Pussy Riot - Zwei Jahre sind zwei Jahre zu viel

Es ist einfach und mühselig zugleich, über eine Entscheidung zu schreiben, deren Willkür so deutlich hervorragt. Und die niemand nicht nur nicht tolerieren, sondern aktiv bekämpfen sollte. Ständig. Denn es…
Pussy Riot

Zwei Jahre sind zwei Jahre zu viel

Es ist einfach und mühselig zugleich, über eine Entscheidung zu schreiben, deren Willkür so deutlich hervorragt. Und die niemand nicht nur nicht tolerieren, sondern aktiv bekämpfen sollte. Ständig. Denn es ist egal, wo diese Ungerechtigkeit stattfindet, unter welchen sozialen Bedingungen diese Ungerechtigkeit stattfindet und unter welchem nickenden Haupt diese Ungerechtigkeit stattfindet.

Die drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot, Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Marija Aljochina, seit Monaten im Gespräch, weil sie ihre Meinung über Präsident Putin, die Russisch-Orthodoxe Kirche und die veralteten Strukturen einer einst kommunistischen Nation lautstark in einem Gotteshaus kundgetan haben, sind von einem Gericht zu je zwei Jahre Aufenthalt in einer Strafkolonie verurteilt worden.

Doch das wisst ihr bereits. DER SPIEGEL hat darüber geschrieben, der STERN hat darüber geschrieben. Das Handelsblatt, die Tagesschau, Nerdcore, VICE, die WELT, die TAZ, Fefe, der Freitag, die FAZ, das Kotzende Einhorn, das Kraftfuttermischwerk, Julia Schramm, der FOCUS, die ZEIT, die Mädchenmannschaft, CARTA, die Blogrebellen, ja auch Promiflash und die BILD, sie alle haben darüber geschrieben.

Pussy Riot

Der Autor und Blogger Johnny Häusler meint treffend: „Ich mag mich weder dem in Kommentarfeldern der Nachrichtenmedien auftauchenden Zynismus anschließen („So ist das eben in Russland“), noch polit-strategische Überlegungen anstellen. Ich möchte stattdessen meinen Respekt vor diesen Frauen ausdrücken, die trotz Kenntnis der möglichen Konsequenzen ungebrochen bleiben und mit einem 40-Sekunden-Gedicht für mehr internationale Beachtung eines unhaltbaren Zustands gesorgt haben, als es jeder Punkband bisher gelungen ist. Ich weiß wirklich nicht, ob ich selbst den Mut hätte, für meine Meinung in den Knast zu gehen, ich stelle mir diese Frage aber in letzter Zeit wieder häufiger. Vielleicht sind Pussy Riot also wirklich the most politically influential punk rock group ever.“

Die russische Sängerin Regina Spektor kommentiert auf ihrer Facebook-Page und hat damit bereits über 1000 Likes geerntet: „Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass diese jungen Frauen nicht eingesperrt werden. Ich bin zum ersten Mal seit 23 Jahren wieder in Russland und es fühlt sich großartig hier an. So, als ob in meinem Heimatland neue Knospen erblühen. Die Zeit der Redefreiheit ist gekommen.“

Marina Weisband, Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Deutschland, twittert: „Warum müssen wir uns für dieses Pussy-Riot-Urteil interessieren? Damit wir sehen, wofür ein Rechtsstaat da ist und damit wir ihn schützen.“ Marieluise Beck, Mitglied des Deutschen Bundestags, erkennt: „Das ist doch nicht zu fassen. Hier wird schon seit zweieinhalb Stunden ein Urteil zu einer Ordnungswidrigkeit verlesen.“

Free Pussy Riot

Und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt auf der Webseite der Bundesregierung: „Den Prozess gegen Mitglieder der Band Pussy Riot habe ich mit Besorgnis verfolgt. Das unverhältnismäßig harte Urteil steht nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, zu denen sich Russland unter anderem als Mitglied des Europarates bekannt hat. Eine lebendige Zivilgesellschaft und politisch aktive Bürger sind eine notwendige Voraussetzung und keine Bedrohung für Russlands Modernisierung.“

Dieser Artikel soll euch keine Neuigkeiten bieten, er ist einzig und allein geschaffen worden, um Solidarität zu zeigen. Für die drei jungen Frauen, für die Meinungsfreiheit. Gegen kranke Machtverhältnisse, gegen Tyrannei. Um die Botschaft von Pussy Riot auch in die letzten Ecken Deutschlands, Europas, der Welt zu tragen und zu versichern, dass man für Mut zwar oft einen hohen Preis zahlen muss, aber die Geschichte bislang immer gezeigt hat, dass es sich lohnt. Dass es sich lohnt zu kämpfen, nicht klein beizugeben, sondern für seine Ideale einzustehen.

Russland hat mit diesem Urteil ein ganzes Heer intelligenter, vernetzter, moderner Menschen gegen sich aufgebracht, die gewillt sind, nicht nur offensichtliche, sondern auch verdeckte Diktaturen entzwei zu reißen und dem Volk die Macht zurückzugeben. Und wer weiß, womöglich erfahren wir eines Tages, dass hinter Pussy Riot mehr steckt, als wir bislang auch nur ahnen können.

s.Oliver

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3 Kommentare

  • Timoschenko

    Klasse, Marcel, du bist ein großer Journalist (“Regina Spektor kommentiert auf ihrer Facebook-Page und hat damit bereits über 1000 Likes geerntet”) und ich fühl mich jetzt wieder gut bei A&P!

  • Sabrina

    Die Demokratie Russlands hängt an einem seidenen Faden – genau wie Putin derzeit. Immer mehr Menschen protestieren gegen das gefällte Urteil und immer größer wächst der Druch auf die russische Regierung. Russland muss sich politisch stark wandeln, um eine vollständige Demokratie zu erstellen.

  • Anna

    Bin auf deinen Pussy Riot Artikel gestoßen und finde ihn eher belustigend, denn was wegen Pussy Riot in Russland geschieht ist dir wohl fremd. Sich das Maul über Putin zerreißen ist einfach, eine Alternative zu bieten schwer.