Diablo 3 - Ich bin ein Hypespieler

Ohne auch nur einen blassen Schimmer davon zu haben, um was es eigentlich geht, habe ich mir gestern Nachmittag “Diablo 3” beim Saturn in München gekauft. Zusammen mit 163 anderen…
Diablo 3

Ich bin ein Hypespieler

Ohne auch nur einen blassen Schimmer davon zu haben, um was es eigentlich geht, habe ich mir gestern Nachmittag “Diablo 3” beim Saturn in München gekauft. Zusammen mit 163 anderen Nerds. Ich habe weder die beiden Vorgänger gespielt noch an der Beta teilgenommen oder mir irgendwelche Testberichte, Videos oder Fotos angeschaut. Das macht mich zum Hypespieler par excellence.

Warum habe ich “StarCraft II: Wings of Liberty” gespielt? Weil es so gehypt wurde. Warum habe ich “The Elder Scrolls V: Skyrim” gespielt? Weil es so gehypt wurde. Warum habe ich “Mass Effect” gespielt (und geliebt)? Weil es so gehypt wurde. Jedes Einzelne von ihnen hat mir Stunden über Stunden Spaß, Wissen und körperliche sowie mentale Geschicklichkeit eingebracht, aber hätte ich sie mir geholt, wenn nicht jedes von ihnen eine eingeschworene Fangemeinde hätte, die in die Millionen geht? Nein.

Dabei war ich früher ganz anders. Damals zockte ich Games, von denen ich schwören hätte können, dass sie außer die Entwickler und ein paar verstörte Hardcore-Geeks niemand anderes je zu Gesicht bekommen würden. Weil ihr Genre oder ihre Story oder ihre Charaktere einfach zu masseninkompatibel waren. Aber damals hatte ich auch noch Zeit. Im Gegensatz zu heute.

Außerdem gab es damals auch nur 20 gute Spiele im Jahr, von denen man gefälligst alle durchgespielt haben musste, weil sie zur Jugend- und Popkultur gehörten und du dich auf dem Schulhof gleich zur fetten Elke und ihrem halben Frosch hättest stellen können, wenn du das nicht gemacht hast. Oder kein Geld für ein Super Nintendo oder eine PlayStation hattest. Oder am besten für beides zusammen.

Heute werden dir genau wie Musikbands oder Blogs oder Designer die Sachen in puren Massen hinterhergeworfen. Kauf’ dir ganze Entwicklerbundles bei Steam, entscheide dich zwischen dreizehn vollkommen gleich aussehenden Ego-Kriegs-Shootern, die allesamt am letzten Wochenende erschienen sind, spendiere Indie-Studios deine Kohle, unterstütze Kickstarter-Projekte, bestell’ dir ‘ne Wii und einen 3DS und eine PlayStation 3 und eine Xbox 360 und eine PS Vita und ein iPad und ein iPhone und 39 überteuerte Retrokonsolen!

Den Überblick habe ich schon längst verloren, also entscheide ich mich für die glühendsten, herausragendsten, ja gehyptesten Produkte, weil ich weiß: Die bringen mir für meine kostbare Zeit entweder den Spielspaß und die popkulturelle Erfahrung, die ich erwarte, und wenn nicht, dann kann ich wenigstens im Chor mit den anderen mitmeckern. Wenn “StarCraft 2” zu einfach, “Skyrim” zu weit, “Mass Effect” zu unbefriedigend ist.

Ich habe 50 Euro in “Diablo 3” investiert, obwohl ich genau weiß, dass ich es so wenig wie möglich spielen werde. Single-Player-Modus erfüllen, Multiplayer-Modus antesten, Erweiterungen ignorieren. Für mehr reicht meine Zeit nicht. Und das ist in Ordnung. Weil in ein paar Monaten wieder das nächste Spiel erscheint, dessen Vorlobeshymnen ich mich anschließen und das ich mir käuflich erwerben werde. Nur um es eine Woche später im analogen oder digitalen Schrank verschwinden zu lassen. Und das ist alles. Mehr brauche ich nicht. Ich bin ein Hypespieler.

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5 Kommentare

  • Ich sag nur The Elder Scrolls V: Skyrim! -.-

  • BluE

    Das ist einfach die heutige Gesellschaft, da wird die Bild gelesen oder man bildet sich halt keine wirkliche Meinung zu den Games, sondern holt sich ohne ein Spiel vernünftig angespielt zu haben schon das nächste – selbst schuld

  • BBDwarf

    Immer noch an Skyrim dran die Zeit für ausgedehnte Momente gibt’s einfach nicht. Und Empire, ach shit, sogar das gute alte Civ und Rome sitzen noch froh und munter auf meiner Platte und werden genützt. Letztere aber auch nur aus dem Grund, weil es hier eine schöne Modder-Community gibt, die sich nicht mit dem Mittelmaß zufriedengeben. So wurde schon aus Star Wars: Empire at War (scheiße) ein richtig gutes Spiel. Das sind die kleinen Juwelen, an die wir uns in ein paar Jahren noch erinnern werden. Diablo III zockt gerade meine Freundin. So viel dazu.

  • ohne zu haten: hyped ihr hier nicht auch jeden shit?

  • mdaoe

    An sich kann ich das Bedürfnis ja irgendwie nachvollziehen, sich die aktuellsten Spiele zu kaufen, um “hip, up-to-date, modern” zu sein, entsprechende Gesprächsthemen zu haben oder es meinetwegen für einen “glorreichen Beitrag” zur Popkultur zu deuten, aber mit Geschmack und Kenntnis hat das dann nicht mehr viel zu tun. So wie ich das verstanden habe, sind die Titel im prinzipiell austauschbar. Reflex versus Kopfsache. Der Autor ist also ein richtiges Herdentier mit ausgeprägter Betriebsblindheit.

    Aber soller ruhig! Stumpfe Hypehörigkeit war schon immer extrem teuer und gerade Gaming am klassischen Desktop-PC kann ein sehr sehr teures Hobby sein, denn dem Kauf des neusten Hype-Spiels ist es ja schließlich noch lange nicht getan. Auch Hardware und Betriebssystem müssen erstmal ordentlich aufgerüstet werden, um sich diesen Luxus auf seinem ebenfalls teuren Flatscreen überhaupt flüssig darstellen lassen zu können. “Man hats ja!” – Wenn dann noch das Standardhipster-Equipment á la iPad dazukommt, um durch und durch “hip und begehrenswert” zu sein, dann muss das Sparschwein vor Hungerleiden aber schon dermaßen am Quieken sein, dass die Anschaffung eines Geld-Arsch-Gebläses mit ziemlicher Sicherheit minimale Voraussetzung für diese Art von Lebensstil sein muss.

    Hype ist einfach viel zu teuer und platt, um wirklich richtig Spaß zu machen. Und damit präsentiert der Autor für mich keine akzeptable Alternative, sondern nur eine verwöhnte Luxusattitüde, die aus der Kombination von zu viel Geld und wenig Entdeckergeist entstehen konnte. Wers Geld hat, der kann sich kaufen, was er will, aber das ist halt auch nur ein stinknormaler Prozess, den man dann allerdings nicht wie ein angeblich interessantes Coming Out schreiben muss: “Ich kaufe mir teure angesagte Spiele, weil ichs kann und spiele nur ganz wenig.” – Super toll. Und was ist jetzt der interessante Part?

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