neoParadise - Fasste ihr mal an die Moppelklampen!

Während die einen einem Österreicher ganz gespannt dabei zusahen, wie er mit einem Fallschirm aus dem Weltall auf die Erde sprang, bliesen die anderen zum Kampf gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen.…
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Fasste ihr mal an die Moppelklampen!

Während die einen einem Österreicher ganz gespannt dabei zusahen, wie er mit einem Fallschirm aus dem Weltall auf die Erde sprang, bliesen die anderen zum Kampf gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Wegen einer Sendung, die sonst für viel Spaß und gute Kritiken sorgte. Jedenfalls bis jetzt. Denn in der Folge von “NeoParadise” vom 4. Oktober ging so einiges schief, was viele nicht mehr ganz so lustig fanden.

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf waren auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin unterwegs, um dort ein bei Zuschauern altbekanntes Spiel zu reanimieren. In “Wenn ich du wäre” tauschen die beiden Moderatoren die Rollen und geben sich gegenseitig Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Wer sich nicht traut, der hat verloren. Ganz einfach. Die Prüfungen gehen von eklig über peinlich bis hin zu gefährlich.

In einer Szene fordert Klaas seinen Kollegen allerdings dazu auf, einer Messe-Hostess an den Busen und den Po zu greifen. Allerdings drückte es der 29-Jährige etwas anders aus: „Fasste ihr einmal an die Moppelklampen und zweimal an den Arsch. Viel Spaß!” Joko daraufhin: „Das kann ich nicht. Geht nicht.” Doch Klaas bleibt hart. “Dann haste halt verloren!” Also geht Joko hin, fasst sie an und entschuldigt sich im selben Moment.

Als die beiden lachend davon laufen, dreht Klaas sich um und sagt zu ihm: „Der war das auch so unangenehm. Die stand da und hat sich richtig entwürdigt gefühlt. Die fährt jetzt gleich nach Hause und dann wird die schön heulen unter der Dusche. Die steht dann sechs Stunden lang unter die Dusche.“ Die Szene ist unterlegt mit leiser Bombastmusik, die namenlose Hostess bleibt verdutzt zurück.

Durch Blogs, Twitter und auf Nachrichtenportalen prasselt seitdem ein Beschwerdesturm auf den ausstrahlenden Sender ZDF ein, der sich mit einem Tweet zu rechtfertigen versucht: „Bezüglich neoParadise: Die Messehostess wurde von Joko Winterscheidt nicht angefasst, die Berührungen waren lediglich angedeutet. Des Weiteren wurde die Szene mit ihrem Einverständnis gesendet.“

Vielen war das alles andere als genug. So schreibt Steffen Pelz: „Liebes ZDF und ZDFneo, bei aller Verbundenheit, das ging zu weit. Beschwerde an den Fernsehrat ist raus.“ Georg von Grote meint auf Freitag.de: „Weiß Herr Heufer-Umlauf eigentlich, was ihm da so aus dem Munde entfleucht? Denkt er vor dem Sprechen? Oder denkt er lieber gar nicht?“ Auf Meedia fügt Stefan Winterbauer hinzu: „Die Messe-Hostess sollte die beiden Moderatoren wegen sexueller Nötigung anzeigen. Sie bekäme garantiert Recht.“ Und Antje Schrupp schließt ab: „Eine solche Sendung ist in jeglichem denkbaren Kontext frauenfeindlich, denn der einzige Inhalt dieses „Witzes“ ist es, das Verhältnis von Männern zu Frauen als eines der Macht und der Dominanz darzustellen, dass Männer mit Frauen Dinge tun können, ohne sich um deren Zustimmung und Meinung zu scheren.“

Doch manche denken auch einen Schritt weiter. So schreibt Lilly W. zum Beispiel: „Ja, regt euch über neoParadise auf. Anstatt zu hinterfragen, warum es immer noch eine flächendeckende “Verwendung” von Messehostessen gibt.“ Teresa Bücker meint: „Aus Gebühren, die ein Absetzen von Jauch und neoParadise sparen würden, könnte man locker zahlreiche Antisexismus-Trainings finanzieren.“ Und Sven-Oliver Schibat fragt: „Kann mir mal jemand erklären, wieso JETZT über die neoParadise-Sendung vom 4.10. diskutiert wird? Warum nicht am 5.10.?“

Klaas hat sich erst einmal auf Twitter entschuldigt und verspricht, dass das nicht alles gewesen sein soll. „Wir haben kein Taktgefühl bewiesen und lustigen Quatsch mit fahrlässigem, beleidigendem Schwachsinn verwechselt. Es tut uns ehrlich leid. Wir werden uns dazu noch genauer äußern. Aber so viel: Ihr habt Recht und wir haben einen Fehler gemacht, der nicht wieder vorkommen wird.“

Obwohl ihr wisst, dass Feministinnen und ich nicht immer besonders gut miteinander auskommen, das hier geht weiter darüber hinaus und auch zu weit. Ich möchte weder von irgendwem, den ich nicht kenne, angefasst werden, noch will ich, dass das bei anderen passiert. Entschuldigungen sind jetzt angebracht. Eines werden wir aber wohl nie erfahren: Ob es auch so einen Tumult gegeben hätte, wenn Joko eine Frau wäre.

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Topman

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