Flüchtlinge in Berlin - Menschenrechte statt Titten

In Berlin demonstrieren zur Stunde immer noch Flüchtlinge und Asylbewerber um mehr Rechte. Seit Anfang Oktober sind sie in der Stadt, sie liefen von Würzburg nach Berlin, um dort erst…
Flüchtlinge in Berlin

Menschenrechte statt Titten

In Berlin demonstrieren zur Stunde immer noch Flüchtlinge und Asylbewerber um mehr Rechte. Seit Anfang Oktober sind sie in der Stadt, sie liefen von Würzburg nach Berlin, um dort erst auf dem Oranienplatz und nun direkt vor dem Brandenburger Tor zu campen. Dabei kämpfen sie nicht nur gegen das Gesetz, sondern auch gegen grobe Polizisten, eine unerbittliche Kälte und verständnislose Passanten.

„Bereits in der ersten Nacht sind wir mit der Polizei zusammengeraten”, erzählt der 23-jährige Iraner Ashkan Khorasani Lea Deuber von der Süddeutschen Zeitung. „Mindestens 20 Polizeiwagen, unzählige Polizisten mit Hunden wollten unser Camp stürmen und auflösen. Sie haben versucht unsere Zelte und unsere Ausrüstung zu beschlagnahmen. Dagegen haben wir uns gewehrt und uns zusammengebunden. Mitten in der Nacht ist die Polizei plötzlich wiedergekommen. Dabei wurden viele Aktive verletzt. Auch ich wurde von Polizisten geschlagen. Es war schrecklich.“

Und weiter: „Wir sind wütend. Überall ist Polizei. Es ist kalt. Und wenn wir uns nur kurz hinsetzten wollen, scheuchen uns die Polizisten wieder auf. Denn das verstößt schon gegen das Gesetz. Aber wir kämpfen. Wir wollen aktive Menschen sein. Frei und gleich. Wir haben nicht mit so einer Gewalt gerechnet. Aber die kommt nur von der Polizei und damit von der Regierung. Die Menschen, die wir treffen, unterstützten uns.“

Obwohl die Flüchtlinge bereits seit fast einem Monat in der Stadt sind, sind die Medien viel zu spät auf sie aufmerksam geworden. Das prangern zumindest Anne Helm, Anke Domscheit-Berg, Julia Schramm und Laura Dornheim an, die durch die Aktion “Tits For Human Rights” auf die schlimme Lage hinzeigen wollten und mehrere Medienvertreter mit dem falschen Versprechen, ihre entblößten Brüste zu zeigen, vor das Brandenburger Tor lockten. Und dieses natürlich lautstark brachen. Aber trotz einiger Empörung schien es sich gelohnt zu haben.

“Bisher wurden der Protest und der Grund dafür, das drängende innenpolitische Problem der unmenschlichen Asylpolitik, von den Medien so gut wie ignoriert“, erklärt Laura Dornheim. „Wir wollen auch zeigen, wie Massenmedien in diesem Land funktionieren. Es gilt immer noch: Sex sells. Es reicht nicht, dass Menschen bereit sind, in den Hungerstreik zu treten – nein, es braucht “Titten“, damit darüber berichtet wird.“

“Schnell noch ein Erinnerungsfoto mit einem Hungernden” titelt die ZEIT, “Piratinnen führen Medien vor” schreibt die linke TAZ, der Platz wäre nicht zum Campen da, stichelt die Morgenpost. Und doch hat niemand so Recht eine Lösung parat, die auch auf weite Sicht hin Sinn macht. Wohin mit diesen Menschen, die gar nicht hier sein dürften und deren Behandlung ein Zeichen für weitere Freiheitssuchende ist?

„Wir gehen erst, wenn sich die Gesetze ändern“, ist sich Ashkan sicher. „Kein Mensch ist illegal. Der Umgang gegenüber Flüchtlingen in Deutschland kann nicht richtig sein. Schon allein in dem Wort Flüchtling steckt viel Wahrheit: Linge, das ist jemand kleines. Ein Opfer. Aber das sind Flüchtlinge nicht. Wir sind stark. Wir essen nicht, wir schlafen kaum, wir besitzen nichts. Wir sind nicht klein, wir sind stark. Und wir kämpfen für unsere Ziele.“

Niemand weiß zur Stunde so genau, wie die Geschichte der Flüchtlinge ausgeht, ob sich ihre Mühen lohnen werden, wie der Staat mit ihnen und allen folgenden Asylbewerbern umgehen wird. Aber wenn ihr gerade in Berlin seid, dann könnt ihr zumindest vorbei gucken, Decken und warmes Essen mitbringen, euch mit ihnen und den Menschen, die ihnen beistehen, sympathisieren. Einfach mal das Richtige machen.

Fotos von Enno Lenze.
Topman

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2 Kommentare

  • Sogrit

    PR-Technisch betrachtet mehr als erbärmlich durchgeführt.
    Das Anliegen mag zwar durchaus Löblich sein, die Veranstalter hinter dem Protest wirken sehr unsympathisch.
    Die Tittenmasche bewegt sich ungefär auf dem Nivaeu diverserer konzeptschwacher Aktionen von Peta und co.
    So inszenieren die Veranstalter sich und ihr Anliegen ohne einen hauch Sympathie bei der Zielgruppe zu erzielen.
    Als Pädagoge würde man wohl sagen: Thema verfehlt.

  • Troll Nr. 1

    Flüchtlinge sind nun mal das was sie sind: auf der flucht. und nirgends werden die so gut versorgt, als in deutschland unddürfen nicht wieder zurückgeschickt werden in das land. und das grundproblem mit beispielen fehlt ja mal völlig in diesem schlechten artikel- ich weiss nicht wo jetzt deren konkretes problem liegt, aber das weiss a6f bestimmt auch nicht.