Die neue Abmahnwelle - Deutsche Blogger müssen zahlen

Wenn es ums Thema Bloggen geht, dann schielen wir immer wieder neidisch auf die amerikanischen Vertreter, die nicht nur wesentlich größere Erfolge feiern dürfen und wohlwollendere Leser besitzen, sondern die…
Die neue Abmahnwelle

Deutsche Blogger müssen zahlen

Wenn es ums Thema Bloggen geht, dann schielen wir immer wieder neidisch auf die amerikanischen Vertreter, die nicht nur wesentlich größere Erfolge feiern dürfen und wohlwollendere Leser besitzen, sondern die auch von einer Redefreiheit profitieren können, die nicht durch widersprüchliche Gesetze, verklemmte Verwertungsgesellschaften und neidische Medienvertreter beschnitten wird.

In den letzten Wochen hat die Anwaltskanzlei activeLAW damit begonnen, in Massen Abmahnungen zu verschicken, deren Forderungen oft um die 5000 Euro pro Objekt liegen. Auftraggeber ist die Berliner Bildagentur hgm-press Michel OHG, die sich die Rechte an allen möglichen Fotos und Grafiken sicherte und nun damit begonnen hat, jegliche Blogs abzumahnen, die diese in ihren Artikel veröffentlicht haben.

So soll die Seite Autodino knapp 19.000 Euro für drei Fotos zahlen, die sie verwendet haben. Die Forderungen gegen We Like That belaufen sich auf 3.000 Euro. Für eine Vorstellung des Künstlers Nathan Sawaya. Auch wir von AMY&PINK und unsere ehemalige Schwesternseite Wannafuckahipster (nicht mehr online) sollen 5.000 Euro für ein Bild von Lindsay Lohan überweisen. Und das sind längst nicht die Einzigen.

Das Besondere daran ist die Aggressivität und die Quantität mit der activeLAW gegen die deutschen Blogger vorgeht. Denn anscheinend ist es irrelevant, ob die Betreiber den Urheber der Bilder angegeben oder sogar das schriftliche Einverständnis erhalten haben. Die Google Bildersuche wurde automatisch durchforstet und es wird jeder abgemahnt, der dort auf die Schnelle zu finden war.

Ohne den rechtlichen Schutz eines Fair-Use-Gesetzes, wie es zum Beispiel in den USA schon längst in Kraft ist, ist es hiesigen Anwälten leider immer noch erlaubt, mit Massenabmahnungen inklusive horrenden Summen in Deutschland ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und damit so manche Existenz und jahrelange Arbeit in kürzester Zeit aufgrund von Habgier zu zerstören. Und das am Fließband.

Webseiten wie Tumblr, Pinterest oder Etsy wären in Deutschland schlicht nicht möglich, weil es das deutsche Recht nicht erlaubt, Bilder, an denen man nicht die Rechte besitzt, weiterzuverbreiten. Nicht zur Inspiration, nicht zur Information, nicht zur Empfehlung. Schon fremde Fotos auf eurer Facebook-Seite, eurer Google+-Wand oder eurem Twitter-Profil können euch mit einem einzigen Brief ruinieren.

Wenn das so weitergeht, sollte man es sich zweimal überlegen, ob man in Deutschland einen eigenen Blog oder ein Online-Magazin gründet und damit das Risiko eingeht, still geklagt zu werden. Denn nur, wenn sich die Poltik in dieser Sache engagiert und den Abmahnwellen endlich einen gesetzlichen Riegel vorschiebt, kann sich unsere digitale Kultur sicher, natürlich und modern entwickeln. Und dafür ist es höchste Zeit.

PS: Bitte keine Beleidigungen ohne konstruktive Kritik in den Kommentaren.

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