Petition gegen das Leistungsschutzrecht - Dafür interessiert sich kein Schwein

Während das Internet auf der einen Seite aus süßen Katzenfotos, sympathischen Blogeinträgen und perversen Sexfilmchen besteht, tobt auf der anderen ständig ein Krieg. Gegen Regierungen. Gegen Großkonzerne. Gegen Unterdrücker. Und…
Petition gegen das Leistungsschutzrecht

Dafür interessiert sich kein Schwein

Während das Internet auf der einen Seite aus süßen Katzenfotos, sympathischen Blogeinträgen und perversen Sexfilmchen besteht, tobt auf der anderen ständig ein Krieg. Gegen Regierungen. Gegen Großkonzerne. Gegen Unterdrücker. Und den bestreiten nicht nur Underground-Hacker, die irgendwo in dunklen Cybercafés vor sich hin tippen, sondern auch wir. Die noch ziemlich normal gebliebenen Bürger.

Wir setzen uns für ein Internet ohne Zensur ein. Wir klatschen gemeinsam gegen afrikanische Söldnerkönige, die Familien terrorisieren und Kinder zu blutigen Opfern machen. Wir lachen über die Verwertungsgesellschaften und finden Facebook scheiße und verteilen digital Flugblätter, auf denen vermisste Leute zu sehen sind. Engagement wird unter allen von uns groß geschrieben. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind.

Einen Kampf aber haben wir wohl oder übel verloren. Den gegen das Leistungsschutzrecht. Die von der Piratenpartei ins Leben gerufene Petition dagegen ist grandios gescheitert, viele Journalisten glauben, dass das Versagen auf den aktuellen Zwiespalt der noch jungen Partei zurück zu führen ist. Parteien, so die Logik, würde doch eh niemand mehr etwas abkaufen. Politiker und so.

„Warum interessiert die Petition – im Gegensatz zu der gegen Netzsperren – so wenige? Ein Grund dürfte sein, dass ein Pirat sie eingereicht hat“, schreibt Patrick Beuth im Handelsblatt. „Es hätte auch ein Grüner oder ein SPD-Mitglied sein können – eine gewisse Skepsis gegenüber der jeweiligen Partei oder überhaupt allen Initiativen, die einer Partei zugerechnet werden, bliebe wohl immer.“

Aber das stimmt nicht. Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, dass es den meisten vollkommen egal ist, wer hinter einer guten Aktion steckt. Solange es nicht ein Nazi oder die katholische Kirche ist. Menschen sind leicht zu beeinflussen und im Grunde braucht es nur drei Punkte, um sie zu aktivieren: Ein Problem, das auch sie betrifft und leicht auszumachen ist. Einen Gegner, gegen den sie geschlossen vorgehen können. Und ein solidarisches Image, das mit klaren Zielen, Worten und Aktionen gebildet wurde und unter dem sie sich gemeinsam verbünden können.

Warum hassen wir Kony? Weil uns ein Typ, den wir noch nie im Leben gesehen haben und der womöglich Ziele verfolgt, von denen wir keine Ahnung haben, in einem überlangen Musikvideo davon überzeugt hat, dass er ein Arschloch ist. Und da waren jede Menge junge Leute und ein kleines Kind und schnelle Schnitte. Fuck, yeah! Warum sind wir gegen ACTA auf die Straße gegangen? Weil uns weis gemacht wurde, dass uns die Regierung das Internet wegnehmen will und die Polizei vor der Tür steht, wenn wir ein Kochrezept teilen. Hallo?! Und wieso ist die GEMA der neue Hitler? Weil sie Clubs ermordet und YouTube-Videos sperrt. Was teilweise nicht einmal stimmt, aber das ist doch dem Großteil aller vollkommen egal. Sie können sich das neue Katy-Perry-Video nicht angucken und irgendwer muss daran gefälligst schuld sein!

Womit wir wieder beim Leistungsschutzrecht wären. Vollkommen fernab davon, dass die Petition unzugänglich formuliert wurde und sich die Piraten gerade aufführen wie auf einer verkorksten Klassenfahrt, weiß doch absolut niemand da draußen, was das überhaupt sein soll. Leistungsschutzrecht. Hä?! Kony, klar. ACTA, klar. GEMA, scheiße. Leistungsschutzrecht… Leistungen sollen geschützt werden… ist das nicht… was Gutes?

Nein, ist es nicht. Im Grunde geht es um Folgendes: Verleger wollen Lizenzgebühren fordern, wenn auf Suchmaschinen auf die von ihnen verlegten Zeitungstexte oder andere Presserzeugnisse verlinkt wird. Die Befürworter dieser Regelung, natürlich vor allem die Verlage, argumentieren, dass Firmen wie Google mit Fremdinhalten Werbeeinnahmen erzielen. Die Verlage wollen an diesen Einnahmen beteiligt werden.

Die Gegner des Leistungsschutzrechts wiederum entgegnen, dass es den Verlagen automatisch Klicks und damit Werbeeinnahmen beschert, wenn Suchmaschinen ihre Erzeugnisse auflisten. Eine zusätzliche Gebühr sei nicht gerechtfertigt. Wenn ein Verlag das nicht wolle, könne er Suchmaschinen mit einem kleinen Befehl im Quellcode seiner Website aussperren. Außerdem würde eine Lizenzgebühr dazu führen, dass kleine Suchmaschinen und News-Aggregatoren aussterben würden. Jedenfalls ziemlich wahrscheinlich.

Na, habt ihr schon eure Fackeln und Mistgabeln aus dem Demonstrationsschrank heraus gekramt und seid scharf auf den nächsten Cyberkrieg? Nein? Kein Wunder, denn wenn ihr in den letzten zwei Absätzen nicht eingeschlafen oder zu YouPorn gewechselt seid, dann herzlichen Glückwunsch! Das Leistungsschutzrecht interessiert nämlich absolut niemanden! Außer ein paar Geeks und noch mehr Manager.

Es ist kein Wunder, dass die Petition dagegen gescheitert ist und der Großteil der Menge nicht aktiviert wurde. Es ist ein Problem, das keinen der Bürger direkt betrifft. Es gibt ihnen weder Katy Perry zurück noch können sie bei einem gewonnenen Kampf damit angeben. „Alter, wir haben das Leistungsschutzrecht verhindert!“ „Ähm, ja… toll… kannst du mir jetzt bitte den Druckertreiber installieren?“ Zweitens gibt es keinen gemeinsamen Feind. Ist es die Datenkrake Google? Sind es die korrupten Politiker? Ist es die verblödende BILD-Zeitung? Irgendwer? Und von Image wollen wir gar nicht erst anfangen. Es gab keine geile Kampagne, keine tollen Worte, kein Video. Nerds haben’s einfach nicht so mit der Massenbewegung.

Zusätzlich wird es immer schwieriger, Menschen für ihre Sache zu gewinnen. Denn sie werden langsam müde. Jede Woche möchte uns irgendwer anderes ans Bein pinkeln. Firmen, Regierungen, Anwälte. Die Probleme ändern nur immer ihren Namen, dabei wollen die meisten von uns einfach nur nackte Katzen angucken, die den Gangnam-Style tanzen. Wir machen jetzt mal ‘ne Pause, irgendwer wird sich schon drum kümmern.

Wenn ihr also das nächste Mal für eine zugegeben gute Sache kämpfen wollt, dann reicht eine beliebige Petition irgendwo in den Tiefen des Internets nicht mehr aus. Denn davon gibt es zu viele. Ihr müsst in die Superlativen übergehen, Leute engagieren, die sich damit auskennen. Die Charisma haben und Parolen forumlieren und Filme schneiden können, in die sich die Masse verlieben kann. Ein paar schnell wieder vergessenen Tweets von vermeintlichen Internetgrößen wie Sascha Lobo oder Mario Sixtus sind da eben nicht mehr genug.

Das Internet bombardiert uns in jeder Sekunde mit allen möglichen Eindrücken. Lies das! Guck’ dies! Klick hier’! Ein guter Wille und die pure Möglichkeit etwas zu verändern, haben schon längst keinen Effekt mehr. Das Leistungsschutzrecht wird zum Leben erweckt, weil ihr nicht mit Zeit, mit Menschen und mit Veränderungen umgehen könnt. Lernt gefälligst daraus, die nächste Herausforderung steht schon bald vor der Tür.

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11 Kommentare

  • Sogrit

    “weil ihr nicht mit Zeit, mit Menschen und mit Veränderungen umgehen könnt. Lernt gefälligst daraus, das nächste Problem steht schon bald vor der Tür.”

    Ist okay Mama, wir sind Arschlöcher und ihr seid es nicht.

  • Und wie bekomme ich nun Katy Perry zurück?

  • me

    ok also ich kämpfe dafür, dass ihr wenn ihr euch inspirationen von anderen blogs holt, dass ihr die seiten nicht nur mit “komischen wörtern” verlinkt, sondern auch den namen der seite erwähnt und korrekt verlinkt!

  • Al

    Das ist ja noch gar nicht raus, ob das kommt. Nur weil eine Petition gegen ein für Insider idiotisches, für Konsumenten schwer verständliches und nicht direkt relevantes Gesetz nicht so viele Leute mobilisiert hat, wie irgend welche Oberaufreger (GEMA, Netzsperren) ist das ja nicht plötzlich beschlossene Sache. Und anders herum: Beim Thema GEMA oder Netzsperren gab es sehr erfolgreiche Petitionen, trotzdem wurde Zensursula erstmal eingeführt und erst später wieder zurückgenommen. Und die GEMA hat sich trotz erfolgreicher Petition bis heute keinen Millimeter bewegt. Es gibt eben Themen, da interessiert der “Druck der Straße” kein Schwein!

  • scid

    Naja, die Sache ist doch die, diejenigen, die sich mit dem Leistungsschutzrecht selbst ins Fleisch schneiden sind doch die Verlage selbst; da die das aber wollen, werden die so eine Petition wohl nicht unterschreiben. Google wird’s ‘nen Scheißdreck kümmern – in irgendeinem anderen Land kam sowas auch auf, da haben die kurzerhand alle Newseiten von da nicht mehr in ihren Suchen gelistet und keinen hat’s gestört – und ich weiß auch gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal was auf ‘ner deutschen Verlegerseite gelesen habe, von daher ist mir das auch irgendwie total egal.

  • Das Netz und die Kraft: der Himmel wird ihnen auf den Kopf fallen

    […] das Leistungsschutzrecht für Presseverlage – auch ohne Petition! – Isarmatrose; Dafür interessiert sich kein Schwein – […]

  • Warum die Petition gegen das Leistungsschutzrecht gescheitert ist | BASIC thinking

    […] Das Thema habe schlicht keine Schwein interessiert, formuliert es wörtlich Marcel Winatschek von Amy & Pink. Er haut ziemlich drauf und nicht mit allem, was er schreibt, bin ich einverstanden, wohl aber […]

  • nk

    „Nerds haben's einfach nicht so mit der Massenbewegung.“

    Wer in Deutschland hats denn mit der Massenbewegung? Die Grünen? Anti-AKW-Demos? Die Antifa? Die Nazis? Die Bild? Die Guttenberg-Fans? Skrillex? Die Kanzlerin?

    Niemand. Keine AHnung, was dieser Artikel sein will, aber er versagt dabei.

  • Über den Würgegriff der IT und die Deutungshoheit der netzpolitischen Nerds | Ich sag mal

    […] PETITION GEGEN DAS LEISTUNGSSCHUTZRECHT – Dafür interessiert sich kein Schwein. 50.732704 7.096311 Teilen Sie dies mit:FacebookTwitterTumblrPinterestDiggRedditStumbleUponLinkedInDruckenE-MailGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in "Technik", "Web 2.0", Informationstechnik, Internet, Management, Social Web und verschlagwortet mit "CIO", "Google", "Informationstechnologie", "Media", "Nachrichten", "News", Allgemein, Allgemeines, App-Store, Blog, Blogger, Deutschland, IT-Fachkräfte, Kommunikation, Leistungsschutzrecht, Markus Beckedahl, Nerds, Netzpolitik, netzpolitik.org, Social Media, Social Web-Technologien von gsohn. Permanenter Link zum Eintrag. […]

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