Fick' die Sinnsuche - Horoskope sind scheiße

Ich glaube nicht an das symbolische Glück, an Hakuna Matata, Sternzeichen und den ganzen anderen spirituellen Kram. Ich glaube, hauptsächlich kann man es sich einfach oder schwer machen, und wenn…
Fick' die Sinnsuche

Horoskope sind scheiße

Ich glaube nicht an das symbolische Glück, an Hakuna Matata, Sternzeichen und den ganzen anderen spirituellen Kram. Ich glaube, hauptsächlich kann man es sich einfach oder schwer machen, und wenn man den Weg der Symbole im Leben wählt, dann legt man nur die Verantwortung für sein Leben in die Hand zufälliger Begebenheiten.

Aber was, wenn sich diese zufälligen Dinge plötzlich häufen und auch der stärkste Zweifler plötzlich damit konfrontiert wird, dass die Sterne vielleicht doch in einem neuen Winkel zum Mond stehen und alle Zeichen plötzlich in Neonfarben leuchten und nur in eine einzige Richtung weisen? Alles sagt: Scheiße, Alter, spring’ aus der fahrenden Karre, hol’ dir deine blauen Flecke ab, aber wenigstens knallst du damit nicht mit Highspeed gegen die Reinkarnation der Beliner Mauer und deine leblosen Überreste von Bestien zerfressen.

Wie in vielen Dingen hängt alles davon ab, wie konsequent man ist. Entweder man glaubt an sein Horoskop, oder man lässt es ganz. Denn das Schicksal lässt nicht mit sich Ping-Pong spielen. Man kann sich nicht einfach Handlungserklärungen, Sinnmuster und Lebenstheorien da raus greifen, wo man sie gerade am dringendsten braucht. Es muss immer passen, es muss immer Sinn machen, und das tut die Konstellation der Sterne im seltensten Fall durchgängig. Glaubt mir, ich habe es im Selbstversuch getestet.

Natürlich kommt man mit dieser Anti-Haltung unweigerlich zum Schluss, dass Deutungsmuster und Sinngebung niemals völlig greifbar sein können. Alles ist individuell-schwammig, nichts kann sich zurückführen lassen auf eine ultimative Begründung. Wieso sind wir so, wie wir sind? Wieso bauen wir Scheiße? Wieso fühlen wir uns so seltsam unangebracht oder pathetisch unwürdig? Wieso verhalten wir uns genau gegenteilig von dem, wie wir eigentlich sein wollen? Wieso ist unser Selbstbild auf einem ganz anderen Planeten als das Bild, das wir nach außen hin auszustrahlen versuchen? Wieso tun wir uns und anderen Menschen weh, obwohl wir am liebsten nur von Liebe und Zuneigung zehren würden?

Am Punkt der völligen Zerstreuung ergibt nichts mehr wirklich Sinn. Wenn die Dinge unkontrolliert schief laufen und man sich in einem Zustand der Verwahrlosung, der Perspektivlosigkeit und des Unglücks findet. Das ist dann der Zeitpunkt, wo das Horoskop herangezogen wird, und wo die Götter nach Rat befragt werden. Die Hände werden in zu gleichen Teilen Hoffnung und Verzweiflung in den Himmel gestreckt und die Tränen, die den Boden erreichen, sinken in die Erde und graben dort nach Antworten, die sie ruhig stellen sollen.

So weit reichen Schmerz und Trauer: Wir verbiegen die Realität nicht, wir interpretieren sie nur auf eine Art und Weise, die unseren Horror rechtfertigt. Irgendwie besser macht, angenehmer. Eben mit Sinn behaftet. Das Problem dabei ist, dass wir beim nächsten Mal die entsprechenden Muster nicht mehr annehmen können und unsere Leben und all seine Zustände von hinten aufrollen müssen, erneut, um wieder Logik und Stringenz in die ganze Sache reinzubringen, irgendwas, dass uns auf die Zukunft vorbereitet, damit wir das nie wieder durchmachen müssen.

Es funktioniert nur leider nicht. Und nun bleibt nichts anderes mehr übrig, als alle Symbole zu ignorieren und sie als bedeutungslose Gegenstände zu sehen, die mit menschlicher und persönlicher Geschichte behaftet sind. Die klare Betrachtung der Dinge beweist zwar nicht, dass die Dinge besser werden; aber wenigstens gibt sie ein Stück Selbstkontrolle zurück. Das Horoskop ist erlogen.

Die Sterne stehen, wie die Sterne stehen. Es gibt keine Philosophie dahinter oder davor. Auf einer geradlinigen Strecke der Zeit existieren wir. Es gibt schöne Zeiten und es gibt extrem beschissene Zeiten. Wir müssen über beide Optionen hinweg. Das Leben wird eines Tages für jeden biologischen Organismus enden. Die Sinnsuche ist vergeblich. Lasst uns an den geringsten Dingen, die uns, aus welchen Gründen auch immer, beglücken, festhalten. Lasst uns die Dinge, die uns unglücklich machen, schnell wieder vergessen. Mehr hat dieser Zustand nicht zu bieten.

Strellson

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