Feminismus in Deutschland - Wütend, humorlos, langweilig

Wenn ihr eure Körper mal auf eine dieser selbsthuldigenden Blogger-Events schleift, dann werdet ihr schnell feststellen, dass ihr im Grunde nur die Auswahl zwischen vier verschiedenen Themen habt. Mode, Politik,…
Feminismus in Deutschland

Wütend, humorlos, langweilig

Wenn ihr eure Körper mal auf eine dieser selbsthuldigenden Blogger-Events schleift, dann werdet ihr schnell feststellen, dass ihr im Grunde nur die Auswahl zwischen vier verschiedenen Themen habt. Mode, Politik, Technik – und Feminismus. Während ich bei Modetagungen nur blöd mit einem Gläschen Champagner in der Ecke stehe, weil ich nun mal keine Ahnung von der neuen Karl-Lagerfeld-Kollektion habe, bei der Politik immer lieber ein bisschen links verweile und der Technik mit meinem fast jährlichen Kauf des neuen iPhones Buße tue, werde ich bei Panels, die sich um Frauenrechte drehen, immer so wütend und gelangweilt gleichzeitig, dass ich am liebsten den Stuhl anzünden und laut losschreien würde.

Ich bin in einer Generation aufgewachsen, in der selbstbewusste, starke und inspirierende Frauen die Selbstverständlichkeit waren. Im Kindergarten, in der Schule, im Arbeitsalltag, unter Freunden – ich konnte nicht einmal nachvollziehen, warum irgendwer irgendwo ernsthaft laut von sich geben konnte, dass Frauen weniger Rechte oder Chancen oder Möglichkeiten haben sollten als Männer, ohne dafür laut ausgelacht zu werden.

Typen, die in Talkshows predigten, dass sie nur Jungfrauen ficken würden, dass der Herd der geeignete Platz für Fotzen ist, dass ein paar Schläge am Tag normal seien, um die Alte wieder zur Vernunft zu bringen. Solche Aussagen nahm ich nicht einmal ernst, dachte sie wären von einem geldgeilen RTL-Team geschrieben worden, um das Publikum gegen sie aufzubringen, so weit hergeholt war dieser Scheiß für mich.

Das alles gehört für mich in die gleiche Kategorie wie Rassismus, Klassismus oder, ja, Kannibalismus: Begriffe aus einer alten, fast schon mystischen Zeit, in der reiche Typen Sklaven hielten und missbrauchten, Prinzen keine Hofmägde heiraten durften, Seefahrer von Buschmenschen verspeist wurden. So abwegig und fernab jeder modernen Realität, dass ich nichts davon ernst nehmen kann. Warum auch?

Mein tiefherziger Respekt gilt allen starken Frauen, die sich jemals gegen die Diskriminierung von Geschlechtern eingesetzt haben. Im großen wie im kleinen Stil. Die sich selbst, ihre Familie, ihre Freunde aufgegeben haben, die gekämpft haben, die ihr Leben gegeben haben, um zu beweisen, dass Menschen nicht weniger wertvoll sind, nur weil sie keinen Penis zwischen den Beinen baumeln haben.

Warum überkommt mich dann trotzdem diese unruhige Mischung aus Wut, Humorlosigkeit und Langeweile, wenn ich eine feministische Publikation lese oder einer feministischen Rede zuhöre, obwohl ich doch ihre Forderungen, ihre Botschaften, ihre Ziele im Großen und Ganzen vollends unterstütze? Weil die feministische Bewegung nur aus wütenden, humorlosen und langweiligen Menschen besteht.

Sie wollen den Salzstreuer in Salzstreuerin umbenennen und meinen das ernst. Sie fordern eine bundesweite Frauenquote, die doch im Endeffekt nur wieder die längst angestaubte Geschlechterteilung unterstützt, und meinen das ernst. Sie gehen auf SlutWalks und meinen das ernst. Sie verleumden die menschliche Sexualität und meinen das ernst. Sie folgen Alice Schwarzer. Und meinen das ernst.

„Beim bloßen Aussprechen des Wortes Feminismus explodiert in nicht wenigen Köpfen eine gigantische Bombe“, meint Vorzeigebloggerin Nike van Dinther. “Zusammengesetzt aus stereotypen Sichtweisen, Bildern von Achselhaar oder Mademoiselle Peaches, wie sich auf der Musical-Bühne einen Plastikpenis umschnallt, von unattraktiven Politikerinnen, von der grausamen Alice Schwarzer und richtig fiesen Männerhasserinnen.“

„Wer sich jetzt fragt, wieso man sich denn zwangsläufig einer Gruppe zugehörig fühlen muss, dem lege ich eine Antwort auf meine Frage bezüglich dieser Thematik in einem Blogger-Forum ans Herz: Weil es das zwischenmenschliche Agieren erleichtert, wenn man Dinge, Menschen, Einstellung etc unter einem Begriff zusammen fassen kann und man Gleichgesinnte schneller findet.“ Und da hat sie Recht.

Im Grunde sollte jeder moderne, intelligente und aufgeklärte Mensch ein Feminist sein. Er sollte sich für die Rechte aller Menschen einsetzen, gegen Ungerechtigkeit, für Aufklärung, gegen Diskriminierung. Aber wenn die Bewegung, die eben diese Ziele mit aller Kraft verfolgt, so uninspirierend, so weltfremd und so unsympathisch auftritt, dann ist Antipathie und ein damit verbundener Abstand vorprogrammiert.

Der Feminismus in Deutschland und auf der Welt würde es um einiges einfacher haben und auch viel mehr männliche Unterstützer haben, wenn er nicht nur moderne Forderungen hätte, sondern diese eben auch modern präsentieren würde. Weg von der dieser unglaublichen Ernsthaftigkeit, weg von diesen Klischees, die er immer noch verkörpert, weg von dieser Verbissenheit, dieser Wortwahl, diesen Idolen.

Wir alle, egal ob Frauen oder Männer, wünschen uns einen jüngeren, frischeren und umgangsfreundlicheren Feminismus, der dem heutigen Zeitgeist entspricht, den wir freiwillig verteidigen, den wir gerne und selbstverständlich leben. Der diese brennende Herzenslust in jedem Einzelnen von uns aktiviert, damit wir alle gemeinsam daran arbeiten können, dass Gleichberechtigung von ganz allein Einzug in unsere Gesellschaft findet. Ohne Quoten. Ohne Wortvergewaltigungen. Und ohne, dass ich am liebsten den Stuhl anzünden und laut losschreien würde.

Superdry

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59 Kommentare

  • Schön, wenn Rassismus bei Dir auf den Plantagen aufgehört hat. In welchem Deutschland lebst Du eigentlich?

    • Marcel

      Das habe ich nirgends geschrieben. Aber Danke für’s Worte in den Mund legen.

      • Svenja

        “Das alles gehört für mich in die gleiche Kategorie wie Rassismus, Klassismus oder, ja, Kannibalismus: Begriffe aus einer alten, fast schon mystischen Zeit, in der reiche Typen Sklaven hielten und missbrauchten, Prinzen keine Hofmägde heiraten durften, Seefahrer von Buschmenschen verspeist wurden. So abwegig und fernab jeder modernen Realität, dass ich nichts davon ernst nehmen kann. Warum auch?”

        Da hast Du das geschrieben und leider nicht einmal subtil genug, um sich auf diese Weise “dumm” stellen zu können.
        Ich gratuliere Dir jedenfalls, dass Du schon in der Zukunft lebst. Wir anderen armen Schweine leben immer noch in einer Welt, wo reiche Typen Sklaven halten – denn schließlich gibt es ja auch immer noch den Rassismus und das ist ja einander gleichzustellen.

        Man kann an solche Themen gerne mit schwarzem Humor heran gehen – aber dann sollte man auch dazu stehen ;)

  • Conrad

    So ehrenhaft und nachvollziehbar die Absicht und so edel der Gedanke an die Selbstverständlichkeit von Antifaschismus und Feminismus und weiterführend Vegetarismus, Antispeziezismus usw. auch sein mag, sie ist hier sehr unvorsichtig dargestellt.
    Gleichwohl ich einen lockeren und selbstverständlichen Umgang mit diesen Themen unterstütze, meine ich doch gleichzeitig, dass es sich nach wie vor um ernste Angelegenheiten handelt, solche die jeden Tag Leben kosten und in diesem Sinne durchaus eine gewisse, wenn auch nicht verbissene, Ernsthaftigkeit für sich beanspruchen.
    Die Selbstverständlichkeit dieses modernen Verhaltenskodex zeigt sich im übrigen durch die ständige Erneuerung und Erhaltung der Forderungen der Ideale, meinetwegen auch mit flachem bis schwarzem Humor, nicht aber durch die Ignoranz der Themen.

  • Dirk hat den Artikel nicht gelesen. Hihi. Idiot.

  • Leider ist unsere Gesellschaft viel subtiler gebrainwashed als man meinen mag. Da hilft auch kein Affront dieser Art. FeministenInnenininin NERVEN. Sie bringen Diskussionen auf eine Meta-Ebene. Sie analysieren nicht nur Inhalte, sondern auch Arten, Vorgehensweise. Das NERVT, weil keine richtige Unterhaltung zustande kommt, ohne dass man direkt jedes zweite Wort auseinanderklamüsern muss und sich anschließend für seine Brainwashung rechtfertigen muss. Aber sie sind notwendig, so langweilig man es finden mag, so schwierig es auch ist. Sie erledigen die unsympathische Arbeit für dich und für mich, damit deine Kinder später ein schöneres Leben führen (können). SIE NERVEN. Mein Arzt nervt auch, wenn er sagt ich soll aufhören zu rauchen. Meine Mutter nervt auch, wenn sie sagt ich soll mein Zimmer aufräumen. Das hat alles seinen Grund und muss auch hinterfragt werden – aber leider sind Artikel wie der, den du geschrieben hast, einfach nur schade. Denn anstatt “danke für euren scheiss job” zu sagen, “danke dass ich nicht der unsympathische arsch sein muss”, “danke dass wegen euch gesellschaftlich VERANKERTE probleme thematisiert werden”, sagen wir alle nur: boah, seid ihr hässlich und langweilig.

    Du findest es bestimmt auch geil, wenn man dich auf dein Nerdsein reduziert. Oder darauf, dass du auf minderjährige Titten stehst (im Übrigen: deinen Feminismus-Standpunkt kauft dir keiner ab, denn deine Taten und Worte sprechen dagegen. Ob du es dabei gut oder böse meinst steht gar nicht zur Debatte, aber Tittenblättchen und so einige Sprüche über die man lachen kann lenken ganz ins Gegenteil von dem, was du gerade geschrieben hast). Das nervt auch. Jetzt kannst du natürlich sagen: mir doch egal auf was man mich reduziert. Aber das ist halt das Problem in unserer Gesellschaft. Nike und du, ihr reduziert Feministinnen auf nervige, altbackene, spießige Kampfschlägerlesben mit einem massiven Achselhaarproblem, anstatt mal darüber nachzudenken dass sie dafür verantwortlich sind dass IHR euch nicht nachher den stylischen Kopf und die rasierten Beine darüber zerbrechen müsst, ob man als Frau eigentlich das Recht auf Abtreibung hat oder nicht.

    Und wie in jeder “Branche”, wie bei jedem “Aktivismus” gibt es Extreme. Sie nerven. Man möchte als Normalsterblicher meinen, das ist jetzt aber ein bisschen übertrieben. Vielleicht sollte man aber langsam darüber anfangen nachzudenken, dass Übertreibung manchmal notwendig ist, um überhaupt auch nur das Minimum in der Gesellschaft zu erreichen, das man anstrebt.

    Zusammengefasst: ich trage meine Probleme zur Gesellschaft bei und kann mich “leider” nicht damit rühmen, feministisch aktiv zu sein. Aber ich bin jeder Frau dankbar, die sich zur unbeliebten Querulantin macht, nur damit ich mir nen Plastikpenis ansetzen und wie jeder Typ in die Straßenecke pissen darf.

    • Marcel

      Die Frage, die ich mir stelle ist: Muss Feminismus wirklich so unzugänglich und nervig sein? Oder gibt es eine Möglichkeit, ihn auch für Menschen zu öffnen, die allein schon bei dem Wort dankend abwinken, die vielleicht schon gar nicht mehr bedacht wird, weil sich die Rollen bereits so sehr verteilt haben? Und ich würde gerne einmal von einer Feministin hören, warum es gegen ihre Ideale ist, wenn Frauen sich ausziehen und nackt oder halbnackt präsentieren, solange sie nicht dazu genötigt werden.

      • 1. Aus dem gleichen Grund, wieso nicht jeder Astronaut werden kann oder die Verantwortung für ein Atomkraftwerk übernehmen oder BundeskanzlerIn werden kann, ist Zugänglichkeit zum Feminismus auch nicht unbedingt etwas, dass populistisch ausgebreitet werden muss. Feminismus, der sich mit sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen auf einem akademischen Niveau auseinandersetzt, braucht keine Legitimation aus dem Volk. Braucht auch keine mediale Unterstützung im Sinne der Bild-Zeitung, braucht auch keine gehetzte Diskussion, keinen Kony-Hype, keinen Anspruch, wie du ihn gerade forderst. Es ist ein Langzeit-Diskurs, der auf höchsten Ebenen einsetzen muss, um wirklich konkrete Erfolge zu erzielen. Frauen, aber auch Männer, die aktivistisch tätig sind, können natürlich in ihrer engeren Umgebung ein Sprachrohr sein. Wie viel Kontakt hättest du denn zu Feministinnen, wenn du ihnen nicht auf Twitter folgen würdest? Du würdest ab und an etwas über die Frauenquote in den großen Medien lesen und dich fragen, was das jetzt soll. Aber wenn du dich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen willst, dann schau lieber in den Nischen nach, da wo es um situative Diskussionen geht, und eben um Meta-Ebenen, die sich deiner Reichweite entzieht. Aus irgendwelchen Gründen meint ja fast jeder Mensch, er könne etwas zu hochabstrakten und schwierigen Themen sagen, nur weil sie mit den gleichen Wörtern gekleidet sind wie ein Buch aus der Belletristik. Stell dir das Thema Feminismus lieber mal wie einen Physik-Kurs vor. Auch physikalische Gesetze kommen jeden Tag und zu jeder Sekunde zum Zug, aber mit deinen rudimentären Kenntnissen kannst du sie höchsten erkennen, kaum aber erklären oder gar anwenden. Und du würdest es dir niemals anmaßen im Vergleich zu jemandem, der sich jeden verdammten Tag damit auf professioneller Ebene auseinandersetzt.

        “Feministinnen”, insofern das keine persönliche Bezeichnung sondern eine professionelle Rolle meint, sollen weiterhin in Unternehmen, der Politik und auch gerne den Medien beratend zur Seite stehen um von oben herunter etwas zu ändern. Sie sollen gerne Bücher schreiben und auch gerne popkulturellen Einfluss haben, sie sollen bitte von allen Seiten nerven. Aber Feminismus ist kein Spaßthema, Gender ist kein Spaßthema, Sexualität ist kein Spaßthema, das bitte für jeden Depp “zugänglich” gemacht werden soll. Beweis dein Engagement und informiere dich richtig, bilde dir eine fundierte Meinung, die über Bloggerveranstaltungen hinaus geht. Schreib dich in ein Stuidum der Sozialwissenschaften ein und lies erstmal ein paar akademische Texte darüber und verstehe, was es bedeutet, Randgruppen anzugehören und Machthierachien in unserer Gesellschaft zum Opfer zu fallen. Dann verstehst du vielleicht auch, was es auch HEUTE noch bedeutet, eine andere Hautfarbe zu haben oder gar eine Frau zu sein. Wir verschenken jeden Tag unser Potenzial und beschweren uns dann auch noch darüber, dass jemand anderes dafür kämpft, dass wir es verschwenden können.

        2. Verwechsel persönliche Ideale nicht mit Ideale der Gesellschaft. Es geht nicht um biedere Sexualität oder darum, ob Frauen (oder Männer!) sich ausziehen können oder dürfen oder nicht. Es geht um ein System, dass diese Tatsache für sich nutzt, egal ob du es nun auch so siehst oder nicht. Ich will jetzt kein Fass aufmachen, bei dem ich selber nicht viel Ahnung habe, deshalb belasse ich es mal dabei. Aber trotzdem watest du hier in einem Gebiet wo du einfach nicht gebraucht wirst und mit solchen Texten mehr Schaden anrichtest als mit Nacktbildern.

        • Marcel

          Genau hier muss ich dir widersprechen. Feministen fordern Gleichberechtigung. Wo? Genau: In der Gesellschaft. Solange sich der Feminismus über die Köpfe der Menschen hinweg setzt, sich sogar auf einer höheren Ebene betrachtet, wird nie erreicht, was eigentlich das Ziel der Bewegung ist: Dass Frauen und Männer zu jeder Zeit, in jedem Winkel unseres Lebens die selben Rechte haben. Und dass das nicht nur gesetzlich irgendwo vorgeschrieben ist, sondern dass die Menschen, die Bürger, schon unsere Kinder am eigenen Leib erleben, dass es keinen Grund gibt, wieso das nicht so sein sollte. Dass Eltern, Lehrer, Kollegen, Freunde niemals auch nur Signale geben, dass es keine Gleichberechtigung gibt.

          Doch dies kann nur geschehen, wenn Feminismus akzeptiert wird, Hand in Hand mit den Ideen und Idealen der Leute geht. Ein Feminismus, der sich nicht an diejenigen richtet, die er zu überzeugen versucht, ist ein falscher Feminismus.

        • “Und dass das nicht nur gesetzlich irgendwo vorgeschrieben ist, sondern dass die Menschen, die Bürger, schon unsere Kinder am eigenen Leib erleben, dass es keinen Grund gibt, wieso das nicht so sein sollte. Dass Eltern, Lehrer, Kollegen, Freunde niemals auch nur Signale geben, dass es keine Gleichberechtigung gibt.”

          Schön, dass du das noch nie am eigenen Leib erfahren hast :)

          Ich weiß schon, was du meinst und im Prinzip muss ich dir da nicht mal widersprechen. Klar, auch Normalsterbliche wie du und ich sollten davon bereichert werden, dass Gleichberechtigung etwas schönes ist. Aber hier geht es nicht nur um gesetzliche Gleichberechtigung. Hier geht es um Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft. Und du kannst jetzt nicht einfach sagen, “Ja das habe ich aber noch nie gespürt oder bemerkt oder signalisiert bekommen, dass das hier jetzt eine patriarchalische Gesellschaft ist”. Das ist Bullshit, und das ist individuelles Meinungsgequatsche. Das ist nicht empirisch, das ist nicht belegt, und was meinst du warum es dazu Studiengänge gibt, wieso sich Leute ein ganzes Leben lang mit Massenpsychologie und Soziologie beschäftigen, wieso es ganz Abhandlungen über die Subaltern gibt, über Menschen, die unterdrückt werden ohne es zu wissen von Menschen die es auch nicht wissen? Doktorarbeiten wurden darüber geschrieben, ganze verdammte Bibliotheken zugehackt, unendlich viele Studien darum gemacht, und deine Schlussfolgerung ist: das nervt, wie ihr übertreibt, wieso kann ich bei eurem Spiel nicht mitspielen und wieso könnt ihr das nicht ein bisschen witziger für alle Beteiligten gestalten, damit es was bringt? Engagier dich doch! Spiel doch mit! Übernimm du doch die Aufgabe! Das ist in etwa so wie Leuten zu erzählen dass das kapitalistische System irgendwie doch auch Mist ist und der Grund ist dafür warum wir jetzt Finanzkrise haben. Glaubst du nicht, dass es jemand vor dir schon versucht hätte? Aber unbequeme Themen sind unbequeme Themen, egal wie du es drehst und wendest. Und sie MÜSSEN vielleicht auch genauso nervig und unbequem und langweilig sein, wie du sie beschrieben hast.

          • Marcel

            Mit dem Satz meinte ich nicht die Gegenwart, sondern die hoffnungsvolle Zukunft. Und natürlich spüre ich das Machtungleichgewicht. Immer und überall. Aber darum geht es hier doch. Um das zu ändern und die Frage: Wie macht man das am effektivsten? Feminismus sollte nicht nur ein Weg sein, eine ideale Antwort zu etablieren. Er sollte auf allen Ebenen funktionieren. Auf der menschlichen ebenso wie auf der gesellschaftlichen, auf der gesetzlichen. Auf der akademischen genauso wie auf der bürgerlichen. Und Feminismus sollte erst recht keine Vereinigung sein, in der man mitspielen darf oder nicht – sondern eine selbstverständliche Lebenseinstellung, die jedem, ob jung oder alt, ob dumm oder klug gleichermaßen vermittelt werden kann und die akzeptiert wird, weil sie Sinn ergibt, weil sie logisch ist, weil sie wahr ist.

          • Nick

            Es ist wirklich so dermaßen nervig wie du dich immer um Kopf und Kragen redest Marcel. – Das habe ich nicht geschrieben. Das interpretiert ihr rein. Wer mich nicht versteht ist selber schuld. –
            Diese Weichspüler-Artikel braucht wirklich keiner. Du entziehst dich jedes Mal jeglicher Kritik mit der Begründung, dass die Leute zu viel hineininterpretieren und du das ja gar nicht so geimeint hast. Hast du vielleicht mal daran gedacht, dass das an deiner Art liegt dich um Themen herumzuwinden? Nein, immer sind die weltfremden Kleingeister schuld. Die sollen mal über ihren Tellerrand schauen, dann kommen sie unter Umständen auch irgendwann auf dein Diskussionsniveau, was?
            Pseudo-Liberales Rumgeeier..

  • FeministInnen sind nur hässliche unrasierte Menschen und außerdem noch doof, sie mögen doch bitte den Feminismus lustig aufbereit, damit ich ihn auch verstehe, eine Frauenquote ist voll scheiße, und bitte nicht unsere herzallerliebste Sprache verschandeln.

    Ich will nicht sagen, dass feministische Diskussionen nicht oft schwer zugänglich sind und du insofern teilweise recht hast, aber – Marcel, dir ist klar, dass du hier in die gleiche Schiene trittst wie die Maskulinisten?

    • Marcel

      Ich habe nirgends geschrieben, dass Feministinnen nur hässliche, unrasierte, doofe Menschen sind. Sondern du.

    • J

      Maskulinisten auf reddit’s men’s rights und laute Idioten zu reduzieren ist das selbe wie Feministen auf alles Oppression nennende Misandristinnen zu reduzieren.
      Es gibt sehr wohl einige Probleme mit dem modernen Feminismus, da er sich oft nicht als Egalitarismus sieht- was hier auch das Zauberwort wäre. Wirkliche Gleichberechtigung wollen, denn wenn man “zwei” Geschlechtern wirklich gleiche Rechte geben will, kann man nicht nur auf einer Seite anpacken.

      Das “Sprache verschandeln” kann ich nachvollziehen, so absurd es in dem (teilweise sich sehr zur Zielscheibe machenden) Text auch geschrieben sein mag- Denn während ich selber sehr aktiv in vielen feministischen Diskussionen war, habe ich mir beispielsweise den Wunsch, aus woman womyn zu machen aus dem englischsprachigen Raum näher angesehen, der den etymologischen Stamm für “Mensch” aus dem Wort nehmen würde. Aus history herstory machen zu wollen ist zudem meiner Ansicht nach absurd, da es auch nichts mit dem eigentlichen Wortstamm zu tun hat. Durch reges -innen im Deutschen den generischen Maskulinum, der das grammatikalische Geschlecht anspricht, entfernen zu wollen, trennt meiner Ansicht nach die Geschlechter nur weiter. Frauen müssen imo nicht extra angesprochen werden, sondern sich von vornherein angesprochen fühlen.
      Frauenquote erwählt zudem auch Leute nach dem Geschlecht und nicht nach Leistung. Das sind weder Anerkennung noch selbe Chancen, sondern wieder eine unnötige Trennung welche die Frauen meines Erachtens als schlechter darstellt, da sie “ohne gar nicht die Leistung zur Einstellung aufbringen könnten”.

      Wenn Feminismus kritisiert wird gibt es oft das Problem, dass der Kritiker als mysoginistisches Schwein dargestellt wird, egal, was er gesagt hatte, und oft sehr emotional reagiert wird. Die Diskussionen über jedes Wort sind zudem teilweise widersprüchlich- Die selbe, welche einen gerade noch darauf hingewiesen hat, dass man sich ableistischer oder sexistischer Sprache bedient hat, wirft einem gerne “Tone Arguments”, Reglementierung ihres Rechtes darauf, zu sagen, was sie will, vor, wenn sie selber ähnliche Fehler macht oder beginnt, ad hominem zu “diskutieren”.
      Ich hab’s traurigerweise schon erlebt, dass eine mtf aus feministischen Diskussionen ausgeschlossen wurde, da sie “keine richtige Frau” ist, wogegen ftms gegen ihren Willen in diese miteinbezogen und weiterhin als Frauen behandelt wurden, und finde das.. geschmacklos ist das falsche Wort, eher (obacht, Ableismus!) absolut zurückgeblieben.

      Natürlich spreche ich hier von wieder nicht allgemeinen Fallbeispielen und habe in DE bisweilen sogar recht wenige Feministen erlebt, über die ich direkt urteilen könnte (die paar, die ich kenne, sehe ich als Sonderfälle an), und schreibe hier eher über meine Erfahrungen aus den USA, welche über Internetplattformen ja ziemlich schnell um sich greifen (bis man tumblr beginnt, für immer zu ignorieren).

      Gleichberechtigung ist notwendig, aber Selbstreflexion ebenfalls nötig. Ad hominems, wie sie hier in den Kommentaren teils subtil fallen, und zu große emotionale Bindung, gehören ebenfalls nicht in Diskussionen, und ich entschuldig mich mal für die ganzen Fallbeispiele, die eig auch ein Unding sind.

  • Danke, sara. Word.

  • nike

    ich glaube, sara hat meine aussage nicht verstanden <3

    • ich glaube, ich habe das schon verstanden, und ich finds n bisschen despektierlich davon auszugehen dass ich zu dumm dafür bin. das war auch nicht so gemeint, als fände ich euch jetzt total scheisse für das, was da steht; ich wollte eben auch nur sagen, was es bedeutet, solche pauschalaussagen zu treffen.

  • Faye

    Ah, da kennt wieder einer keiner FeministInnen persönlich. Nebenbei: Feminismus zugänglicher machen? Für wen? Für verkappte Sexisten, die sich dann toll fühlen können, weil sie bei einer Bewegung mitspielen dürfen, die dann eine reine Alibi-Veranstaltung wäre? Ja, nö.
    Ach so, damit es zugänglicher und netter ist, hier ein Smily: =)

    • Marcel

      Genau hier liegt das Problem: Dass die meisten heutigen Feministinnen in Wahrheit nicht das Ziel verfolgen, Gleichberechtigung zu etablieren, sondern Mitglied in einem Eliteclub sein wollen, der mit aller Kraft versucht ein Feindbild zu bekämpfen, das eigentlich gar nicht vorhanden wäre, wenn man etwas offener und nicht so weltfremd agieren würde. Mitläufer also, die froh sind, wenn sie irgendwo Halt und Zuspruch finden.

  • Cindy

    Was ich mich frage: wurde für diesen Artikel überhaupt irgendwas recherchiert? Denn Artikel über Feminismus die heute immer noch die Alice Schwarzer-Keule rausholen, wollen wohl eher polarisieren als irgendeinen informativen Wert haben.
    Lieber Marcel, wie steht’s denn mit der (zahlreichen) Kritik innerhalb des Feminismus zu Alice Schwarzer? Arbeit gegen *ismen? Femgeeks? War wohl alles nicht interessant genug. Aber wir sind ja alle so emanzipiert und gleichberechtigt. Kein Lohnunterschied, keine Rape Culture, kein Slut Shaming oder Victim Blaming, keine *ismen überall im Alltag, …

    Dein Artikel macht einiges deutlich. Du hast Dich mit dem Thema weder auseinandergesetzt, noch es in irgendeiner Weise analysiert. Stattdessen wiederholst Du – und genau das nämlich ist langweilig und humorlos, nicht der Feminismus selbst – genau den Quatsch, den “Qualitätsmedien” und ganz “schlaue” Leute von sich geben. Wenn das Deinem Anspruch genügt, weiter so. Hoffentlich sind da ein paar LeserInnen humorvoller.

    • Marcel

      Ich habe all diese Bewegungen verfolgt, konnte sie aber nicht in diesem Artikel unterbringen. Das wollte ich auch nicht, weil ich sonst nie fertig geworden wäre. Und Alice Schwarzer gilt für viele Leute nun einmal auch heute noch als das Gesicht des Feminismus. Ich finde es gut, dass junge Feministinnen langsam aber sicher das Ruder in die Hand nehmen und die eingestaubten Ideale kontrovers und mutig durch moderne Ansichten ersetzen.

      Leider sind in den Köpfen der Menschen, ja, auch in meinem, immer noch Klischees manifestiert, die auch jüngere Aktionen nicht zerstören konnten. Weil sie womöglich nicht effektiv genug waren, weil sie von den Medien nicht genügend aufgegriffen wurden, weil sie nur im kleinen Kreis funktionieren. Leider. Aber ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändern wird.

      • Cindy

        “… wenn man etwas offener und nicht so weltfremd agieren würde” schriebst Du als Antwort in einem oberen Kommentar. Was denn nun? Feminismus wagt zu wenig oder zu viel (= weltfremd)? Und weil Du nicht in der Lage bist, Feminismus zu reflektieren, reproduzierst Du Klischees einfach mal? Beschwerst Dich aber gleichzeitig, dass Alice Schwarzer immer noch allgegenwärtig ist? Oh je…

        • J

          Das ignoriert jetzt dass es über Sexualität im Feminismus sehr widersprüchliche Meinungen gibt.
          Zum einen- Gegen slutshaming und das jede seine Sexualität frei ausleben und sich anziehen sollte, wie sie will (und die Slutwalks deswegen)
          Zum anderen- Objektifizierung und sich “für Männer zur Schau stellen und zum Stück Fleisch machen”, Bewegungen gegen Pornographie (was u.A. von der von relativ vielen Feministen gelobten Serie Feminist Frequenzy propagiert wird)

          Rapeculture ist auch ein schwieriges Thema. Vergewaltigen ist schlecht, ja- Aber nicht alle Männer sind potentielle Vergewaltiger, wie man es oft liest, und auch Frauen dazu fähig. Falls dir “Schrödinger’s Rapist” ein Begriff ist kennst du sicherlich auch die Kritik daran.. Dass man “Alle Männer sind potentielle Vergewaltiger” in “Alle Schwarzen sind potentielle Diebe” umformulieren könnte. Und schon merkt man, was an der Aussage nicht in Ordnung ist.
          Betrunkener Sex ist auch ein großes Thema. Insb da der momentane Konsens zu sein scheint, dass, falls Mann und Frau währenddessen sturzbesoffen sind, die Frau vergewaltigt wurde, falls sie im Nachhinein nicht mehr zustimmt, was ihr zum einen abspricht, fähig zu sein, mit sich selber umzugehen/zu trinken, und zum anderen ignoriert, dass der Mann, soweit er denn auch betrunken war und nicht wirklich nur die Situation widerlich genutzt hat, in der selben Situation war.

          Es gibt in der vierten Welle viele Probleme, die sehr spalten, anstatt zu wirklichen Diskussionen zu führen. Was ist aus social justice bitteschön inzwischen geworden? Eine Oppressionsolympiade. Und das ist schade.

  • Femischissmus

    “Im Grunde sollte jeder moderne, intelligente und aufgeklärte Mensch ein Feminist sein.”
    Was für ein vollkommen verblödeter Satz. Feminismus hatte mit Sicherheit seine Berechtigung. Heute geht es doch nur noch darum, Rosinen zu picken.

    Jungen und Männer haben heute de facto weniger Rechte als Mädchen und Frauen.

    Dass Jungen weniger Rechte zugestanden werden als Mädchen, sehen wir aktuell an der Genitalvertsümmelungsdebatte (Euphemismus “Beschneidung”). Man/frau scheißt auf das Recht der körperlichen Unversehrtheit der Jungs.

    Bei Pussy Riot quäken alle laut mit – bei Jungenrechten lieber nicht, man könnte ja als “religionsfeindlich” bezeichnet werden …

    • Marcel

      Dass Feministinnen oft Gleichberechtigung predigen, aber manche von ihnen nicht halt machen, wenn diese in einigen Punkten erreicht ist, dürfte auch innerhalb der Bewegung ein kontroverses Problem sein. Ich beziehe mich, wenn ich “Feminismus” sage, aber auf die vollkommene Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern.

      • Femischissmus

        Dann meinst du aber, mit Verlaub, nicht “Feminismus”. Dann kannst du auch behaupten, “Sonne” zu meinen, wenn du “Tisch” sagst. Sorry, Feminismus ergo Gender Mainstreaming sind heute nicht nur männer- sondern menschenfeindlich.

      • Brian

        Das nennt sich Egalitarismus. Also, wirkliche Gleichberechtigung für beide Geschlechter forden.

  • jj

    Die ganze Diskussion ist Hirnfick. Feminismus in Deutschland ist ein typisch selbstgemachtes Problem, genau wie zu hohe Strompreise. Geht mal nach Südkorea, wo in Fällen, wenn betrunkene Männer ihre Frauen schlagen, die Polizei in seltenen Fällen überhaupt kommt und in allen Fällen gleich wieder verschwindet und das ganze Ding als internes Familienproblem abtut, obwohl das Land schon sehr weit entwickelt ist. Hierzulande kompensiert man mit Feminismus oft nur einen Mangel an Kompetenz in welcher Disziplin auch immer oder einen einfachen (ggf. historisch bedingten) Komplex. Am Ende bekommt jeder das was er (und “sie”) verdient, hier im positiven Kontext; denn für skillige Leute ist die Geschlechterhürde schon lange keine mehr. Was das mit zu hohen Strompreisen zu tun hat? Geht mal nach Afrika.

    • Olga O

      Da hast du total Recht. Es ist auch gar nicht schlimm, wenn ab und an mal jemand in Deutschland wegen Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität, Herkunft oder sonstigem totgeschlagen wird. Das passiert ja woanders noch viele viel öfter und ein bisschen Verschnitt ist immer. Nur weil die Welt ein dreckiger und beschissener Ort voller Arschlöcher ist und wir uns in einer besseren Situation befinden als andere, sollten wir nicht sagen “ist doch alles tip top” und so weitermachen wie immer.
      Feminismus ist mehr als die “Frauenquote” und der Frage nach (fehlender) Kompetenz. Genauso wie es bei Musik nicht DIE Musikrichtung gibt, gibt es auch nicht DEN universellen Feminismus.

  • nike

    du hast recht, entschuldige, so war das gar nicht gemeint. was ich sagen wollte: ich habe mich offensichtlich so ausgedrückt, dass man mich guten gewissens falsch verstehen kann. oder: vielleicht macht mein text ja auch nur in meinen augen einen ganz anderen sinn. oder: man hat nicht genau hingeschaut. weil:

    “Nike und du, ihr reduziert Feministinnen auf nervige, altbackene, spießige Kampfschlägerlesben mit einem massiven Achselhaarproblem, anstatt mal darüber nachzudenken dass sie dafür verantwortlich sind dass IHR euch nicht nachher den stylischen Kopf und die rasierten Beine darüber zerbrechen müsst, ob man als Frau eigentlich das Recht auf Abtreibung hat oder nicht.”

    ich sehe davon in meinem text keine spur. eher das gegenteil.

    wenn ich auf meinem blog ein thema wie dieses angehe, dann geht es mir nicht darum, mit fakten um mich zu schmeißen. sondern um das zurückrufen gewisser themen in gewisse köpfe. und wenn ich mir die diskussion hier, und auch die bei mir, anschaue, dann wurde genau das erreicht. und im besten fall nehmen die leser das ganze dann zum anlass, sich tatsächlich an der uni einzuschreiben oder bücher zu lesen, um feminismus empirisch anzugehen.

    falls ich deine aussage richtig verstehe, sollte man “sowas” den profis überlassen? genau in dieser aussage sehe ich nämlich das allergrößte übel.

    • liebste nike, ich hatte deinen text gar nicht gelesen, sondern mich lediglich auf marcels aussagen im obigen text bezogen – er hatte dich ja explizit erwähnt. sorry daher falls das in den falschen hals gekommen ist, das darfst du dann marcel ankreiden ;) deinen text werde ich bei gelegenheit nachholen und auch gerne darunter noch mal einen kommentar verfassen.

      zum thema “den profis überlassen”: mir geht es doch gar nicht hier um das thema feminismus per se, sondern um das missverständnis, was feminismus allgemeingültig bedeutet. abgesehen davon, dass das hier oft querbeet mit sexismus über einen haufen geworfen wird, ist doch diese feministische bewegung etwas, dass eben nicht in der gesellschaft ankommen muss – lediglich die früchte, die sie trägt, und die systematischen verhältnisse die sie beleuchtet sollten von interesse sein. nicht die feministinnen selber, die müssen doch nicht ins rampenlicht. und somit ist mein problem vielmehr – wieder lediglich in bezug auf marcels text – dass mit solchen texten das falsche subjekt beleuchtet wird. hier wird doch nicht darüber geredet, was feminismus eigentlich thematisiert und wieso die bewegung wichtig ist (ja, wieso eigentlich? – was machen die eigentlich? worüber reden die genau? Wieso fordern die denn solche dinge? was sind das denn für dinge, die sie fordern?), sondern darüber, ob die akteuere mit den richtigen mitteln im richtigen publikum landen. und dann hat man zwar den kurzfristigen erfolg, dass das thema frisch in den aktuellen blogs gelandet ist – aber dann irgendwie von jungen hasen falsch verstanden wird und keiner eigentlich mehr weiß. thema abgehakt, onto the next one?

      wenn man es machen will – und wenn man es dabei gut meint – dann sollte man es richtig machen. ansonsten ist man vielleicht wirklich besser beraten, nichts zu tun und anderen die sprechmuschel weiterzureichen, denn die verantwortung die wir ALLE auf unseren schultern tragen ist vielleicht größer, als man sich selbst zuschreibt. das musste ich auch auf sehr lange und langanhaltende art und weise lernen.

      ich wollte euch jetzt auch gar nicht fronten, ich hab einfach angefangen zu labern und bin dabei vielleicht ein bisschen aus dem ruder geraten. es kann ja jeder machen, was er will. und sagen und schreiben was er will. aber diese freiheiten sind noch nicht allzu alt und es lohnt sich – wie obama auch erst so schön gesagt hat – jeden tag darum zu kämpfen. auch für frauen.

  • Dennis

    Meinungsfreiheit ist doch erlaubt.
    http://bloganddiscussion.com/frauenhaus/

    Der Artikel ist gut, und es werden immer mehr.

  • Guter Artikel. Wer sich über die typische A&P-Ausdrucksweise aufregt, ist natürlich selbst schuld, und wer erwartet, ein Autor könnte die ganze Problematik in einem Artikel aufgreifen, erst recht.
    Natürlich kann man keine Bewegung, die der Feminismus nunmal ist, pauschal unter einigen Klischee-Erkennungsmerkmalen zusammenfassen, und ich wette, einige Vertreterinnen rasieren sich sogar regelmäßig Beine UND Achseln.

    Was ich als Frau (die sehr wohl ihre Rechte kennt und ebenfalls keinen Grund sieht, einem Mann unterlegen zu sein) aber wirklich als störend empfinde, ist die Tatsache, von Personen und Leitfiguren vertreten zu werden, die nun wirklich kein Quänthchen Selbstironie oder auch nur einen Hauch von Humor besitzen und ihre Forderungen mit solcher Ernsthaftigkeit durchsetzen wollen, dass ich sie als penisloses Geschöpf beim besten Willen selbst nicht ernst nehmen kann und jedes Mal gegen den Drang ankämpfen muss, ihnen den riesigen Stock aus dem Hinterteil zu ziehen. Leider steckt er meist so tief drin, dass ein leichtes Kopfschütteln und weitermachen wie bisher wesentlich leichter erscheint. Und genau das tun die meisten dann auch..

    Zeiten ändern sich und in seinem Denken sollte man ebenfalls flexibel sein und sich dem herrschenden Umständen anpassen, statt stur seinen Idealen nachzujagen. Vielleicht klappts dann auch mit dem Feminismus, den man sogar ernst nehmen könnte.

    • Liebe Leni, damit ich deine Definition von Modernität und Flexibilität richtig verstehe? Wenn du dich auf einen Job bewirbst, wie kann ich mir das vorstellen? Schwirrst du da mal so vorbei, hey Leute, ich bins, ich hab mal ein paar coole abgerockte Klamotten an und ironisiere mich mal selbst? Wie wäre das so bei dir? Oder was sollte eigentlich die Leiterin eines Frauenhauses machen? Selbstironisch sich ein blaues Auge malen? Pressewirksam sich verprügeln lassen? Wäre dir das lustig genug? Ich weiß auch nicht, was “man sollte”, wer sagt das eigentlich und legt das fest? Und was soll eigentlich so irre lustig daran sein, wenn Frauen in der U-Bahn befummelt werden? (In Japan wurden deswegen schon extra Waggons während der Rush hour eingerichtet). Also jeder, der sich hinstellt und nicht ernsthaft und erwachsen Forderungen stellt, der ist nicht Ernst zu nehmen, um es hier mal ganz diplomatisch und höflich auszudrücken.
      Die Frauenbewegung oder der Feminismus ist in D allerdings kritikwürdig, wenn ich mal gucke, welches Selbstbewusstsein und welche Wertschätzung und welches Profil Feministinnen in den USA haben. Da ist es für jemand wie Meryl Streep eine Auszeichnung Spenden für ein Frauenmuseum in Washingtion D.C. zu sammeln. Klar lässt sich über die Umsetzung von Ideen und Zielen im Feminismus oder jeder Organisation streiten.
      Keine Frage. Ich finde die Ideale der Frauenbewegung so zeitgemäß und richtig wie bisher und dazu gehört für mich persönlich auch z.B. eine Diskussion über Beschneidung von Jungen. Und wer sich, auch mit den Zielen von Alice Schwarzer mal beschäftigt hat, weiß, dass sie auch geschlechterübergreifend argumentiert und mit den Jahren dazugelernt hat. A lice Schwarzer, finde ich mal gut oder nicht, das hängt vom Thema ab. Aber ihr Verdienst um die Profilierung von Themen in der Öffentlichkeit ist m.E. gewaltig und einzigartig.
      Also, Dinge mit Humor zunehmen, finde ich grundsätzlich gut. Aber in diesem Zusammenhang erscheint mir das als Argument völlig unerwachsen und sorry-albern.

  • Michael B.

    Gut, die Überschrift war ja noch in Ordnung.

    Aber was sagt uns der Text, was wir nicht schon alle lange wissen?
    Du hast mir damit 5 Minuten meine Zeit geraubt!

  • Femischissmus

    Infoquellen:

    genderama.blogspot.de
    http://www.agensev.de
    http://www.manndat.de

  • me

    Ihr überschlagt euch ja alle zusammen mit eurer besserwisserei und jeder glaubt dass er seine so tolle meinung dem anderen aufzwingen muss. wie wäre es mit leben und leben lassen. und die meinung des anderen einfach mal stehnzulassen. uns geht es allen so gut dass wir uns ständig über kleinigkeiten aufregen. und besonders hier in deutschland finde ich herrscht eine gesellschaft des “immer- fehler-suchen-bei den anderen- und kritisieren” . meine meinung zum feminismus: ich find es gut dass ein mann ein mann ist und eine frau eine frau. und das es unterschiede gibt. und mit der gleichberechtigung in jeder hinsicht ( zb karriere usw) checken die meisten ja nicht dass es uns dabei gar nicht besser geht sondern wir nur noch mehr in das ganze system reingepresst werden und unsere freiheit verlieren. und : wir werden sowieso von oben dorthin gelenkt eine gleichgeschlechtliche gesellschaft zu kreieren, – mal sehen was das der letzendliche grund dafür ist…

  • Janne

    Mich würden 3 Dinge interessieren, Marcel:

    1. Warum steigst du nicht selbst in “DIE feministische Szene” ein und änderst was an der Langweiligkeit des Ganzen?

    2. Warum schreibt in diesem Magazin ein Mann einen Artikel über Feminismus? Jetzt nicht wegen “OMG, DAS IST DOCH GAR NICHT SEIN THEMA!!”, aber es gibt schon so viele von Männern geschriebene Artikel darüber, wie langweilig uns kompliziert und überhaupt so gar nicht mehr notwendig Feminismus doch ist – warum wird ein solcher Artikel nicht mal von einer Frau geschrieben, die unter Umständen die gleiche Meinung wie du vertritt, aber gewiss besser festmachen kann, dass sie weder auf der Arbeit noch im Privaten, weder auf der Straße, beim Feiern noch in sonst irgendeiner Art und Weise jemald belästigt/degradiert/nicht ernst genommen wurde? Wer das Privileg besitzt, diese Erfahrungen noch nie gemacht zu haben, sollte nicht die These aufstellen, dass es das Problem nicht gibt. Warum also schreibst ausgerechnet jemand wie du über ein solches Thema?

    3. Die Mädchen auf dem Foto oben sehen weder wütend noch humorlos oder langweilig aus. Sind das keine Feministinnen? Und wenn ja, warum dann dieses Bild? :P

  • kasulja

    Ganz fette Zustimmung!

  • diskdusk

    Wenn du keine Ideen hast, wie man die immer noch nicht gelösten Probleme der Gleichberechtigung, insbesondere Einkommensgleichheit und die “gläserne Decke” auf die Frauen in ihrer Karriere stoßen, lösen kann, dann kannst du dir deinen gut gemeinten, lockeren Feminismus in den Arsch stecken und abwichsen.

    Entweder du bist der Meinung, dass der Feminismus noch berechtigte Anliegen hat, oder du bist nicht dieser Meinung. Aber das ganze auf die Ebene einer Stilkritik zu bringen ist total “fashion blog”.

  • Hans

    Mag ja sein, dass (wie für alle Themen der Welt) ein wenig Humor und Leichtigkeit nicht schaden kann.

    Aber was schreibst du denn in dem Artikel? Du fasst DEN deutschen Feminismus als spießig und langweilig zusammen und regst dich drüber auf. Wer gibt dir denn das recht, alle über einen Kamm zu scheren? Das ist doch völlig platte Polemik und genauso dumm wie zu sagen, alle Frauen gehören an den Herd, nur weil viele da vielleicht tatsächlich gern sind.

    Und es geht nicht darum, ob die Frau im Gesetz gleichberechtigt ist. Das haben wir bereits. Es geht um den gesellschaftlich anerzogenen Sexismus, der uns prägt, in dem wir leben und der sich aus vergangenen Jahrhunderten weitergetragen hat. Natürlich nicht vergleichbar mit dem, wie er mal war. Aber trotzdem immernoch präsent, immer und überall. Auch in den Medien. Und in eurem Blog. Hättet ihr nicht so viele nackte Frauenbilder, hättet ihr wahrscheinlich nur ein Zehntel eurer Leser. Und genau darum geht es. Ich will euch keinen bewusst aktiven Sexismus vorwerfen, ihr seid bestimmt voll für Gleichberechtigung und alle sind gleich und so. Aber so wie sich euer Blog gestaltet, merzt er doch die Titten und Ärsche genauso aus wie alle anderen Medien und reduziert die Frau auf ihr äußeres um Aufmerksamkeit zu bekommen.

  • Dikkker

    Tja – auch ich bin in einer ähnlichen Umgebung aufgewachsen, wie Du es beschreibst. Aber letztendlich lernte ich, dass man auch eben in einer (in SEINER) gesellschaftlichen Blase lebt. Und leider gibt es eben doch noch andere gesellschaftliche Gruppen mit einer Menge Vollhonks, die den Schuss nicht gehört haben. Typen zum Beispiel die auf Zeitungsartikel über Femen-Aktionen (ihr wisst schon, die nicht unumstrittenen Oben-ohne-Feministinnen aus der Ukraine) – also Typen, die sich in den Kommentaren dann doch wieder nur über die Sextauglichkeit der Vorzeige-Blondinen auslassen.

    Das gilt genauso für die anderen von Dir angesprochenen Themen wie Homosexualität, Rassismus und vieles mehr… Es verschiebt sich zwar einiges mit der Zeit zum Guten, aber solange es dumme Menschen gibt (und die wird es immer geben), werden Ausgrenzungs-Phänomene existieren. Was nicht heisst, dass man nicht trotzdem fleissig weiter vor der eigenen Türe kehren sollte…

    Amen.

    • Auskenner

      Wieso? Wenn die Femen-Femis ihr (Un-)Recht darauf wahrnehmen, überall und zu jeder Zeit ihre Titten rauszuholen, haben doch die “Typen”, wie du sie nennst, auch ein Recht darauf, nur die Titten geil zu finden, nicht aber die vermeintlich politischen Anliegen der Frauen. Und das ist auch gut so.

  • Dikkker

    Ach ja —- wie heisst es so schön?

    “Haters gonna hate.”

    Auf den Punkt, würd ich sagen.

    Chapeau, Marcel.

  • Fall in Love: Ein perfekter Herbsttag | styleranking – your fashion community

    […] Lesen. Lesetipp: Feminismus in Deutschland – Wütend, humorlos, langweilig (Marcel bei Amy&Pink). Buchtipp von Kathrynsky's: […]

  • Mardt Stereo

    ich stimme zu, dass es in zeiten wie diesen leider auch eine funktionierende verpackung braucht um seinen inhalt unter die menschen zu bringen.

  • Herr Daimon

    Das Problem bei dieser ganzen Diskussion um Feminismus ist, dass kaum einer wirklich den Egalitarismus als Lebenshaltung übernommen hat. Entweder ist man Pro-Feminismus oder Kontra-. Pro-Maskulinismus oder Kontra-. Dazwischen sehen die meisten wenig bis gar nichts. Man streitet FÜR Frauenrechte oder FÜR Männerrechte. Tatsache ist, dass in gewissen Bereichen Frauen benachteiligt werden und Tatsache ist auch, dass in anderen Bereichen eine solche Kehrtwende stattgefunden hat, dass mittlerweile Männer benachteiligt werden (man beachte dazu die rechtliche Situation bei Scheidungen, die zwar in der Schweiz bspw. aufgegriffen und langsam wieder korrigiert wird hin zu einer egalitären Haltung).
    Nichtsdestotrotz verstehe ich aber Marcels Artikel als solchen, der er ist: Eine Kritik am gesellschaftlichen Bild des Feminismus. Und da kann auch keine noch so gut gemeinte Kritik am Artikel oder am falschen Verständnis des Begriffes durch den Autor etwas rütteln. Denn die Sicht der Gesellschaft verändert ihr dadurch nicht. Das zeigt sich auch ganz gut in den entstehenden Männerbewegungen. Der Begriff “Feminismus” hat heute einen sehr negativen Touch, ganz egal, was er wirklich in den Augen der Feministinnen oder den Szenekennern oder whatever ist. Wobei Szene da schon wieder problematisch ist: Denn was in der Szene ist, ist nicht voll in der Gesellschaft integriert (man vergleiche hierzu die Schwulenszene).
    Kurz also: Ihr könnt noch so ausgiebig über die, in euren Augen, falsche Auslegung des Begriffes “Feminismus” diskutieren oder den Chauvinismus oder Sexismus des Autors kritisieren, ihr ändert dabei nichts an der gesellschaftlichen Haltung. Das ist purer Wohnzimmer-Feminismus, der sich kaum nach aussen in die Welt trägt, in dem ihr ihn verkörpert. Und zwar auf sinnvolle, offene und kompromissbereite(!) Art und Weise. Und wenn jetzt irgendeiner hier aus meinem Beitrag etwas rauspickt und polemisiert, dann wird die Antwort schon mal konsequent ignoriert, denn genau jene Personen möchte ich zu einer Selbstreflexion animieren ;)

    (Dieser Beitrag ist in keinster Weise polemisierend, persönlich angreifend formuliert und aus einer rein egalitären Denkweise entstanden. So eine Anmerkung scheint ja hier notwendig zu sein.)

  • 1. Was ich gern mal wüsste: Wenn Person A sich Ewigkeiten lang Torten reinstopft, während Person B mehr oder weniger in die Röhre guckt, dann jemand kommt und sagt, jetzt ist B mal an der Reihe, A bekommt weniger, dann ist es ja in der Natur der Sache, dass A anfängt zu heulen und wütend wird und “umgekehrte Diskriminierung” schreit. Das Argument ist deswegen noch lange nicht glaubwürdi und die Aktion zur Umsetung von Gerechtigkeit notwendig.
    2. Ist mir das Geschlecht egal, solange diese Menschen ähnliche Wertvorstellungen z.B. in der Arbeit verkörpern wie ich. Wenn es dann aber dazu kommt, dass diese von mir geschätzten Kollegen nur wegen ihres Geschlechts mehr verdienen, wer denkt dann eigentlich in Schubladen? Von wem geht die Diskriminierung aus?

    • Auskenner

      Du willst damit bitte nicht sagen, dass “die Männer” sich die Torten reingestopft haben, während “die Frauen” in die Röhre guckten …!? Wann soll das denn gewesen sein?

  • Der Artikel sagt nichts Neues für mich. Meiner Ansicht stehen hier die üblichen sexistischen Standardargumente. Aber wer würde auch über sich selbst sagen, ich bin ein Sexist/Rassist, etc. Das weißt ja jeder von sich, denke ich. Gern und ganz unlustig hinterlasse ich hier einen Link über eine Studie der Uni Marburg (Interview) http://www.emma.de/ressorts/artikel/sexismus/netter-sexismus/ sowie kleiner Tip zum Anschauen: Caroline Drucker Stand-Up “Stop Calling Yourself Girl”

    Mit ganz langweiligen Grüßen

  • ANNA

    mein böser verdacht liegt darin, dass die meisten unserer / eurer generation, die auch nur ansatzweise solche langen zusammenhängenden (trotzdem aussagelosen) texte schreiben respektive vortragen können, kinder pseudo-emanzipierter mütter und charakterloser väter sind.

  • Zur Mär vom spaßbefreiten Feminismus sage ich: Wir sind lustiger als Ihr. « shehadistan

    […] Male gelesen, heute aktuell mal wieder bei “Promiflash“, beim Daniel. Und letztens bei Marcel von Amy&Pink – in einem Text wohlgemerkt, in dem eigentlich nicht ein guter Joke drin war (ich habe einen […]

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