Wohnungssuche in Berlin - Koks, Keta und Kater Holzig

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich…
Wohnungssuche in Berlin

Koks, Keta und Kater Holzig

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton fließenden Wasserstrahls vor meinen Augen.

Der Postbote soll mit seiner Weihnachtsladung an Paketen doch bitte zu unserem Hartz-IV-Nachbarn gehen, der eh nichts anderes zu tun halt, als sich einen wunderbar original laminierten Arno-Dübel-Gedenktisch zu basteln, philosophiere ich noch, als es heftig zu klopfen und lärmen anfängt. Sondereinsatzkommando? Nein, viel schlimmer noch, es ist mein alter Kollege Tobias.

Das Temperament lässt sich quasi an seinen Lippen ablesen, als ich in der Tür stehe und ihn phlegmatisch hereinwinke. Die Wohnungsbesichtigung war wohl wieder ein Schuss in den Ofen. Tobias sucht seit etwa einem Jahr seine Traumwohnung in Berlin und findet, in seinem Fall, natürlich keine. „Welcome to the Circus“ könnte es auch heißen, wenn man die Absage eines Makler-Hipsters in die Tasche steckt.

Bei der Ausschreibung der Inserate fängt es ja bekanntlich schon an… Wir bieten: Wohnung zur Zwischenmiete, zum Tausch, für mindestens hundert Monatsmieten Provision, Mietzuschlag wegen Neubezug, selbstständige Mängelbeseitigung, mit Schimmel und ohne Klo. Wow, da wohne ich doch lieber gleich auf der Straße.

Die Chance, in Berlin reibungslos eine Wohnung zu finden, ist in etwa so groß, wie Karl Lagerfeld im Hawaiihemd oder Jürgen von der Lippe im Anzug zu begegnen. Kein Wunder auch, bei der momentan rapide steigenden Bevölkerungszahl, die sich proportional zu den Kothäufchen an den Straßenecken verhält. Aber warum ist das so?

Ich selbst bin Berlinerin und quasi ein Urgestein in den einst friedlichen Gefilden meiner Geburtsstätte. Doch im Laufe meiner pubertären Achterbahnfahrten musste ich feststellen, dass auch die Welt sich immer weiter dreht und die Menschheit mit ihr. Es ist die Zeit des Lebens, die uns dazu zwingt neue Orte zu erkunden, uns zu suchen und zu finden. Und sei es auf dem Penny-Parkplatz in Plauen.

Aber Berlin ist Metropole. Berlin ist Mutterstadt. Berlin ist so wunderbar. Koks, Keta und Kater Holzig, denken viele und packen ihre Bündel Scheine ein, um sich auf den Weg in die große Stadt zu machen. Reiche Söhne investieren dank Papi in Aktien und kaufen Wohnungen oder ganze Bezirke. Jaja, es ist traurig und eine alte Leier, ich weiß. Aber mit dem explodierenden Überangebot an Eigentumswohnungen und der rigorosen Anfechtung der letzten drei besetzten Häuser in Berlin, sinkt die Hoffnung auf das einst so starke Gemeinschaftsgefühl und hinterlässt just den hässlichen Status Quo einer egoistischen und kapitalistischen Gesellschaft.

So ist es nun auch mit der Wohnungssuche. Die Werbespots von Zalando machen es vor, die Bewerber in Kreuzberg machen es nach. Allein vor meinem Haus fand neulich eine Besichtigung mit 64 Leuten statt. Ich habe nachgezählt, weil ich es selbst nicht glauben wollte und der Meinung war, es wäre jemand aus dem Fenster gesprungen und ich hätte unverzüglich den Notarzt zu rufen. Doch als der Makler seine 64 hysterischen BWLer an die Hand nahm und ins Haus führte, war mir alles klar.

Nun hängt Tobias ebenfalls im Fadenschein des Netzes fest und hofft, endlich von der schwarzen Witwe erkannt zu werden, die stets ihre flinken Beine in Bewegung hält, um alles an sich zu reißen, was einen guten Geschmack und ein bisschen Provision in petto hat. Mittlerweile hat er sich mit dem Gedanken abgefunden, das in Berlin kein Luxusloft, sondern eine solide und warme Behausung auch viel wert ist, und man frei nach Arno Dübel mit den Worten „Man soll sich doch so wenig Arbeit machen wie es geht.“ gut leben kann. Ansonsten zieht man einfach nach Plauen.

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16 Kommentare

  • Benjamin van der Bar

    oh nur 64? auf meine letzte wohnung waren es ca 130 bewerber. geht mal nach hamburg oder köln, DANN könnt ihr meckern.

    • 64 anwesende Leute zumindest, ich möchte nicht wissen wieviele Bewerber es gab. Zudem habe ich nie behauptet, dass es in Hamburg oder Köln entspannter wäre. Ich glaub dir gern, dass es da wohnungstechnisch auch nicht schöner aussieht.

  • matrose der literatur

    ich bewundere das literarische können der autorin, aber ist das nun die spielwiese einer kolumne ? oder die falsche analogie ?

  • dresdner

    wie du einfach nur aus dresden kommst und wir es alle wissen.

  • Critical Cat

    voll kapitalistisch* wir leben in bauwägen in neukölln*

  • tudu

    die Miete meiner in die Jahre gekommenen Kreuzberger Hinterhaus Wohnung mit nur 35m2 Wohnflaeche und einer spatanisch eingerichteten Kochecke soll bei meinem Auszug und ohne -wohl gemerkt -ohne Renovierung 450 Euros kosten….
    Zum Glueck habe ich mich doch entschlossen dieses kleine Kaemmerchen noch nicht zu verlassen…

  • Tina

    Is ja irre – da lobe ich mir die entspannte Situation hier auf Jütland. Aber: Berlin ist da kein Einzelfall – ich kenne die Zeremonien zur Wohnungssuche nur zu gut aus Hamburg…

  • warum sollen das alles bwler sein? brauchen nicht bwler keine wohnung oder sind sie so cool, dass sie längst in den hippen kiezen wohnen?

  • Der obdachlose mit dem neuen iPad

    Oh man, eure Artikel sind wirklich grottenschlecht. Einer schlimmer als der andere.

  • Stylemagazin

    In der einen Stadt ist es ein Problem eine Wohnung zu finden und hier stehen sie leer. Schöne Wohnungen zu fairen Preisen.

  • hippoICEDolphinlove

    Hallo, ich suche eine Wohnung bis 400 Euro warm, in Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, oder Mitte. Neukölln auch noch in Ordnung. Altbau, mit Dielenboden und Stuck! Ich kann keine Provision zahlen.

    …. haha so hört ihr euch an. Tut mir echt Leid für die, die etwas zu spät dran sind mit dem ich-will-nach-New-York-äh-Berlin. Und dann auch noch erwarten, dass euch die Wohnungen entgegen fliegen.
    Mein Tipp – bleibt da wo ihr seid. Entweder in Magdeburg oder in eurer jetzigen Wohnung in BERRLLLIIN! Magdeburg wird vielleicht der nächste Hotspot und dann seid ihr schon schwule Kreuzberger über die Witze gerissen werden

  • Grausam ist das geworden…willst eine schöne Wohnung in Friedrichshain finden, musst anstellen dich.

  • georg

    das klingt leider alles sehr nach aufgesetztem katzenjammer. schnell zurück in den kater mit dir, dann brauchst du auch keine wohnung mehr und wenn wir glück haben schreibt tobias auch die lustigeren geschichten.

  • Jena

    Ich würd gern den kleinen ganz rechts nehmen … :-)

  • Mari

    Hab jetzt 2 Stunden mit dem Lesen und Betrachten verschiedener Artikel dieses Blogs verschwendet… diese Sinnfreiheit… ich bin sprachlos… Ihr seit für mich noch nicht einmal Bildzeitungsniveau.

NA-KD