Die Welt von Karl Lagerfeld - Interview mit einem Visionär

Es gibt nichts, was noch nicht über Karl Lagerfeld geschrieben wurde. Er wird angehimmelt und verteufelt, sein eigenwilliger Charakter inspiriert die einen und trifft die anderen. Und darüber bin ich…
Die Welt von Karl Lagerfeld

Interview mit einem Visionär

Es gibt nichts, was noch nicht über Karl Lagerfeld geschrieben wurde. Er wird angehimmelt und verteufelt, sein eigenwilliger Charakter inspiriert die einen und trifft die anderen. Und darüber bin ich mir im Klaren, wenn ich sage, dass er zu meinen wenigen vagen Vorbildern gehört. Auch wenn ich mit der Modebranche ungefähr so viel zu tun habe wie Karl mit der Raumfahrt.

Der (wahrscheinlich) 79-Jährige hat nun Inga Griese, Ulf Poschardt und Cornelius Tittel ein Interview mit dem Titel “Am perfekten Wochenende halte ich den Mund” gegeben, das auf der Webseite der WELT nachzulesen ist. Und es ist großartig. Wahrscheinlich ist Karl Lagerfeld derjenige, dessen Interviews ich am liebsten lese. Und am aufmerksamsten. Und am ehrlichsten. Wahrscheinlich.

Glauben Sie, dass die Mode-Leute heute weniger dumm sind?

Karl Lagerfeld: Sagen wir, die Mode-Leute sind heute etwas weniger dumm. Eines muss man ihnen auf jeden Fall lassen: Die Mode ist heute das Einzige, was in Frankreich funktioniert. Nur dass von den Politikern keiner etwas mit uns zu tun haben will. Keiner von denen würde jemals auf eine Modeschau gehen. Das ist wie in einer anständigen Familie. Als wenn man da eine Tochter hätte, die auf den Strich geht.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Karl Lagerfeld: Wissen Sie, das Gute heutzutage ist: Die Leute verreisen ja alle zu Weihnachten. Aber ich mache ja die Haute Couture, und das macht man Anfang Dezember bis Mitte Januar. Da bin ich Heimarbeiter. Die Leute, die diesen Beruf machen, müssen zu Hause bleiben. Ich kenne kein Schwein, das in Paris bleibt für die Festtage. Und da ich ja keine Familie habe, bin ich total frei, und das ist natürlich der Höhepunkt des Luxus.

Entschuldigen Sie, dass wir so sentimental fragen. Aber auch von Ihren engsten Mitarbeitern besucht Sie niemand?

Karl Lagerfeld: Nein, ich bin dagegen, zu familiäre Beziehungen mit Mitarbeitern zu haben, weil die alle ihre eigenen Familien haben. Ich will keine Satelliten haben; ich will nur mit Leuten arbeiten, die auch ein eigenes Leben führen. Ich will nicht, dass irgendjemand von mir abhängt.

Natürlich kann man sich als Außenstehender fragen, was Karl Lagerfeld denn wirklich geleistet hat. Außer die Modewelt mit seinen Einflüssen zu segnen. Oder zu verfluchen. Wie immer man das auch sehen mag. Aber ich liebe einfach Interviews, die sich wie Gespräche anhören, die keine einstudierten Promofloskeln beinhalten, sondern tiefe Einblicke in die Persönlichkeiten eines Menschen bieten.

Deshalb hasse ich auch diese typischen Fragebögen-Interviews. „Was ist deine Lieblingsband?“, „In welchem Land hat es dir am besten gefallen?“ „Wann erscheint deine neue CD?“ Da wird mir übel, ich breche ab, ich kann das nicht haben. Was ich Karl Lagerfeld fragen würde, wenn er vor mir sitzen würde? Wahrscheinlich, wie viel von seinem Erfolg er wohl seinem Image zu verdanken hat. Warum er immer wieder nach Weihnachten gefragt wird. Oder was er von der Raumfahrt versteht. Herr Lagerfeld, wenn Sie diese Fragen beantworten möchten, dann melden Sie sich einfach.

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