeld, um überhaupt rein zu dürfen, und anschließend müsst ihr noch für Getränke, Essen und…
Access All Areas

Macht euch wichtiger als ihr seid

Eigentlich sind Festivals, Konzerte und Promo-Partys die totale Abzocke. Da zahlt ihr erst ‘ne Menge Taschengeld, um überhaupt rein zu dürfen, und anschließend müsst ihr noch für Getränke, Essen und Merchandising blechen, während irgendwelche dahergelaufenen Presseleute und halbwichtigen Semistars in die geschlossenen Bereiche watscheln und auch noch alles umsonst in den Arsch geschoben bekommen.

Doch das muss nicht sein! Denn wenn ihr ein bisschen raffiniert seid und euch nicht allzu dämlich anstellt, könnt ihr quasi alles machen, alles bekommen und alles betreten, auch wenn ihr eigentlich nur Azubi bei Rewe seid oder Hamsterkäfige verkauft, damit ihr euch Mikrowellengerichte leisten könnt. Ihr müsst euch nur an einige Regeln halten und die drei Level der “Access All Areas”-Bibel auswendig lernen.

Wichtig ist: Niemals fragen, niemals zögern, niemals warten! Egal wie geil ihr die Band oder das Event findet: Stellt euch vor, ihr wärt von eurem Verlag oder euer Agentur dazu gezwungen worden, hier zu sein. Auf dieser ätzenden Veranstaltung, mit diesen noch ätzenderen Leuten. Ihr seid gestresst, müsst immer zum nächsten Termin eilen. Interviews hier, Fotos dort, schnell noch ein Beck’s mitgenommen. Aus dem Weg!

Wenn ihr Musik-Shirts tragt, dann nur von irgendwelchen uralten Bands, die nur noch Kenner in ihren abgedunkelten Plattenkellern hören. Niemals nie von irgendeiner Gruppe, die an diesem Abend auflegt. Und wer jubelt oder um ein Autogramm bittet, hat schon verloren. Vergesst nicht: Ihr wollt gar nicht hier sein! Es ist euer verdammter Job! Willkommen im harten Leben eines Journalisten. Inklusive Freigetränke.

Level 1: Getränkemarken

Auf Konzerten werden den Pressevertretern und Freunden der Bands gerne Getränkemarken in die Hand gedrückt, damit sie sich an der Bar umsonst zuschütten können. Bestellt euch einfach ein paar flache, runde Plastikchips ohne Aufdruck und schlichte abreißbare Markenrollen in verschiedenen Farben aus dem Internet. Im 100er-Pack. Meist sind sie schwarz, orange, grün oder blau. Und ziemlich billig.

Stellt euch anschließend an den Ausschank und beobachtet, welche Arten an diesem Abend verwendet werden. Ruft dann euren Kumpel an, was er mitbringen soll oder schüttet die Teile aus der Tüte, die ihr hinter einem Busch gebunkert habt. Niemals zu viele auf einmal heraus holen, das fällt sonst auf. Meist bekommt ihr mit einer Marke ein Bier oder einen Softdrink und mit zwei oder drei Stück das härtere Zeug.

Level 2: Bändchen

Kunterbunte Bändchen finden besonders in Festivals Gebrauch, um die dämliche zahlende Meute von den wichtigen Leuten zu trennen. Mit dem richtigen Bändchen kommt ihr quasi überall hinein. VIP-Bändchen sind meist schwarz, gold oder pink. Habt am besten einen Vorrat verschiedener Farben zu Hause und lasst einen Freund auf dem Festival gucken, was an diesem Wochenende die wichtigste ist.

Beschmiert die richtige Farbe anschließend noch ein wenig mit Edding, damit das Bändchen bedruckt aussieht, und bindet es euch mit anderen um den Arm. Um durch die von Bodyguards bewachten Bereiche zu kommen, müsst ihr so tun, als wärt ihr schon siebzig Mal drin gewesen. Gestresster Blick aufgesetzt, schnurstracks hinein gerannt, ganz schnell den Ärmel zurück ziehen und auf das Bändchen verweisen.

Level 3: Schildchen

Am schwierigsten sind Schildchen zu kopieren, die pseudowichtige Leute um den Hals tragen, um in die geschlossenen Bereiche zu kommen. Was ihr braucht: Ein paar von diesen postkartengroßen durchsichtigen Plastikhüllen, ein unauffälliges Schlüsselband und einen Freund bei der Presse oder den Crews, der euch seine Karte kopieren lässt. Das ist das höchste Level der “Access All Areas”-Schummelei.

Scannt das dumme Teil ein, ändert den Namen und druckt die Karte, die ihr anschließend in die Plastikhülle schiebt, aus. Befestigt die Hülle an dem Schlüsselband und schiebt euch dies am besten in die Hosentasche, damit die Karte heraus guckt und niemandem auffällt, dass es nicht am offiziellen Band hängt. Nun gilt erneut: Gestresst gucken, schnell an den Security-Typen vorbei, das ist doch alles ätzend hier…

Da die letzten beiden Dinge wahrscheinlich unter den Bereich Urkundenfälschung fallen und damit so schlimm sind wie Bomben basteln oder Marijuana anbauen, machen das natürlich nur unglaublich dumme Leute, die Lust darauf haben, von gestressten Promotion-Angestellten verprügelt zu werden oder mit der Polizei nach Hause zu fahren. Und da ihr keineswegs dumm seid, zahlt ihr lieber knapp 150 Euro für eine Festivalkarte, 5 Euro für ein Bier und 10 Euro für eine Currywurst mit Pommes, während andere Leute das alles für umme um die Ohren geworfen bekommen. Voll gut!

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TALLY WEiJL

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