Marcel in Tokio - Fünf Wochen in einem Künstlerhaus

Ist es nicht großartig, dass das bereits der dritte Artikel eines Reiseberichts ist, ohne, dass ich meinen fetten Arsch überhaupt einmal von meinem langsam zerfallenden Schreibtischstuhl bewegt habe? Ich meine,…
Marcel in Tokio

Fünf Wochen in einem Künstlerhaus

Ist es nicht großartig, dass das bereits der dritte Artikel eines Reiseberichts ist, ohne, dass ich meinen fetten Arsch überhaupt einmal von meinem langsam zerfallenden Schreibtischstuhl bewegt habe? Ich meine, jeder normale Mensch würde einfach irgendwo hinfahren, vorher seine Klappe halten und danach eben ein paar Postkarten verschicken und schreiben, wie schön doch das Wetter und wie lustig doch das Essen war.

Aber ich lasse euch lieber an meiner krankhaften Vorfreude teilhaben und bin stolz darauf, euch zu erzählen, dass ich endlich eine Unterkunft gefunden habe, in der ich die (mindestens) fünf Wochen in Tokio verbringen werde. Außer sie werfen mich vorher dort raus, weil ich unanständige Dinge über die Kaiserfamilie gesagt habe, wer weiß. Obwohl ich das nicht mache. Weil ich keine Ahnung von der Kaiserfamilie habe.

Kurz zur Erklärung: Ich wollte kein eigenes Apartment, weil ich da nur wieder vergammeln würde. Und irgendwo am Stadtrand in einem 30-Stockwerke-Hochhaus wohnen, allein, wer will das? Eben. Ich wollte aber auch nicht über einen Monat lang in einem Backpacker-Keller mit 22 Australiern und 48 Russen pennen, weil… wer will das? Eben. Und arschteuer ist das ja auch alles. Das ist aber bekannt.

Wo wohne ich deshalb jetzt? In einem Künstlerhaus in Shinjuku, das gleich neben Shibuya liegt. Im ersten Stock gibt es einen Club namens CAVE246, im zweiten Stock einen Friseursalon namens Dorren und im dritten Stock liegt mein Zimmer, gleich neben einer Mädchenbar. Auf dem Dach gibt es Barbecue und eine hoffentlich tolle Aussicht. Das Ganze kostet mich 650 Euro für fünf Wochen, bestellt habe ich bei Wimdu.

Der Typ, dem das Teil gehört, heißt Yoji, spricht lustiges Englisch und leitet auch noch eine Art Künstlerdorf an der japanischen pazifischen Küste. Was ziemlich cool ist, wenn man länger als zwei Sekunden darüber nachdenkt. Ich wollte einfach unter kreativen und etwas verrückten Japanern sein, anstatt unter Touristen. Oder ganz allein in einer 9-Quadratmeter-Wohnung.

Außerdem habe ich so eine Art Lager, in das ich zurückkehren kann, nachdem ich mich in anderen Städten wie Kyoto oder Osaka oder am Strand herumgetrieben habe. Was wichtig ist. Glaube ich jedenfalls. Und gemessen an der Lage und der Dauer meines Aufenthalts ist der Preis vollkommen in Ordnung. Damit wären die wichtigsten Punkte auf meiner Liste abgehakt. Fehlt nur noch mein “Sailor Moon”-Kostüm. Noch 23 Tage.

Mister Spex

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