Fotorechte im Internet - Pläne, Predigten, Portfolios

Bloggen ist Leidenschaft. Klar, es ist toll, damit Geld zu verdienen. Natürlich ist es schön, mit seinen Veröffentlichungen so viele Leser wie möglich anzuziehen. Und offensichtlich macht es großen Spaß,…
Fotorechte im Internet

Pläne, Predigten, Portfolios

Bloggen ist Leidenschaft. Klar, es ist toll, damit Geld zu verdienen. Natürlich ist es schön, mit seinen Veröffentlichungen so viele Leser wie möglich anzuziehen. Und offensichtlich macht es großen Spaß, dadurch ab und zu von Firmen und Agenturen an exotische Orte geflogen und auf großartige Events eingeladen zu werden. Aber das Wichtigste und Erfüllendste ist es, euch Tag für Tag das Bombastischste aus den Bereichen Popkultur, Fotografie und Leben um die Ohren zu hauen. Und zu sehen wie es diskutiert, gehasst, geliebt wird. Immer wieder aufs Neue.

Nachdem die Abmahnwelle über die deutsche Blogosphäre herein brach, setzten wir uns zusammen und redeten darüber, wie man das Risiko minimieren könnte, unglaublich hohe Summen an gierige Anwälte zu zahlen und gleichzeitig die Qualität und Aktualität von AMY&PINK nicht zu gefährden. Dabei ging es besonders um die Fotos. Und da hat sich in den letzten Jahren so einiges geändert.

Vor nicht allzu langer Zeit, als das Internet noch ein freier Raum war, den niemand so richtig ernst nahm, und es keine Regeln oder Grenzen gab (und wenn, dann interessierte sich niemand für sie), waren wir eine freie Gruppe von Menschen, die nach Herzenslust und je nach Gefühlslage Fotos, Videos und sogar eingebettete Musiktracks dazu verwenden konnten, um uns auszudrücken und zu zeigen, was wir toll fanden. Und was eher nicht. Und während in den USA mit Tumblr, Pinterest und Blogspot diese Tradition fortgeführt wird, zerbricht sie in Deutschland an veralteten Gesetzen.

Natürlich springen jetzt plötzlich die ganzen Gutmenschen auf den Plan, die uns Predigten darüber halten, dass jeder am besten eigens geschossene Bilder veröffentlichen soll. Aber darum geht es bei AMY&PINK nicht. Hier geht es darum, junge Talente zu fördern, bestimmte Kulturen zu präsentieren und die Welt ein wenig schöner, verrückter und offener zu machen. Und dieser Gedanke schlummert in vielen von uns.

Also entschieden wir uns, diesen Weg weiter zu führen, aber gewissenhaft jeden Fotografen zu fragen, bevor wir seine Werke hier präsentieren. Das klingt logisch, aber seien wir mal ehrlich: In der Branche sieht das anders aus. Wir freuten uns, tranken ein paar Bier, gaben uns ein paar High Fives und fuhren nach Hause. Mit dem Gedanken, dass wir zwar ab jetzt etwas mehr Arbeit hätten, aber es sich lohnen würde.

Am nächsten Tag prasselten auch schon die ersten frischen Fotostrecken, Portfolios und Magazinfeatures bei uns uns ein und wir bemühten uns, uns so schnell wie möglich die schriftlichen Genehmigungen einzuholen und am besten auch noch qualitativ hochwertige Fotos abzugreifen. Wir fühlten uns super. Das Richtige tun macht Spaß. Das schrie doch nach einem Vormittagsbier. Oder zwei.

Das Fazit der ersten paar Tage war allerdings, dass jeder darüber berichtete, dass Mila Kunis zur heißesten Frau der Welt gewählt wurde, während wir uns mit den Redakteuren von Esquire, den Verantwortlichen bei Hearst und den Mitarbeiterinnen bei der Bildagentur Trunk herumstritten und am Ende ein Thumbnail vom Cover und einen Pressetext zugeschickt bekamen. Dass Scarlett Johansson als sexy Grunge-Mädchen posierte, während uns Condé Nast mitteilte, dass die Fotos des W Magazine leider unter einem 90-tägigen Embargo lägen. Und dass Hollie May Saker viel Spaß in New York City hatte, während uns der Fotograf selbst schrieb, dass ein Printmagazin die Rechte an den Bildern besitze.

Wenn wir also überhaupt Antworten bekamen, dann wurden wir entweder vertröstet, mit Unsinn abgespeist oder wir bekamen das Okay und die Unterlagen so spät, dass es sich nicht mehr lohnte darüber zu berichten. Weil es bereits die ganze Welt vor uns gemacht hatte. Das Richtige zu tun fühlte sich zwar richtig an, aber dafür haben wir nun Löcher in den Wänden, weil wir mit unseren Köpfen zu oft dagegen gehauen haben.

Unbekannte Fotografen haben unsere Anfragen allerdings immer sehr schnell und oft auch positiv erfreut beantwortet. Das wissen wir unglaublich zu schätzen und featuren sie deswegen noch lieber. Wir wissen aber auch, dass die erfolgreichsten Artikel immer die sind, die am meisten Menschen bewegen. Die den größten Hype erzeugen. Die aktuell sind. Und an die gilt es als Erster heran zu kommen.

Ihr seid Modeblogger? Besitzt ein eigenes Online-Magazin? Zählt zu den Rebloggern? Dann gilt es nun für euch, das Risiko abzuschätzen. Entweder ihr zieht euch alles blind aus dem Netz und jagt es auf eurer eigenen Seite wieder heraus. Dann gehört ihr womöglich zu den Frühesten, die darüber berichten und zieht so mehr Besucher auf euch. Aber ihr erhöht dadurch natürlich auch die Chance, dass euch jemand deswegen abmahnt.

Oder aber ihr seid euch den momentanen Gefahren des deutschen Internets bewusst und versucht nun auch das Richtige zu tun. Alle Verantwortlichen vorher zu fragen, euch schriftliche Genehmigungen einzuholen, Artikel nur zu publizieren, wenn euch das ausdrücklich erlaubt wurde. Das ist frustrierend und wird euch den letzten Nerv rauben, aber damit seid ihr wenigstens auf der sicheren Seite.

Sofern ihr euch für die zweite Option entschieden habt, dann gilt es ein effektives Netzwerk aus Fotografen, Verlagen und PR- und Bildagenturen aufzubauen. Die richtigen Ansprechpartner zu finden, die euch schnell und auf einem Vertrauensverhältnis basierend Veröffentlichungsrechte einräumen können. Und auf einer Seite der Erde leben, die wach ist, wenn ihr Informationen benötigt.

Wenn euch die meist netten und englischsprachigen Mitarbeiter der verschiedensten Firmen kennen, euer Image, eure Seite, eure Vorlieben, und ihr schon auf der sympathischen Smalltalk-Ebene angekommen seid, dann fällt es ihnen viel leichter, euch fix die diversen Dateien mitsamt Erlaubnis zukommen zu lassen. Doch das benötigt Zeit. Und ist Arbeit. Aber dafür macht ihr das Ganze schließlich.

Womöglich habe ich diesen Artikel ganz für mich alleine geschrieben. Um meinen Frust loszuwerden. Und mich gleichzeitig zu ermuntern. Dass durch die momentanen Umstände im deutschen Internet alles viel länger dauert, fünfmal abgesichert werden muss, oft mit Enttäuschungen endet. Aber dass es die einzige Möglichkeit ist, mit dem weiter zu machen, was man liebt.

Wir verlieren manchmal aus den Augen, warum man sich den ganzen Stress überhaupt antut. Die Zeit des Spielens ist vorbei. Aber vielleicht haben die ständigen Angriffe der Aasgeier-Abmahnanwälte ja doch etwas Gutes. Sie machen uns professioneller. Und vorsichtiger. Und lassen uns womöglich zu Menschen werden, die noch fokussierter, noch effektiver und noch entschlossener agieren. Zumindest rede ich mir das ein…

s.Oliver

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12 Kommentare

  • Franziska K.

    Worüber beschwerst du dich? Das ist ne tatsache die man absolut akzeptieren kann und muss,finde ich. Einige haben urheberrechte an fotos, bildern usw. Andere haben eigentum an irgendwas. Magst du auch einen artikel darüber schreiben, dass du diesen menschen nicht ihr auto, ihr ipad oder ihre kleidung ohne zu fragen wegnehmen darfst?
    Ob nun irgendwelche anwälte die ganze abmahngeschichte in die hand nehmen sollten, ist fraglich. Da wird der beweggrund wahrscheinlich geldgier sein. Aber das erfordernis von lizenzen zu kritisieren ist überflüssig.

  • dingPong

    Es ist vielleicht eine blöde Frage, aber ich stelle sie trotzdem mal: Könntest du mit einem amerikanischen Hosting, einer amerikanischen Firma und amerikanischem Wohnsitz das ganze Thema etwas zu deinen Gunsten drehen?

  • Peter

    Letztendlich verdienst Du damit dein Geld. Warum beschwerst Du dich über deine Arbeit? Weil Sie nun schwerer geworden ist? OOOOhhhhh

  • @Franzikas

    Rechte werden von Bildern nachträglich gekauft, um Leute zu verklagen. Das ist in etwa so, als wenn ich dir eine Lampe schenke, nachträglich jemand anderes schenke der dann das alleinige Recht daran haben will und sie dir wieder wegnimmt. Das hat rein gar nichts mit Lizenzen als solches zu tun.

    @dingPong

    Jein. Selbst wenn sich eine Website hauptsächlich an deutsche richtet (also in deutscher Sprache gehalten ist), gilt deutsches Recht. Und leider wird es nicht so schwer sein, rauszufinden wer dahinter steckt, weil das ja jetzt schon bekannt ist. Nachträglich Anonym sein? Wird den Amy&Pink Redakteuren wohl nicht gelingen.

  • Der letzte Absatz ist wohl wirklich nur Wunschdenken Marcel. Die genannten Umstände machen uns nicht professioneller, sie zerstören schlichtweg das, was von der deutschen Blogwelt noch übrig geblieben ist.

    Ich versteh aber deine Beweggründe nicht so richtig. Meinst du es wirklich so gut mit den anderen Bloggern da draußen, dass du es als deine Pflicht ansiehst sie zu warnen und zu ermutigen? Oder willst du nur, dass alle anderen sich auch vorsichtiger verhalten damit A&P von der Aktualität her im Rennen bleibt?

  • Franziska K.

    und selbst wenn es so ist, robert. es besteht die möglichkeit, die rechte an den bildern nachträglich zu kaufen. also ist das ganze okay. ist keine schöne gesinnung, aber möglich. ist halt alles business.

  • di pe

    Trifft das Thema nur auf Deutschland zu, oder auch auf Österreich bzw. die gesamte EU?

  • brik

    Ich stimme Franziska zu. Andere geben etwas in Auftrag, bezahlen dafür und du beschwerst dich, dass du das Ergebnis nicht zeitgleich mit dem Auftraggeber erhältst. Dann investier halt selber Geld und lass eigene Bilder anfertigen.

    Mein Eindruck, der sich im Laufe der Zeit beim Verfolgen eurer Artikel ergeben hat, ist, dass ihr unter recht speziellen Bedingungen arbeitet und den Bezug zur Realität verloren habt. Mit anderen Worten, ihr jammert auf einem sehr hohen Niveau. Kann natürlich auch sein, dass mein Eindruck nicht die Realität widerspiegelt und alles ganz anders ist.

  • Thorsten

    Ich glaube ein paar Leute hier haben eine etwas unrealistische Vorstellung davon, wie viel Geld man mit so einem Blog verdienen kann, auch wenn Marcel im Vergleich zu anderen Bloggern wahrscheinlich noch ganz gut dasteht. Trotzdem.

  • Troll Nr. 1

    Ach Thorsten. Was interessieren mich die anderen? Hier geht es doch um das Rumgejammer von Macrel Wurschtegal. Ein Magazin machen wollen, aber nix dafür bezahlen. Geht einfach nich. Thorsten das weisst du doch ganz genau.
    Es geht darum, dass Mister Wurschtachek mal ein bichen Arbeit hat und sich beschwert, dass es Zeit kostet. Was sollen wir jetzt Mitleid haben? Soll er doch Busfahrer werden und sich bei Facebook abmelden. Es interessiert kein Schwein, wenn Mister Leberwurschtatschek mal bischen arbeiten muss für sein Geld.

  • Micha

    Werdet erwachsen.

  • Urheberrecht an Fotos schön und gut. Jedoch hat das nichts mit der Abmahnwelle zu tun, die zur Zeit läuft. Und das ist einfach Fakt.
    Es werden Bildrechte eingekauft um dann Blogger abzumahnen. Und egal ob “großes” Magazin oder privat Blogger, sowas geht mal gar nicht. Eins auf die Fresse zu bekommen, weil man Werbung für einen Künstler macht und dann Abgemahnt wird, nach x Jahren, weil irgendeine Agentur plötzlich die Rechte eingekauft hat, ist doch scheiße.

    @Troll & Co.
    Es geht wohl weniger darum, dass es Arbeit ist, sich Bildrechte etc. einzuholen. Das Problem ist einfach, dass man dadruch nicht mehr Konkurrenzfähig ist. Wenn man jetzt auf iPhone News steht und 2 Blogs folgt die darüber berichten. Der eine Blog haut die News direkt raus mit Bildern, Videos etc. und der andere wartet auf die Freigabe der Sachen und als Leser hat man die dann 1-2-3 Wochen später. Welchen Blog / Magazin, liest man dann wohl eher?

    Desweiteren finde ich es lustig, wie Leute hier ermessen können, wie viel Arbeit hinter einem Blog, Magazin, etc. steckt. Sowas macht ja auch jeder privat, deswegen kann man das gut beurteilen.

Tally Weijl