Kraftklub - Ich will nicht nach Berlin

Kennt ihr Neon Blocks oder Bernd Bass? Nein? Ich auch nicht, aber Kraftklub, die kennt seit letztem Jahr jeder und eigentlich handelt es sich dabei lediglich um die Schülerband Neon…
Kraftklub

Ich will nicht nach Berlin

Kennt ihr Neon Blocks oder Bernd Bass? Nein? Ich auch nicht, aber Kraftklub, die kennt seit letztem Jahr jeder und eigentlich handelt es sich dabei lediglich um die Schülerband Neon Blocks und den Rapper Bernd Bass, die sich 2009 im McFit kennen gelernt und zwecks Musik machen zusammengetan haben. Soviel zur Legende.

Das bisherige Ergebnis liest sich da durchaus beeindruckender: Gewinner des ARD New Music Awards, ein Vertrag bei Universal, Platz 5 beim Bundesvision Song Contest 2011 und als krönender Höhepunkt, Platz 1 in den Charts, mit dem Debütalbum “Mit K”. Bleibt die Frage offen, wie haben sechs Jungs aus Chemnitz das auf die Reihe bekommen?

Schließlich gibt es mehr als eine Band, die sich schon überlegt hat, Rap mit Indie zu kreuzen, um erfolgreich zu sein, daran aber so richtig schön scheiterte. Auch gehe ich davon aus, dass sich diverse Majorlabels schon die Finger daran verbrannt haben, eben solche Ossi-Bands zu hypen. Wieso hat es also gerade bei Kraftklub so hervorragend geklappt? Ich denke neben der richtigen Vermarktung gibt es einen (nennen wir ihn mal so) Zur-rechten-Zeit-am-rechten-Ort-Effekt.

Das 21. Jahrhundert steht eindeutig im Zeichen der Globalisierung, die Welt wird kleiner und somit enger, mittels Internet ist man immer überall über alles informiert. Deutschland rückt in den Hintergrund, wir, das ist jetzt Europa. Mal schnell in die USA fliegen? Kein Problem. Herausfinden wie das Wetter in Tokio ist? Genauso wenig. Im Sekundentakt erhalten wir immer wieder und immer mehr neue Informationen, das Individuum gerät in den Hintergrund.

Es entsteht ein Bewusstsein, dass man sich vergebens einzureden versucht hat man sei besonders, am End ist man doch nur einer von vielen. Wie in jeder zeitgeschichtlichen Epoche reagieren die Menschen auf die gegebenen Lebensumstände – actio und reactio. Was auch sonst? Wenn man jetzt eins und eins zusammenzählt, kommt man schnell auf das Ergebnis, dass die momentane Retrowelle möglicherweise genau die Gegenreaktion auf das schnelle globalisierte Leben ist.

Wie ansonsten erklärt man sich Erfolge, wie der des Schwarz-Weiss-Stummfilms “The Artist” (nur mal am Rande: 5 Oscars!) oder unseres allseits beliebten Sixties-Plastik-Pop-Produktes Lana del Ray? Genau in diese Schublade kann man auch Kraftklub stecken. Die sechs Jungs aus dem Osten – passend zur ebenfalls allseits beliebten DDR-Nostalgie (wobei man scheinbar vergessen hat, dass es sich hierbei um eine Diktatur handelte), die ihr verhasstes, weil verlassenes Heimatstädtchen sogar vorzugsweise Karl-Marx-Stadt nennen. Hinzu kommen noch, einfache, leicht verständliche Texte auf ihrer Muttersprache: Deutsch. Zurück zu den Ursprüngen, endlich scheißt man mal wieder auf elektronische Musik, die einen von allen Seiten erschlägt – das hier ist anders… könnte man denken. Ist es aber nicht. Eine weitere traurige Erkenntnis, es geht nicht anders als in der Mode: Alles war schon mal da, alles Reproduktion.

Mich erinnert der ganze schöne Retroquatsch und somit auch Kraftklub im gewissen Maß stark an die Epoche Romantik. Beginn: Ende 18. Jahrhundert. Wir wenden uns ab, von dem weltlichen Dingen hin zum Kleinen. Politik? Versteht in unserem Alter doch eh keiner und an den Schreckensmeldungen von überall können wir auch nichts ändern. Wieso also nicht direkt mit den eigenen Problemen beschäftigen? Die kann man wenigstens vielleicht noch lösen – Rückzug aus der Welt ins Private.

Genau hier trifft Kraftklub den Nerv der Zeit. Ihr Erfolg basiert nicht ausschließlich auf der richtigen Vermarktung oder auf musikalischem Talent. Sondern darauf, dass sie mit den richtigen Texten zur richtigen Zeit aus der Versenke von Chemnitz aufgetaucht sind. In Zeiten, in der die Wahlbeteiligung bei 43% liegt, wo Politiker näher an Pinocchio dran sind, als an allem anderen, kommen diese Ossis daher und erzählen uns: „Politik ist für’n Arsch“. Die aus dieser Meinung resultierenden Texte sind wiederum genau das, was der geneigte Hörer zwischen 15 und 25 Jahren hören möchte: Lebensnah, leicht zu verstehen und authentisch. Wer braucht schon einen Eurorettungsfond, wenn man auch einfach in die Disco scheißen kann? Echte Probleme? Weltpolitik? Mir egal. Ich will eh nicht nach Berlin.

Puma

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16 Kommentare

  • Martin

    Oha, fühlt sich da jemand auf den Schlips getreten, weil die Jungs deinen Berlin-Lifestyle gedisst haben?

  • Peter K.

    Haha, und wenn auf ihren Namen klickt, kommt – wie geil is das denn – direkt ein *Blog*-Eintrag über *Streetart*. Nur halt nicht aus Friedrichshain.

  • Ja, nein, vielleicht.
    Ich gebe dir recht, aber ich sehe das anders denn das Beispiel ist schlecht und die Thesen sind falsch.
    Recht hast du das Kraftklub ein Produkt sind, ein Ergebnis Popkultureller Strömungen – Leider aber als Beispiel schlecht um “everything is a remix” zu belegen. Wärst du bei Lana oder Nicky Minaj geblieben, hättest du es einfacher gehabt.
    “Echte Probleme? Weltpolitik? Mir egal. Ich will eh nicht nach Berlin.” und deine Anspielung das die Ossis das im allgemeinen nicht interessiert, da bricht der Artikel leider in sich zusammen, denn meiner meinung nach gehören BESONDERS die Kraftklub Fans einem Menschenschlag an die sich mehr denn je für Politik interessieren und der Politikverdrossenheit ihrer Freunde und Eltern etwas entgegenzusetzen versuchen – selbst in Chemnitz (wo übrigens nicht Ostalgie sondern Rechtsextremismus ein größeres Problem darstellt. (Ja das war auch eine Diktatur)).
    Und keine Angst, ich fühle mich nicht auf den Schlips getreten, weil ich Ossi bin. Ich bin auch kein Kraftklub Fan.
    Ich finde lediglich deinen Artikel grenzwertig.

    Liebe Grüße

    • Gutemiene

      Ich unterschreibe mal bei Johannes, möchte aber noch etwas hinzufügen: der Artikel ist einfach schlecht recherchiert. da wird einer Band vorgehalten,sie sei unpolitisch, die in Ihrer Heimatstadt im März bei einer Anti-Nazi-Demo aufgetreten ist und dazu auch ein Statement in der lokalen Presse gegeben hat. Was man KK in dieser Hinsicht wirklich vorwerfen könnte, ist nur, dass sie ständig behaupten, unpolitisch zu sein, es dann aber in Interview und mit Taten ständig widerlegen. Außerdem wird Ihnen Ostalgie vorgeworfen. wer sich mit der familiären Herkunft z.B. der beiden Brüder beschäftigt, merkt schnell, wie dumm dieser Vorwurf ist. Mehr sag ich dazu nicht, das kann man mit weniger Mausklicks selbst recherchieren, wenn man sich denn die Mühe macht. Und das sollte man, bevor man so einen Artikel ins Netz stellt.

  • milde orange

    by the way: das ist kein Schreibstil, das macht einfach nur Kopfschmerzen. Außerdem hatte ich irgendwann mal gehört, dass ein bisschen Recherche einen Artikel aufwerten kann. Amy & Pink wird immer unleserlicher und uninteressanter! Hipsterscheiße…. leider nich mehr so meins.

  • ?

    “Ich komm aus Böblingen bei Stuttgart … ”

    -Kraftklub
    Ich will nicht nach Berlin

    Chemnitz?

  • if you don’t know now you know

    Kraftklub (inklusive Fanboys und Hasser) sind mir ziemlich egal, aber interessant finde ich den Verweis auf die Epoche der Romantik. Trifft auch auf andere Bereich zu: Handykamera/Instagram, Fotos von Leuten in Abrisshäusern, haufenweise Natur/Tierbilder bei Tumblr und diese scheiß Blumenbettwäsche von Ikea.

  • Siggi 77

    Marcel ist der einzige, der auf diesem Blog gute Beiträge schreibt. Dieser Artikel ist echt ein bisheriger Tiefpunkt.

  • Jens

    … musste stark mit mir kämpfen nach dem Satz “…kommen diese Ossis daher und erzählen uns: „Politik ist für'n Arsch”” noch die letzten Zeilen zu lesen. Das ist einer der schlechtesten Artikel den ich bei A&P lesen durfte.

  • Jens

    Oh, eben gesehen das es ihr erster Artikel hier war. Hoffen wir es bleibt dabei, …

  • Boxsack

    […] werden sollte, ist ja hier schon sehr gut beschrieben. http://www.youtube.com/watch?v=JuOTduN1M1w  http://schoenheit.traum-koerper.de/sport/boxsacke Also erstmal muss ich mich bei Dir für Dei…r im Keller hängen. Bin selbst aber in keinem Verein oder ähnlichem. Mir geht es lediglich darum, […]

  • Cora

    “Die sechs Jungs aus dem Osten”… mit dem zählen der Bandmitglieder scheint auch jemand Probleme zu haben. Angesichts des Fotos des Mädchens, das zu der Band gehört, verwundert es nicht, dass auch die Autorin verwirrt ist…

  • ekas

    Chemnitz ist vielleicht mal geilomat??!

    Und was habt ihr alle, der Artikel ist doch total in Ordnung. Meine Fresse.

Forever 21