Marcel in Japan - Am anderen Ende der Welt

Es ist nun bereits vier Tage her, dass mich Tokio mitsamt Haut und Haaren verschluckt und nicht mehr hergegeben hat. Meine ersten Schritte in der japanischen Megametropole waren ein visueller…
Marcel in Japan

Am anderen Ende der Welt

Es ist nun bereits vier Tage her, dass mich Tokio mitsamt Haut und Haaren verschluckt und nicht mehr hergegeben hat. Meine ersten Schritte in der japanischen Megametropole waren ein visueller Rausch aus flackernden Neonlichtern, einen in die Knie zwingenden Geräuschkulissen und diesen aus dem Fernsehen bekannten mitreißenden Menschenmassen, die wie ein ständig tickendes Uhrwerk zu funktionieren scheinen, aber bei näherem Blick vor Individualität und eigenartiger Kreativität zu zerbersten drohen.

Manchmal fühle ich mich an diesem Ort wie ein Fremdkörper, der aus einer fernen Welt in ein perfekt funktionierendes System geworfen wurde und hier Zeuge einer evolutionären Zivilisation sowie einer Liebe für Effektivität und Tatendrang sein darf. Doch dann grinst mich wieder einer dieser strahlenden Gestalten an. Sie bekommt ein Gesicht und einen Namen und eine Persönlichkeit und zieht mich dank aufopfernder Gastfreundschaft und einer niemals hochnäsigen Lebendigkeit weiter in den Strudel einer Welt, die es noch gar nicht geben dürfte.

Immer wieder möchte ich auf Details eingehen, scheitere aber an der schieren Masse an Eindrücken, die im Minutentakt auf mich herein prasseln. Als ich das erste Mal mit Anna durch Shibuya gestreift bin, nur um plötzlich in einer zehnstöckigen, explodierenden Hölle pubertierender Mädchen zu landen. Als wir mit Sari durch Akihabara und seine knallbunten Spielhallen gezogen sind, vorbei an pädophilen Nerds, zuckersüßen Pärchen und Kreaturen, die aussehen, als wären sie gerade dem verklebten Hentai-Porno unter deinem Bett entsprungen. Als ich merkte, dass ich mit jedem Atemzug, mit jedem neuen Wort, mit jeder Erfahrung mehr und mehr ein funktionierender Teil eines Universums werde, das in mir ein Lebensgefühl weckt, welches ich nur selten als dieses lodernde Flammenmeer empfinden durfte, das es momentan ist.

Tokio ist keine Stadt. Tokio ist ein riesiger Teleporter, der dich in ein wundersames Paralleldasein katapultiert. Seine Straßen und Gassen sind die blinkenden Blutbahnen eines wunderschönen Monsters, welchem du nicht entfliehen kannst. Und auch nicht willst. Warum auch? Es ist purer Konsum. Und Mode. Und Musik. Und Technik. Und Kunst. Und Sex. In einer Intensität, die Berlin wie das Dorf erscheinen lassen, aus dem du geflohen bist, als du gemerkt hast, dass du dein Glück nur in der großen, weiten Welt findest. Wer in den Eingeweiden dieser digitalen Gottheit wandelt, wird mit einer puren konzentrierten hyperkulturellen Energie vollgepumpt, die du sonst wo vergeblich auf diesem Planeten suchst.

Ich lasse mich also fallen, kenne keine Furcht, keine Reue, keine Scheu. Tauche immer tiefer ein in einen Ort, dem keine Metapher gerecht, kein Vergleich genug, keine Beschreibung zufriedenstellend werden kann. Am Ende meiner fünfwöchigen Reise habe ich entweder die lang ersehnte Erleuchtung gefunden, die mich in eine neue Richtung leiten wird, oder ich stehe vor den Scherben einer längst mutierten Fantasie, deren Erfüllung der Katalysator dafür war, dass ich Morgen für Morgen die Kraft finde, überhaupt aus dem Bett aufzustehen.

Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio Tokio
Jack & Jones

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere aktuelle Neuigkeiten über das Leben zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

ONLY

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

11 Kommentare

Topman