Trekant - Norwegen hat das geilere Fernsehen

Als mich im letzten Jahr zwei Bekannte aus den USA besucht hatten, galten ihre erste Fragen der legendären sexuellen Offenheit der Europäer. Wo ist der nächste FKK-Strand? Können wir hier…
Trekant

Norwegen hat das geilere Fernsehen

Als mich im letzten Jahr zwei Bekannte aus den USA besucht hatten, galten ihre erste Fragen der legendären sexuellen Offenheit der Europäer. Wo ist der nächste FKK-Strand? Können wir hier einfach im Park vögeln? Wieso läuft im Fernsehen nirgendwo ein Porno? Als ich ihnen klarmachte, dass sie in Deutschland lange durch’s Programm zappen müssten, um eine waschechte Vagina zu sehen, wären sie beinahe wieder abgereist.

Womöglich hätte ich die beiden etwas nördlicher nach Norwegen verfrachten sollen. Dort scheinen sie noch nicht ganz so verweichlicht zu sein, was den nackten Körper des Menschen angeht, um stattdessen lieber blutige Gewalt oder permanente Verdummung in Dauerschleife zu senden. Meine Aufmerksamkeit wurde auf eine Sendung namens “Trekant” gelenkt. Das ist eine Dokureihe über’s Ficken. Und die ist ab 15.

In der auf dem öffentlich-rechtlichen Sender NKR 3 bereits in der zweiten Staffel laufenden Serie begeben sich Johanna, Benjamin und Even auf die Suche nach sexuellen Abenteuern, lassen sich von Experten über Orgasmen, Vibratoren und Fetische aufklären und werfen sich auch gerne mal in die Lederkluft, um mal etwas abseits vom Blümchensex auszuprobieren. Das klingt jetzt zugegeben etwas öde und nach BRAVO in der 7. Klasse.

Aber während die deutschen Medienschützer so geil darauf sind, Jugendliche, die das in dem Alter am meisten brauchen könnten, um nicht den ganzen Scheiß aus Hardcore-Pornos zu lernen, vor nackter Haut jeglicher Art zu schützen und ihnen stattdessen lieber mit “Das Supertalent” und “Bauer sucht Frau” das Hirn zermatschen, kennen die Leute hinter “Trekant” keinerlei Berührungsängste.

So lernt Johanna in einer Folge erst einmal unter den Augen eines Profis, wie sich Frauen selbst befriedigen können. Fünf Minuten lang, die Kamera hält voll drauf, Gel drüber, Vibrator rein. Even fährt lieber zu einer rasierten Penisparade bei Freunden. Und der schwule Benjamin zieht sich halbnackt eine Polizistenmütze auf und lässt seiner Kreativität freien Lauf, während das Fernsehteam lachend daneben steht.

Ich finde das so großartig. Diese öffentliche Zugänglichkeit zu ganz normalen sexuellen Themen, an die jeder von uns schon im Kindesalter herangeführt werden sollte, ohne ständig mit Umschreibungen und Zensuren verwirrt zu werden. Denn wenn wir im Fernsehen ständig nur schlechte Krimis konsumieren, in denen Drogen, Mord und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind, ist es ja kein Wunder, dass hier alle einen Knall bekommen.

Sexuelle Revolution und Generation Porno schön und gut, aber wenn das bedeutet, dass uns der Staat ständig davor schützen möchte, mit Genitalien und Geschlechtsverkehr konfrontiert zu werden, dann finde ich das falsch. Und mag es auch nur daran liegen, um vor meinen amerikanischen Bekannten damit angeben zu können, dass wir hier in Deutschland keine Angst vor’m Ficken haben. Was aber nicht stimmt.

Superdry

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Mister Spex

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